Bernauer, Agnes

Bernauer, Agnes, geb. um 1410, gest. 12. Oktober 1435 bei Straubing / Deutschland; Tochter eines Baders in Augsburg und von solcher Schönheit, dass sich Herzog Albert III., der einzige Sohn des Herzogs Ernst von Bayern-München, anlässlich eines Turniers beim Aufsuchen des Badehauses in sie verliebte und gegen den Willen der Eltern 1432 heimlich ehelichte. Als sein Vater davon erfuhr, kam es zum Zerwürfnis. Der junge Herzog schenkte B. das Schloss Straubing und erklärte sie öffentlich zu seiner rechtmäßigen Gemahlin und Herzogin. Der Vater hatte jedoch den Plan, seinen Sohn mit einer Tochter des Herzogs von Braunschweig zu vermählen. Da er durch die Heirat mit A. B. die Dynastie gefährdet sah, zumal die Nachkommen aus der unstandesgemäßen Ehe nicht erbberechtigt gewesen wären, ließ er sie in Abwesenheit ihres Gemahls, den er nach Landshut zur Jagd eingeladen hatte, im Turm des Straubinger Schlosses einkerkern. Er verleumdete sie als > Hexe, indem er behauptete, sie habe das Herz seines Sohnes nur mit Hilfe eines teuflischen Liebestrankes gewinnen können, und ließ sie durch ein Scheingericht zum Tod verurteilen. Die Anklage warf ihr Betörung des Herzogs durch zauberische Mittel sowie versuchten Giftmord an Albrechts Vater und einem jüngeren Vetter vor. Am 12. März 1435 wurde B. zur Donau gebracht und von der Straubinger Brücke ins Wasser geworfen. Als sie wieder auftauchte und um Gnade bat, wickelte ein Henker eine ihrer Haarsträhnen um eine Stange und drückte die Unglückliche solange unter Wasser, bis sie kein Lebenszeichen mehr gab.
Der junge Herzog, vormals ein berüchtigter Schürzenjäger, wurde daraufhin außerordentlich fromm und stiftete bei den Karmelitern täglich eine hl. Messe. Noch 1447 ließ er die Gebeine von A. B. in die von ihr einst gestiftete Grabstätte (Agnes-Bernauer-Kapelle) im Friedhof von St. Peter zu Straubing bringen und einen Grabstein aus Marmor errichten.
Die traurige Liebesgeschichte fand Eingang in Geschichtsschreibung, Volkslied, Dichtung und Musik. Friedrich Hebbel widmete ihr das Trauerspiel „Agnes Bernauer“ und  Carl Orff eine Oper. In Straubing finden alle vier Jahre die "Agnes Bernauer-Festspiele" statt.

Lit.: Schäfer, Werner: Agnes Bernauer und ihre Zeit. Vollst. Taschenbuchausg. München: Droemer Knaur, 1991; Böckl, Manfred: Agnes Bernauer: Hexe, Hur' und Herzogin; Roman. Passau: Neue-Presse-Verl.-GmbH, 1993; Agnes Bernauer im Spiegel der Quellen, Chronisten, Historiker und Literaten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert: ein Quellen- und Lesebuch / von Alfons Huber unter Mitw. von Karl Firsching. Straubing: Attenkofer, 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2