Besprechen

Besprechen, Einsatz der magischen oder der auf Gott oder Heilige bezogenen Macht des Wortes zum Heil oder zum Fluch. Damit sind zwei Grundformen des B. angesprochen, mit den jeweiligen Ausrichtungen Heil oder Fluch.
Die magische Macht des Wortes besteht in der Anwendung von Zauberworten oder magischen Formeln in der Ausrichtung auf Heil, um Mensch oder Tier von Krankheit zu heilen, vor Unheil zu schützen und mit besonderer Lebenskraft zu versehen. Am populärsten ist das B. von Warzen, wobei bezeugte Erfolge sicherlich auf einem psychosomatischen Zusammenhang beruhen. Allerdings ist der Erfolg nicht bei jeder Person gleich, sodass man auch von angeborener Begabung spricht. So sagt der Neurologe Wladimir Lindenberg, er habe seine blutenden Wunden stillen können, indem er auf Russisch sagte: „Ging eine schwarze Kuh über den Graben, ging und blieb stehen, das Blut hörte auf zu fließen“ (Lindenberg, 28). Es können aber auch Gegenstände, Wohnräume und Landschaften besprochen werden, um das Wohlbefinden von Mensch und Tier zu gewährleisten und zu fördern. Hierbei spielt der Gedanke einer positiven Aufladung mit.
In gleicher Weise kann B. im negativen Sinn verwendet werden, um Tier oder Mensch Schaden zuzufügen. > Beschreien, > Behexung.
Beim B. unter Anrufung Gottes oder von Heiligen wird nicht dem Wort als solchem Macht zugesprochen, sondern der Fürsprache von Heiligen oder dem direkten Einwirken Gottes im Wort. Damit wird das B. zum Gebet. Wird dieses dreimal wiederholt, steigert sich die Wirkung. Hier kippt die Anrufung in das magische B. um.
Eine solche Anrufung kann auch an böse Geister oder den Teufel selbst gerichtet werden, um Unheil zu stiften. Dann wird das B. zum > Fluch und zum > Teufelspakt.
Geschichtlich reicht das B. bis in die Antike zurück. Das früheste Zeugnis einer Besprechungsformel findet sich bei Homer (Od. XIX, 457). Doch bereits die ältesten Natur- und Kulturvölker übten B. als Heilzauber aus (Merseburger Zaubersprüche). Vom Christentum wurde das B. als heidnischer Brauch nachdrücklich, aber meist vergeblich bekämpft. B. ist nämlich Ausdruck einer großen Unsicherheit und Angst, die man zu beschwören sucht. > Beschwörung.

Lit.: Heim, Ricardus Laurentius Maria: Incantamenta magica Graeca Latina. Lipsiae: Teubner, 1892; Ebermann, Oskar: Blut- und Wundsegen in ihrer Entwicklung. Berlin: Mayer & Müller, 1903; Hampp, Irmgard: Beschwörung, Segen, Gebet: Untersuchungen zum Zauberspruch aus dem Bereich der Volksheilkunde. Stuttgart: Silberburg-Verl. Jäckh, 1961; Lindenberg, Wladimir: Geheimnisvolle Kräfte um uns: Kurzgeschichten von schicksalhaften Begegnungen. München: E. Reinhardt, 1974; Jütte, Robert: Geschichte der Alternativen Medizin: von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute. München: C. H. Beck, 1996; Beck, Wolfgang: Die Merseburger Zaubersprüche. Wiesbaden: Reichert, 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2