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LEXIKON DER PARANORMOLOGIE                                                  Index   A - Z
Band 2

B nimmt als Buchstabe in allen dem Phönizisch-Griechischen entstammenden Alphabeten hinter dem A den bedeutsamen zweiten Platz ein. In den ältesten Bildschriften ist unser heutiges B ein längliches Viereck mit einer Öffnung. Es ist der Grundriss eines Wohnhauses oder Tempels. Das Viereck hat eine weitergehende Symbolik als das Quadrat. Es bezeichnet Ehrlichkeit, Geradheit, Sittlichkeit und verkörpert Begrenzung und als dermaßen vollendete Form auch die Umfriedung des Grabes. Es ist daher das Feststehende des Todes, womit Dauer und Stabilität symbolisiert werden im Gegensatz zum dynamischen Kreis von Leben und Bewegung. Beim Viereck kommt zu den ungleichen Seitenlängen noch der Gedanke der Proportionen, der Verhältnisse der Seitenflächen zueinander.
Die semitische Bezeichnung des zweiten Buchstabens mit Beth in der Bedeutung von „Haus“ greift die genannte Symbolik von Quadrat und Viereck auf.

Lit.: Cooper, J. C.: Lexikon alter Symbole. – Leipzig: Seemann, 1986; Die siebzig großen Geheimnisse der alten Kulturen / Brian M. Fagan [Hg.]. – Frankfurt a. M.: Zweitausendeins, 2001.

B, Gott, der in den Handschriften der Maya am häufigsten dargestellte Regen-, Wasser- und Fruchtbarkeitsgott. Er ist meist mit einer langen, rüsselförmigen Nase abgebildet. Oft hält er auch ein Beil als Symbol des Donners und als Hinweis auf die Funktion des Regenbringers in der Hand. B findet sich überall in den Maya-Stätten als wichtiger Gott und entspricht wahrscheinlich > Chac, dem Gott des Regens.

Lit.: Chactun – die Götter der Maya: Quellentexte, Darstellung und Wörterbuch / hg. von Christian Rätsch. – München: Diederichs, 1994.

Ba, ägyptische Bezeichnung der Seele als geistige Kraft, die von den Griechen mit Bai umschrieben wird und von dem spätantiken Schriftsteller Horapollon (I. 7) nicht ganz zutreffend mit Psyche (Seele) wiedergegeben wird. Ba war, wie sein altes Wortzeichen zeigt, eine besondere Vogelgattung, eine Storchenart, in der man, nahe verwandt mit der Vorstellung > Ach, göttliche Kräfte verkörpert glaubte. So werden in der ältesten Literatur anonym auftretende Götter als Ba bezeichnet. Dann wird die Bezeichnung als Synonym für die Erscheinungsform eines Gottes verwendet. So erblickt man im Phönix in Heliopolis den Ba des Sonnengottes Re, den Apis in Memphis verehrt man als Ba des Osiris. Die Bezeichnung Ba stammt aus dem königlichen Totenkult und geht mindestens bis auf das Alte Reich (ca. 2705–2180 v. Chr.) zurück. Diese Vorstellung findet sich bereits im frühen ägyptischen Volksglauben, der solche geistige Kräfte leuchtend wie kleine Öllampen in den Sternen am Himmel sah, weshalb man den Ba-Vogel (Falke mit Menschenkopf) gerne mit einem solchen Lämpchen darstellte.
Im Ausgang des Alten Reiches wird die Bezeichnung auf alle Menschen bezogen. Nachdem der Leib beim Tod durch das Totenritual verklärt ist, kann sich der Ba frei bewegen und vom Leichnam entfernen. Am Tag folgt er der Sonne am Horizont und in der Nacht vereint er sich wieder mit dem Körper in der Unterwelt, bis der Körper verwest ist. Dann fliegt Ba zu den Göttern.

Lit.: Horapollo: Bildschrift oder entworffne Wharzeichen dero die uhralten Aegyptier sich an statt der buchstäblichen schrifften gebraucht habend: Inn zwei bücher / durch etwa Horum ein Heilig geachten Priester und König in Aegyptien vor dreytausent hundert jaren verfasst ... durch Joh. Herold ins Teutsch gepracht. – Basel: durch Henrichum Petri), 1554; The Book of the Dead: Facsimiles of the Papyri of Hunefer, Anhai, Kerasher and Netchemet with supplementary text from the Papyrus of Nu. With transcripts, translations, etc. / by E[rnst] A[lfred] Wallis Budge. – London: Brit. Mus, 1899; Zabkar, Louis Vico: A study of the Ba concept in ancient Egyptian texts. – Chicago, Ill.: Univ. Press, 1968 (Studies in Ancient Oriental Civilization; 34); Jacobsohn, H.: Das Gespräch eines Lebensmüden mit seinem Ba. – Zürich: Rascher Verlag (Studien aus d. C. G. Jung-Institut III), 1952.

Ba neb Dedet („Widder/Bock von Dedet“), Bezeichnung des in Dedet (griech.: Mendes) verehrten widdergestaltigen Gottes. Dedet (Djedet) war die Hauptstadt des 16. Gaus von Unterägypten und Hauptstadt des alten Ägypten während der 29. Dynastie. Die Stadt lag am mendesischen Nilarm, der nun verschlammt ist und eine der größten Ausgrabungsstätten im Nildelta darstellt, etwa 35 km östlich von Masura.
Der hier verehrte Bock als Herr von Dedet und großer Gott schloss die schöpferische Urkraft in vier Formen oder „Ba-Seelen“ der ersten vier Herrscher über die Welt in sich, nämlich, den > Ba des > Re, > Schu, > Geb und > Osiris. Ihm verdankten Herden und Felder ihre Fruchtbarkeit und Frauen erhofften sich von ihm Kindersegen. In der Spätzeit nahm der Gott die Gestalt eines Ziegenbockes an, weshalb er von den Griechen mit > Pan verglichen werden konnte.

Lit.: Herodotus: Historien: Griechisch/Deutsch. Hg. Kai Brodersen. – Stuttgart: Reclam, 2004; Die ägyptische Götterwelt / eingel. und übertr. von Günther Roeder. – Zürich [u. a.]: Artemis-Verl., 1959; Ions, Veronica: Die Götter und Mythen Ägyptens. – Klagenfurt: Kaiser, 1988.

Baader, Franz Xaver von, geb. am 27.3.1765 in München, dortselbst gestorben am 23.5.1841, war Arzt, Bergrat, katholischer Philosoph und Vertreter der Romantik. Er machte eine Erfindung zur Glasherstellung für seine eigene Firma; 1826 zum Honorarprofessor für Religionsphilosophie an der Universität München ernannt.
B. gilt als einer der bedeutendsten religiösen Philosophen und Theosophen der Philosophiegeschichte. Mit seiner spekulativen Religionsphilosophie gehört er zur Bewegung des deutschen Idealismus, mit dem er das Ziel einer philosophischen Begründung der christlichen Religion teilt. Sein umfassendes Denken integriert philosophische, theologische, spirituelle, biblische, ökonomische, soziale, politische, personale und kosmische Dimensionen. In dieser Vielfalt den Denkens spielen die Grenzgebiete eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Seit seiner Jugend selbst von zeitweiligen somnambulen Zuständen befallen, befasste er sich mit der > Kabbala, Jakob > Böhme und > Schelling sowie den französischen Mystikern Martinez > de Pasqualis und Louis-Claude > de St. Martin. Anders als Schelling und Hegel, mit denen er in regem Austausch stand, suchte er einerseits die Nähe zur Tradition der Gnosis, der Theosophie und Kabbala, andererseits zur katholischen und evangelischen Lehre und hielt am Offenbarungscharakter der Religion fest. Seine spekulative, theosophisch gefärbte, ökonomisch-christlich orientierte Philosophie übte über Deutschland hinaus einen großen Einfluss aus, insbesondere in Russland.
Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen wandte sich B. auch bestimmten Randgebieten der Psychologie und Psychiatrie zu. So berichtet er im Fragment aus der Geschichte einer magnetischen Hellseherin (Sämtliche Werke IV) von einem einfachen Bauermädchen, das im somnambulen Zustand hellseherische Leistungen zeigte und über religiöse Gegenstände sprach, während sie in einem zweiten somnambulen Zustand, der sich neben dem ersten entwickelte, von Besessenheit durch einen gottfeindlichen Geist berichtete. „So musste man von nun an drei [Zustände] unterscheiden, den des gemeinen Wachens, den des guten magnetischen und jenen des bösen magnetischen Wachens.“
In Über den Begriff der Ekstasis als Metastasis (ebenda) bezeichnet B. die Ekstase als eine Antizipation des Todes im Sinne der Freiheit der Seele von der leiblichen Gebundenheit an Gehirn, Nerven und Sinnesorgane durch die magische Bindung an die Welt. B nimmt nämlich eine doppelte Gemeinschaft des Menschen mit der Welt an: die leiblich sinnliche und die magische, die außerleiblich ist und eigenen Gesetzen folgt.
Das fixierte Nebeneinander- oder Auseinander-gehalten-Bleiben dieser Seinsweisen sei die Grundlage der Verrücktheit und ein Großteil der „Narren“ sei auf diese Weise verrückt geworden (Über die Ekstase oder das Verzücktsein der magnetischen Schlafredner, ebenda).

