Basilisk

Basilisk (griech. basiliskos, „kleiner König“, „Häuptling“), Fabelwesen, das in der antiken Mythologie auch „König der Schlangen“ genannt wird und nach Plinius (Nat. hist. 8, 38) in Libyen zu Hause ist. Die Ägypter nannten ihn sit, bei den Arabern hieß er sif. Für Plinius den Älteren war der B. eine Schlange oder Eidechse, die auf dem Kopf einen hellen Fleck in Form einer Krone hatte. Im Lauf der Zeit nahm der B. aber immer hässlichere Formen an. So ist er im Mittelalter ein vierfüßiger Hahn mit einer Krone, gelbem Gefieder und breiten, dornigen Flügeln; sein Schwanz ist der einer Schlange und endet in einer Klaue oder einem zweiten Hahnenkopf. Grundsätzlich handelt es sich immer um ein Mischwesen zwischen Hahn, Drache und Schlange.
Nach einer bei orientalischen Völkern verbreiteten Sage entsteht ein B. aus einem von einem Hahn gelegten Ei (= missgebildetes, weil dotterloses, Hühnerei), das von einer Kröte oder einer Schlange ausgebrütet wird. Diese Vorstellung fand weltweite Verbreitung. So wurde 1474 vom Rat in Basel ein elfjähriger Hahn, der ein Ei gelegt haben soll, zum Tode verurteilt, am 4. August d. J. enthauptet und ins Feuer geworfen; auch das Ei wurde feierlich verbrannt (Meyer).
Der B. haust in Kellern oder im Gestein, wo er Schätze hütet. Sein giftiger Hauch verdorrt angeblich das Gras und sprengt Steine. Am gefährlichsten sei sein Blick, der Mensch und Tier tötet, ja sogar sich selbst. Hält man ihm einen Spiegel vor und sieht er darin seinen Blick, kommt er um. Er vermag auch den Geruch eines Wiesels nicht zu ertragen, weshalb man ein Wiesel zur Tötung in seine Höhle bringt.
Der Glaube an die Macht des B. ist Ausdruck für die Macht des > bösen Blicks und beruht auf der Erfahrung des bannenden Schlangenauges, der Naturwidrigkeit des Hahneneis und der Abscheulichkeit des Ausbrütens durch Kröten oder Schlangen.
In der christlichen Symbolik gilt der B. als Sinnbild für Tod, Teufel, den > Antichrist und die Sünde. So findet man ihn in der romanischen Bauplastik meist unter den Füßen des siegreichen Christus. > Luther sah im B. die Ketzer und falschen Lehrer symbolisiert (Frey).
In der Volksmedizin diente der B. als krankheitsvertreibendes Symbol, daher findet er sich nicht selten auf alten Aderlass-Schüsseln.
In der > Alchemie zählt der B. neben > Phönix, > Schwan, > Pfau, > Rabe, dem geflügelten > Drachen und gekrönten > Löwen zu den Symboltieren als allegorische Bezeichnung für den > Stein der Weisen.

Lit.: Schöpf, Hans: Fabeltiere. Graz: ADEVA, 1988; Meyer, Carl: Der Aberglaube des Mittelalters und der nachfolgenden Jahrhunderte. Nachdr. der Aufl. von 1884. Wiesbaden: Fourier, 2003; Plinius Secundus, Gaius: Naturalis historia: lat. / dt. = Naturgeschichte / Plinius der Ältere. Ausgew., übers. und hrsg. von Marion Giebel. Stuttgart: Reclam, 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2