Bewusstsein, kosmisches

Bewusstsein, kosmisches (engl. cosmic consciousness), das spontane Erfahren des harmonischen Eingebundenseins in die Weite des Kosmos. Diese Erfahrung vermittelt das Empfinden einer Zeit und Raum übergreifenden Geborgenheit, ähnlich dem > Samadhi, wie Yogi Paramahansa Yogananda schreibt:

 „Mein Körper schien zu erstarren, der Atem wich aus meinen Lungen, wie von einem gewaltigen Magnet angezogen; Seele und Bewusstsein verloren sogleich ihre physische Begrenzung und entströmten wie eine Lichtflut jeder Pore. Ich fühlte meinen Körper nicht mehr, obwohl meine im höchsten Grad erregte Wachsamkeit niemals zuvor ein solches Gefühl der Lebensfülle empfunden hatte. Mein Ich war nicht mehr im Körper gebunden, sondern erfasste alles, was mich umgab. Die Leute in den entferntesten Straßen schienen sanft durch mein schrankenlos gewordenes Sein hindurchzugehen. Die Wurzeln der Pflanzen und Bäume offenbarten sich mir in der Tiefe des durchsichtig gewordenen Bodens; ich verfolgte den inneren Fluss ihrer Säfte... .“ (Yogananda, S. 156)

Der Begriff wurde 1901 von Richard Maurice Bucke (1837–1902) in seinem gleichnamigen Buch eingeführt. Dabei wurde er durch ein Erlebnis von 1872 inspiriert, das er folgendermaßen charakterisiert: plötzliches Auftreten, subjektive Lichterfahrung (inneres Licht), Gemütserhebung, intellektuelle Erleuchtung, Ewigkeitsempfinden, Verlust der Todesangst, Verlust des Sündeempfindens. 
Das K. B. hängt am unmittelbarsten mit dem lebendigen Empfinden des Universums als lebendem System zusammen. Daher wird es in der Heilmusik als Akkord aller Himmelskörper unseres Sonnensystems bezeichnet.
Das K. B. ist von ähnlichen Bewusstseinszuständen der christlichen Mystik zu unterscheiden, weil die christliche Mystik immer den Bezug zu einem Du beinhaltet. Verwandt sind hingegen Bewusstseinsformen wie das > Ozeanische Gefühl und die > Psychostase.

Lit.: Bucke, Richard Maurice: Kosmisches Bewusstsein. Celle: Niels Kampmann, 1925; Yogananda, Paramahansa: Autobiographie eines Yogi / Vorwort von W. Y. Evans-Wentz. München-Planegg: O. W. Barth-Verlag, 1953; Zaehner, Robert C.: Mystik: Harmonie und Dissonanz; die östlichen und westlichen Religionen / M. e. Geleitwort v. Alois M. Haas. Olten; Freiburg i. Br.: Walter, 1980; Resch, Andreas: Veränderte Bewusstseinszustände: Träume, Trance, Ekstase. Innsbruck: Resch, 1990; Perret, Daniel: Meditative Heilmusik: das umfassende Handbuch über die harmonisierende und heilende Kraft von Klängen, Tonarten, Rhythmen und vielem mehr auf Körper, Spiritualität, Gesundheit und Wohlbefinden. Aitrang: Windpferd, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2