Lit.: Baader, Franz Xaver von: Sämtliche Werke: systematisch geordnet. Hg. von Franz Hoffmann. – Aalen: Scientia-Verl, 1963; Siegl, Josef: Franz von Baader: ein Bild seines Lebens und Wirkens. – München: Bayerischer Schulbuch-Verl, 1957.

Baal (semit. ba’l, Eigentümer, Herr, Gatte; babyl. bel; phöniz., ugaritisch, ba,al), 1. der Wettergott der Westsemiten.
Der Gott B. ist bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. in Abu Salabikh und in Ebla belegt. Das wichtigste Kulturzentrum im 2. Jahrtausend war Aleppo, von wo der Kult nach Ugarit gelangte. Es ist jedoch auch möglich, dass B. kein Eigenname war, da die Balim (Richter 2, 11) auf eine Gruppe lokaler Götter hinzuweisen scheinen. So finden sich in Israel B. Peor (Num 25, 3.5), B. Perit (Ri 8, 33) und B. von Ekron (2 Kön 1, 2f.6).
Als Wettergott werden ihm die Gaben des Regens und der Fruchtbarkeit zugeschrieben.
Die phönizische und aramäische Religion des 1. Jahrtausends v. Chr. bezeugt eine Konvergenz der Götter El und B. zum Gott Baalšamem als einem neuen Typ des Wassergottes, der als Beschützer des Königtums auftritt.
Als die Omriden im 9. Jahrhundert v. Chr. im Nordreich Israel die Herrschaft übernahmen, wurde Jahwe in Samaria in der Gestalt des Baalšamem als Dynastiegott verehrt (1 Kön 16, 32). Allerdings liegt der alttestamentliche Jahwe-B.-Antagonismus nicht im Wesen der Götter Jahwe und B. begründet, sondern in der religionspolitischen Konstellation der Omriden-Zeit. Auf diesen Antagonismus verweisen die Polemiken gegen die Stierbilder (Ex 32; 1 Kön 12, 26–30). Jedenfalls scheint die B.-Verehrung für die Israeliten sehr verführerisch gewesen zu sein, wie die Verdammung des B.-Kultes durch die israelitischen Propheten (Jes 53, 3–10; Hos 13, 2) zeigt. Trotzdem wurden viele Eigenschaften des B. auf Jahwe übertragen und umgekehrt. Im Gegensatz zu B. wurde von Jahwe allerdings nie gesagt, dass er in die Unterwelt hinabstieg. Als spezifischer kananäischer Gott wird B. im AT 90-mal genannt.
In seiner komplexen Gestalt zeigt B. schließlich die Züge eines sterbenden und wieder auferstehenden Gottes. Seine Hauptfeinde sind der Meeresgott > Jamm und der Totengott > Mot. Jamm besiegt er, Mot hält ihn in der Unterwelt gefangen, wo beim Wiedereinsetzen der Regenfälle seine „Wiedergeburt“ gefeiert wird.
Mit den Hyksos kam der Glaube an B. auch nach Ägypten, wo er später mit > Seth identifiziert wurde.
Dargestellt wird B. mit Keule und Blitzsymbol in seinen Händen, auf dem Haupt einen gehörnten Helm.
Diese herausragende Bedeutung und Vielschichtigkeit des B. findet in zahlreichen Bezeichnungen von Lokalgöttern ihren Niederschlag, wie folgende neun Toponyme zeigen: Baal-gad, Baal-hamon, Baal-hazor, Baal-hermon, Baal-juda, Baal-meon, Baal-perazim, Baal-shalisha, und Baal-tamar, die sich alle auf Kanaan beziehen.
2. In der Dämonologie bezeichnet B. einen Höllenfürsten, dessen Reich im Osten liegt.

Lit.: Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hg.]. – Second extensively revised edition. – Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999; Hillmann, Reinhard: Wasser und Berg: kosmische Verbindungslinien zwischen dem kanaanäischen Wettergott und Jahwe. – Halle, Univ., Theol. Diss., 1965; Kapelrud, Arvid Schou: Baal in the Ras Shamra texts. – Copenhagen: Gad, 1952; Eissfeldt, Otto: Baal Zaphon, Zeus Kasios und der Durchzug der Israeliten durchs Meer. – Halle: Niemeyer, 1932.

Baal-Addir („mächtiger Baal“), Gott der phönizischen Stadt Byblos, später auch im punischen (karthagischen) Afrika verehrt, wo er bei den Truppen dem Jupiter Valens gleichgesetzt wurde – ob als Fruchtbarkeits- und/oder Unterweltgott bleibt offen.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. – 2., erw. Aufl. – Stuttgart: Kröner, 1989.

Baalat(h) („Herrin“, „Eigentümerin“), westsemitisches Beiwort für eine Stadt- oder Landesgöttin, deren männliche Entsprechung der > Baal ist. Am bekanntesten ist die seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. nachweisbare Baalat von Byblos, die auch als Belit von Byblos in den Amarnabriefen (ca. 1375 v. Chr.) genannt wird. Als Stadtname findet sich B. auch im AT (Jos 19, 44, 1 Kön 9, 18).

Lit.: Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Van der Toorn, Karel; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hg.]. – Second extensively revised edition. – Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

Baalberith (hebr., „Herr des Bundes“), semitischer Stadtgott von Sichem, auch El-Berith („Gott des Bundes“) genannt. Nach dem Tod Gideons verfielen die Israeliten wieder der Abgötterei mit den Baalen und machten den „Baal des Bundes“ zu ihrem Gott (Ri 8, 33). Er war der Schutzgott von Verträgen, die durch das rituelle Schlachten eines Esels besiegelt wurden. B. wird nur im Buch Richter als Spezifikation des Fruchtbarkeitsgottes > Baal genannt. Er half dem Abimelech, König über Israel zu werden (Ri 9).
Diese Abwendung von Jahwe und Zuwendung zu Baal wurde von der Dämonologie aufgegriffen und als Pakt mit dem Teufel gedeutet. So wird B. in der höllischen Allianz als Teufel zweiter Klasse zum Sekretär und Wächter der Höllenarchive. B. befindet sich auch unter den vielen Teufeln, von denen die Ursulinerin > Madeleine de Demandoix in Kloster Aix-en-Provence Anfang des 17. Jahrhunderts besessen war.

Lit.: Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der (Hg.). – Second extensively revised edition. – Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999; Cavendish, Richard: Die schwarze Magie. – Berlin: Richard Schikowski, 1980.

Baal-Biq’ah („Herr der Ebene“ zwischen dem Libanon und dem Antilibanon), Gottheit, nach der die Stadt Baalbeck ihren Namen erhielt. Zunächst Wettergott, wurde B. in hellenistischer Zeit zum Himmels- bzw. Sonnengott und dem > Zeus gleichgestellt. In römischer Zeit galt er als > Jupiter Heliopolitanus und die Stadt Baalbek führte den Namen Heliopolis, Sonnenstadt.

Lit.: Bellinger, Gerhard J.: Knaurs Lexikon der Mythologie: über 3000 Stichwörter zu den Mythen aller Völker. – Lizenzausg. f. area verlag gmbh, Erftstadt. – München: Droemersche Verlagsanst. Th. Knaur Nachf. GmbH & Co.KG, 2005.

Baal-Gad („Herr des Glücks“), Gott, von dem die Stadt Gad am Berg Hermon (Ri 3,3) in der Nähe der Jordanquelle (Jos 13, 5) den Namen erhalten hat. Er ist der Lenker des Schicksals und ein Glücksgott in astrologischer und horoskopischer Beziehung.

Lit.: Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Van der Toorn, Karel; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der (Hg.). – Second extensively revised edition. – Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

Baal-Hammon („Herr der Räucheraltäre“), Hauptgott von Karthago und Fruchtbarkeitsgott mit dem Beinamen „Fruchtträger“ und „Gott der Früchte“. Er ist erstmals in einer Inschrift aus dem phönizischen Sendschirli (Zincirli) erwähnt. Von Karthago aus wurde er auf Malta, Sizilien und Sardinien eingeführt. In Afrika und auf Sizilien gehörten auch Kinderopfer zu seinem Kult, wobei die Kinder auf die Hände seiner Statue gelegt wurden, bevor sie von diesen in eine Feuergrube hinabfielen. Durch die Namensähnlichkeit mit dem Oasengott > Ammon erblickte man in ihm auch einen Orakelgott. Bei den Griechen wurde er dem > Kronos und bei den Römern dem > Saturn gleichgestellt.

