Berthold der Schwarze

Berthold der Schwarze, auch Bertholdus Niger und Bartholomäus genannt, sagenhafter Erfinder des Schwarzpulvers im Abendland. Im Feuerwerkbuch (Cod. 1481 a) des Germanischen National-Museums Nürnberg wird er als ein „maister in artibus“ bezeichnet, der seine Ent­deckung machte, als er mit „grosser Alchymy vmbgegangen“. In Zedlers Universallexikon, Bd. 35/1741, heißt es: „Schwartz . . . hieß sonst Constantin Angklitzen, war zu Freyburg in Deutschland um die Mitte des 14. Jhs. gebohren, und seiner Profeßion nach zu Mayntz ein Münch, und hat die Erfindung des Schießpulvers und der Büchsen 1330 wider sein Vermuthen zu Stande gebracht ... Im übrigen haben einige vorgegeben, daß endlich Kayser Wentzel den Schwartz wegen dieser seiner Erfindung 1388 lebendig habe ver­brennen lassen.“
Nach André Thevet, der ebenfalls den Namen „Constantin Ancklitzen“ nennt, war B. ein Franziskaner. Darauf deutet auch der Berthold-Schwarz-Brunnen auf dem Rathausplatz in Freiburg i. Br./D vor der ehemaligen Franziskanerkirche mit einem großen steinernen Standbild des Franziskanermönchs Berthold Schwarz hin. Die Bedeutung Freiburgs als Bergbaustadt in der Mitte des 13. Jhs. macht ein Wirken von B. nicht unwahrscheinlich. Historisch belegt ist, dass er 1388 in Prag wegen Ketzerei verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde.
Eine weitere Beschreibung des B. aus einem Feuerwerksbuch vom Ende des 14. Jhs. findet sich bei H. Meynert: „Also wollt derselbe Meister Bertholdus eine Goldfarb brennen, zu derselben Farb gehört Salpeter, Schwefel, Blei und Öl. Und als er diese Stücke in einen kupfernen Hafen brachte und den Hafen wohl vermachte, wie man thun muss, und ihn über das Feuer that, dass er warm ward, so brach der Hafen in gar viele Stücke“ (Geschichte des Kriegswesens I, S. 329ff.). Meynert erwähnt auch die Namen „Constan­tin Artlitz in Cöln und Alitrel von Prag“ als sagenhafte Erfinder des Schießpulvers.
Das Schießpulver wurde allerdings als Sprengstoff bereits um 250 und für Signale und Feuerwerk im 9. Jh. in China verwendet, während die Vorderladerkanonen mit Steinkugeln 1288, ebenfalls in China, zum Einsatz kamen.
Um 1400 wird niger Bertholdus in Abschriften eines Feuerwerksbuches als Erfinder einer Steinbüchse genannt.

Lit.: Thevet, André: Les vrais pourtraits et vies des hommes illustres. Paris, 1584. Delmar, NY: Scholars' Facsimiles & Reprints, 1973; Meynert, Hermann: Geschichte des Kriegswesens und der Heerverfassungen in Europa. Graz: ADEVA, 1975; Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal-Lexikon. Graz: ADEVA, 1993.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2