Bezoar

Bezoar, auch Badezaar, Calculus, Hagerbezaar, Lapiz bazar genannt, ein vornehmlich im Magen oder in den Gedärmen verschiedener Säugetiere sich findender rötlicher Stein, im Allgemeinen ein Konkrement wie ein Gallen- oder Nierenstein. Am längsten bekannt ist der orientalische B., der im Magen der Bezoarziege (auch Paseng genannt) aus Pflanzenresten gebildet wird. Der im Lama vorkommende occidentalische B. besteht überwiegend aus Calcium-Phosphat. Als deutscher B. werden die sogenannten „Gamskugeln“ bezeichnet, die im Wesentlichen aus ineinander verfilzten Fasern und Haaren bestehen.
Der B. gilt als > Zauberstein. Das Wort leitet sich ursprünglich von persisch bad-i-zohr in der Bedeutung von „Giftwind“, „Giftbrise“ im Sinne von Wegwehen des Giftes ab. Er galt nämlich als hochwertiges Mittel gegen Vergiftung und Pest. Zu diesem Zweck wurde er innerlich wie äußerlich angewandt. Die zu > Amuletten verarbeiteten Steine mineralischer oder organischer Natur werden als Schutz gegen böse Geister getragen.
Die > Alchemie bzw. > Chemiatrie leitete davon die Bezoardica ab, eine Gruppe von schweißtreibenden Antimonpräparaten.
Der B. kann angeblich auch aus dem Kopf einer alten Kröte gewonnen werden. So sagt der Herzog in Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt":

Süß ist die Frucht der Widerwärtigkeit,
Die gleich der Kröte, hässlich und voll Gift,
Ein köstliches Juwel im Haupte trägt.

Lit.: Real-Encyclopädie der gesammten Pharmacie: Handwörterbuch für Apotheker, Ärzte und Medicinalbeamte / hrsg. von Ewald Geissler und Josef Moeller; mit zahlreichen Illustrationen in Holzschnitt. Wien [u. a.]: Urban & Schwarzenberg, 1886; Rätsch, Christian: Lexikon der Zaubersteine aus ethnologischer Sicht. Graz: ADEVA, 1989; Alchemie: Lexikon einer hermetischen Wissenschaft / Claus Priesner; Figala, Karin [Hrsg.]. München: Beck, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2