Berg

Berg, abgrenzbare Geländeerhebung, die vom Hügel nur durch Größenordnung unterschieden ist. Durch seine oft bis zu den Wolken ragende Höhe wird er zum Symbol der Verbindung von > Himmel und > Erde und somit zum bevorzugten Begegnungsort von Göttern und Menschen. Wegen des beschwerlichen Aufstiegs ist er Symbol der mühsam zu erringenden Höherentwicklung als Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott.
Berge sind daher etwas Heiliges. Sie spielen in allen Religionen und Kulturen eine bedeutende Rolle. Viele religiöse Überlegungen kennen einen heiligen B., der als > Axis mundi, als Nabel oder Mittelpunkt der Welt, angesehen wird, wie z. B. der mythische Berg Meru (Sumeru) für die Hindus, Buddhisten und Jainisten. Im oberägyptischen Gau XVII wurde in Gebeten des Volkes die „Bergspitze des Amun“ angerufen. Der heilige B. ist Wohnsitz der Götter: Fuji im Shintoismus, Olymp in Hellas, Baal ist mit dem Zaphon verbunden, und auf dem Tempelberg Zion hat Jahwe seine Wohnung. Christus stirbt seinen Erlösungstod auf dem Kalvarienberg. In China kennt man fünf heilige Berge, den Songgao oder Gipfel des Zentrums in Henan, den Taishan oder Gipfel des Ostens in Shandong, den Hengshan oder Gipfel des Südens in Hunan, den Huashan oder Gipfel des Westens in Shenxi und den Hengshan oder Gipfel des Nordens in Shanxi.
Der B. wird auch als spirituelles Kraftzentrum bezeichnet und ist daher ein beliebter Ort für Tempel, Kirchen und Klöster. Er ist ferner eine Stätte der Offenbarung. Mose erhielt die Zehn Gebote auf dem Sinai bzw. Horeb und Muhammad erlebte seine Eingebung auf dem Hira. Jesus hielt seine erste Predigt auf einem Berg (Mt 5, 1ff), und am Ende der Zeiten wird der Gottesberg höher sein als alle anderen (Mich 4, 1).
Der B. gilt aber auch als Tummelplatz von > Geistern. Wolken umwittern ihn mit Geheimnissen, nicht zu reden von den Vulkanen mit ihrer ungeheuren Macht und Symbolik.
In einigen Religionen wird der B. auch als Wohnstätte der Toten angesehen. In der hinduistischen Tradition überschreitet der Totengott > Yama als erster den Pass des Himalaya, um den Toten den Weg ins Jenseits zu weisen.

Lit.: Hecht, Johann: Lipsiae septicollis: das ... auf sieben heilige Berge Gottes zu aller Welt Verwunderung erhöhete Chursächsische Leipzig / fürgestellet von Johann Hecht. Leipzig: Richter, 1690; Des Heiligen Johannes vom Kreuz Aufstieg zum Berge Karmel / Nach der neuesten kritischen Ausgabe aus dem Spanischen übersetzt von P. Ambrosius a S. Theresia Ord. Carm. Disc. 4., unveränd. Aufl. München: Kösel, 1952; Evans-Wentz, Walter Y.: Cuchama: heilige Berge der Welt. Hrsg. von Frank Waters und Charles L. Adams. Basel: Sphinx, 1984; Golowin, Sergius: Magier der Berge: Lebensenergie aus dem Ursprung. Basel: Sphinx, 1984; Poser, Manfred: Phantome der Berge: der Yeti, Feen und viele Geister. Freiburg i. Br.: Eulen Verlag, 1998; Athos: Heiliger Berg = Hágios Oros. Weingarten: Kunstverl. Weingarten, 2006.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2