Baader, Franz Xaver von

Baader, Franz Xaver von (*27.03.1765 München; +23.05.1841 daselbst), war Arzt, Bergrat, katholischer Philosoph und Vertreter der Romantik. Er machte eine Erfindung zur Glasherstellung für seine eigene Firma; 1826 zum Honorarprofessor für Religionsphilosophie an der Universität München ernannt.
B. gilt als einer der bedeutendsten religiösen Philosophen und Theosophen der Philosophiegeschichte. Mit seiner spekulativen Religionsphilosophie gehört er zur Bewegung des deutschen Idealismus, mit dem er das Ziel einer philosophischen Begründung der christlichen Religion teilt. Sein umfassendes Denken integriert philosophische, theologische, spirituelle, biblische, ökonomische, soziale, politische, personale und kosmische Dimensionen. In dieser Vielfalt den Denkens spielen die Grenzgebiete eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Seit seiner Jugend selbst von zeitweiligen somnambulen Zuständen befallen, befasste er sich mit der > Kabbala, Jakob > Böhme und > Schelling sowie den französischen Mystikern Martinez > de Pasqualis und Louis-Claude > de St. Martin. Anders als Schelling und Hegel, mit denen er in regem Austausch stand, suchte er einerseits die Nähe zur Tradition der Gnosis, der Theosophie und Kabbala, andererseits zur katholischen und evangelischen Lehre und hielt am Offenbarungscharakter der Religion fest. Seine spekulative, theosophisch gefärbte, ökonomisch-christlich orientierte Philosophie übte über Deutschland hinaus einen großen Einfluss aus, insbesondere in Russland.
Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen wandte sich B. auch bestimmten Randgebieten der Psychologie und Psychiatrie zu. So berichtet er im Fragment aus der Geschichte einer magnetischen Hellseherin (Sämtliche Werke IV) von einem einfachen Bauernmädchen, das im somnambulen Zustand hellseherische Leistungen zeigte und über religiöse Gegenstände sprach, während sie in einem zweiten somnambulen Zustand, der sich neben dem ersten entwickelte, von Besessenheit durch einen gottfeindlichen Geist berichtete. „So musste man von nun an drei [Zustände] unterscheiden, den des gemeinen Wachens, den des guten magnetischen und jenen des bösen magnetischen Wachens.“
In Über den Begriff der Ekstasis als Metastasis (ebenda) bezeichnet B. die > Ekstase als eine Antizipation des Todes im Sinne der Freiheit der Seele von der leiblichen Gebundenheit an Gehirn, Nerven und Sinnesorgane durch die magische Bindung an die Welt. B. nimmt nämlich eine doppelte Gemeinschaft des Menschen mit der Welt an: die leiblich sinnliche und die magische, die außerleiblich ist und eigenen Gesetzen folgt.
Das fixierte Nebeneinander- oder Auseinander-gehalten-Bleiben dieser Seinsweisen sei die Grundlage der Verrücktheit und ein Großteil der „Narren“ sei auf diese Weise verrückt geworden (Über die Ekstase oder das Verzücktsein der magnetischen Schlafredner, ebenda).

Lit.: Siegl, Josef: Franz von Baader: ein Bild seines Lebens und Wirkens. München: Bayerischer Schulbuch-Verl, 1957; Franz Xaver von Baader: Sämtliche Werke: systematisch geordnet. Hg. von Franz Hoffmann. Aalen: Scientia-Verl, 1963.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2