Beigaben

Beigaben, Grabausstattungsbeilagen bei den alten Ägyptern, die unmittelbar neben der Leiche oder in der Sargkammer und ihren Nebenräumen niedergelegt wurden. Diese Gaben bildeten neben dem Kult in den oberirdischen Räumen die wichtigste Sicherung für ein glückliches Leben im > Jenseits. Zahl und Art der Gaben waren verschieden und hingen mit dem Wandel des Jenseitsbildes, dem Reichtum der Hinterbliebenen und der Verstorbenen zusammen.
In der Vorzeit und Frühzeit war die Fürsorge für den Toten fast ganz auf die B. gestellt, wobei die Sorge für die Ernährung im Vordergrund stand. Dabei nahm das Gefäß, das auch nur mit Ersatzstoffen gefüllt wurde – Sand vertrat Mehl, zäher Nilschlamm das Öl – einen besonderen Stellenwert ein. Es genügte, um die Existenz seines Inhalts zu verbürgen. Dieses Mittel der Scheinbeigaben blieb für die Grabausstattung in späterer Zeit maßgeblich.
Unter den Ersatzwaren überwogen Scheinbilder von Schalen und Krügen sowie von Fleischstücken, die auf das Totenmahl hinwiesen und seinen Fortbestand sicherten.
Im Alten Reich zog zudem der Brauch, Stiftungen für den Totendienst (> Totenpriester) auszusetzen, weite Kreise, womit man sich für den > Totenkult absicherte und so die B. verringern konnte (Junker, Giza I.100ff.).
In der Übergangszeit zum Mittleren Reich bediente man sich dann einfach bestimmter Schnitzwerke, wie Herden, Schiffe und Figuren des Grabherrn und der Seinen. Die B. wurden also durch ihre Bilder ersetzt.
Erst in der zwölften Dynastie setzte sich dem alten Brauch ein neuer entgegen. Das Vertrauen in den Kult wuchs und man brachte die B. dem Grabherrn in feierlichem Zug. Die Modelle verschwanden, denn es reichten die Gerätfriese.
Das Neue Reich setzte die Tradition fort. Durch den steigenden Wohlstand schwoll die Zahl der B. an, wie intakte Gräber, etwa das der Schwiegereltern Amenophis’ III., des Jue und des Tue zeigen. Auf der anderen Seite vermehrten sich die magischen Sicherungsmittel,  besonders die > Uschebti, denen man vereinzelt schon im M. R. begegnet. Es folgten die > Herzskarabäen, während Geräte der Mundöffnung, Pyramiden und Kornmumien nur vereinzelt zu nennen sind. Auch > Totenbücher tauchen auf. Dies ist insofern nicht neu, da bereits im Ausgang des A. R. den Toten Sprüche mitgegeben wurden. Neu ist hingegen, dass man sie auf Papyrusrollen schreibt.
Gegen Ende des N. R. blieben dann im Wesentlichen nur die B. magischen Charakters zurück. Neu hinzu traten Kopftafeln, Figuren des > Osiris, anderer Schutzgötter und > Amulette.

Lit.: Blackman, Aylward Manley: The Rock Tombs of Meir. London: Egypt Exploration Fund, 1914; Gîza: Bericht über die von der Akademie der Wissenschaften in Wien auf gemeinsame Kosten mit Wilhelm Pelizaeus unternommenen Grabungen auf dem Friedhof des Alten Reiches bei den Pyramiden von Gîza / in Verbindung mit Otto Daum hrsg. von Hermann Junker. Wien [u. a.]: Hölder-Pichler-Tempsky, 1929; Wreszinski, Walter: Atlas zur altaegyptischen Kulturgeschichte. Réimpr. d. éd. Leipzig, 1923–1935. Genève [u. a.]: Slatkine Repr, 1988;  Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränd. Aufl. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2