Bellerophóntes

Bellerophóntes (Bellérophon), Sohn des Glaukos und der Eurymede, Enkel des > Sisyphos, korinthischer Nationalheld.
B. muss Korinth wegen eines Totschlags verlassen und wird von König Proitos von Tiryns freundlich aufgenommen, dessen Frau > Stheneboia ihm ihre Zuneigung bekundet. Da B. sie abweist, behauptet sie ihrem Gemahl gegenüber, B. habe ihr nachgestellt. Proitos glaubt ihr und schickt B. zu seinem Schwiegervater Iobates, dem König von Lykien. Der Brief, den er ihm mitgibt, enthält den Auftrag, ihn zu töten.
Iobates will den Auftrag nur indirekt ausführen, indem er B. zu gefährlichen Abenteuern aussendet. Zuerst soll er die > Chimaira, ein Ungetüm (vorn Löwe, in der Mitte Ziege, hinten Schlange), bezwingen, das mit seinem feurigen Atem das Land verwüstet. B. besteigt sein Flügelross > Pegasos und vernichtet die Chimaira. Auch die zweite Aufgabe, den Kampf mit dem kriegerischen Bergvolk der Solymer, erfüllt er glänzend. Als er vom dritten Auftrag, dem Krieg gegen die > Amazonen, siegreich heimkehrt, stellt ihm Iobates einen Hinterhalt. Als B. alle Feinde tötet, nimmt ihn Iobates auf, gibt ihm eine seiner Töchter zur Frau und macht ihn zu seinem Thronerben.
Darauf kehrt B. nach Tiryns zurück, um sich an Stheneboia zu rächen. Er überredet sie zur Flucht mit Hilfe des Pegasos und stürzt sie auf dem Flug ins Meer. Als B. dann auf dem Pegasos zum Olymp fliegen will, schleudert ihn Zeus auf die Erde und B. endet im Wahnsinn.
Die von P. Kretschmer vorgenommene Ableitung des Namens von „Töter des Belleros“ (vorgriechischer Name eines Unholds) ist fraglich (Hunger, S. 97), wie überhaupt die Ansichten über B. unter den Gelehrten auseinandergehen. Euripides schrieb die Tragödien „Bellérophon“ und „Stheneboia“, wovon jedoch nur Fragmente erhalten sind.

Lit.: Kretschmer, P.: Bellerophontes. In: Glotta 31 (1948),92–104; Schachermeyr, Fritz: Poseidon und die Entstehung des griechischen Götterglaubens. Salzburg: Verl. Das Bergland-Buch, 1950; Peepermüller, Rolf: Die Bellerophontessage: ihre Herkunft u. Geschichte. Tübingen, 1961; Hunger, Herbert: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie: mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart. 8., erw. Aufl. Wien: Verlag Brüder Hollinek, 1988.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2