Berührung

Berührung, körperliche Kontaktnahme als heilende und heiligende, aber auch als vernichtende Geste.
Die heilende und heiligende B. ist gekennzeichnet durch positive energetische Verstärkung und geistige Aufwertung der kontaktierten Person. So wird Heiligkeit als eine Art > Fluidum betrachtet, das durch B. übertragen wird, wie bei der Priesterweihe, dem Segen, der Handauflegung oder bei Kontakt mit einer bestimmten Körperstelle, so z. B. bei der Heilung des Taubstummen: „Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel“, dann sagte er zu ihm: „Effata!, das heißt: Öffne dich!“ (Mk 7, 33–34). Zuweilen genügt jedoch schon die Berührung des Kleides, wie bei der blutflüssigen Frau, die sich sagte: „Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt“ (Mt 9, 21). Jesus erweckte sogar Tote durch Berührung.
Wo eine direkte Berührung nicht möglich ist, kann die Heilung durch irgendein Bindeglied bewirkt werden, wie durch die Schweißtücher des Apostels Paulus (Apg 19,12) oder den Schatten des Apostels Petrus (Apg 5, 15). Pius XII. pflegte die ihm gereichten weißen Käppchen (Pilleolus) für einige Augenblicke aufzusetzen und dann zurückgegeben, was die Empfänger als großen Lebensimpuls empfanden.
Neuerdings versucht man mit besonderen Techniken, wie > Reiki, > Shiatsu, > therapeutic touch und direktem Körperkontakt, eine heilende B. für Körper, Seele und Geist zu bewirken.   
Neben diesen menschlichen Bezügen schrieb man auch dem Kontakt mit gewissen Gegenständen eine besondere Wirkung zu. Brote, die auf dem Altar gelegen hatten, galten als „Schaubrote“ der Gottheit, so im Asklepios-Kult. Am Rhein legte man in der Karwoche während der Lesung der Passion Schinken auf oder unter den Altar, damit er gegen Unglück schütze.
Durch das Berühren solcher kraftgeladener Gegenstände sollen nicht zuletzt magische Effekte erzielt werden. Derlei Gegenstände können nicht nur Steine, sondern auch Pflanzen, Tiere usw. sein. Bei speziellen Formen reicht die Berührungsmagie tief in den Symbolbereich hinein. So soll durch das Tragen eines Löwenzahns als Amulett die Kraft des Löwen übertragen werden.
Ein weiterer Aspekt von B. liegt in der Vermittlung des Einheitsgefühls als Schutz- und Trutzbündnis. Dies gilt für das B. von Reliquien, Gräbern, Fetischen und Statuen.
Im > Mesmerismus betonen Magnetiseure, dass B. für den magnetischen Report wichtig sei. Sensitive sind oft nur bei Berührung der betreffenden Person zu Aussagen fähig. B., zumindest mit den Fingerspitzen, hat nicht nur beim > Tischrücken, sondern auch im Liebes- und Gruppenbereich eine besondere Bedeutung und Wirkung.
Zudem spielt B. in Träumen, Visionen und bei Erscheinungen in Form von Druckempfindungen und anderen Wahrnehmungen wie Hitze, Kälte und Feuchtigkeit eine Rolle. Doch nicht jeder Kontakt ist zuträglich. B. bedarf der rechten Zuordnung und Sympathie der Kräfte. So wird in Gen 3, 9 Adam mit dem Tod bedroht, wenn er den heiligen Baum auch nur berühre. Hier geht es um die genaue Befolgung der Vorschriften: „Damit sie am Leben bleiben und nicht wegen Berührung des Hochheiligen sterben, sollt ihr so verfahren: Aaron und seine Söhne sollen kommen und jedem von ihnen anweisen, was er zu tun und zu tragen hat“ (Num 4, 19).
In diesem Zusammenhang ist schließlich auch der > Schadenzauber und magische > Fluch durch B. zu nennen, sei dies direkt oder in symbolisierter Form wie beim > Voodooritual, wo man Nadeln in eine Puppe steckt, um eine bestimmte Person zu treffen oder sogar zu vernichten.

Lit.: Brown, Malcolm: Die heilende Berührung: die Methode des direkten Körperkontaktes in der körperorientierten Psychotherapie. Essen: Synthesis-Verl, 21988; Macrae, Janet: Therapeutic touch: Kontaktheilung, die heilende Berührung. Grafing: Aquamarin-Verl, 21995; Barnett, Libby: Reiki, Energie-Medizin: heilende Berührung für Praxis, Krankenhaus, Beruf und zu Hause. Essen: Synthesis, 1998; Daiker, Ilona: Shiatsu: heilende Berührung für Körper, Geist und Seele. Orig.-Ausg. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998; Gößling, Andreas: Voodoo: Götter, Zauber, Rituale. Aktualisierte Neuausg. München: Knaur-Taschenbuch-Verl., 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2