Lit.: Xella, Paolo: Baal Hammon: recherches sur l'identité et l'histoire d'un dieu phénico-punique. – Roma: Consiglio nazionale delle ricerche, 1991.

Baal-Karmelos („Herr des Karmel“), Orakel- und Berggott, der auf dem Berg Karmel verehrt wurde und dessen 450 Propheten vom alttestamentlichen Propheten Elija zu einem Gottesurteil herausgefordert wurden (1 Kön 18, 16–40). Der Orakel erteilende Berggott wurde in römischer Zeit noch verehrt, u. a. von Kaiser Vespasian.

Lit.: Eissfeldt, Otto: Der Gott Karmel. – Unveränd. Abdr. – Berlin: Akad.-Verl, 1954.

Baal-Marqōd („Herr des Tanzes“), altsyrischer Heilgott, der in der Nähe der heutigen Stadt Beirut ein Heiligtum hatte. Eine ihm zugeordnete Quelle wies ihn als göttlichen Arzt aus. Sein Kult hatte orgiastische Züge. Auf Votivsteinen wird er gräzisiert als Balmarkos bezeichnet. In römischer Zeit wurde er dem > Jupiter gleichgesetzt.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. – 2., erw. Aufl. – Stuttgart: Kröner, 1989.

Baal-Qarnaim („Herr der beiden Hörner“), punischer Berggott, benannt nach zwei Bergspitzen am Golf von Tunis, die noch heute seinen Namen (Dschebel bu Qurnein) tragen. Bei den Römern wurde er als > Saturn dargestellt und Saturnus Balcarnensis genannt. Man vermutet in ihm auch eine lokale Erscheinungsform des > Baal-Hammon.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. – 2., erw. Aufl. – Stuttgart: Kröner, 1989.

Baal-Sapon („Baal des Sapon“), kanaanäischer Gott, benannt nach dem Berg Sapon im Norden des Libanon. In Ugarit hieß er Baal-Sapan. In der Bibel wird der Berg als Berg Zion bezeichnet (Ps 48, 3). Als Bezwinger des > Jamm fungiert er auch als Schutzgott der Seeleute. In hellenistischer Zeit ging er in die Gestalt des > Zeus vom Berge Kasios ein.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. – 2., erw. Aufl. – Stuttgart: Kröner, 1989.

Baal-Schamem, Baal-Schammin, Baal-Schamajin („Herr des Himmels“), phönizischer Himmelsgott, der über Gestirne, Gewitter und Regen gebietet. Die älteste phönizische Bezeichnung geht auf eine Inschrift von 1000 v. Chr. in Byblos zurück. Im Vertrag des assyrischen Königs Asarhaddon (680–669 v. Chr.) wird er zusammen mit dem Baal von Tyrus unter den > Schwurgöttern genannt. Sein Kult war weit verbreitet (Altsyrien, Nordmesopotamien, Zypern, Karthago). Das ihm heilige Tier ist der Adler. Die Seleukiden stellten ihn auf ihren Münzen mit einer siebenstrahligen Sonne in der Hand und einem Halbmond auf der Stirn dar. Die Römer nannten ihn Coelus (Himmel) oder Jupiter Coelestis.

Lit.: Tubach, Jürgen: Im Schatten des Sonnengottes: der Sonnenkult in Edessa, Harran und Hatra am Vorabend der christlichen Mission. – Wiesbaden: Harrassowitz, 1986; Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Van der Toorn, Karel; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hg.]. – Second extensively revised edition. – Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

Baal-Schem (hebr., „Meister des göttlichen Namens“), in der chassidischen und kabbalistischen Literatur Bezeichnung für jene, die geheimes Wissen über Gottes Namen besitzen. Seit dem Mittelalter auch Bezeichnung für jeden, der geheimes Wissen vom > Tetragrammaton und anderen heiligen Namen besitzt. Der Begriff wurde ebenso für Schreiber von > Amuletten verwendet. Die Baalei Schem (Plural) waren vom 17. Jahrhundert an besonders als Heiler und Exorzisten bekannt. Viele ihrer Taten wurden in Legenden überliefert, insbesondere in chassidischen Gemeinden.
Der berühmteste Träger dieses Beinamens war > Israel Ben Elieser (ca. 1700–1760), der als Gründer des Chassidismus den Titel > Baal Schem Tov annahm.

Lit.: Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen / John Bowker (Hg.). – Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999; Israel Ben Eliezer: Des Rabbi Israel Ben Elieser genannt Baal-Schem-Tow, das ist Meister vom guten Namen, Unterweisung im Umgang mit Gott / aus den Bruchstücken gefügt von Martin Buber. [Mit Nachw. und Kommentar von Lothar Stiehm]. – Neugest. Ausg., 4. Aufl. der Einzelausg. – Heidelberg: Schneider, 1981.

Baal-Schem-Tov (hebr., „Herr des guten göttlichen Namens“), Beiname des > Israel ben Elieser (ca. 1700–1760), Begründer der jüdischen mystischen Bewegung der Chassidim. Da man die Bezeichnung Baal Schem, die seit dem 11. Jahrhundert jenen verliehen wurde, die geheimes Wissen über Gottes Namen besaßen (Dtn 28, 58), auch den Wunderdoktoren und Amuletthändlern zusprach, was zu einem negativen Beigeschmack führte, fügte Israel ben Elieser seinem Beinamen Tov (hebr.: gut) hinzu, um das Negative aufzuwiegen. Die abgekürzte Form seines Namens lautet Bescht.
B. wuchs als Waisenkind auf, wurde Helfer eines Lehrers und eröffnete selbst eine Elementarschule. Eine Zeitlang lebte er als Einsiedler, während seine Frau eine Gastwirtschaft betrieb. Mit seiner Heilpraxis verband er auch den religiösen Unterricht des einfachen Volkes. Seine nicht-asketische Lehre wurde von seinen Schülern aufgezeichnet und fand auch beim asketischen Chassidismus eine wachsende Anhängerschaft. B. ging davon aus, dass Gott in allen Dingen ist, und rief zu einem freudig gestimmten Gottesdienst auf, der nicht auf Entsagung aufbaute, sondern auf der Hingabe an Gott und der ethischen Gesinnung. Wer dies verwirkliche, sei ein Gerechter und Vorbild für die anderen. Ab 1740 wirkte er in Medshibosh (Ukraine), um den einfachen Menschen Osteuropas einen neuen Zugang zur traditionellen jüdischen Religion zu eröffnen, indem er den ostjüdischen Chassidismus gründete. Die von Martin Buber gemachte Darstellung von B. und seiner Lehre gilt als nicht unproblematisch.

Lit.: Die Geschichten vom Ba'al Schem Tov = Schivche ha-Bescht. Hg., übers. und kommentiert von Karl E. Grözinger. – Wiesbaden: Harrassowitz, 1997; Buber, Martin: Die Legende des Baalschem. – 7. Aufl., umgearb. Neuausg. – Zürich: Manesse-Verl, 1993.

Baaltis, nach der phönizischen Mythologie die weibliche Form des Namens > Baal, die Herrscherin, die Himmelskönigin, die Mondgöttin. Sie wird mit > Astarte identifiziert, andere halten sie für deren Schwester. Der Hauptsitz ihrer Verehrung war > Byblos. Karthager und Phönizier verehrten sie unter beiden Namen.

Lit.: Vollmer, Wilhelm:  Wörterbuch der Mythologie. Erfstadt: area, 2004.

Baal-Zebul (hebr. erhabener Fürst), Stadtgott von Ekron im Land der Philister. König Ahasja von Israel, der in Samaria durch das Gitter seines Obergemaches fiel und sich dabei verletzte, befragte B. durch einen Boten über seine Genesungsaussichten (2 Kg 1, 2f.). Der Prophet Elija ließ ihn jedoch fragen, ob es denn in Israel keinen Gott gäbe, dass man den Gott von Ekron befragen müsse. Der Name des Gottes wurde im Hebräischen vermutlich zu Baal-Zebub (Herr der Fliegen) verballhornt, um den Gott bzw. dessen Anhänger zu verspotten.
So wurde dieser kanaanäische Gott bereits in frühjüdischer Zeit zum Innbegriff des Götzen und im dualistischen Denken zum Anführer der widergöttlichen Mächte. Als solcher findet er auch Eingang in das Neue Testament, wo in den griechischen Handschriften Beelzebul oder > Beelzebub als der oberste Dämon aufscheint.

Lit.: Dictionnaire infernal / Collin de Plancy, Jacques Auguste Simon (1794–1881).

Baalzephon, in der > Dämonologie Anführer der Hüter und Wächter der Hölle.

Lit.: Wierus, Joannes: Ioannis Wieri De Praestigiis Daemonum, et in cantationibus ac veneficiis: Libri sex; Acc. Liber apologeticus, et pseudomonarchia daemonum; Cum rerum ac verborum copioso indice. Postrema editione quinta aucti & recogniti. Basileae: Oporinus, 1577.

