Baal

Baal (semit. ba’l, Eigentümer, Herr, Gatte; babyl. bel; phöniz., ugaritisch, ba,al), 1. Wettergott der Westsemiten. Der Gott B. ist bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. in Abu Salabikh und in Ebla belegt. Das wichtigste Kulturzentrum im 2. Jahrtausend war Aleppo, von wo der Kult nach Ugarit gelangte. Es ist jedoch auch möglich, dass B. kein Eigenname war, da die Balim (Richter 2, 11) auf eine Gruppe lokaler Götter hinzuweisen scheinen. So finden sich in Israel B. Peor (Num 25, 3.5), B. Perit (Ri 8, 33) und B. von Ekron (2 Kön 1, 2f.6).
Als Wettergott werden ihm die Gaben des Regens und der Fruchtbarkeit zugeschrieben.
Die phönizische und aramäische Religion des 1. Jahrtausends v. Chr. bezeugt eine Konvergenz der Götter > El und B. zum Gott Baalšamem als einem neuen Typ des Wassergottes, der als Beschützer des Königtums auftritt.
Als die Omriden im 9. Jh. v. Chr. im Nordreich Israel die Herrschaft übernahmen, wurde > Jahwe in Samaria in der Gestalt des Baalšamem als Dynastiegott verehrt (1 Kön 16, 32). Allerdings liegt der alttestamentliche Jahwe-B.-Antagonismus nicht im Wesen der Götter Jahwe und B. begründet, sondern in der religionspolitischen Konstellation der Omriden-Zeit. Auf diesen Antagonismus verweisen die Polemiken gegen die Stierbilder (Ex 32; 1 Kön 12, 26–30). Jedenfalls scheint die B.-Verehrung für die Israeliten sehr verführerisch gewesen zu sein, wie die Verdammung des B.-Kultes durch die israelitischen Propheten (Jes 53, 3–10; Hos 13, 2) zeigt. Trotzdem wurden viele Eigenschaften des B. auf Jahwe übertragen und umgekehrt. Im Gegensatz zu B. wurde von Jahwe allerdings nie gesagt, dass er in die Unterwelt hinabstieg. Als spezifisch kanaanäischer Gott wird B. im AT 90-mal genannt.
In seiner komplexen Gestalt zeigt B. schließlich die Züge eines sterbenden und wieder auferstehenden Gottes. Seine Hauptfeinde sind der Meeresgott > Jamm und der Totengott > Mot. Jamm besiegt er, Mot hält ihn in der Unterwelt gefangen, wo beim Wiedereinsetzen der Regenfälle seine „Wiedergeburt“ gefeiert wird.
Mit den Hyksos kam der Glaube an B. auch nach Ägypten, wo er später mit > Seth identifiziert wurde.
Dargestellt wird B. mit Keule und Blitzsymbol in seinen Händen, auf dem Haupt einen gehörnten Helm.
Diese herausragende Bedeutung und Vielschichtigkeit des B. findet in zahlreichen Bezeichnungen von Lokalgöttern ihren Niederschlag, wie folgende neun Toponyme zeigen: Baal-gad, Baal-hamon, Baal-hazor, Baal-hermon, Baal-juda, Baal-meon, Baal-perazim, Baal-shalisha, und Baal-tamar, die sich alle auf Kanaan beziehen.
2. In der > Dämonologie bezeichnet B. einen Höllenfürsten, dessen Reich im Osten liegt.

Lit.: Eissfeldt, Otto: Baal Zaphon, Zeus Kasios und der Durchzug der Israeliten durchs Meer. Halle: Niemeyer, 1932; Kapelrud, Arvid Schou: Baal in the Ras Shamra texts. Copenhagen: Gad, 1952; Hillmann, Reinhard: Wasser und Berg: kosmische Verbindungslinien zwischen dem kanaanäischen Wettergott und Jahwe. Halle, Univ., Theol. Diss., 1965; Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hg.]. Second extensively revised edition. Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2