Biermann, Martin

Biermann, Martin, geb. in Aschersleben, Hochstift Halberstadt; †10.11.1595 in Wittenberg, Herzogtum Sachsen; Dr. med. an der Univ. Basel, 1590 Heirat mit Sophia Hedwig Bökel; Medizinprofessor in Helmstedt bis 1593, anschließend in Wittenberg, wo er 1569 sein Medizinstudium begonnen hatte. B. gibt in seinem Hauptwerk De magicis actionibus eine umfangreiche Analyse der magischen Effekte, betont jedoch die Beschränktheit immanenter Wirkungen durch die Naturgesetze. Seine Thesen richten sich gegen den prominenten französischen Gegner von Johann > Weyer und den Aristoteleskritiker Jean > Bodin. Magische Effekte – wenngleich als physiologisch bewirkte Blendwerke des Satans – seien Gegenstand medizinischer bzw. physikalischer Untersuchung. Mit Ausnahme der Ausfahrt (der Hexen), deren Realität er in manchen Fällen zugesteht, seien die umstrittenen Elemente der Hexenlehre (Sabbat und Buhlschaft) reine dämonische Illusionen und die heil- und schadensmagischen Handlungen seien entweder als teuflische Sinnestäuschungen oder als unabhängige natürliche Mechanismen zu verstehen.
Das Werk wurde auch vom Wittenberger Mediziner Tobias > Tandler in seine Dissertatio de fascino et incantatione (1613) aufgenommen. Der Rostocker Jurist und Kritiker der Hexenverfolgung, Johann Georg > Gödelmann, verwendete das Werk ebenfalls.

W.: De magicis actionibus exetasis succincta: sententiae Johannis Bodini iureconsulti Galli opposita, Respondente Johanne a Petkum Hamburgensi. Helmstedt, 1590.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2