Baaras, eine wunderschöne Pflanze, die bei den Arabern als „Goldene Pflanze“ bekannt ist. Sie soll auf dem Berg Libanus wachsen, unterhalb der Straße, die nach Damaskus führt. Sie blüht angeblich im Monat Mai nach der Schneeschmelze und kann nur in der Nacht bei Fackelschein gesehen werden, bei Tag ist sie unsichtbar. B. soll vor allem den Alchemisten bei der Transformation der Metalle sehr hilfreich gewesen sein. Die Pflanze, auf die der Geschichtsschreiber Josephus hinweist (Lib. 8, Kap. 25), wird auch mit der > Alraune (Mandragora offincinarum) in Verbindung gebracht.

Lit.: Encyclopedia of Occultism & Parapsychology: a Compendium of Information on the Occult Sciences, Magic, Demonology, Superstitions, Spiritism, Mysticism, Metaphysics, Psychical Science, and Parapsychology; with Biographical and Bibliographical Notes and Comprehensive Indexes; In Three Volumes / Leslie Shepard [Hg.]. – Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984.

Baba 1. Sumerische Stadtgöttin von Lagash. Tochter des Himmelsgottes > An und Gemahlin des Fruchtbarkeitsgottes > Ningirsu, Mutter von sieben Töchtern. Ursprünglich war sie vielleicht eine Muttergottheit („Mutter Baba“). Seit altbabylonischer Zeit ist sie unter der Bezeichnung „Ärztin der Schwarzköpfigen“ als Heilgöttin bekannt und wird öfters mit > Gula gleichgesetzt. König Gudea preist die „Mutter Baba“ als Herrin des Überflusses.
2. Bei den slawischen Völkern ist Baba eine Göttin, die den weiblichen Aspekt einer Gottheit, die göttliche Seele, darstellt, im Sinne einer Allmutter oder einer weisen Frau. In neuerer Zeit bekam das Wort Baba (Großmutter) die Bedeutung einer alten Frau mit all den Unannehmlichkeiten und Krankheiten.
3. Im ungarischen Volksglauben war Baba ursprünglich eine hilfreiche Fee, die später zu einer Hexe wurde. Man nannte sie auch die „Alte mit der Eisennase“. B. ist ferner die Bezeichnung für eine Hebamme mit zauberischen Kräften.

Lit.: Dhorme, Édouard: Les religions de Babylonie et d'Assyrie. – Paris: Press Univ. de France, 21949; Heimpel, Wolfgang: Der Tod der Göttin Baba von Lagaš. In: Festschrift für Hermann Heimpel zum 70. Geburtstag am 19. September 1971, Bd. 3. – Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1972.

Baba Jaga (slaw.), Name einer angeblichen Kriegsgöttin in Gestalt eines alten, runzeligen Weibes, auch als Jezi-Baba bekannt. In den Märchen ist sie auch die Herrin über die Reiter, die Morgen, Tag und Nacht über die Erde bringen. Jenen Menschen, die sich ihr furchtlos und pflichtgetreu nähern, kann sie jedoch wertvolle Gaben vermitteln. Sie lebt als furchterregende Hexe in den Wäldern. Ihr Haus ist mit einem Zaun umgeben, auf dessen Pfählen Menschenschädel stecken. Zeitweise tritt sie als Anführerin eines großen Geisterzuges auf und erlangt dadurch dämonisches Format. In ihrem Hexenkessel fliegt sie mit feurigem Besen durch die Luft. Manche vermuten hinter der B. eine Urmuttergestalt aus der älteren Geschichte der Menschheit, die nach der Einführung des Christentums bei den Slawen dämonisiert worden sei. Dies gilt wohl auch für die „Frau Holle“ des deutschen Märchens. Der russische Komponist Modest Mussorgskij (19. Jh.) betitelte einen Teil seines Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ mit „Die Jagd der Baba Jaga“. Als Vorlage dienten ihm Arbeiten des Malers Viktor Hartmann (1834–1873).

Lit.: Schöne Lau und Baba Jaga: Frauenmärchen der Weltliteratur / hrsg. von Ursula Schulze und Ulrich Mattejiet. [Mit Ill. von Aubrey Beardsley ...]. – Düsseldorf [u. a.]: Artemis und Winkler, 1999; Becker, Richarda: Die weibliche Initiation im ostslawischen Zaubermärchen: ein Beitrag zur Funktion und Symbolik des weiblichen Aspektes im Märchen unter besonderer Berücksichtigung der Figur der Baba-Jaga / Richarda Becker. – Wiesbaden: Harrassowitz, 1990; Biedermann, Hans: Dämonen, Geister, dunkle Götter: Lexikon der furchterregenden mythischen Gestalten. – Graz; Stuttgart: Leopold Stocker, 1989.

Baba Ram Dass > Alpert, Richard

Babaji, Mahavatar, eine mythologische Gestalt, ein Maha-Avatar (großer Avatar), von dem weder Geburtsort noch Geburtsdatum bekannt sind. Durch die Autobiographie eines Yogi von Paramahansa > Yogananda wurde B. erstmals in der Mitte des 20. Jh.s der Öffentlichkeit bekannt. Er soll seit Jahrhunderten im Himalaya leben und symbolisiere die ewige Jugend (Yogananda 1996, 345–355). Laut Yogananda arbeiten Babaji (in irdischer Hülle) und Jesus Christus (körperlos) gemeinsam an der Umsetzung des göttlichen Plans für die Erde. Ihre Aufgabe bestehe darin, Nationen zu veranlassen, Kriege, Rassenhass, religiöse Sektiererei und den Materialismus aufzugeben.

Lit.: Yogananda, Paramahansa: Autobiography of a Yogi. Los Angeles, 1946; London, Sydney, Auckland, Johannesburg, 1996; dt.: Autobiographie eines Yogi. Los Angeles: Self Realization Fellowship, 1998.

Babau, legendärer Oger aus französischen Sagen, der garstige Kinder zu verschlingen pflegte. Heute noch bedient man sich im Gebiet von Nizza dieser legendären Gestalt, um den Kindern im Karneval Angst einzujagen.

Lit.: Encyclopedia of Occultism & Parapsychology: A Compendium of Information on the Occult Sciences, Magic, Demonology, Superstitions, Spiritism, Mysticism, Metaphysics, Psychical Science, and Parapsychology, with Biographical and Bibliographical Notes and Comprehensive Indexes; volume I/ Leslie Shepard [Hrsg.]. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984.

Babauze, Popanz, Schreckgespenst, mit dem man Kindern Furcht einjagt. > Babau

Babel, Turmbau (engl. Building of the Tower of Babel). B. ist der hebräische Name für Babylon. Nach Gen 11,1-9 bauten die Nachkommen Noachs eine Stadt mit einem Turm, der bis zum Himmel reichen sollte. „Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen“ (Gen 11, 4). Da verwirrte der Herr ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen verstand. „Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde, und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen. Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut“ (Gen 1, 8-9).
Die Geschichtlichkeit eines Turms zu Babylon ist seit 1913 archäologisch nachgewiesen. Es handelt sich dabei um eine Tempelanlage (Zikkurat) in Babylon, deren Fundamente der deutsche Archäologe Robert Koldewey freigelegt hat. Um 2300 v. Chr. wurde Babylon durch Sargon von Akkad zerstört. Erwähnt wird der Turm als Zikkurat in den Annalen des assyrischen Königs Sanherib (Sennacherrib), der 669 v. Chr. den Tempel zerstörte. Seine Nachfolger begannen die Anlage wieder aufzubauen. Vollendet wurde sie von Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.). Den Abschluss bildete ein Tempel, der nur von Priesterinnen betreten werden durfte. Das Dach des Gebäudes wurde wahrscheinlich von Priestern für astronomische Beobachtungen verwendet.
In der Folgezeit verfiel das Bauwerk und wurde schließlich im Frühjahr 323 v. Chr. von Alexander dem Großen geschliffen, um es neu aufzubauen, doch verstarb Alexander wenige Monate später.
Der Turm hatte eine Grundfläche von 91,48 m × 91,66 m und eine Höhe von etwa 91 m, wahrscheinlich abgestuft in sieben oder acht Stufen (Herodot). Als Baumaterial dienten Lehmziegel, wobei die Außenziegel farbig emailliert wurden.
In Kunst, Literatur und im Volksmund ist der Turmbau zu Babel zum Symbol der Hybris und zum Sinnbild des Scheiterns einer materiellen Erfahrbarkeit Gottes bzw. dessen Übertreffens geworden.

Lit.: Wegener, Ulrike: Die Faszination des Maßlosen: der Turmbau zu Babel von Pieter Brueghel bis Athanasius Kircher. Hildesheim: Olms, 1995; Hartmann, Fred: Der Turmbau zu Babel: Mythos oder Wirklichkeit? Turmbausagen im Vergleich mit der Bibel. Holzgerlingen: Hänssler, 1999; Der babylonische Turm in der historischen Überlieferung, der Archäologie und der Kunst. Milano 2003 (Der Turmbau zu Babel, 1); Greb, Michaela: Die Sprachverwirrung und das Problem des Mythos: vom Turmbau zu Babel zum Pfingstwunder. Frankfurt, M.: Lang, 2007.

