Biosemiotik

Biosemiotik (griech. bios, Leben; semeion, Zeichen), Präformierung der Materie durch den Geist. Prof. Dr. Friedrich S. Rothschild (1899–1995), der den Begriff B. prägte, ist der Auffassung, dass die uns erscheinende Wirklichkeit auf Ausdrucksprozessen beruht, d. h., psychophysisch sei.Nicht nur Mensch, Tier und Pflanze hätten eine wesenhafte Innerlichkeit, sondern die gesamte Materie hat dem Leben verwandte Eigenschaften, nur ohne individuierte Innerlichkeit, wie es vor allem die parapsychologischen Phänomene offenbaren.  
Von dieser psychophysischen Grundannahme geleitet, entwickelte Rothschild eine Analyse der Struktur und Funktion des Gehirns als eines sinnausdrückenden und sinnvermittelnden Zeichensystems analog der Schrift und Sprache des Menschen, dehnte diese Analyse auf das vegetative Nervensystem, das Hormonsystem und schließlich auf alle Lebensprozesse aus und nannte die im Grunde geisteswissenschaftliche Methode in den Naturwissenschaften Biosemiotik. Doch nicht nur Erscheinungen des Lebens, sondern auch Phänomene in der anorganischen Welt können in dieser Betrachtungsweise sinnvoll gedeutet werden, sodass Rothschild 1986 in seinem Werk Die Evolution als innere Anpassung an Gott im Gegensatz zum Versuch, den Ursprung des Sinnes der Zeichen an die Naturwissenschaft zu binden, auf ihre psychophysische Natur verweist. Der Kosmos und das in ihm entstehende Leben sind nämlich nach der biosemiotischen Theorie von ihrem Ursprung an psychophysischer Natur, und die parapsychologischen Phänomene können als wichtige Zeugen für diesen Ursprung dienen.

Lit.: Rothschild, Friedrich S.: Die Evolution als innere Anpassung an Gott. Bonn: Bouvier, 1986; ders.: Die Symbolik des Hirnbaus: erscheinungswissenschaftliche Untersuchung über den Bau und die Funktion des Zentralnervensystems der Wirbeltiere und des Menschen. Bonn: Bouvier, 21989; ders.: Das auf den Menschen ausgerichtete Universum der Kosmologen und Physiker vom Standpunkt der Biosemiotik. In: Andreas Resch: Veränderte Bewusstseinszustände: Träume, Trance, Ekstase. Innsbruck: Resch, 1990; ders.: Creation and Evolution. New Brunswick, NJ: Transaction Publ., 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2