Besessenheitsepidemien

Besessenheitsepidemien, durch Auto- und Fremdsuggestion hervorgerufene Besessenheitsempfindungen und Reaktionen, die sich auf eine Anzahl von Menschen gleichzeitig oder in rascher Folge auswirkten. Zu solchen B. kam es vornehmlich in Nonnenklöstern sowie Mädchen- und Knabenschulen. Im Jahre 1566 wurden im Waisenhaus zu Amsterdam 70 Kinder befallen. Das Phänomen wiederholte sich in anderen Mädchen- und Knabenschulen. Bekannt wurden neben dem Fall des Nonnenklosters von > Loudun (1632/33) der Fall der besessenen Kinder von Morzine (Kanton Genf), der von 1857 an etwa zehn Jahre dauerte, und 1869 der Fall von in Illfurth in der Nähe von Solothurn (Schweiz), bei dem mehrere Knaben betroffen waren. Ihnen erschienen Frauengestalten und Wesen mit Entenschnäbeln und Krallenhänden. Sie konnten den Enten zwar Federn ausreißen, doch zeigte sich beim Verbrennen keine Asche. Als Auslöser kann das emotionale Umfeld mit libidinösen Spannungen genannt werden.

Lit.: Lafontaine, Charles: L’art de magnétiser: ou le magnétisme animal consideré sur le point de vue théorique, pratique et therapeutique. Paris: Germer Bailliere, 1847; Aubin, Nicolas: Geschichte der Teufel von Loudun: oder der Besessenheit der Ursulinerinnen und von der Verdammung und Bestrafung von Urbain Grandier, Pfarrer derselben Stadt. 2., verb. Aufl. Berlin: Zerling, 1981; Marc-Roberts-Team:  Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens. Graz: Verlag f. Sammler, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2