Beauchamp, Christine

Beauchamp, Christine. Der Fall der Miss B. gilt als einer der berühmtesten  Fälle von > Persönlichkeitsspaltung, über den der New Yorker Arzt Morton Prince (†1929) 1906 ein Buch und später noch mehrere Folgeberichte veröffentlichte. 
B., geboren 1875, war 23 Jahre alt und College-Studentin in Neu-England, als sie sich wegen Kopfschmerzen, Schwindelanfällen und Appetitlosigkeit zu Prince in Behandlung begab. Sie wird als eine fromme und introvertierte junge Frau mit strengen moralischen Vorstellungen beschrieben, die sich in gelegentlichen Fastenaktionen ausdrückten. Unter > Hypnose kam eine zweite Persönlichkeit zutage, die als egoistisch, regressiv und cholerisch beschrieben wird. Prince gab der prüden Persönlichkeit (von der Patientin selbst „Christine“ genannt), den Namen „die Heilige“; die andere, egoistische, Persönlichkeit bezeichnete er manchmal als „die Frau“ und manchmal als den „Realisten“. Im Laufe der Therapie kam hinter den beiden ersten Persönlichkeiten der Patientin noch eine dritte, extrovertierte junge Frau, Sally, zum Vorschein, die sich nichts sagen ließ. Von den drei Persönlichkeiten wusste nur Sally von der Existenz der anderen, während sich die Heilige und der Realist ihrer nicht bewusst waren.
Später trat noch eine weitere – regressive – Persönlichkeit zutage, die „Idiotin“. Zu diesem Zeitpunkt bekam Prince heraus, dass B. mit 18 Jahren einen Nervenschock erlitten hatte. Von 1898 bis 1904 führten diese Persönlichkeiten dann eine „Komödie der Wirrungen“ auf, die manchmal einer Tragödie nahekam. Schließlich gelang es Prince, die Persönlichkeiten zu einer einzigen zu verbinden.
Der Fall B. ist insgesamt jedoch weniger kompliziert als der von Walter Franklin > Prince veröffentliche Fall > Doris.
Solche Fälle von Spaltpersönlichkeiten sind besonders auch für die Phänomenologie der > Besessenheit von Belang.
Nach M. Österreich (S. 112) hat Prince aus Abneigung gegen die > Parapsychologie möglicherweise diesbezüglich relevantes Material nicht veröffentlicht.

Lit.: Prince, Morton: Die Spaltung der Persönlichkeit. Stuttgart: Kohlhammer, 1932; Oesterreich, Maria: Traugott Konstantin Oesterreich: „Ich“-Forscher und Gottsucher; Lebenswerk und Lebensschicksal. Stuttgart: Fr. Frommanns Verlag, 1954; Prince, Morton: Psychotherapy and Multiple Personality. Selected Essays. Cambridge, Mass.: Harvard Univ. Press, 1975.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2