Bacchus

Bacchus (lat.), römischer Gott des Weines und der > Ekstase. Der lateinische Name geht auf den griechischen Bakchos (> Dionysos) zurück, dessen Verehrung schon im 5. Jh. v. Chr. in Rom und in Italien Eingang fand. B. wurde auch mit dem römischen Gott > Liber verglichen und zuweilen mit ihm völlig identifiziert. Seine eifrigsten Dienerinnen waren die > Bacchantinnen.
Eine besondere Bedeutung bekam B. in den Ritualen der Mysterien und Ekstasen. Der ekstatische Kult wurde im späten 3. oder zu Beginn des 2. Jhs. durch einen Wanderpriester aus Etrurien nach Rom gebracht und war zunächst ausnahmslos den Frauen vorbehalten. Später wurde der Kult auch Männern zugänglich gemacht. Er entfaltete sich sehr rasch zu einem anrüchigen Privatkult, bei dessen Festen, den > Bacchanalien, es nicht nur zu geschlechtlichen Ausschweifungen kam, sondern auch Verbrechen begangen wurden, sodass ihn der römische Senat 186 v. Chr. verbot. Wie die archäologischen und epigrafischen Dokumente zeigen, vor allem die Reliefs in der Villa Farnesina in Rom (datiert auf die Zeit des Augustus) und die Fresken in der Villa der Mysterien von Pompei, war auch die Oberschicht in den Kult involviert.
In der lateinischen Literatur ist Bacchus der Gott der poetischen Ekstase und Inspiration (Horaz, Carm. 2, 19 und 3, 25; Ovid, Trist. 5, 3).

Lit.: Jeanmaire, Henri: Dionysos: histoire du culte de Bacchus. Paris: Payot, 1951; Bruhl, Adrien: Liber pater: origine et expansion du culte dionysiaque a Rome et dans le monde romain. Paris, 1953; Pailler, Jean-Marie: Bacchanalia: la répression de 186 av. J.-C. à Rome et en Italie: vestiges, images, tradition / (1943 –...) / École française de Rome / 1988; Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der (Hg.). Second extensively revised edition. Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2