Bauernregeln

Bauernregeln (engl. country lore/sayings, folk sayings), teils gereimte, teils ungereimte Sprüche des Volksmundes, die sich vornehmlich auf die Wettervorhersage beziehen und insbesondere bei der Landbevölkerung zu finden sind. Die Regeln haben zumeist lokale Bedeutung, gründen zum Teil aber auch auf Traditionsgut ( > Bauernpraktik). So kann man die B. in folgende vier Gruppen einteilen:
1. Astrologische Sprüche, die zum großen Teil antike Einflüsse aufweisen. In Vergils Georgica, Buch I, 351– 463 finden sich derlei Vorzeichen in Fülle. 
2. Ernteweissagungen aus der Witterung bestimmter Monate und Tage, die meist auf lokale Beobachtungen zurückgehen, wie etwa die Monatsregel: „März trocken, April nass, Mai lustig, von beiden was, bringt Korn in’n Sack und Wein ins Fass“.
3. Wind-, Blitz- und Donnersprüche, die nach Tagen berechnet werden, reichen bis in die Antike zurück, da man auch im Altertum Monats- und Jahresweissagungen kennt: „Wie der Wind am 3., besonders aber am 4. und 5. Tage nach dem Neumond ist, so weht er den ganzen Monat hindurch.“
4. Tier- und Pflanzenwelt-Sprüche gehören zum allgemeinen Erfahrungsgut. So sagt der Bauer den Regen voraus, wenn er die Frösche schreien hört, die Tauben baden, die Gänse auf einem Fuß stehen, die Hühner die Schwänze hängen lassen, Regenwürmer aus der Erde kriechen und die Bienen sich nicht weit vom Bienenstock entfernen.
So sehr derlei Aussagen auch durch die technische Wettervorhersage verdrängt wurden, geht es bei den aus jahrhundertelanger Beobachtung gewonnenen B. dennoch um Erfahrungswerte der Natur, die von grundsätzlicher Bedeutung sind.

Lit.: Orphal, Kurt: Alte Bauernregeln, neu gesehen: Erl. von altbewährten Bauernregeln nach neuzeitl. Gesichtspunkten. Berlin: C. V. Engelhard, 1943; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.  Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Zehl, Hermine-Marie: Der 100jährige Kalender: Bauernregeln, Mondrhythmen, Wetterkalender, Sonnenzeichen, Hausmittel. München: Bassermann, 2005; Kumpfmüller, Judith: Die besten Wetter- und Bauernregeln: alte Volksweisheiten & moderne Meteorologie. München: Heyne Ludwig, 2006.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2