> Baraduc, Hippolyte - Lexikon der Paranormologie - IGW-Resch
LEXIKON DER PARANORMOLOGIE                                                  Index   A - Z
Band 2

Baraduc, Hippolyte

Baraduc, Hippolyte (1850–1902), französischer Erforscher der > Bioenergie und > Gedankenfotografie; arbeitete als Magnetopath, d. h., er behandelte Krankheiten auf der Basis der Lehre des > Animalischen Magnetismus. So ließen sich die Damen der höheren Gesellschaft von ihm behandeln, weil anscheinend nur er mit Neurosen fertig wurde. In seinem Forscherdrang versuchte er dann die Ausstrahlungen des menschlichen Körpers durch Messungen unter Beweis zu stellen. Zu diesem Zweck legte er zwei Magnetometer vor sich auf den Tisch. Bei Annäherung mit seinen beiden Händen stellte B. fest, dass die rechte Hand die Nadel des rechten Geräts um etwa 15 Grad anzog und die linke Hand die Nadel des linken Geräts um 5 Grad abstieß. Die Kraft der linken Hand nannte er Expir und die Kraft, die über die rechte Hand in den Körper einfloss, Aspir.
Wenn also der Körper fünf Einheiten abgibt und 15 Einheiten aufnimmt, bleibt ein Unterschied von 10 Einheiten, die eine spezifische Batterie aufladen, welche uns mit psychischen Kräften versorgt, die wir nach außen abgeben können. Die > Vitalseele atme gewissermaßen mit dem Aspir ein und mit dem Expir aus. Dieses Ein- und Ausatmen der Vitalseele könne durch Fotografieren des fluidischen Unsichtbaren (iconographie de l’invisible fluidique) sichtbar gemacht werden. Zu diesem Zweck genüge es zunächst, eine fotografische Platte zwischen die Fingerspitzen der rechten und linken Hand zu geben oder in ihre Nähe zu stellen. Diese Methode nannte er Ikonographie (griech., Bilddarstellung), weil nicht Licht, sondern ein elektro-vitaler Strom, den man als inneres Licht bezeichnen könne, nämlich die innerste Seele, auf die Platte einwirke, wodurch sich die verschiedenen psychischen Zustände festhalten ließen.
Für das Entstehen der Ikonographie nennt er vier Voraussetzungen: 1. den Operator; 2. das elektrische Fluid und die kosmische Atmosphäre zwischen ihm und der Platte; 3. die empfindliche Platte, die den entstehenden Strom aufnimmt und fixiert; 4. das Unsichtbare, das – durch den menschlichen Willen hervorgerufen – durch eine pulsierende Atmung zur Verfügung gestellt wird, was den Strom erzeugt und verstärkt, der die Kräfte aus der Umgebung und das, was einer universellen Lebenskraft oder Intelligenz angehört, anzieht.
Für die Aufnahme solcher Einwirkungen der Vitalseele verwendete B. eine Fotokamera und einen Elektrorasierer, wobei er den Strom nur zur Verstärkung der Phänomene benutzte. Zudem arbeitete er mit nassen, trockenen, bloßen, und eingewickelten Platten. In seinem Buch L’ame humaine (Paris, 1896) führt er bei all seinen 70 Aufnahmen die verwendeten Hilfsmittel genau an. Dabei zeigt er auch Bilder, die ohne Elektrizität, ohne Kamera, sondern nur mit der rechten Hand entstanden sind. Bei der Fotografie von Gedanken bedarf es nach B. jedoch einer bestimmten Willensanstrengung: „Dann muss das Bewusstsein im Geist mit Kraft und Genauigkeit jenes Bild erfassen, dem es einen fluidischen Körper geben will“ (nach Krauss, 55)
1895 legte B. der französischen Akademie der Medizin eine Gedenkschrift über seine Arbeiten vor. Die Kritik verhielt sich zurückhaltend bis ablehnend. Offenbar war man auf eine solche Darstellung nicht vorbereitet.
1907 fotografierte B. neun Stunden nach dem Tod seines Sohnes André den Sarg, in dem der Leichnam lag. Die Aufnahme zeigte einen formlosen Nebel, der vom Sarg aufstieg. Sechs Monate später fotografierte er seine sterbende Frau. Auf den entwickelten Platten fand er geradewegs über ihrem Körper drei leuchtende Sphären, die dünne Lichtfinger ausstrahlten.
Der von ihm konstruierte > Biometer diente dem Nachweis einer Nervenkraft und einer unbekannten Vibration außerhalb des Körpers. 
Seine Fotografien, die in die Geschichte eingingen und viele Fragen offen lassen,  regten Annie > Besant und Charles Webster > Leadbeater zu ihren > Gedankenformen an.

W.: Iconographie de la force vitale cosmique od. Extrait de “L'Ame humaine, ses mouvements, ses lumières” / Baraduc, Hippolyte Ferdinand (1850–1909) / G. Carré / 1896;  L'Ame humaine, ses mouvements, ses lumières, et l'iconographie de l'invisible fluidique, par le Dr H. Baraduc. Paris: G. Carré, 1896; La force curatrice à Lourdes e la psychologie de miracle. Paris: C. A. Mann, 1909; La force vitale: notre corps vital fluidique, sa formule biométrique [Texte imprimé] / Baraduc, Hippolyte Ferdinand (1850–1909) / Editions du Cosmogone / 1996.

Lit.: Krauss, Rolf H.: Jenseits von Licht und Schatten: die Rolle der Photographie bei bestimmten paranormalen Phänomenen – ein historischer Abriss. Marburg: Jonas Verlag, 1992.

 

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Innsbruck: Resch, 2011, XII, 509 S., ISBN 978-3-85382-090-2, Ln, EUR 48.50 [D], 49.90 [A]

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