Bewusstseinsformen

Bewusstseinsformen. Vielfalt der Bewusstseinszustände. Da > Bewusstsein als solches in seinem vollen Umfang nicht zu erfassen ist, kann auch über seine Formen nur ein vorläufiger Überblick gegeben werden, der allerdings weit über die empirischen Forschungsansätze hinausreicht. Der umfassendste Ansatz eines solchen Überblicks wurde von Andreas > Resch und Hubert > Larcher mit der Gliederung in Wachzustände, Erhöhte Zustände, Hypnische Zustände und Lethargische Zustände gegeben.
1. Wachzustände
Wachzustände sind Bewusstseinszustände von konzentriertem Um­weltbezug bis zur relativen Umweltvergessenheit mit > Protobewusstsein als Urbewusstsein, > Wachbewusstsein und > Luzidität:
Das Protobewusstsein (Resch) ist der Zustand des Sich-Verlierens in psychische oder geistige Erlebnisformen, verbunden mit Umweltvergessenheit bei weitgehender Wahrung der Erinnerungsfähigkeit an den verlassenen Umweltbezug.
Das Wachbewusstsein (Vigilanz) ist gekennzeichnet durch Umweltbezug, zielgerichtete Bewegung und Eigenreflexion.
Die Luzidität ist gekennzeichnet durch eine innere geistige Klarheit und ein unmittelbares, z. T. bildhaftes Erfassen von Zusammenhängen und Gegebenheiten.
2. Erhöhte Zustände
Erhöhte Zustände umfassen die Weitung des inneren Bewusstseins bis zum mystischen Einheitserlebnis, nämlich > Ekstase, > Psychostase > Pneumostase und > Glückseligkeit:
Die Ekstase ist Ausdruck der völligen Inanspruchnahme durch einen psychischen oder geistigen Inhalt, der zu einer fast gänzlichen Unbeweglichkeit, einer Verringerung aller Beziehungsfunktionen, des Blutkreislaufs und der Atmung führen kann.
Die Psychostase ist ein Zustand völliger psychischer Ruhe in Gestimmtheit des ozeanischen Gefühls, der sich auf somatischer Ebene wie ein Scheintod zeigen kann.
Die Pneumostase (Resch) ist der Zustand jener geistigen Weitung und Harmonie, der die Höchstform in der > Unio mystica erreicht und körperlich als ekstatischer Tod oder Verklärtheit zum Ausdruck kommen kann.
Die Glückseligkeit weist in ihrer letzten Ausformung bereits über die Zeitspanne und damit über den Tod hinaus und ist gekennzeichnet vom Erfülltsein der Ewigkeit des eigenen Wertes, das im christlichen Verständnis in der Liebesgemeinschaft mit dem Dreifaltigen Gott seine höchste Ausformung erfährt.
3. Hypnische Zustände
Hypnische Zustände bestehen in der Herabsetzung von Bewusstseins- und Funktionsfähigkeit, wie bei > Schlaf, > Hypnose und > Biokömese:
Der Schlaf ist ein durch sensorische Hemmung bedingter Zustand herab­gesetzter Bewusstseins- und Funktionsfähigkeit aufgrund von Ermü­dung zur körperlichen, psychischen und geistigen Regeneration.
Die Hypnose ist ein Zustand veränderter Bewusstseinseinstellung, der – vornehmlich nach dem Grad der motorischen Hemmung – von der Per­son selbst (Selbsthypnose) oder von einem Hypnotiseur (Fremdhypno­se) hervorgerufen werden kann.
Die Biokömese (Körperschlaf) bezeichnet die Zustände des verlangsam­ten Lebens, seien diese natürlich (Winterschlaf) oder künstlich (Über­winterung der Warmblüter, Totstellung).
4. Lethargische Zustände
Lethargische Zustände sind gekennzeichnet durch Herabsetzung der Körperfunktionen bis zum irreversiblen Funktionsstillstand, wie bei > Biostase und > Thanatose:
Die Biostase ist der vollständige Stillstand aller Lebensfunktionen, ein Zustand statischen Lebens in Wahrung der Funktionsfähigkeit, die eine Wiederbelebung ermöglicht.
Die Thanatose ist der Zustand des suspendierten Todes oder des Schein­lebens, der Kampf des Soma gegen seine Vernichtung (> Unverweslich­keit).
5. Transite
Zu diesen hier grob aufgezählten B. kommen noch die zahlreichen B. der Transite (Übergangsformen) von einem Zustand zum anderen hinzu, wobei von einzelnen Zuständen nicht direkt zum anderen übergegangen werden kann, wie z. B. von der Hypnose zur Ekstase, weil die beiden Zustände einer völlig entgegengesetzten Steuerung des vegetativen Nervensystems unterliegen (Cigada, 162–169). Bei der Hypnose ist das parasympathische, bei der Ekstase hingegen das sympathische Nervensystem tätig.

Lit.: Wehr, Gerhard: C. G. Jung und Rudolf Steiner: Konfrontation und Synopse. Stuttgart: Ernst Klett, 1972; Resch, Andreas: Veränderte Bewusstseinszustände: Träume, Trance, Ekstase. Innsbruck: Resch, 1990; Birbaumer, N.: Biologische Psychologie. 2., korrig. Aufl. Berlin; [u. a.]: Springer, 1991; Resch, Andreas: Paranormologie und Religion. Innsbruck: Resch, 1997; Bewußtsein und Repräsentation / Frank Esken; Heckmann, Dieter [Hrsg.]. Paderborn: Schöningh, 1998; Cigada, Mario: Valutazione di alcuni parametri fisiologici: I riflessi pupilari e l’attività del sistema neurovegetativo: In: Andreas Resch / Giorgio Gagliardi: I Veggenti di Medjugorje: Ricerca psicofisiologica 1998. Innsbruck, Resch, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2