Bauchtanz

Bauchtanz (engl. belly dance, fr. danse du ventre), auch orientalischer Tanz genannt, ist als Teil eines Fruchtbarkeitsrituals ein sehr alter Kulttanz zu Ehren der „Großen Göttin“, die auch als > Erdmutter oder > Erdgöttin (Gaia) verehrt wurde. Der B. ist bereits auf einer ägyptischen Wandmalerei aus der 18. Dynastie (um 1400 v. Chr.) nachweisbar, während die heutige Form des Solotanzes in Ägypten erst in den 30/40-er Jahren auftauchte. Vor allem in der islamischen Welt blieb der Tanz als erotisch betonter Kunsttanz bis in die Gegenwart erhalten. Als bei der Weltausstellung von 1893 in Chicago eine Solotänzerin auftrat, war die westliche Welt ebenso schockiert wie fasziniert. Eine „Orient-Welle“ setzte ein, die jedoch bald wieder abflaute, bis Hollywood mit seinen Musicalfilmen im Stil von 1001 Nacht eine neue Welle lostrat. Anfang 1960 entstanden in den USA die ersten „Belly Dance-Studios“, die 1970 nach Deutschland kamen. Mitte der 80-er Jahre erreichte die „Bauchtanz-Welle“ einen ersten Höhepunkt.
Der Tanz besteht aus ruckartigen, von den Bauchmuskeln dirigierten Bewegungen und Zusammenziehungen des Unterleibs, die von Hüftbewegungen begleitet werden. Finger und Hände untermauern die einzelnen Bewegungen mit ihren Schnalz- und Knackgeräuschen.
Schließlich war auch der Tanz der > Hexen beim > Sabbat mit seinen freizügigen und erotischen Körperhaltungen Teil eines Fruchtbarkeitskultes.
Die moderne Esoterik sucht den B. als den ältesten Tanz der Frauen auf eine ästhetisch-vitale Ebene zu heben.

Lit.: Gadalla, Ulaya: Bauchtanz: das orientalische Schönheitsprogramm; der Weg zu einem neuen Körperbewußtsein. München: Goldmann, 1992; Karkutli, Dietlinde: Das Bauchtanz-Buch. Vollst. überarb. Neuausg. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002; Pütz, Jean: Bauchtanz: Lebenselexier aus dem Orient; Tänze und Genüsse aus 1001 Nacht. Köln: vgs, 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2