Begräbnisläuten

Begräbnisläuten, Läuten der Glocken zur Beerdigung. Das Läuten erfolgt einige Zeit vor dem Leichenzug, vor allem wenn derselbe mit Musik oder Gebeten gestaltet wird. Es ist neben der Betonung der Bedeutung der Feier für die Gemeinde und darüber hinaus auch ein Zeichen der Wertschätzung und der sicheren Begleitung des Verstorbenen auf seinem Weg in die endgültige Heimat. Die Glocken sind geweiht, sollen daher die Dämonen abwehren und den Weg zur letzten Ruhestätte sichern. Die Verweigerung des Geläutes wird als Strafe empfunden. Daher will man auch an den Kartagen, wo keine Glocken läuten, nicht beerdigt werden.
Die > Seele – so die Vorstellung – verlässt die Erde in dem Augenblick, in dem der Sarg unter Glockengeläute aus dem Haus oder der Leichenhalle getragen wird. Dabei soll das Läuten der Seele auch helfen, leichter aus dem Fegfeuer zu steigen.
Nicht zuletzt soll das Geläute die Lebenden vor dem Toten oder den Totengeistern schützen.

Lit.: Otte, Heinrich: Glockenkunde. Leipzig: Weigel, 1858; Hoermann, Ludwig von: Die Jahreszeiten in den Alpen: Bilder aus dem Natur- und Volksleben mit besonderer Berücksichtigung Tirols. Innsbruck: Verlag der Wagner'schen Universitäts-Buchhandlung, 1889. Welt ohne Tod – Hoffnung oder Schreckensvision? / Hrsg. und eingel. von Hans-Joachim Höhn. Göttingen: Wallstein, 2004; Babendererde, Cornell: Sterben, Tod, Begräbnis und liturgisches Gedächtnis bei weltlichen Reichsfürsten des Spätmittelalters. Ostfildern: Thorbecke, 2006.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2