Berggeister

Berggeister, Geistwesen der Berge, die in Menschengestalt erscheinen, oft wie Bergleute gekleidet sind und deren Grubenlicht heller als das der anderen brennt. Sie wohnen in verlassenen Gängen, wo sonst niemand haust, klopfen, hämmern und rumoren. In Zeiten, wo niemand im Bergwerk ist, poltern sie dort herum und lassen Lichter aufblitzen. Sie verschütten die Gruben und schicken schlagende Gewitter. Dass es sich hier um Naturerscheinungen oder Täuschungen handeln könnte, genügte dem Bergarbeiter nicht. Im täglichen Kampf ums Überleben herausgefordert, beseelte er seine Umwelt. Polter- und Klopfgeräusche konnten für ihn nur von Menschenhand stammen.
Selbst der Begründer der Bergbaukunde, Georgius > Agricola (1494–1555), spricht in seinem Werk De animantibus subterraneis (Von den unterirdischen Lebewesen) im Zusammenhang mit Tieren auch von kleinen > Dämonen, die sich in den Bergen aufhielten. Man könne diese geheimnisvollen Wesen hören, jedoch kaum sehen. Nur manchmal blitze am Ende eines Stollens ein Licht auf.
Neben den Geistern in den Bergen, soll es auch solche in der Umgebung der Berge geben. Sie seien freundlich, kämen sogar in die Häuser und benähmen sich wie > Hausgeister und > Kobolde. Wie alle Kobolde hätten sie Sinn für Humor.
Aus heutiger Sicht können viele psychologische Deutungen für die B. herangezogen werden – auch zur Frage ihrer Entstehung, die für das Berginnere unweigerlich mit dem Bergbau selbst und den damit verbundenen Ängsten und Hoffnungen in Zusammenhang stehen. So treiben angeblich in allen Gebirgen, in denen Bergbau betrieben wird oder wurde, B. ihr gespenstisches Unwesen. Doch geht es hier nicht so sehr um die psychologische Deutung der B., sondern um die Beschreibung ihrer vielfältigen Erscheinungsformen als lebendige Vorstellungsbilder der Bergarbeiter und der Bergbewohner.

Lit.: Agricola, Georg: Georgii Agricolae De Animantibus Subterraneis Liber. Hactenus a multis desideratus, Nunc Vero Ingratiam Studiosorum Seorsim editus, in certa capita divisus, capitum argumentis & nonnullis marginalibus exornatus / a Johanne Sigfrido. Witebergae: Schürer, 1614; Spiess, Christian Heinrich: Die Berggeister. Eine wahre Geschichte. Leipzig, 1797;  Poser, Manfred: Phantome der Berge: der Yeti, Feen und viele Geister. Freiburg i. Br.: Eulen Verlag, 1998; Puhle, Annekatrin: Das Lexikon der Geister: über 1000 Stichwörter aus Mythologie, Volksweisheit, Religion und Wissenschaft / M. e. Geleitw. v. Adrian Parker. München: Atmosphären Verlag, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2