Bernheim, Hyppolyte

Bernheim, Hyppolyte (*17.04.1840 Mühlhausen; † 22.02.1919 Paris), französischer Mediziner und Wiederentdecker der > Hypnose. Im Elsass geboren, wirkte er als Mediziner an der Universität von Straßburg und machte sich mit Forschungen zu Herz-Lungenerkrankungen und zum Typhus einen Namen. Als Elsass nach dem Krieg 1870/71 zu Deutschland kam, ging B. als französischer Patriot nach Nancy, wo er 1879 Professor für Innere Medizin wurde. 1882 besuchte er den als Quacksalber verrufenen Arzt Ambroise Auguste > Liébeault und wurde dessen Schüler und Freund. Er übernahm seine Technik der > Hypnose und setzte sie bei seinen Patienten ein.
Entgegen den Ansichten von Jean M. > Charcot ist für B. die Hypnose keine künstliche Hysterie, da praktisch ein jeder hypnotisiert werden könne. Trotzdem ging er immer mehr von der Hypnose zur Suggestion im Wachzustand über, ohne sich jedoch von der Hypothese der Gedankenübertragung überzeugen zu lassen, weil er sie bei seinen Patienten nicht feststellen konnte.
Seine „Schule von Nancy“ bestand streng genommen nur aus ihm selbst, aus Liébeault, einem Gerichtsmediziner und einem Rechtsanwalt, der sich vor allem für die gerichtsmedizinischen Aspekte der Hypnose interessierte. Der Einfluss der Schule reichte jedoch bis zu Wladimir M. > Bechterew und Richard von > Krafft-Ebing. 1889 war Sigmund > Freud auf Besuch, der 1886 bei B. und Liébeault die Hypnosetechnik erlernte. Der 1. Internationale Kongress für experimentelle und therapeutische Hypnose von 1889 in Paris, an dem u. a. Alfred > Binet, Max > Dessoir, William < James, Cesare > Lombroso und Morton > Prince teilnahmen, stand ganz im Zeichen von Bernheim.

W.: De la suggestion dans l'état hypnotique et dans l'état de veille. Paris, 1884; De la suggestion et de ses applications à la thérapeutique. Paris, 21888; Die Suggestion und ihre Heilwirkung. Autor. dt. Ausgabe von Sigm. Freud. Leipzig [u. a.]: Deuticke, 1888; Neue Studien ueber Hypnotismus, Suggestion und Psychotherapie. Übers. v. Sigm. Freud. Leipzig; Wien: Deuticke, 1892.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2