Bahreziehen

Bahreziehen, dreimaliges Ziehen der Totenbahre auf einem Schlitten rund um den Friedhof während des Zwölf-Uhr-Schlagens in der Heiligen Nacht. Dieses Sagenmotiv war vor allem in einigen Gebieten Tirols, von Mauls in Südtirol bis nach Sellrain, Tulfes und Volders in Nordtirol, verbreitet. In der Heiligen Nacht luden waghalsige Gesellen die Totenbahre auf einen Schlitten und fuhren beim Glockenschlag zur zwölften Stunde dreimal um den Friedhof. Die Fahrt wurde durch die Armen Seelen, die aus den Gräbern stiegen und sich auf den Schlitten setzten, immer beschwerlicher. Mit dieser Kraftanstrengung war der Glaube verbunden, dass ein Bursche so viele Raufer im Leben besiegen konnte, wie er Arme Seelen ziehen konnte. Wäre er stecken geblieben, hätte ihn der Teufel zerrissen.

Lit.: Holzmann, Hermann: Weihnacht am Tiroler Bergbauernhof / M. e. Geleitw. v. Vera v. Grimm. Graz: Verlag für Sammler, 1979.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2