Bauchreden

Bauchreden, Ventriloquismus (lat.; venter, Bauch; loquere, reden; engl. ventriloquism), das Hervorbringen von Wortlauten ohne Lippenbewegung mittels Gaumensegel und Kehlkopf. Die Stimme kommt dabei nicht aus dem Bauch, wie man früher glaubte, sondern wird durch das Zusammenpressen der Gaumenbögen im Mund und durch Verengung des Kehlkopfeingangs durch Rücklage der Zunge gebildet.
Diese Kunst des B. reicht bis in die Antike zurück und wurde als etwas Übernatürliches, so bei den Kirchenvätern (Stolle, Register) und im Mittelalter (Meyer, 289) oder als Werk von Dämonen angesehen.
Im alten Griechenland war Eurykles von Athen einer der bekanntesten Bauchredner. Auch die Hexe von > Endor zählte als Prophetin zu dieser Klasse. Die Septuaginta, die altgriechische Übersetzung des Alten Testaments, nennt die Bauchredner eggastrimythos (Eingeweideredner).
Im 16. Jh. wurden Louis Brabant, ein Diener König Franz’ I., und im 17. Jh. Henry King, genannt King’s Whisperer, Diener bei König Karl I., als Bauchredner bekannt.
Heute treten Bauchredner meist in Varietés auf.

Lit.: Mayer, D. I.: Die Ventriloquistik oder Kunst des sogenannten Bauchredens. Ihr Wesen und ihre Geschichte kurz erörtert, mit einer auf physiologischer Untersuchung beruhenden Anweisung, dieselbe mit Erfolg zu üben: nebst biographischen Skizzen verschiedener Bauchredner vom 16.–19. Jahrhundert. Stuttgart, 1860; Bockamp, Elke: Bauchreden – spielend lernen. Moers: Ed. Aragon, 42002.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2