Barbelo-Gnostiker

Barbelo-Gnostiker, allgemeine Bezeichnung aller Gruppierungen, die in den Mittelpunkt ihrer Lehren und ihres Kultus die Gestalt der > Barbelo oder Barbero stellen, welche ihren Namen der hebräischen Wort­verbindung Barbhe Eloha = „In der Vier ist Gott“ verdanke. Diese Gruppen treten bei den Kirchenvätern entweder als die Gnostiker schlechthin auf oder werden unter ihren Gruppennamen angeführt. Zu ihnen gehören die Nikolaiten, Phibioniten, Stratiotiker, Levitiker, Borboriten, Koddianer, Zakchäer und Barbeliten.
Die Barbelo-Gnostiker als solche werden von > Epiphanius (315–403), Bischof von Salomis auf Zypern, besonders erwähnt. Er begab sich etwa um das Jahr 335 als junger Mann von ca. zwanzig Jahren nach Ägypten, wo er mit der Sekte in Verbindung kam, sich wieder von ihr löste und den Bischöfen der Stadt über das Treiben der Mitglieder berichtete, die daraufhin 80 Anhänger, die Christen waren, aus der Kirche ausschlossen.
In seiner Schrift Panarion haereses, der noch einzig vorhandenen Quelle über ihre kultischen Handlungen, d. h. in seinem „Arzneikasten“ gegen die Häresien, schreibt er (XXV, 2):
„Sie verehren eine gewisse Barbelo, von der sie sagen, dass sie oben im achten Himmel lebe, und sie sei aus dem Vater hervorgegangen. Sie aber ist, wie die einen sagen, die Mutter des Ialdabaoth, wie die anderen meinen, die des Sabaoth. Ihr Sohn aber führt die Herrschaft über den siebenten Himmel in tyrannischem Hochmut und spricht zu den ihm Untergebenen: ,Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir‘ [vgl. Jesaja 45, 5]. Barbelo aber hörte dieses Wort und weinte. Sie erscheint nun immer den Archonten in irgendeiner herrlichen Gestalt und beraubt sie ihres Samens durch Lust-Erguss, um auf diese Weise ihre in verschiedene Wesen zerstreute Kraft wiederum an sich zu bringen.“
Um dies zu verwirklichen, versammelte sich die Sekte zu sexualmagischen Riten, sammelte den Samen der Mitglieder ein und opferte diesen B. mit den Worten: „Wir bringen dir diese Gaben dar, den Leib des Christus“. Das Gleiche machten sie mit dem Menstruationsblut der Frau und sprachen dabei: „Das ist das Blut Christi“.
Durch diese Handlungen sollten Nachkommen weitgehend verhindert werden, um das Reich des Weltenschöpfers möglichst klein zu halten.

Lit.: Frick, Karl R. H.: Licht und Finsternis II: Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis an die Wende zum 20. Jahrhundert; Teil 1: Ursprünge und Anfänge. Graz: ADEVA, 1975; Leisegang, Hans: Die Gnosis. Stuttgart: Kröner, 51985; Epiphanius, Constantiensis: The Panarion of Epiphanius of Salamis / transl. by Frank Williams. Leiden [u. a.]: Brill, 1987. 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2