Bewusstseinsspaltung

Bewusstseinsspaltung, früher Dementia praecox, Schizophrenie (griech. schizo, gespalten; phren, Geist, Seele), Spaltungsirresein genannt, wird in der Psychopathologie als eine psychische Erkrankung bezeichnet, die zu den sogenannten endogenen Psychosen zählt. Kennzeichnend ist ein Verlust der inneren Struktur der geistigen Persönlichkeit mit Störungen im Bereich der Wahrnehmung, des Erlebens, Fühlens und Denkens, während Bewusstsein und intellektuelle Fähigkeiten in der Regel zunächst nicht beeinträchtigt sind.
Neben diesen pathologischen Erscheinungsformen kennt man im Bereich der Paranormologie auch B. bei kreativen und künstlerischen Eingebungen. So bemerkt Goethe, dass er in einem solchen Zustand, ihm unbewusst, nachts Gedichte auf ein Blatt Papier geschrieben habe, und Napoleon sagt: „Ich war niemals Herr meiner eigenen Regungen, ich war in Wirklichkeit nie ich selbst“ (Schöler, 87). Zu dieser Spaltungsform gehören auch das > automatische Schreiben, Malen und Sprechen.
Neben der doppelten Spaltung hat man auch Fälle einer dreifachen Spaltung festgestellt. So berichtet William > Crookes von einem der > Fox-Geschwister, das automatisch eine Botschaft für einen Anwesenden schrieb und sich mit einem Dritten unterhielt, während durch Klopfen noch eine Botschaft für jemand ganz anderen kam (Moser, 571). Ebenso können beide Hände  gleichzeitig verschiedene Botschaften niederschreiben.
Einen besonderen Fall bildet die Ichspaltung unter dem Namen > Léonie, mit dem sich Pierre > Janet befasste.
Völlig anders sind jene Fälle von B., die sich über längere Zeiträume hinziehen. So berichtet der Psychiater Auguste Forel von einem gespaltenen Menschen, der acht Monate hindurch keine Erinnerung an seinen früheren Zustand hatte, in seinem Dämmerzustand aber völlig normal handelte.

Lit.: Schöler, Johannes P.: Blick hinter den Vorhang: der Mensch – ein Doppelwesen. Seines Lebens Ende bedeutet Wende. Aalen/Württ.: Ebertin-Verlag, 1954; Moser, Fanny: Das große Buch des Okkultismus: originalgetreue Wiedergabe des zweibändigen Werkes „Okkultismus – Täuschungen und Tatsachen“ / Mit einem Geleitwort von Hans Bender. Olten: Walter, 1974; Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen DSM-IV [Elektronische Ressource]. Göttingen [u. a.]: Hogrefe, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2