Bergkristall

Bergkristall (griech. krystallos, „was gefroren ist“), heller, farbloser, durchsichtiger Quarz, von > Plinius einst für „versteinertes Eis“ gehalten. Dieses Mineral, aus dem sich auch der Sand und die Kieselsteine aufbauen, ist nach dem Feldspat das häufigste auf der Erde. Seine Formvielfalt ist fast unbegrenzt. Dies gab auch Anlass zu zahlreichen Legenden. Man sprach von leuchtenden Palästen im Innern der Berge, zu denen man nur als Auserwählte durch dunkle Höhlengänge gelangte, um dort Freundschaft mit geheimnisvollen Erdleuten, > Zwergen, > Gnomen und > Kobolden, zu schließen.
Die Ägypter und Babylonier benutzten den B. bereits um 1500 v. Christus für > Amulette, und die Äthiopier sollen ihre toten Könige in Sarkophagen aus reinem B. aufbewahrt haben, um die Körper vor Verwesung zu schützen. In Japan heißt der B. Sinsho und genießt als Stein der Konzentration hohe Wertschätzung.
Die alten Ärzte benutzten ihn mit Vorliebe als Brennlinse.
Es gibt auch Berichte, dass B. zerrieben und mit Honig gemischt der stillenden Mutter die Milch vermehre. Die hl. > Hildegard von Bingen schätzte ihn als Heilmittel gegen Kopfleiden, Herz-, Magen- und Leibschmerzen; zudem wird er als „gefrorenes Eis“ auch gegen Durst und Hitze, Augenbeschwerden usw. empfohlen.
Nach der modernen Edelsteinmedizin beeinflusst er das > Dritte Auge, wirkt als Elixier gegen Schwindel, Gleichgewichtstörungen, Blutungen und Durchfall. Da er „der Himmelstrahlen Licht“ einschließt und die „Herzen der Götter“ erfreut, wie es ein Orpheus zugeschriebenes Lied besingt, könne man ihn gegen eine Vielzahl von Krankheiten einsetzen, weil er den Energiefluss zu aktivieren vermöge.
Neben diesen Eigenschaften soll er noch besondere magische Kräfte besitzen. So könne er die Kräfte der Individualseele derart steigern, dass man mit der > Weltseele (anima mundi) in Kommunikation treten und in der > Akasha-Chronik (Schicksalsbuch) lesen könne. Wer einen B. bei sich trägt, könne die Gedanken anderer lesen. Zudem beherberge der B. ein inneres Licht, das vor bösen Nachstellungen, Neid und Missgunst schütze. Im Haus aufbewahrt, soll er dieses vor Gewitter schützen.
Wie alle spiegelnden Oberflächen eignet er sich schließlich auch bei Konzentrationsübungen, Meditation und zum Hervorrufen veränderter Bewusstseinszustände, vor allem von Trance und Hypnose.

Lit.: Herzog, Wolfram: Apfel, Farn und Bergkristall...: Wissenswertes und Erstaunliches aus der Apotheke der Natur; ein Lese- und Gebrauchsbuch. Ludwigshafen: Dreieck-Verl., 1995; Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995; Rykart, Rudolf: Quarz-Monographie: die Eigenheiten von Bergkristall, Rauchquarz, Amethyst, Chalcedon, Achat, Opal und anderen Varietäten. Thun: Ott, 1995; Hildegard von Bingen: Das Buch von den Steinen / Nach den Quellen übers. u. erläutert v. Peter Riethe. 3., völlig veränd. Aufl.  Salzburg: Otto Müller, 1997; Hunziker, Bernhard: Mit Bergkristall und Turmalin die Seele heilen: Legesysteme zur Balancierung des menschlichen Energiesystems. Woldert: Smaragd-Verl., 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2