Barrett, Sir William Fletcher

Barrett, Sir William Fletcher (*10.02.1844 Kingston, Jamaika; †26.05.1925 London), Physiker und Parapsychologe, studierte in Manchester, England; war von 1873–1910 Professor für Experimentalphysik am Royal College of Science in Dublin, Irland, und trug durch seine Forschungen u. a. wesentlich zur Verbreitung des Telefons bei.
Bereits als 18-jähriger begann er mit Arbeiten auf dem Gebiet des Paranormalen und wollte 1863 die > Telepathie im Wachzustand nachweisen. Das Studium der mesmerischen > Trance lenkte sein Interesse auf die physikalischen Phänomene des > Spiritismus. 1874 begann er mit seinen ersten Untersuchungen.
Am 12. September 1876 überraschte B. in Glasgow die Mitglieder der hochangesehenen British Association for the Advancement of Science mit einem Vortrag zur Übertragung von Gedanken, Empfindungen und Gemütsbewegungen bei Hypnose unter dem Titel Some Phenomena Associated with Abnormal Conditions of Mind. Das Biological Committee lehnte diesen ab, die Anthropologische Untersektion nahm ihn nur aufgrund des Stimmentscheids des Vorsitzenden, Dr. Alfred Russel Wallace, an. Am Ende des Vortrags schlug B. die Bildung eines wissenschaftlichen Ausschusses zur systematischen Untersuchung der Phänomene von Mesmerismus und Spiritismus vor. Der Vorschlag wurde von William > Crookes, Dr. Wallace, Lord Rayleigh und Col. Lane Fox befürwortet, doch es geschah nichts, wahrscheinlich wegen des vier Tage später erfolgten Berichts von Professor Lancaster, dass er das Medium Henry > Slade entlarvt habe.
Im Januar 1882 berief B. eine Konferenz in die Räume der British National Association of Spiritualists ein. Auf dieser wurde dann am 20. Februar 1882 in London mit Frederic W. H. > Myers, Edmund > Gurney, Henry > Sidgwick und anderen die > Society for Psychical Research (SPR), die Gesellschaft für Psychische Forschung, gegründet, die ihre Arbeitsberichte Proceedings nannte. B. wurde zum Vizepräsidenten ernannt, 1904 war er Präsident der SPR. Von 1884–1899 gab er das Journal of SPR heraus und veröffentlichte darin sowie in den Proceedings fast ein halbes Jahrhundert lang Beiträge über seine Forschungen zu Telepathie, Mediumismus, Poltergeist und Erscheinungen. Seine Hauptuntersuchungen galten der Wünschelrutenfrage, deren Ergebnisse er in zwei Bänden herausgab.
Bei einem Besuch in den USA gab B. 1885 den Anstoß zur Gründung der > American Society for Psychical Research.
Seine vielfältigen paranormologischen Untersuchungen führten ihn zur Überzeugung, dass es nicht nur Telepathie und ein Fortleben nach dem Tode gibt, sondern dass man mit den Verstorbenen auch in Kontakt treten könne, wie sein Buch Deathbed Visions bezeugt.

W.: On Enoptic Vision; or, the Self-Examination of Objects Within the Eye. Dublin: William & Norgate, 1906;  On the Threshold of the Unseen. London, Kegan Paul, Trench,Trubner, 21917; Psychical Research. New and rev. ed. London: Williams & Norgate [u. a.], 1921; Deathbed Visions. London: Methuen,1926; The Divining Rod. London: Methuen, 1926; Death of the Soul: From Descartes to the Computer. First iss. as a paperback. Oxford [u. a.]: Oxford University Press, 1987.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2