Bilwis

Bilwis (mhd. pilwiz), auch Bilweis, Bilwisschnitter, Willeweis genannt, Dämon mit rätselhafter Geschichte. Der Name hat nichts mit > Bilsenkraut zu tun, sondern hängt mit „Wissen“, „Weisheit“ zusammen. In der germanischen Mythologie hat er zu vielen etymologischen Spekulationen geführt, die ihn mit > Sibyllen (Laistner), mit > Wichtelmännchen (Albrecht v. Scharfenberg) in Zusammenhang bringen (vgl. Bächtold-Stäubli) oder ihn zu einem um Wunderbares Wissenden machen (Müller-Ebeling, 21). Unter einem B. kann sowohl ein Naturdämon, ein Zauberer oder eine Hexe als auch ein > Korndämon verstanden werden.
Nach ältester Überlieferung ist die Wesensart des B. ungut, er ist dem Menschen feindlich gesinnt und hinterhältig. Mit seinen üblen Geschoßen verursacht er bei Mensch und Vieh Krankheiten aller Art. Er ähnelt dem > Alp, und man muss sich in der Nacht vor ihm schützen. Dem in Bergen und Bäumen hausenden Naturdämon wurden Opfer – Kleider und sogar Kinder – dargebracht. Unter christlichem Einfluss hat sich der B. seit dem 14. Jh. zur Gestalt eines Zauberers oder einer Hexe gewandelt. Im 16. Jh. entstand das Bild des > Korndämons, der mit Sicheln an den Füßen durch das Getreide geht und schmale, aber sehr lange Gassen mäht. Bis zum Morgen sind alle abgeschnittenen Halme verschwunden, was an Kornkreise erinnert. Dagegen hat man verschiedene Bannsprüche und Abwehrrituale versucht.

Lit.: Baesecke, Georg: Ein Bilsisrezept. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 22 (1912); Volkserzählungen aus dem nördlichen Böhmerwald / gesammelt und hrsg. von Ulrich Benzel. Marburg: Elwert, 1957; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Glaube im Abseits. Beiträge zur Erforschung des Aberglaubens / Dietz-Rüdiger Moser [Hrsg.]. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1992; Müller-Ebeling, Claudia u. a.: Hexenmedizin, Aarau, CH: AT, ²1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2