Birgitta von Schweden

Birgitta von Schweden (*1303 Finstad bei Uppsala; † 23.07.1373 Rom), hl. (1391, Fest: 23. Juli), schwedische Mystikerin, Ordensgründerin (OSSalv), Visionärin, Grab in Vadstena / Schweden.
Die nordische Seherin und Franziskanerterziarin, eigentlicher Name Birgitta Birgersdotter, stammte aus dem königlichen Geschlecht der Folkungar. Mit 14 Jahren heiratete sie den Adeligen Ulf Gudmarsson, dem sie acht Kinder schenkte, darunter die hl. Katharina von Schweden. Als Erzieherin am Hof des Königs Magnus Eriksson zeichnete sie sich durch Strenge und Umsicht aus.
Im Anschluss an eine gemeinsame Pilgerfahrt 1341/42 nach Santiago de Compostela ließ sich ihr Gatte im Zisterzienserkloster Alvastra nieder. Nach dessen Tod am 12.02.1344 bot ihr der in Skandinavien sozial besonders angesehene Witwenstand die Möglichkeit, über ihre Habe zu disponieren, die Erziehung der jüngsten Kinder anderen zu überlassen und selbst dem religiösen Ruf ihres Innern zu folgen. Sie zog sich in die Nähe des Klosters Alvastra zurück, wo sie unter der Leitung der dortigen Zisterzienser (1344–1349) ein religiöses Leben führte. Während dieser Zeit bildete sich bei ihr die Praxis heraus, den Beichtvätern > Visionen, religiöse Erlebnisse und Botschaften anzuvertrauen, die von Magister Matthias v. Linköping und später von Prior Petrus Olavi in das Lateinische übersetzt und als Offenbarungen (revelationes) stilisiert wurden; sie umfassen acht Bücher. Universelle Botschaften mit dramatischen visionären Zügen, die eine christliche Lebensführung von Geistlichen und Laien besonders in Schweden zum Ziel haben, wechseln mit konkreten Weisungen und Belehrungen ab (Buch I–IV, VI). Buch V spiegelt eine tiefe Glaubens- und Vertrauenskrise von B. aus den Jahren 1346–1349 wider. Buch VII umfasst die Zeit in Rom bis 1372 und in Buch VIII finden sich ihre politischen Texte, die von Bischof Alfons von Jaén nachträglich gesammelt wurden, der nach dem Tod B.s auch ihre Heiligsprechung betrieb. Zudem gibt es von B. noch einige Manuskripte in altschwedischer Sprache. 
1346 erlebte B. in einer ekstatischen Vision die Beauftragung, einen neuen Orden zu gründen. Mit Unterstützung des Königs, der ihr die Burg Vadstena schenkte, errichtete sie dort noch im gleichen Jahr nach ihren Visionen und Offenbarungen das Erlöserkloster als Doppel-Kloster (Birgittinen/Birgittiner), in dem dann später bis zu 60 Nonnen und 25 Mönche lebten.
Papst Clemens VI., der seit 1342 machtbewusst und lebensbezogen in Avignon lebte, forderte B. in einem Schreiben auf, sein Leben zu ändern. Bald darauf wurde sie von ihm mit vollem Respekt empfangen. Als Clemens VI. 1349 zur Jubiläumsfahrt nach Rom aufrief, 
unternahm sie mit ihren Beichtvätern eine Pilgerfahrt nach Rom, wo sie dann, nur unterbrochen durch eine Pilgerfahrt ins Heilige Land, dreiundzwanzig Jahre, bis zu ihrem Tod 1373, weilte und überall ihre Offenbarungen verkündete. Dort gründete sie auch ein Hospiz für schwedische Studenten und Pilger. 1367 hatte sie Anteil an der Rückkehr Papst Urbans V. aus Avignon nach Rom.
Ihre Offenbarungen, die vielfältige Drohungen enthalten, wurden von > Dorothea v. Montau u. Petrus Canisius geschätzt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob hier eigenständige Gesichte vorliegen oder ob die Heilige Schrift interpretiert wird, denn ihre bisweilen erwähnten Prophezeiungen enthalten kaum etwas, was über die Offenbarung des Evangelisten Johannes hinausgeht.
Manche der erhaltenen Informationen über das Schicksal bestimmter Personen erscheinen paranormologisch relevant, z. B. wenn sie den Tod eines Menschen voraussieht.

Lit.: Clarus, L.: Leben u. Offenbarungen der hl. Birgitta. Regensburg: Manz, 21888; Huber, S. / R. Braun: Die Offenbarungen der hl. Birgitta v. Schweden. Frankfurt: Knecht, 1961; Schiwy, G.: B. von Schweden. Mystikerin u. Visionärin des späten Mittelalters. Eine Biographie. München: Beck, 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2