Beifuß

Beifuß (Artemisia vulgaris L.), in Europa weit verbreitete, häufig am Wegesrand wachsende Pflanzenart aus der Gruppe der > Artemisia. B. wurde früher auch Artemisia oder mater herbarum, die „Mutter der Kräuter“, genannt.
Die Wurzeln des B. werden als Mittel gegen Epilepsie benutzt, während das Kraut ähnlich wie Wermut (> Absinth) angewendet wird.
Wie bei vielen Artemisia-Arten spielt auch der aromatisch duftende B. eine wichtige Rolle in der > Zauberei, und zwar nicht nur in der germanischen Tradition, sondern auch in jener aus Dänemark, Belgien oder Frankreich. Von der Isle of Man wird von seiner Zauberkraft, besonders seiner Schutzkraft gegen teuflische Wesen, berichtet. In Japan und China wird gleichfalls eine A.-Art zur Dämonenabwehr benutzt. B. gilt seit alters her als zauberwidriges Mittel. In der Antike wurde er laut Pseudo-Apuleius (4./5. Jh. n. Chr.) im Haus aufgehängt, um gegen > Dämonen und den > bösen Blick zu schützen. > Plinius beschreibt ihn als Mittel für Wanderer, das an den Körper gebunden vor Müdigkeit schützt (Plinius, 26, 150), was noch im deutschen Volksglauben weiterlebt, nach dem der B. zu demselben Zweck in den Schuh gelegt werden soll. Nach dem altenglischen Neunkräutersegen verleiht der B. übernatürliche Stärke und gibt „Macht gegen 3 und gegen 30“ (Marzell, 435).
Das Donnerkraut und Hexenkraut soll ferner > Blitz und > Hexen abhalten und wird am Dachfirst aufgehängt. Auch angezauberte Krankheiten könne er beseitigen sowie verhexte Milch und Eier entzaubern. Ferner soll der aus den Wurzeln des B. geflochtene Johannisgürtel oder Sonnwendgürtel – beides sind weitere Namen für das Kraut – von einem Kranken in das Johannisfeuer geworfen werden, um die Leiden auf das Feuer zu übertragen. Auch soll mit Hilfe der Wurzel Kohle in der Erde ausfindig gemacht werden können, die sich in Gold verwandeln kann (Werner). Weiters wurde der B. als Liebeskrautwurzel bezeichnet, was auf eine mögliche Verwendung der Pflanze als > Aphrodisiakum hindeutet (Marzell, 441).

Lit.: Plinius, C. Secundus: Naturalis historiae libri XXXVII. Hg. v. Lud. Jan und Carol. Mayhoff. Lipsiae, 1892 bis 1898; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 1. Leipzig: Hirzel, 1943; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 1. Bd. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik, Wiesbaden: Fourier 1991.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2