Barbelo

Barbelo, weibliches Prinzip in der > Gnosis, häufig als Komplement oder Abstufung der höchsten Gottheit. Die etymologische Herkunft ist ungeklärt. In der sethianischen Gnosis ist B. die Weltmutter, die aus den drei Äonen Kalyptos (Verborgener), Protophanes (Zuersterscheinender) und Autogenes (Selbstgezeugter) besteht. B. ist „männliche Jungfrau“, Gottes „erster Gedanke“, kann mit Gott und seinem Sohn (Christus) zu einer Trias gruppiert sein oder tritt als Weltmutter selbst in der oben genannten Äonentrias in Erscheinung.
Der Begriff B., auch Barbeloth, Barthenos, Barbero, kommt bei mehreren gnostischen Gruppen vor, so bei den Nikolaiten und Sethianern. In apologetischer Form wird B. von Irenäus (haer. I, 29, 1), Epiphanius (haer. 25, 2, 4) und Theoderet (haer. I, 13) genannt. Eine Herleitung von der alttestamentlichen Weisheit, Sophia, oder einer Muttergottheit (> Isis) betrifft primär nur die Weiblichkeit.
Im Johannesapokryphon trägt B. den Titel „Mutterschoß von allem“, „Mutter-Vater“ (griech. metropater), „der erste Mensch“, „der heilige Geist“ (griech. pneuma), und wird u. a. auch die „dreifach Männliche“, „die dreifach Empfangene“, die „Androgyne“ genannt.

Lit.: Leisegang, Hans: Die Gnosis. Stuttgart: Kröner, 51985; Brox, Norbert: Erleuchtung und Wiedergeburt: Aktualität der Gnosis. München: Kösel, 1989; Gnosis und Stoa: eine Untersuchung zum Apokryphon des Johannes / Onuki, Takashi. Freiburg, Schweiz: Univ.-Verl. [u. a.], 1989; The Apocryphon of John. Leiden: Brill, 1995; Bibel der Häretiker: die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi [erste deutsche Gesamtübersetzung] / eingeleitet, übers. und kommentiert von Gerd Lüdemann und Martina Janßen. Stuttgart: Radius-Verl, 1997; Gnosis: oder die Frage nach Herkunft und Ziel des Menschen / Albert Franz; Rentsch, Thomas [Hrsg]. Paderborn u. a.: Schöningh, 2002.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2