Babylon, am Euphrat

Babylon, am Euphrat (babylon. Babilu, Gottespforte; hebr. Babel). Die Stadt lag am Euphrat, etwa 80 km südlich von Bagdad im heutigen Irak, und wird erstmals im 3. Jahrtausend erwähnt. Unter dem berühmten König Hammurapi (1792–1750 v. Chr.) wurde sie zur Hauptstadt und zum kulturellen Mittelpunkt Babyloniens, verlor aber mit dem Aufstieg Assyriens an Bedeutung. Von den Assyrern mehrfach zerstört, wurde sie immer wieder aufgebaut, am prächtigsten unter Nebukadnezar II. (605–562 v.Chr.), der Babylonien zur Großmacht ausbaute. Unter seiner Herrschaft war die Stadt von einer 18 km langen Außenmauer mit 8 Toren umgeben. Das wichtigste von ihnen war das Ishtar-Tor (heute im Pergamonmuseum in Berlin), durch das eine Prozessionstrasse in die Stadt führte, vorbei am Palast des Königs zum Marduktempel und dem Zikkurat von Etemenanki, besser bekannt als der Turm von > Babel (Gen 11, 4). Der legendäre Ruf der Stadt bezog sich aber vor allem auf die „hängenden Gärten“. Heute existiert die Stadt Babylon nur mehr als Ruinenstadt.
Im Alten Testament ist Babylon Babel (Wirrsal). „Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut“(Gen 11, 9). Es ist ein wichtiger religiöser und kultureller Mittelpunkt des Alten Orients, aber auch der Sitz aller gottlosen Mächte („Sündenbabel“), zumal unter Nebukadnezar II. ein Großteil der Juden in die „Babylonische Gefangenschaft“ geführt wurde: „Alle, die dem Schwert entgangen waren, führte Nebukadnezar in die Verbannung nach Babel. Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen, bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam“ (2 Chron, 36, 20).
Im Neuen Testament ist Babylon das Machtzentrum im Gegensatz zur Stadt Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und dient oft als Deckmantel für die christenfeindliche Herrschaft Roms (1 Petr. 5, 13; Offb 14, 8).
Als Hauptstadt des babylonischen Reiches war B. auch ein Zentrum der Heilkunst. So sind in der Gesetzessammlung, die der babylonische König Hammurapi zusammenstellen ließ, Preise festgelegt, die ein Arzt für seine Behandlung verlangen durfte. Die babylonisch-assyrischen Ärzte verfügten im 1. Jahrtausend über ein aus 40 Tontafeln bestehendes keilschriftliches „Prognose- und Diagnosenhandbuch“, das, bis in die Perserzeit überliefert, weit mehr als 3.000 Textzeilen enthielt.
Auch die > Astrologie, die vornehmlich von der Priesterschaft ausgeübt wurde, hatte in Babylon eine große Tradition. Die in Keilschriften geschriebenen 4.000 Tontäfelchen mit 25.000 Orakeltexten des Königs Assurbanipal (668–626), die sich heute im Britischen Museum in London befinden, bieten einen guten Einblick in die damalige Sterndeuterkunst. Die Bedeutung der Gestirne war im Glauben an eine große kosmische Ordnung begründet, in der Himmel und Erde keine Gegensätze darstellen.

Lit.: Schmidt, Philipp: Astrologische Plaudereien: Geschichte, Wesen und Kritik der Astrologie. Bonn: Verlag der Buchgemeinde Bonn, 1950; Götter und Dämonen: Mythen der Völker / hrsg. u. eingel. von Rudolf Jockel. Darmstadt: Holle Verlag GmbH, 1953; Schott, Heinz (Hg.): Meilensteine der Medizin. Originalausg. Dortmund: Harenberg, 1996; Religionen der Welt / John Bowker (Hg.). Darmstadt: Primus Verlag, 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2