Bishop, Washington (Wellington) Irving

Bishop, Washington (Wellington) Irving (1856–1889), amerikanischer Bühnenkünstler, der sich als „weltbester > Gedankenleser“ ausgab. In Wirklichkeit war er ein > Muskelleser. Die Technik eignete er sich durch Beobachten von J. Randall Brown an. In den 1870er Jahren trat B., dessen Mutter ein Medium und dessen Vater Spiritist war, der Bühnengruppe von Annie Eva > Fay bei, dem bedeutendsten amerikanischen Medium ihrer Zeit. B. wurde ihr Manager und begann 1876 seinen Bühnenauftritt, womit er in Amerika und Europa enorme Erfolge erzielte. Um dem Vergleich mit Brown zu entkommen, ging er 1876 nach England, wo er von der > Society for Psychical Research untersucht wurde, die all seine Fähigkeiten auf bewusstes und unbewusstes Muskellesen zurückführte, was seinen Erfolg jedoch nicht schmälerte. Nach mehreren Ehen sowie Anfällen von Alkohol- und Drogenmissbrauch, die als kataleptische Trance ausgegeben wurden, starb er plötzlich im Alter von 43 Jahren in New York. Selbst sein Tod hatte noch etwas Makabres. B. hatte nämlich gesagt, dass er wegen seiner Starrkrämpfe Gefahr laufe, lebendig begraben zu werden. Ein Arzt, der um seine kataleptischen Anfälle wusste, machte eine Autopsie, in deren Verlauf er sein Gehirn entfernte. Die Mutter erhob darauf den Vorwurf, ihr Sohn sei lebendig obduziert worden.

Lit.: Barret, W. F. / E. Gourney / F. W. H. Myers: First Report on Thought Reading. Proceedings for Psychical Research 1 (1882), 13; Jay, Ricky: Learned pigs & Fireproof Women. New York: Villard Books, 1987; ders.: Sauschlau & feuerfest: Menschen, Tiere, Sensationen des Showbusiness; Steinfresser, Feuerkönige, Gedankenleser, Entfesselungskünstler und andere Teufelskerle. Offenbach am Main: Ed. Huber, 1988; Berger, Arthur S.: The Encyclopedia of Parapsychology and Psychical Research. New York: Paragon House, 1991.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2