Bien Boa

Bien Boa, ein viel diskutiertes > Phantom mit Helm und Turban eines angeblich vor über  300 Jahren verstorbenen Brahmanen. So erschien er dem Nobelpreisträger Charles > Richet,  der im August 1905 in der Villa Carmen von General Noël und dessen Frau in Algier mit dem Medium Marthe Beraud (> C., Eva) 20 Sitzungen durchführte. Richet hörte die Schritte des Phantoms, konnte seine Wärme spüren, seine Atemzüge beobachten, die Knochen seiner Hände drücken. In den Sitzungen wurden fünf Aufnahmen mit einem Kodakapparat gemacht. Für das Blitzlicht verwendete man Magnesium und Kaliumchlorat. Auch Stereoskopbilder wurden erstellt. Alle Platten wurden von einem Optiker in Algier entwickelt, der nichts von den Vorgängen ahnte. Die Bilder zeigten ein Phantom mit Helm und Turban. Der Fall stieß nicht zuletzt deshalb auf große Aufmerksamkeit, weil den Beteiligten schon sehr bald Täuschung vorgeworden wurde. Der Sohn des Generals war damals mit der 19-jährigen Beraud verlobt. Der Kutscher des Generals, Areski, soll bei den Sitzungen die Rolle des Phantoms gespielt haben. Albert Frhr. von > Schrenck-Notzing bezeichnete dies als „Klatschgeschichte“, und Richet schrieb unter dem Datum vom 10. Januar 1914, dass er kein Wort zurücknehme.

Lit.: Richet, Charles: Les phénomènes dits de matérialisation de la villa Carmen, avec documents nouveaux et discussion. Paris:  Annales des sciences psychiques, 1906; Schrenck-Notzing, Albert von: Der Kampf um die Materialisationsphänomene. Eine Verteidigungsschrift. München: Reinhardt, 1914.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2