Berigard von Pisa

Berigard von Pisa (1578?–1664). B. lebte und lehrte mehrere Jahre in Pisa, weshalb er unter der genannten Bezeichnung bekannt wurde. In Wirklichkeit war er ein französischer Philosoph und Alchemist. Sein eigentlicher Name war Claude Guillermet de Bérigard, oft auch Beauregard geschrieben. Das Geburtsdatum ist unsicher, man stimmt jedoch darin überein, dass er in Moulins geboren wurde, als junger Mann ein besonderes Interesse für verschiedene Wissenszweige entfaltete und sich auch mit > Alchemie befasste. B. studierte in Aix, wo er das Doktorat in Philosophie und Medizin erwarb. Daraufhin scheint er eine gewisse Zeit an der Sorbonne in Paris studiert zu haben und von dort nach Florenz gezogen zu sein. Seine Gelehrsamkeit wurde weithin bekannt und so bekam er 1628 an der Universität von Pisa den Lehrstuhl für Naturphilosophie, den er bis 1640 innehatte. Bei seinen alchemistischen Experimenten gelang es ihm angeblich, mittels eines nach Meersalz riechenden Pulvers Quecksilber in Gold zu verwandeln, wie er 1643 im Circulus Pisanus schreibt. B. machte zehn Drachmen > Quecksilber heiß und warf das Pulver darauf. Alsbald gerann es und lieferte mit nur geringem Verlust 10 Drachmen > Gold, welches von den Goldarbeitern sorgfältig geprüft und für sehr fein befunden wurde. Nach Pisa erhielt B. einen ähnlichen Auftrag an der Universität Padua, jener Stadt, in der er mit großer Wahrscheinlichkeit starb.
Seine wichtigsten wissenschaftlichen Werke sind die Dubitationes in Dialogum Ealilaei pro Terrae immobilitate (1632) und die im Circulus Pisanus veröffentlichten kritischen Bemerkungen zu den Ideen des Aristoteles zur Physik, was ihm herbe Kritik einbrachte.
Nach Clymer (I, xxiii-xxvi) war B. mit Johann Valentin > Andreae, Jan Baptist van > Helmont, Heinrich > Khunrath, Julius > Sperber,  Jean > D'Aspagnet and Henricus > Madathanas sogar Begründer der > Rosenkreuzer.

Lit.: Rixner, Thaddä Anselm: Handbuch der Geschichte der Philosophie: zum Gebrauche seiner Vorlesungen. Sulzbach: Seidel, 1829; Clymer, F. Swinburne: The Book of Rosicrucians. Vol. I. Quakertown, PA: Beverly Hall Corporation, 1946; Kiesewetter, Carl: Die Geheimwissenschaften. Neu gesetzte und überarb. Ausg. nach der Ausg. Leipzig, 1895. Wiesbaden: Marixverl., 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2