Babi (ägypt.), Dämon der Finsternis. Nach der ägyptischen Totenliteratur ist B. ein schreckliches Ungeheuer, das beim Totengericht die Verstorbenen fressen will. In den griechischen Zauberpapyri entspricht B. wahrscheinlich die für > Seth gebrauchte Namensform Bapho; bei Plutarch heißt ein Genosse des Seth oder dieser selbst Bebon.

Lit.: Parthey, Gustav: Zwei griechische Zauberpapyri des Berliner Museums. Berlin, 1866. Wessely, Carl: Griechische Zauberpapyri von Paris und London. Wien: Tempsky, 1888; Gestermann, Louise: Die Überlieferung ausgewählter Texte altägyptischer Totenliteratur („Sargtexte“) in spätzeitlichen Grabanlagen. Wiesbaden: Harrassowitz, 2005.

Babia Góra (poln.; slowak. Babia hora; oberschlesisch, Babjo Gura), Hexen-Berg, Teufelsspitze, mit seinen 1725 m der höchste Berg der Beskiden an der polnisch-slowakischen Grenze. B. wurde erstmals im 15. Jh. von dem Chronisten Jan Długosz erwähnt und tauchte 1558 auf einer Karte auf. Im Volksglauben gilt er als ein Ort der > Hexensabbate.

Lit.: Tischler, Ernst: Die östlichen Beskiden im Gebiete des Bielitzer Beskiden-Vereins (von der Weichsel bis zur Babia Góra) mit e. Anh. über d. Tatragebirge. W. Fröhlich (Br[üder] Hohn), 1925.

Babinski, Joseph François Félix (1857–1932), französischer Nervenarzt polnischer Abstammung, geboren und gestorben in Paris, war Direktor der Klinik von Jean-Martin > Charcot an der Salpêtrière sowie Arzt in den Spitälern von Paris und gilt als Nestor der französischen Psychophysiologie. Er beschrieb einen nach ihm benannten Reflex (Babinski-Reflex, Babinski-Zeichen), der bei Läsionen der Pyramidenbahn auftritt: Nach festem Bestreichen der Fußsohle (bes. des Randes) kommt es zur Beugung der Großzehe nach oben.

Mit Pithiatismus (griech. peitho, überreden) bezeichnete er die therapeutischen Suggestivverfahren wie auch die für diese Verfahren zugänglichen Zustände oder Leiden. Neben seinen zahlreichen Veröffentlichungen zu Themen der Anatomie, Physiologie und klinischen Diagnostik finden sich auch Arbeiten zu Hypnose und Hysterie, wobei er die Ansicht vertritt, dass bestimmte hysterische Manifestationen unter dem Einfluss von Magneten von einer Person auf die andere übertragen werden können.

Lit.: Babinski, Joseph: De l'Hypnotisme en thérapeutique et en médecine légale. Paris, impr. de la ,Semaine médicale‘, 1910; Babisnki, Joseph: Hystérie-pithiatisme et troubles nerveux d'ordre réflexe en neurologie de guerre [Texte imprimé] / J. Froment, 2e éd. revue et augmentée. Paris: Masson, 1918.

Babylon, Ägypten. Die Stadt lag an der Stelle von Altkairo, dem koptischen Viertel der heutigen Hauptstadtdes Landes. Von ihr sind noch zwei Türme erhalten. Nach neuerem Stand datiert die Gründung aus der Zeit der persischen Besetzung, als dort eine babylonische Garnison eingesetzt war, wie Strabo (ca. 63 v. Chr.–ca. 23 n. Chr.) berichtet. Man nimmt an, dass dort einst der Ort Cheri-aha lag, an dem sich der mythische Streit zwischen > Horus und > Seth abspielte. Der Ort wird seit dem Alten Reich erwähnt, wo es bereits ein Fest im Gedenken an diesen Streit gab.

Lit.: Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten / Übers. u. überarb. v. Alice Heyne. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999; Strabo: Strabons Geographika / mit Übers. und Kommentar hrsg. von Stefan Radt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2002.

Babylon, Euphrat (babylon. Babilu, Gottespforte; hebr. Babel). Die Stadt lag am Euphrat, etwa 80 km südlich von Bagdad im heutigen Irak, und wird erstmals im 3. Jahrtausend erwähnt. Unter dem berühmten König Hammurapi (1792–1750 v. Chr.) wurde sie zur Hauptstadt und zum kulturellen Mittenpunkt Babyloniens, verlor aber mit dem Aufstieg Assyriens an Bedeutung. Von den Assyrern mehrfach zerstört, wurde sie immer wieder aufgebaut, am prächtigsten unter Nebukadnezzar II. (605–562 v.Chr.), der Babylonien zur Großmacht ausbaute. Unter seiner Herrschaft war die Stadt von einer 18 km langen Außenmauer mit 8 Toren umgeben. Das wichtigste von ihnen war das Ishtar-Thor (heute im Pergamonmuseum in Berlin), durch das eine Prozessionstrasse in die Stadt führte, vorbei am Palast des Königs zum Marduktempel und dem Zikkurat von Etemenanki, besser bekannt als der Turm von Babel (Gen 11, 4). Der legendäre Ruf der Stadt bezog sich aber vor allem auf die „hängenden Gärten“. Heute existiert die Stadt Babylon nur mehr als Ruinenstadt.
Im Alten Testament ist Babylon Babel (Wirrsal). „ Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut“(Gen 11, 9). Es ist ein wichtiger religiöser und kultureller Mittelpunkt des Alten Orients, aber auch der Sitz aller gottlosen Mächte („Sündenbabel“), zumal unter Nebukadnezar II. ein Großteil der Juden in die „Babylonische Gefangenschaft“ geführt wurde: „Alle, die dem Schwert entgangen waren, führte Nebukadnezar in die Verbannung nach Babel. Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen, bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam“ (2 Chron, 36, 20).
Im Neuen Testament ist Babylon das Machtzentrum im Gegensatz zur Stadt Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und dient oft als Deckmantel für die christenfeindliche Herrschaft Roms (1 Petr. 5, 13; Offb 14, 8).
Als Hauptstadt des babylonischen Reiches war B. auch ein Zentrum der Heilkunst. So sind in der Gesetzessammlung, die der babylonische König Hammurapi zusammenstellen ließ, Preise festgelegt, die ein Arzt für seine Behandlung verlangen durfte. Die babylonisch-assyrischen Ärzte verfügten im 1. Jahrtausend über ein aus 40 Tontafeln bestehendes keilschriftliches „Prognose- und Diagnosenhandbuch“, das, bis in die Perserzeit überliefert, weit mehr als 3.000 Textzeilen enthielt.
Auch die Astrologie, die vornehmlich von der Priesterschaft ausgeübt wurde, hatte in Babylon eine große Tradition. Die in Keilschriften geschriebenen 4.000 Tontäfelchen mit 25.000 Orakeltexten des Königs Assurbanipal (668–626), die sich heute im Britischen Museum in London befinden, bieten einen guten Einblick in die damalige Sterndeuterkunst. Die Bedeutung der Gestirne war im Glauben an eine große kosmische Ordnung begründet, in der Himmel und Erde keine Gegensätze darstellen.

Lit.: Schmidt, Philipp: Astrologische Plaudereien: Geschichte, Wesen und Kritik der Astrologie. Bonn: Verlag der Buchgemeinde Bonn, 1950; Götter und Dämonen: Mythen der Völker / Herausgegeben und eingeleitet von Rudolf Jockel. Darmstadt: Holle Verlag GmbH, 1953; Schott, Heinz (Hg.): Meilensteine der Medizin. Originalausg. Dortmund: Harenberg, 1996; Religionen der Welt / John Bowker [Hrsg.]. Darmstadt: Primus Verlag, 2003.

