Bernhardin von Siena

Bernhardin (Albizzeschi) von Siena (* 8.09.1380 Massa Marittima, Grosseto; † 22.05.1444 L’Aquila, Italien), heilig (1450, Fest: 20. Mai), Franziskaner. B. entstammte der vornehmen Familie Albizzeschi aus Siena, verlor bereits in jungen Jahren beide Eltern und wurde daraufhin von zwei Tanten großgezogen. Wegen seiner außergewöhnlichen Intelligenz wurde er schon mit elf Jahren an der Universität von Siena aufgenommen. Nach dem Studium des kanonischen Rechts und einigen karitativen Tätigkeiten, insbesondere der Pflege von Pestkranken, trat er am 8. September 1402 in den Orden der Franziskaner ein, legte am 8. September 1403 die Profess ab und wurde am 8. September 1404 zum Priester geweiht. Bei all diesen Entscheidungen folgte er einer inneren Stimme.
Als charismatischer Prediger zog er dann beinahe 40 Jahre lang durch Italien. Seine rhetorische Fähigkeit, verbunden mit zahlreichen außergewöhnlichen Begebenheiten, zeitigte einen Riesenerfolg, mit starker Zunahme der Marienfrömmigkeit und der Christusverbundenheit in der Verehrung des Namens Jesu mit Hilfe sog. IHS-Tafeln, was ihm viel Kritik einbrachte. 1426, 1431 uns 1438 wurde er deswegen sogar als Häretiker angeklagt. Viele, die ihn bis dahin bejubelt hatten, rückten von ihm ab. Er musste dabei erfahren, dass auch im religiösen Bereich die Massengunst äußerst flüchtig ist. Am Ende der Verfahren umarmte ihn Papst Martin V., der ihm vorher das Predigen verboten hatte. Sein Verteidiger, der hl. Johannes von Capestrano, entlarvte all die Anschuldigungen, und der Papst bot B. an, Bischof seiner Heimatstadt Siena zu werden, was dieser ablehnte. Die volle Würdigung seiner Verehrung des Namens Jesu erfolgte 1530, als den Minderbrüdern die Feier gestattet und 1722 das Fest auf die ganze Erde ausgedehnt wurde.
Durch die Ernennung zum Generalvikar des Ordens 1438 musste er seine Predigttätigkeit unterbrechen, trat als Generalvikar aber auf dem Konzil von Florenz für die Union mit den getrennten orthodoxen Christen ein und vermittelte in der Auseinandersetzung zwischen Guelfen und Ghibellinen.
Paranormologisch sind vor allem seine mystische Einheit mit Christus, seine visionäre Begegnung mit Maria, sein intuitives Erfassen der Dynamik der Massen und der psychischen Gestimmtheit der einzelnen Personen sowie die Ausstrahlung seiner Persönlichkeit zu nennen, was dazu führte, dass er bereits 1450 heiliggesprochen wurde. Zudem enthalten seine Predigten, vor allem die De Idolatriae cultu, zahlreiche Zeugnisse zum mittelalterlichen Aberglauben.

W.: S. Bernardini Senensis Ordinis Fratrum minorum opera omnia. Iussu et auctoritate Rmi P. Pacifici M[ariae] Perantoni (3–9: Augustini Sepinski), totius Ordinis Fratrum minorum ministri generalis, studio et cura PP. Collegii S. Bonaventurae ad fidem codicum ed. T. 1–9. Ad Claras Aquas, 1950–65.

Lit.: Stasiewski, Bernhard: Der Heilige Bernardin von Siena. Münster: Aschendorff, 1931.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2