Beginen

Beginen (Name ungeklärt, wahrscheinlich Benennung nach dem Priester Lambert de Beghe, der 1180 in seinem Garten in Lüttich eine Anzahl einzelner Häuschen als Wohnungen für Jungfrauen und Witwen ohne Unterschied von Stand oder Vermögen stiftete, damit sie dort züchtig, arbeitsam und verträglich zusammenlebten), spontan entstandene Bewegung von Frauen, die sich weder einem bestimmten Orden angliederten noch die üblichen Frauenrollen (Gattin, Mutter) übernahmen, sondern allein oder in Gemeinschaften ein religiöses Leben führten. 1216 erreichte Jakob von Vitry bei Honorius III. eine ausdrückliche Anerkennung dieser Lebensform. Den Lebensunterhalt erwarben die B. durch Handarbeit, teilweise auch durch Betteln. Die Bewegung geriet unter konstanten Häresieverdacht, der im B.-Verbot des Konzils von Vienne 1311/12 gipfelte. Dennoch blieb das B.-Wesen, das vielen bürgerlichen Frauen geistliche und materielle Unterstützung sicherte, bis Ende des MA die verbreitetste Form fraulicher Laienfrömmigkeit. In der Reformbewegung des 15. Jhs. schlossen sich viele B-Gemeinschaften den Dritten Orden (Terziaren) der Bettelorden an. Überdauern konnte das B.-Wesen allein in Belgien und in den Niederlanden bis in die Gegenwart, wo es – oft auch ohne religiösen Bezug – neu belebt wird.
Die bekanntesten Vertreterinnen der B. sind: > Mechthild von Magdeburg, die die meiste Zeit als B. lebte; > Gertrud von Delft, häufig die „Große“ genannt, die mit 25 Jahren eine Liebesbindung an Jesus erfuhr; > Hadewijch von Antwerpen, deren Visionen ebenfalls das Thema der Vereinigung mit Gott durch ekstatische Liebe behandeln; > Marguerite Porète, die von der Vollkommenheit als Freiheit spricht, welche den Tugenden enthoben ist.
Dieser Einheitsgedanke der B. als Ausdruck von Liebe und persönlicher religiöser Erfahrung führte mangels theologischer Bildung zuweilen zu biblischen und theologischen Formulierungen, die von der Lehre der Kirche abwichen, oft aber auch missverstanden wurden und – wie im Fall von Porète – auf den Scheiterhaufen führten.
Die männliche Entsprechung der B. sind die > Begarden.

Lit.: Descoeudres, Georges: Klöster, Stifte, Bettelordenshäuser, Beginen und Begarden. Stuttgart: K. Theiss, 1992; Greven, Joseph: Die Anfänge der Beginen: ein Beitrag zur Geschichte der Volksfrömmigkeit und des Ordenswesens im Hochmittelalter. Brüssel: Algemeen Rijksarchief, 2002; Hofmann, Gertrud: Die Beginen: Geschichte und Gegenwart. Kevelaer: Butzon & Bercker, 2008.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2