Babylonien, das Gebiet des heutigen südlichen Irak, an den Ufern von Euphrat und Tigris gelegen. Hier entstanden zu Beginn der späten Steinzeit zwischen 5000 und 3000 v. Chr. erste feste Siedlungen und die älteste bekannte Hochkultur der Welt. Es waren die Sumerer, die während des 4. Jahrtausends dieses Gebiet besiedelten. Ihre hoch entwickelte, auf Landwirtschaft basierende Kultur bestand aus einer Reihe von einzelnen Stadtstaaten, die sich zunächst keiner Zentralgewalt unterordneten, um 2350 aber zum altsumerischen Reich vereinigt wurden. Um 2300 erlagen die Sumerer den aus dem Norden kommenden Akkadern, die ihrerseits dann um 2150 von den Gutäern verdrängt wurden, deren Herrschaft aber nur etwa 100 Jahre dauerte. Nun lebte Sumer als sumerisches Reich wieder auf. Sumerische und semitische Einflüsse verschmolzen, doch die ständige semitische Zuwanderung benachbarter Völker führte schließlich zum Niedergang dieser Kultur und es bildeten sich zwei neue semitische Staaten: das bereits unter den Sumerern begonnene Assyrische Reich und das in der Nähe der Stadt Babylon entstehende Babylonien, das unter seinem bedeutendsten Herrscher > Hammurapi um 1700 v. Chr. bis an die Grenzen Assyriens ausgedehnt wurde. Mehrfach überfallen geriet es zeitweilig unter assyrische Herrschaft. Schließlich vernichteten die Babylonier Assyrien und unter > Nebukadnezar II. stieg Babylonien wieder zur Großmacht auf (6. Jh. v. Chr.). Danach zerfiel das Reich neuerlich. Am 16. Oktober 539 wurde Babylon von persischen Truppen besetzt. Am 29. Oktober zog schließlich der Perserkönig Kyros II. unter dem Jubel der Priesterschaft in die Stadt ein und wurde sofort zum Machthaber eingesetzt. Er führte eine Politik der Duldsamkeit, gab den Städten ihre Götter zurück und gestattete den Juden, die Nebukadnezar in die babylonische Gefangenschaft geschickt hatte, nach Jerusalem zurückzukehren (2 Chron 36, 20; Esra 1, 2).
Die aramäische Sprache wurde als Amtssprache eingeführt, wobei die Wissenschaftler weiterhin die akkadische Sprache und Schrift benutzen konnten. Gelehrte aus Ägypten, Indien, Persien und Griechenland kamen, um ihr Wissen zu vertiefen. 333 bzw. 331 besiegte dann Alexander d. Gr. die persischen Streitkräfte in der Schlacht von Issos und Gaugamela. Die Griechen tolerierten die persische Kultur und erweiterten sie um Theater und zusätzliche Errungenschaften. Nach Alexanders Tod wurde das Gebiet durch Kriege verwüstet. Im 1. Jh. übernahmen die Parther die Macht in Mesopotamien und beendeten damit die fast zweitausendjährige Existenz Babyloniens.

Kultur
Die zweitausendjährige Geschichte Babyloniens ist in ihrer Entwicklung von einer kulturellen Vielfalt getragen, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr überschaubar ist, weil Bauten, Bildwerke und Texte oft nur sehr mangelhaft erhalten sind. Als Quellen stehen uns jedoch neben > Herodot, > Strabo und dem Alten Testament, Keilschrifttexte (Assurbanipal) zur Verfügung. Diese umfassen Mythen und Epen (> Adapa-Mythos, > Enumaelis, > Etana-Mythos, > Gilgameschepos, Höllenfahrt der Ischtar und des Nergal u. a.), Lieder und Gebete sowie Beschwörungen und Ritualtexte, die meist aus Priesterhand hervorgegangen sind, weshalb sie nur am Rande die Volksreligion wiedergeben.
Dabei ist zunächst festzuhalten, dass das Land, wie oben erwähnt, vor den Babyloniern und Assyrern, die Semiten waren, vom nicht-semitischen Volk der Sumerer bewohnt wurde, von denen die Semiten die Keilschrift übernahmen. Daher ist die babylonische Kultur als eine Mischung bzw. Verschmelzung von sumerischen und semitischen Kulturelementen zu sehen.

Religion
Schon um 2500 enthielten die Götterlisten der sumerischen Ureinwohner Hunderte von Namen. Die einzelnen Götter waren in erster Linie nicht Machtwesen, sondern Funktionswesen, deren Macht begrenzt war. Der Eingriff eines Gottes in den Bereich eines anderen, etwa durch einen Eroberungskrieg eines Fürsten, wurde als schwere Sünde gewertet. Als Vorort unter den Städten Babyloniens galt Nippur, dessen Gott > Enlil (Herr Wind) den Landeskönig bestimmte. Die führenden Götter waren zugleich kosmische Mächte mit bestimmten Aufgaben, besonders im Dienst der Fruchtbarkeit und der Versorgung der Menschen.
Die semitischen Babylonier des 2. Jahrtausends übernahmen das sumerische Pantheon und ordneten ihre Götter darin ein, wobei sie Götter gleicher oder ähnlicher Funktion als Beinamen einer viel kleineren Zahl erklärten. Nach etwa 1400 entstanden zweispaltige Götterlisten, in denen einem Namen rechts bis zu vierzig Namen links gegenüberstanden. > Marduk von Babylon, der unter Hammurapi zum Mittelpunkt des Pantheon wurde, hat im Weltschöpfungsepos (Enuma Elisch und Gilgamesch) sogar 50 Namen. Die zeitweilige Vormachtstellung der Assyrer bedingte eine Erhöhung ihres Gottes > Aschur. Theologen gefiel es, genealogische Verknüpfungen von Gottheiten in Götterdreiheiten (Anu-Enlil-Ea, Schamasch-Sin-Ischtar) vorzunehmen. Gegenüber der sumerischen Religion treten weibliche Gottheiten zurück und verschmelzen zu der einen Hauptgöttin > Ischtar.

Geister und Dämonen
Unter der Oberschicht der Götterverehrung finden sich ein Geister- und Dämonenglaube sowie eine Fülle magischer Vorstellungen und Praktiken. Zu nennen sind hier Schutzgeister des Einzelnen, zuweilen aus Ahnenseelen, Mischwesen (halb Mensch, halb Tier), als Hüter von Eingängen. Legion ist die Zahl der bösen Geister, die von Zauberern auf den Menschen gehetzt werden.
Sumerer und Babylonier glaubten nämlich an dämonische Zwischenwesen zwischen Göttern und Menschen, die darauf bedacht waren, den Menschen zu schaden. Als Sonderfall galt > Lamaschtu, die Dämonin des Kindbettfiebers, welche Müttern im Kindbett und deren Säuglingen gefährlich werden konnte. Zu den Dämonen zählte man auch die „Totengeister von Menschen“, die nicht bestattet wurden; sie verursachten angeblich Geisteskrankheiten. Überhaupt wurden nicht wenige Krankheiten, wie etwa Epilepsie, als Dämonen identifiziert. Die gleiche Wirkung schrieb man Hexern und Hexen zu, die sich der schwarzen Magie bedienten. Während die Sumerer keinen Zusammenhang zwischen den Angriffen der Dämonen und den Sünden der einzelnen Person sahen, konnten nach babylonischer Theologie Dämonen, Hexer und Hexen nur dann Erfolg haben, wenn der Schutzgott die einzelne Person wegen ihrer Sünden verlassen hatte.
Bekämpft wurden diese bösen Angriffe durch Beschwörung, Gebete und Ritualhandlungen einer eigenen Priesterklasse. Hilfe gegen Dämonen erwartete man vor allem von Enki/Ea, Asalluchi/Marduk und Utu/Schamasch, doch spielten auch andere, wie die Heilgöttin > Gula, eine Rolle.
Zu den Zwischenwesen gehörten neben den bösen auch gute Genien wie die > Lama (akk. Lamassu) und nach den Bildwerken ein löwenköpfiger Adler.

Magie
Der Hauptgedanke der babylonischen Weltanschauung ist der Gedanke von der Abhängigkeit der Welt und des Menschen von der Gottheit. Daraus entspringt für jeden Menschen die Notwendigkeit der Deutung der Zeichen zur Erhaltung der Harmonie mit Gott. So werden die Vorzeichenwissenschaft, die Bedeutungskunde und die Sühnewissenschaft zu besonderen Quellen für die Lebensgestaltung.
Die Vorzeichenwissenschaft befasste sich mit allem, was als > Omen angesehen wurde: die Erscheinungen der Luft, des Himmels, bestimmter Monate oder bestimmter Tage, die Bewegungen der Tiere. Manche Vorzeichen suchte man auch selbst herbeizuführen, z. B. in der Befragung durch das Los oder der Wahrsagung aus einem Gemisch von Wasser und Öl als > Becherweissagung. Noch wichtiger als die Becherwahrsagung war die > Opferschau. Am Opfertier war alles als Vorzeichen bedeutungsvoll: Augen, Lippen, Schläfen, Leber, Gallengänge usw. Hingegen ist von Wortorakeln nur vereinzelt die Rede.
Noch stärker als die Opferschau ist der Glaube an Kräfte, die Erde und Himmel durchwalten und in Wechselwirkung stehen. So wird durch die von Priestern gepflegte Astrologie, die schon im 1. Jahrtausend intensiv betrieben wurde, der Ablauf der irdischen Dinge an den Vorgängen am Himmel abgelesen, angefangen bei Sonne, Mond und Sternen bis hin zu Stürmen, Sternschnuppen und Meteoren. Im 5. Jh. v. Chr. errechneten die Astronomen Babylons das Sonnenjahr, 410 entwickelten sie das erste Horoskop. In dieser Zeit wurde aus den Astrallehren der Babylonier die chaldäische Astrologie entwickelt, die in der Folge die Grundlage für die hellenistische Astrologie bildete.
Ein weiteres zentrales Gebiete bilden die Lehren und Mittel zur Beeinflussung des göttlichen, dämonischen und menschlichen Willens, nämlich die Zauber- und Sühnewissenschaften, zu denen auch die magische Medizin zu rechnen ist. So war die Ausübung der Heilkunst aufs Engste mit dem Gebrauch von Zauberformeln, Beschwörungen, Gebeten, Riten und Zeremonien verbunden. Die Entstehung von Geisteskrankheiten, aber auch von Formen der Epilepsie und ähnlichen Gebrechen wurden der Wirkung böser Dämonen oder Hexen zugeschrieben. Die Hexen selbst wurden genau eingeteilt, als solche mit bösen Augen, mit böser Zunge, mit bösem Mund usw. Zur Beseitigung dieser unheimlichen Wesen fertigte man Figuren an, die diese darstellten, und verbrannte sie.
Dieser magische Kampf gegen das Schicksal wird auf literarischer Ebene im Gilgamesch Epos sehr anschaulich dargestellt, das zwischen 2100 und 600 v. Chr. aus dem Raum Babylonien bis Kleinasien überliefert ist und von Natur, Macht, Liebe, Selbst und Tod berichtet.
Schließlich benutzten die Babylonier nachweislich mindestens schon 1750 vor Christus das Sexagesimalsystem.

