Betonie

Betonie (Stachys officinalis, auch Betonica, Betonienkraut, Echter Ziest, Flohblume, Heilziest, Pfaffenblume, Zahnkraut, Zehrkraut und Ziest genannt), gehört zur Familie der Lippenblütler und ist eine zierliche, ausdauernde Pflanze mit farbenfrohen Blüten, deren Stängel am Grund einige fast herzförmige Blätter trägt. In Mitteleuropa findet man die B. auf Magerwiesen und in lichten Wäldern. Es handelt sich bei ihr um eine uralte Heilpflanze und ihr Ruf war derart, dass Antonius Musa, dem Leibarzt von Kaiser Augustus, die über sie verfasste Schrift De Vettonica zugeschrieben wurde, in der sie mit 47 Heilkräften in Zusammenhang gebracht wird. Das Buch ist allerdings viel jünger.
Die B. enthält Betonicin, Stachhydrin, Turizin, Cholin, Bitterstoff und Gerbstoff (bis 15%)  und wird in der Volksmedizin gegen Erkältungskrankheiten, Gelbsucht, Blähungen, Durchfall usw. angewandt, und zwar äußerlich mit Umschlägen, innerlich als Tee. Zudem glaubte man, dass sie Kopfschmerzen heilen könne, und steckte sie daher in die Kopfbedeckung. Als Tabakersatz kann B. eine Raucherentwöhnung erleichtern. In neuerer Zeit ist die Pflanze allerdings ziemlich in Vergessenheit geraten.
  
Lit.: Antonius, Musa: Antonii Mvsae De herba vettonica liber. Psevdoapvlei herbarivs. Anonymi de taxone liber. Sexti Placiti liber medicinae ex animalibus etc / Ediderunt Ernestvs Howald et Henricvs E. Sigerist. Lipsiae; Berolini: Teubner, 1927; Henning, Frank: „De vettonica herba“, dt.: der „Batungentraktat“ in südostdeutschen Überlieferungen des Spätmittelalters. Würzburg, Univ., Diss., 1998; Hunnius: pharmazeutisches Wörterbuch. 9., neu bearb. und erw. Aufl / hrsg. von Hermann P. T. Ammon. Berlin [u. a.]: de Gruyter, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2