Bartholomäus

Bartholomäus, Apostel (Fest: 24. August), wird in den Evangelien (Mk 3, 18; Mt 10, 3; Lk 6, 14) und in der Apostelgeschichte (Apg 1, 13) lediglich als Mitglied des Zwölferkreises Jesu genannt. Hingegen ist die Legende über B. reich an vielfältigen Angaben. Nach Eusebius (Eus. h. e. V, 10,3) soll er in Indien gepredigt und dort den Christen das hebr. Mt-Ev. hinterlassen haben. Zudem soll er in Mesopotamien und Parthien, Lykaonien und Großarmenien gewirkt haben. Koptische, arabische und äthiopische Akten verlegen seine Tätigkeit in die „Oasen“ Ägyptens. Die Überlieferung über seinen Tod schwankt zwischen Enthauptung und Kreuzigung wegen der Bekehrung des Königs Polymios in Armenien. Im persischen Teil Syriens erhielt sich eine Tradition vom Grab des B.
Hieronymus und das Decretum Gelasianum nennen ein Evangelium des B. Koptisch liegt das Buch von der Auferstehung Jesu Christi von B. dem Apostel in drei Rezensionen vor.
Der Festtag des B. am 24. August ist von einem reichen Volksglauben umgeben: Barthlmä ist Herbstbeginn. Zu Barthlmä gehen die Wetter heim, die Störche ziehen fort. Zu Barthlmä soll man nicht ackern, wenn man sich nicht einem Unfall aussetzen will.
Barthlmäbrunnen sind häufig Heilquellen; die Butter, die zu Barthlmä ausgerührt wird, soll besondere Heilkräfte besitzen, da der Heilige seinen geschundenen Leib mit Butter (ungesalzen) gekühlt habe. Im Arzneibuch „Bartholomäus“ (spätes 12. Jh.) findet sich eine Reihe von Zauberformeln, wo fließendem Blut nicht mehr einfach befohlen wird „stant du, bluot!“, sondern im Namen der Trinität „caro carice conforma Yohmaheli te“, eine unverständliche Wortfolge, entgegengestellt und eine Zauberhandlung beschrieben wird.
Barthlmä ist auch der Tag der Fahrt des Totenheeres durch die Luft (Antwerpen), der Hexenfeste und der Zwerghochzeit.

Lit.: Zeuge aus dem Leben der Apostel des Herrn Philippus Bartholomaeus Thomas u. Matthaeus. Barmen, 1837; Keil, Gundolf: Bartholomäus. In: Die Deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon / Hg. von Wolfgang Stammler. Berlin: de Gruyter, 21978, Sp. 609–615; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Weidinger, Erich: Die Apokryphen: verborgene Bücher der Bibel. Augsburg: Pattloch, 1994; Westerhoff, Matthias: Auferstehung und Jenseits im koptischen „Buch der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn“. Wiesbaden: Harrassowitz, 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2