Lit.: Münter, Friedrich: Religion der Babylonier. Beilage 3 zur Religion der Karthager. Kopenhagen: Schubothe, 1827; Danzel, Theodor-Wilhelm: Magie und Geheimwissenschaft im alten Mexico. 1924; Movers, Franz Carl: Untersuchungen über die Religion und die Gottheiten der Phönizier: mit Rücksicht auf d. verwandten Kulte d. Karthager, Syrer, Babylonier, Assyrer, d. Hebräer u. d. Ägypter. Aalen: Scientia-Verl, 1967; Thorwald, Jürgen: Macht und Geheimnis der frühen Ärzte: Ägypten, Babylonien, Indien, China, Mexiko, Peru. München : Droemer Knaur, 1985; Haas, Volkert: Magie und Mythen in Babylonien: von Dämonen, Hexen u. Beschwörungspriestern. Gifkendorf: Merlin, 1986; Schott, Heinz (Hg.): Meilensteine der Medizin. Dortmund: Harenberg, 1996; Wilcke, Claus: Wer las und schrieb in Babylonien und Assyrien. Überlegungen zur Literalität im alten Zweistromland. Bayerische Akademie der Wissenschaften. München: Beck, 2000; Jursa, Michael: Die Babylonier: Geschichte, Gesellschaft, Kultur. München: Beck, 2004; Mesopotamien: Sumerer, Assyrer und Babylonier / Enrico Ascalone. [Aus dem Ital. Caroline Gutberlet. Red. Lucia Moretti]. Berlin: Parthas, 2005.

Bacabs („Söhne“), die vier Söhne von > Itzamná und > Ixchel, die als vier riesenhafte Schutzgötter der Maya den Himmel auf ihren Schultern tragen. Sie sind gesetzt über je eine der vier Weltgegenden mit deren Winden, über einen 65tägigen Abschnitt des heiligen Jahres von 260 Tagen und über eines von vier Jahren. Ihre Namen und die sie charakterisierenden Farben sind: Kan (gelb) für den Süden, Chac (rot) für den Osten, Ek (schwarz) für den Westen und Zac (weiß) für den Norden. Die Maya stellten sich die Erde nämlich flach mit vier Ecken vor, die durch die genannten vier Farben gekennzeichnet sind.

Lit.: Webster, David (ed.): The House of the Bacabs, Copán, Hondouras. Washington, D. C.: Dumbarton Oaks Research Library and Collection, 1989.

Bacax, von den alten Berbern in Nordafrika verehrter Lokalgott, der angeblich in einer Höhle wohnte, vor deren Eingang Opfer dargebracht wurden. B. ist aus einer Inschrift der ehemaligen antiken Stadt Cirta (heute: Constantine, Algerien) bekannt.

Lit.: Jordon, Michael: Encyclopedia of Gods. London: Kyle Cathie Limited, 2002.

Bacchanalien (lat.), allgemeine Bezeichnung der zu Ehren des > Bacchus gefeierten orgiastischen Trinkgelage. Die entsprechenden Riten wurden ursprünglich von Frauen ausgeführt, später durften auch Männer daran teilnehmen. Die Altersgrenze für alle Teilnehmenden war auf 20 Jahre festgelegt. Bei den Griechen wurden diese Feiern > Dionysien genannt. Ab dem 5. Jh. v. Chr. drangen sie dann auch nach Rom und Italien vor, wo sie vorzugsweise unter der Bezeichnung B. besonders zügellos begangen wurden, bis P. Aebutius 186 v. Chr. von seiner Mutter und seinem Stiefvater zwecks Einweihung zu den > Bacchantinnen geschickt wurde, um sich seiner zu entledigen und so seines Erbes sicher zu sein. Aebutius wandte sich nach Einsicht in das Geschehen aber an den Consul Spurius Postumius, wodurch es zur Anzeige kam. Der Senat verbot daraufhin die Feiern.

Lit.: Vulpius, Christian August: Mysterien neuerer Bacchanalien. Weimar, 1791; Busch, Gabriel Christoph Benjamin: Von Bacchanalien bis Bildhauerkunst. Eisenach: Wittekindt, 41803; Dictionnaire critique de l'ésoterisme / Jean Servier [Hrsg.]. Paris: Presses Universitaires de France, 1998; Schuster, Georg: Die geheimen Gesellschaften, Verbindungen und Orden. Erster Band. Wiesbaden: Fourier, o. J.

Bacchantinnen, Frauen, die sich der Verehrung des Bacchus (Dionysos) verschrieben hatten. Dabei sind zwei Formen zu unterscheiden:
1. Frauen, die sich der Volksglaube als Begleiterinnen des Gottes Bacchus während seiner Taten und Schicksale auf Erden dachte. Sie werden von > Euripides in seinem Werk Bacchae als Zecherinnen beschrieben, die sich mit Weinlaub bekränzten, in Felle kleideten und voll des guten Geistes ihres Gottes durch Wälder und über Hügel streiften. In der Hand trugen sie einen mit Weinreben umflochtenen Stab, den Thyrsus. > Bacchus erteilte ihnen die Gabe, große Dinge zu tun. Sie konnten Schlangen in ihre Haare flechten, mit ihrem Thyrsus der Erde Milch und Honig entströmen lassen und wilde Tiere, die bei ihren Festen erschienen, bezähmen. Die Arme mit Schlangen umwunden fielen sie nachts vor der dreifachen > Hekate nieder und beschworen dann in rasenden Runden den unterirdischen Bacchus mit dem doppelten Geschlecht und dem Stierantlitz.
Die Begleiterinnen des Bacchus auf dem Zug nach Indien werden auch Mänaden, Thyiaden, Mimalloniden, Lenae oder Bassariden genannt.
2. B. werden auch jene Frauen genannt, welche die > Bacchanalien leiteten, zu denen schließlich auch Männer zugelassen wurden, die als Bacchanten bezeichnet werden.

Lit.: ; Stagnelius, Erik Johan: Die Bacchantinnen. Die Buhlerin in Rom. Die Eroberung von Ceuta. Leipzig: Lorck, 1851; Euripides: Die Bacchantinnen: Tragödie des Euripides / dt. von J. J. Donner. Mit Einl. u. Anm. neu hrsg. von Curt Woyte. Leipzig: Reclam, 1925.

Bacchus (lat.), römischer Gott des Weines und der Ekstase. Der lateinische Name geht auf den griechischen Bakchos (> Dionysos) zurück, dessen Verehrung schon im 5. Jh. v. Chr. in Rom und in Italien Eingang fand. B. wurde auch mit dem römischen Gott > Liber verglichen und zuweilen mit ihm völlig identifiziert. Seine eifrigsten Dienerinnen waren die > Bacchantinnen.
Eine besondere Bedeutung bekam B. in den Ritualen der Mysterien und Ekstasen. Der ekstatische Kult wurde im späten 3. oder zu Beginn des 2. Jahrhunderts durch einen Wanderpriester aus Etrurien nach Rom gebracht und war zunächst ausnahmslos den Frauen vorbehalten. Später wurde der Kult auch Männern zugänglich gemacht. Er entfaltete sich sehr rasch zu einem anrüchigen Privatkult, bei dessen Festen, den > Bacchanalien, es nicht nur zu geschlechtlichen Ausschweifungen kam, sondern auch Verbrechen begangen wurden, sodass ihn der römische Senat 186 v. Chr. verbot. Wie die archäologischen und epigrafischen Dokumente zeigen, vor allem die Reliefs in der Villa Farnesina in Rom (datiert auf die Zeit des Augustus) und die Fresken in der Villa der Mysterien von Pompei, war auch die Oberschicht in den Kult involviert.
In der lateinischen Literatur ist Bacchus der Gott der poetischen Ekstase und Inspiration (Horaz, Carm. 2, 19 und 3, 25; Ovid, Trist. 5, 3).

