Bastami, Abu Yazid, Tayfur Abu Yazid al-Bustami

Bastami, Abu Yazid oder Tayfur Abu Yazid al-Bustami (804–874), in Bastam im Iran geboren, war ein strenger Asket und > Sufi mit großer Rednergabe und direkter Aussage über die inneren mystischen Erfahrungen, was Schüler und Besucher gleichermaßen anzog. Dabei bediente er sich der Paradoxie, des scheinbar Widersinnigen, da man die Wahrheit nur mit seinem Gegenteil erfassen könne.
Das religiöse Gesetz sei zwar notwendig, um zu Gott zu gelangen, doch letztlich zähle nur die in der Seele empfundene Gegenwart Gottes. Die Quelle der echten Gotteserkenntnis sei die spirituelle Erfahrung. Allerdings laufe diese Gefahr, das eigene Ich im Blick auf das Absolute zu verewigen. Daher übt sich der Sufi in > Askese. Seinen Schülern riet er, sich nie durch innere Erleuchtungen verführen zu lassen. Ebenso warnte er sie vor Wundern und paranormalen Phänomenen, die sich auf  ihrem mystischen Weg ereignen können, da diese nur Vortäuschungen des Göttlichen seien. Auch das sufische Ritual des ständigen Betens sei letztlich eine Falle, weil es zu einer Trennung von Mensch und Gott führe, wo doch das Ziel die Einheit sei: „Dreißig Jahre hindurch war ich fern von Gott, und mein Fernsein war mein Gebet zu Ihm. Dann verwarf ich das Gebet und ich traf Ihn in allen Situationen in dem Sinn, dass Er mein zu sein schien.“
Die höchste Paradoxie ereignet sich auf jener Ebene der mystischen Erfahrung, auf der das menschliche Ich vollkommen ausgelöscht ist und gleichzeitig in Gott weiterbesteht. Mit diesen Aussagen war B. der erste Sufi, der von der Auslöschung des Ichs in Gott (fana fi Allah‘) sprach. Er betonte nämlich die > Ekstase als Form der Einheit mit Gott, während der > Sufismus bis dahin auf Frömmigkeit und Gehorsam beruhte.

Lit.: Dermenghem, Emile: Vies des saints musulmans. Paris: Sindbad, 1983; Les dits de Bistami / trad. de l’arabe, présentation et notes par Abdelwahab Meddeb [Hg.]. Paris: Fayard, 1989; Dictionnaire critique de l'ésoterisme / Jean Servier [Hg.]. Paris: Presses Universitaires de France, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2