Baouardy, Mirjam

Baouardy, Mirjam, Maria vom Gekreuzigten Jesus (*5.01.1846 Abellin (Cheffa-Amar), zwischen Nazareth und Haifa, Israel; †26.08.1878 Bethlehem), Karmelitin, selig (13.11.1983, Fest: 26. August), wurde mit 12 Jahren von der Familie ausgestoßen, weil sie der geplanten Ehe samt Übertritt zum Islam nicht zustimmte. Geschlagen und von einem Krummsäbel am Hals schwer verletzt, wurde ihr regungsloser Körper, in ein Leintuch gewickelt, auf eine dunkle Straße gelegt. Als Mirjam erwachte, fand sie sich in einer Grotte wieder, umsorgt von einer in Blau gekleideten Ordensfrau, die ihr in wenigen Worten ihre Zukunft kundtat. Mirjam war der Überzeugung, dass es sich um die Jungfrau Maria gehandelt hatte, weshalb sie das Fest Mariä Geburt in Erinnerung an jenen 8. September fortan immer besonders feierlich beging.
Am 14. Juni 1867 trat sie in den Karmel von Pau (untere Pyrenäen) in Frankreich ein. Am 21. August 1870 wurde Mirjam mit anderen Karmelitinnen nach Indien geschickt, um den ersten Karmel in Mangalore zu gründen. Am 21. November 1871 legte sie die Profess ab. Es war dies die erste Profess einer Karmelitin in Indien. Ab 1871 erhielt sie die Wundmale, die zwischen Mittwoch abends und Freitag früh stark zu bluten begannen. Sie versuchte diese „Krankheit“, wie sie die Wundmale nannte, zu verbergen, doch war sie in ihrer Arbeit stark beeinträchtigt. Nach einigen weiteren paranormalen Vorkommnissen, die sich jeder Erklärung entzogen, glaubte auch ihr Spiritual, dass sie vom Teufel besessen sei, und so musste sie 1872 in den Karmel von Pau zurückkehren. Im selben Jahr vertraute sie ihren Oberen an, dass der Herr einen Karmel in Bethlehem wünsche. 1875 reiste sie mit acht Schwestern dorthin und errichtete nach eigenem Entwurf den Karmel, der am 24. September 1876 eingeweiht wurde.
Obwohl des Lesens und Schreibens unkundig, erteilte sie viele Ratschläge und gab theologische Erklärungen ab, die voller Klarheit waren. Stets betonte sie die Verehrung des hl. Geistes und ließ eine besondere Verbundenheit mit Pius IX. durchblicken, an dessen Ableben sie am 7. Februar 1878 in Ekstase teilnahm, ebenso wie am Konklave der Wahl Leos XIII. Mirjam starb am 26. August 1878 im Ruf der Heiligkeit und wurde am 13. November 1983 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Lit.: Stolz, Benedikt: Mirjam von Abellin: Flamme der göttlichen Liebe; Leben der Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten aus dem Karmelitinnenkloster zu Bethlehem, seliggesprochen am 13. November 1983. Jestetten: Miriam-Verlag, 31988; Resch: Die Seligen Johannes Pauls II. Innsbruck: Resch, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2