Bailey, Alice Ann

Bailey, Alice Ann, englische Theosophin, auch als A.A.B. und AAB bekannt, wurde am 16.6.1880 als Alice Ann Le Trobe-Bateman in Manchester (England) geboren und starb am 15.12.1949 in New York. Sie wuchs in England im christlichen Glauben auf und heiratete 1907 den Pfarrer Walter Evans. 1915 trat sie in Kalifornien der Adyar-Theosophischen Gesellschaft (ATG) bei und befasste sich zunächst mit der „Geheimlehre“ von H. > Blavatsky und der „Studie über das Bewusstsein“ von Annie > Besant. B. war nämlich überzeugt, schon in ihrer Jugend mit Mahatma Koot Humi, dem geheimnisvollen Lehrer von Blavatsky, zusammengetroffen zu sein. Nach Bewährung wurde sie 1918 in die Esoteric Section (E.S.) der ATG, eine Art innersten Zirkel mit sehr strengen Regeln, aufgenommen.
1919 wurde die Ehe mit Walter Evans geschieden. Im gleichen Jahr lernte sie bei einem Spaziergang den geheimnisvollen spirituellen Lehrer Djwhal Khul kennen, der später „der Tibeter“ genannt wurde. Dieser diktierte ihr mittels > Telepathie, > Visualisation und > Traum über 30 Jahre hinweg über 18 Bücher. B. nannte sich Sekretärin oder Schreibgehilfin und Schülerin des tibetanischen Meisters, ohne sich selbst als Medium zu bezeichnen. Sie schrieb nicht automatisch, hörte aber manche Kapitel und sah bestimmte Symbole und Mantras; Zeichnungen wurden ihr im Schlaf übermittelt.
1920 heiratete sie den Generalsekretär der amerikanischen ATG, Foster Bailey (†1977). Angesichts der durch ihre sensationellen Botschaften des Tibeters ausgelösten Eifersucht seitens der Besant-Anhänger erfolgte 1920 die Spaltung der Adyar-TG in den USA. Der größte Teil der TG-Mitglieder schloss sich der von Bailey neugegründeten Theosophical Association an. 1921 erhielt sie von Mr. Prater aus dem Nachlass von W. Q. Judge die Originalunterlagen der Esoteric Section. Daraus erkannte sie, dass die E. S. auf Wunsch der „Meister“ eigentlich „Arkanschule“ heißen sollte, und so benannte sie 1923 die Theosophical Association in „Arkanschule“ um.
In ihrer Lehre, die stark von den Schriften Blavatskys und anderer Theosophen beeinflusst ist, verkündet B. u. a., dass die Wiederkunft Christi nahe bevorstehe und dass in den heiligen Schriften seine Rückkehr nur symbolisch dargestellt werde. Das Hauptthema ihrer Lehren ist jedoch die Gegenwart einer Hierarchie bewusster Wesen auf Erden, die für die Leitung der Menschheit verantwortlich seien – ein Gedanke der später vom > Amorc aufgenommen wurde. An der Spitze dieser Hierarchie, die das neue Zeitalter vorbereitet, steht Christus, über ihm steht Buddha.
Durch den von ihr gegründeten Lucis-Verlag, die eigenen Werke, die Zeitschrift The Beacon sowie Kurse in ihrer Schule versuchte B. das Ideal einer Weltreligion zu verwirklichen und die Menschheit auf die nächste Stufe der Evolution vorzubereiten. Ihre Schriften sind ein Gemisch aus esoterischer Philosophie, okkulten Lehren, weißer Magie, „Bewusstseinserweiterung“, Astrologie und Meditation. B.s Arbeiten sind in der Schrift Dreißig Jahre Arbeit: die Bücher von Alice A. Bailey und dem tibetischen Meister Djwhal Khul (o. J.) dargestellt.

W.: Telepathie und der Ätherkörper. Lorch, Württembg: Karl Rohm Verlag, 1960; Erziehung im neuen Zeitalter. Vorwort von Oliver L. Reiser. Genf: Lucis, 1966; Eine Abhandlung über kosmisches Feuer / Einleitung von Foster Bailey. Genf: Lucis, 51968;  Die Wiederkunft Christi. Genf: Lucis, 1987; Eine Abhandlung über weiße Magie oder der Weg des Jüngers. Genf: Lucis, 1987; Initiation: menschl. u. solare Einweihung. [Übers. von P. P. Althaus]. Genf: Lucis; Bietigheim / Württemberg: Rohm, 41988; Esoterische Philosophie / Alice Bailey / Djwhal Khul. Caux, Schweiz: Netnews, 1997; Eine Abhandlung über kosmisches Feuer. Genf: Lucis, 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2