Bewusstsein

Bewusstsein (griech. synesis; lat. conscientia, cogitatio, sensus internus, mens; engl. consciousness; franz. conscience), das persönliche Innewerden aller gleichzeitig vorhandenen Vorstellungen und Empfindungen. Im B. spiegelt sich  die ganze psychische und geistige Welt mit ihren Phantasie-, Wahrnehmungs- und Denkinhalten samt den begleitenden Empfindungen wider. Der Begriff geht in der Bedeutung vom B. der Dinge der äußeren Wahrnehmung und vom „Gewissen“ als Wissen von den inneren Dingen auf das lateinische conscientia zurück. Descartes blendet den zweiten Aspekt, nämlich den des „Gewissens“, aus. C. F. von Wolff (1679–1754) übersetzte dann den conscientia-Begriff von Descartes mit B. und führte ihn so in die deutsche philosophische Terminologie ein.
In der Folge verbanden sich mit der Bezeichnung B. drei Hauptbedeutungen: 1) B. als Bezeichnung der verschiedenen Formen des Erlebens von Etwas, 2) als Bezeichnung der Meinung über dieses Etwas, 3) als Bezeichnung des Wissens um mein eigenes B. im Sinne von Selbstbewusstsein.
Zudem ist beim B. die Bewusstseinstätigkeit vom Bewusstseinsinhalt zu unterscheiden. Stärke und Geschwindigkeit der Bewusstseinstätigkeit sowie Klarheit und Deutlichkeit der Bewusstseinsinhalte bedingen die verschiedenen Formen der Bewusstseinszustände, die von Bewusstlosigkeit (Tiefschlaf, Ohnmacht, Koma) über Bewusstseinstrübung (Benommenheit, Verwirrtheit, Dämmerzustand usw.), > Veränderte Bewusstseinszustände (> Traum, > Trance, > Hypnose, > Luzidität, > Ekstase, > Psychostase und > Pneumostase) bis zum > Protobewusstsein und der > Vigilanz (Wachbewusstsein) reichen.
Die viel diskutierte Frage, ob B. nur körperliche oder auch spirituelle, d. h. nichtkörperliche Aspekte aufweist, ist zumindest dahin entschieden, dass Bewusstseinsinhalte sowie Kreativität und Weisheit rein körperlich nicht erklärt werden können.
Für die Paranormologie wird B. vor allem durch die verschiedensten Formen der Veränderten Bewusstseinszustände interessant, wie > Besessenheit, > Erleuchtung, > Kreativität, > Präkognition, > Intuition, > Meditation, > Kontemplation, > Auditionen, > Visionen,  Begegnung mit Verstorbenen und anderen Wesenheiten usw. Schließlich ist das Bewusstsein als solches in seinem vollen Umfang nicht zu erfassen und damit grundsätzlich ein Gegenstand der Paranormologie.

Lit.: Resch, Andreas: Veränderte Bewusstseinszustände. Träume, Trance, Ekstase. Innsbruck: Resch, 1990; Bewußtsein und Repräsentation / Frank Esken; Heckmann, Dieter [Hrsg.]; Paderborn [u. a.]: Schöningh, 1998; Edelman, Gerald M.: Gehirn und Geist: wie aus Materie Bewusstsein entsteht. München: C. H. Beck, 2002; Resch, Andreas: Fortleben. Innsbruck: Resch, 2004; Daldorf, Egon: Seele, Geist und Bewusstsein: eine interdisziplinäre Untersuchung zum Leib-Seele-Verhältnis aus alltagspsychologischer und naturwissenschaftlicher Perspektive. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2005; Journal of Consciousness Studies. Imprint Academic. Exeter. UK.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2