Baphomet

Baphomet, ein von einigen Templern genanntes Idol, wohl in Zusammenhang mit dem berühmten templerischen Buchstabenquadrat, welches über 600 Jahre vergeblich gedeutet wurde. 1932 will Kuno Graf von Hardenberg in der kleinen Schrift Rosenkreuz und Baphomet eine einigermaßen verständliche Erklärung des Wortes „Baphomet" (Bafomet oder Baffomet) gefunden haben. Hardenberg knüpfte an das templerische Buchstabenquadrat (Abb. 1) folgende Spekulationen:

S
N
A
A
T
A
B
A
T
A
D
A
A  
S
Abb. 1

 Lässt man bei dem mit Buchstaben gebildeten Quadrat alle Buchstaben außer dem A und dem B weg so erhält man folgende Figur (Abb. 2):

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A
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A
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A
B
A
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A
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A
A  
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Abb. 2

Nun ist nach der > Kabbala das B der Logos, das geoffenbarte Wort, während die A’s um das B herum die Emanationen Gottes darstellen. Zudem sind diese A’s so um das B gruppiert, dass man – ohne die inneren vier A’s zu berühren – das Templerkreuz einfügen kann (Abb. 3).

baphomet
Abb. 3

Dieses Templerkreuz ist aus zwei heraldischen Figuren zusammengesetzt,  die man „Fyrfos“ nennt. Es sind zwei Kreuze mit entgegengesetzter Richtung ihrer Flügelarme. Die Figur heißt heraldisch „das redende Haupt“.

S
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N
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T
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(B)
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T
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D
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S
Abb. 4

Betrachtet man nun die Buchstaben, die bei der ersten Darstellung weggefallen sind (Abb. 4), so ergibt sich der lateinische Name der Templer: Salomonis Templum novum Dominorum Militiae Templariorum. Nimmt man die Anfangsbuchstaben dieser Bezeichnung: STNDMT, so sind das die übriggebliebenen Buchstaben im oberen Quadrat, während die Buchstaben im unteren Quadrat (hinter dem B) kabbalistisch umgekehrt – TMDNTS – zu lesen sind.
Fügt man nun das heraldisch „redende Haupt“, den „Fyrfos“, ein, so zeigt sich gleich die gewünschte Lösung. Durch den Fyrfos, die Feuerhieroglyphe, wird das Feuer des Glaubens entzündet. Das Quadrat ist also der „Feuerentzünder“, der lateinisch Fomes heißt. So haben die Templer das Quadrat in einem ihrer geheimen Rituale als Symbol benutzt und dabei gesagt: „ex literis B A fomitem habemus“ (aus den Buchstaben B und A haben wir den „Feuerzünder“). Die Abkürzung dieses Spruches lautet: A fomes oder BA fomit = Bafomet.
Somit ist der B., das grässliche Götzenhaupt, das im Mittelalter eine große Rolle spielte, nach Hardenberg nichts anderes als eine Abkürzung für einen Ritualsatz der Templer (Frick, S. 261).
Neben dieser Deutung gibt es noch eine Reihe anderer Erklärungen, wie z. B. die Ableitung von Mohammed, dem arabischen Abufimat (Vater des Erkennens); von A. > Crowley, für den B. der Ordensname im O.T. O. (> Ordo Templis Orientis) war; von Baomithr, einem Wort, das soviel wie Vater > Mithras bedeutet.
Eliphas > Levi stellte B. als ziegenköpfigen Gott mit Flügeln und Brüsten dar, der zwischen seinen Hörnern eine entzündete Fackel trägt.
Der mittelalterliche Templerorden wurde 1307 von Philipp IV. dem Schönen beschuldigt, gerade diesen Gott zu verehren, doch bekannte sich von den 231 verhörten Tempelrittern nur ein Dutzend, sicherlich nicht ohne Druck, zu dieser Praxis. Levi setzte daher B. mit der Tarot-Karte Der Teufel gleich und vertrat die Ansicht, dass das eigentliche  Verbrechen der Templer darin bestand, die Geheimnisse um dem B.-Kult verraten zu haben.
Bei den Satanisten stellt das Wort B. eine Profanierung des Göttlichen dar.

Lit.: Hardenberg, Kuno Graf von: Rosenkreuz und Bafomet: Versuch der Lösung zweier alter magischer Quadrate [Holzschnitte von Annelise Reichmann]. Darmstadt: Ges. Hessischer Bücherfreunde, 1932; Endres, Franz Carl: Mystik und Magie der Zahlen. 3., überarb. u. verm. Aufl. Zürich: Rascher, 1951; Frick, Karl R. H.: Die Erleuchteten: Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts; ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit. 2., unveränd. Aufl. Graz: ADEVA, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2