Beelzebub

Beelzebub (griech. beezebub oder beelzebul; hebr. baal zebub), im NT erwähnter Name für den obersten Dämon. Die Schriftgelehrten sagten: „Er ist von Beelzebub besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus“ (Mk 3, 22; Mt 12, 24). Der Name ist von dem westsemitischen Gott > Baal abgeleitet, den die Philister unter dem Namen Bal Zebub, „Herr der Fliegen“, bzw. Baal Zebul, „Baal, der Fürst“, als Stadtgott von Ekron verehrten (2 Kön 1, 1-7), der in der ganzen Umgebung auch als Erteiler von Orakelsprüchen in hohem Ansehen stand. Die rabbinischen Texte erklären den Namen mit „Herr des Misthaufens“, wobei das Wort „zabal“ (düngen) auch den Götzendienst bezeichnet. Als Fliegendämon besitzt B. eine ältere Vorlage im weiblichen Dämon > Nasu in der zoroastrischen Dämonologie. Sie verkörperte die Unreinheit, die Verwesung, und nährte sich von Leichen. 
In späterer Zeit kann B. als Dämon des Saturn erscheinen (jüdische Planetengebete). Im Mittelalter wird B. mitunter über Satan gesetzt und als riesige Gestalt mit großen Hörnern und breiten fledermausartigen Schwingen, mit Entenfüßen, einem Löwenschwanz und dichtem schwarzem Haar beschrieben. In der Zauberliteratur wird er zum Patron der > Magie.
In späteren Jahrhunderten werden Dämonen, die zu Hexensabbaten auftreten, als B. bezeichnet, besonders dann, wenn sie die Gestalt einer riesigen Fliege annahmen. In mittelalterlichen arabischen Berichten ist B. der König der > Dschinnen, der stirbt und beklagt wird.
Als Peter Binsfeld 1589 eine Hierarchie der Hölle aufstellte, bezeichnete er B. als Dämon der Unmäßigkeit. Hexen gestanden, dass sie bei ihrem Festessen im Namen B., des Schöpfers und Erhalters aller Dinge, die Speisen gesegnet hätten. B. wurde auch zu Hilfe gerufen, doch konnte dies „ohne magischen Kreis“ den Tod bedeuten. Aleister > Crowley behauptet allerdings, dass er B. erfolgreich beschworen und zusammen mit neunundvierzig Teufeln ausgeschickt habe, um seinem Rivalen Samuel > Mathers zu schaden.
Im Okkultismus und Satanismus wird B. meist als Name für den > Teufel verwendet.

Lit.: Dictionnaire infernal / Collin de Plancy, Jacques Auguste Simon (1794–1881). Slatkine: [diffusion Champion], 1980; Frick, Karl R. H.: Das Reich Satans: Luzifer / Satan / Teufel und die Mond- und Liebesgöttinnen in ihren lichten und dunklen Aspekten – eine Darstellung ihrer ursprünglichen Wesenheiten in Mythos und Religion. Graz: ADEVA, 1982; Seligmann, Kurt: Das Weltreich der Magie: 5000 Jahre geheime Kunst. Eltville a. Rhein: Bechtermünz, 1988; Binsfeld, Peter: Tractat von Bekanntnuß der Zauberer unnd Hexen: [ob und wie viel denselben zu glauben] / Hrsg. und eingeleitet von Hiram Kümper. Wien: Mille-Tre-Verl. Schächter, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2