Lit.: Jeanmaire, Henri: Dionysos: histoire du culte de Bacchus. Paris: Payot, 1951; Bruhl, Adrien: Liber pater: origine et expansion du culte dionysiaque a Rome et dans le monde romain. Paris, 1953; Pailler, Jean-Marie: Bacchanalia: la répression de 186 av. J.-C. à Rome et en Italie: vestiges, images, tradition / (1943–...) / École française de Rome / 1988; Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hrsg.]. Second extensively revised edition. Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

Bach, Dr. Edward (1886–1936), britischer Arzt, Entdecker der durch Sonnenenergie gewonnenen Bach-Blütenessenzen (> Bach-Blüten-Therapie), die das energetische Muster bestimmter Wildblüten gespeichert haben (sollen). Nach längerer Tätigkeit als Leiter und Assistenzarzt auf der Unfallstation des University College Hospital in London eröffnete er eine ärztliche Praxis in London. Auf der Suche nach einem natürlicheren Heilsystem zog er 1930 nach Wales, um sich ganz der Erforschung der dort beheimateten Pflanzen zu widmen. Im Verlauf von sieben Jahren sonderte er 38 Wildpflanzen aus. Er war überzeugt, die individuelle Heilkraft der Pflanzen durch Auflegen der Hände auf die Blumenblätter zu erkennen. Die Blüten wurden gesammelt, in Schalen mit klarem Wasser gegeben und drei Stunden lang der Sonne ausgesetzt. Dann wurde das Wasser abgeseiht und die Blütenessenzen zu Heilzwecken eingesetzt. Zur Sonnenmethode kam noch die des Abkochens hinzu.
Bachs Sensibilität war so stark, dass er, bevor er die Heilkraft einer Pflanze entdeckte, jene seelischen Zustände, die durch die Heilkraft der betreffenden Pflanze behoben werden sollten, selbst fühlte. Jede Krankheit ist nach B. gleichsam die Verfestigung einer geistigen Einstellung. Deshalb brauche man nur den vorherrschenden Seelenzustand eines Patienten zu behandeln, und die Krankheit würde verschwinden. So sollen mit den gewonnenen Essenzen Gemütsleiden wie Angst, Einsamkeitsgefühle, Erschöpfungszustände, Überempfindlichkeit und Verzagtheit behoben werden.
Zu den seelischen kamen noch körperliche Symptome und Schmerzen hinzu, die Bach bei jeder Diagnose selbst an sich verspürte. Zudem durchlebte er oft schon Stunden, bevor der Patient ihn aufsuchte, dessen ganze Symptomatik an sich selbst. Die letzten Lebensjahre ließ er sich nur mehr von seiner Intuition leiten.
Seine Essenzen sind als Bach-Blüten-Therapie bekannt geworden. Zu den verwendeten Pflanzen gehören u. a. Sonnenröschen und Espe (gegen Angst), Wasserfeder (gegen Einsamkeitsgefühle) und Holzapfel (gegen Verzagtheit). Diese Zuordnung der Pflanzen zur jeweiligen Krankheit beruht nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern auf persönlicher Intuition.

Lit.: Weeks, Nora: Edward Bach: Entdecker der Blütentherapie; sein Leben – seine Erkenntnisse. Aus dem Engl. übertr. von Christian Quatmann. München: Heyne, 1997; Heile dich selbst mit den Bach-Blüten / Edward Bach; Jens-Erik Petersen. Aus dem Engl. von Karl Friedrich Hörner. [Teil 2 (mit Ausnahme der Original-Bach-Texte) wurde aus dem Dän. übers. von Giovanni Dellefant]. München: Droemer Knaur, 1998; Bach, Edward: Gesammelte Werke: von der Homöopathie zur Bach-Blüten-Therapie. [Dt. Übers. von Karl Friedrich Hörner]. Grafing: Aquamarin-Verl., 2003; Bach, Edward: Blumen, die durch die Seele heilen: ausgewählte Originalschriften. Zsgest. und eingef. von Mechthild Scheffer. Berlin: Ullstein, 2004.

Bachbakuala-Nuksiwaë („Menschenfresser am Nordende der Welt“) ist in den Mythen der Kwakiutl-Indianer an der Nordwestküste Nordamerikas der Name eines Dämons, der bei den Einweihungsriten die Initianden verschlingt, welche später in neuer Gestalt wiedergeboren werden. Es wird berichtet, dass Tänzer in Trancezuständen dazu in der Lage gewesen seien, Menschenfleisch zu verzehren. Allerdings bestehen Zweifel darüber, ob echte Leichen verwendet wurden. Jedenfalls waren in den alten Maskentänzen die Hamatsa-Spukgestalten als Diener des Bachbakuala-Nuksiwaë rabenähnliche Vögelgeister mit Faserumhang und einer Schnabelmaske mit auf- und zuklappbarem Unterkiefer. Auch aus Holz geschnitzte Totenschädel dienten als Insignien der Eingeweihten des Hamatsa-Geheimbundes.

Lit.: Bancroft-Hunt, Norman: [People of the totem <dt.> ] Totempfahl und Maskentanz: die Indianer der pazifischen Nordwestküste. Luzern [u. a.]: Atlantis-Verl., 1988; Bancroft-Hunt, Norman: Indians of North America. London: Apple Pr., 1992.

Bach-Blüten-Therapie, zur Heilung von Gemütsleiden, körperlichen Symptomen und Schmerzen mittels der Blütenessenzen von 38 Pflanzen. Das Verfahren wurde von dem britischen Arzt Dr. Edward > Bach (24.9.1886 – 27.11.1936) eingeführt. Nach seiner Tätigkeit als allopathischer Arzt in Klinik und freier Praxis wandte er sich der Homöopathie zu und ging schließlich auf der Suche nach einem natürlicheren Heilsystem 1930 nach Wales, um sich ganz der Erforschung der dort beheimateten Pflanzen zu widmen. Im Verlauf von sieben Jahren sonderte er in intuitivem Empfinden 38 Wildpflanzen für folgende Gebrechen aus:

1. Agrimony (bot. Agrimonia eupatoria ; Odermenning): übersteigerte Sensibilität.
2. Aspen (bot. Populus tremula ; Zitterpappel): latente Ängste.
3. Beech (bot. Fagus sylvatica ; Rotbuche): Intoleranz, Kritiksucht, Arroganz.
4. Centaury (bot. Centaurium umbellatum; Tausendgüldenkraut): Überempfindlichkeit.
5. Cerato (bot. Wilmotiana ; Bleiwurz): Unsicherheit.
6. Cherry Plum (bot. Prunus cerasifera; Kirschpflaume): Verzweiflung, Angst.
7. Chestnut Bud (bot. Aesculus hippocastanum; Kastanienknospe): mangelnde Einsicht, Realitätsblindheit, mangelnde Einsicht in die eigenen Fehler.
8. Chicory (bot. Cichorium intybus; Wegwarte): Selbstverleugnung, Aufopferung für andere.
9. Clematis (bot. Clematis vitalba; Weiße Waldrebe): Geistesabwesenheit, Realitätsferne, Weltfremdheit.
10. Crab Apple (bot. Malus pumila; Holzapfel): mangelndes Selbstwertgefühl, Gewissensbisse, Selbstquälen.
11. Elch (bot. Ulmus procera; Ulme): mangelndes Selbstvertrauen; das Gefühl, eine Aufgabe nicht erfüllen zu können.
12. Gentian (bot. Gentiana amarella; Herbstenzian): alle Arten von Unsicherheit.
13. Gorse (bot. Ilex europaeus; Stechginstcr): Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung.
14. Heather (bot. Calluna vulgaris; Schottisches Heidekraut): eigennütziges Verhalten, Grübelsucht.
15. Holly (bot. Ilex aquifolium; Stechpalme): Hass, Eifersucht, Neid, Misstrauen.
16. Honeysuckle (bot. Lonicera caprifolium; Geißblatt): Nostalgie, Pessimismus.
17. Hornbeam (bot.: Carpinus betulus; Weißbuche): Müdigkeit, Erschöpfung.
18. Impatiens (bot. Impatiens glandulifera; Drüsentragendes Springkraut): Einsamkeit, Verzweiflung, Selbstmordgedanken.
19. Larch (bot. Larix decida; Lärche): Minderwertigkeit, Verzagtheit.
20. Mimulus (bot. Mimulus guttatus; Gefleckte Gauklerblume): Angst.
21. Mustard (bot. Sinapis arvensis; Wilder Senf): Melancholie.
22. Oak (bot. Quercus robur; Eiche): Verzweiflung, mangelnde Standfestigkeit.
23. Olive (bot. Olivia europaea; Olive): Erschöpfung, Ermüdung.
24. Pine (bot. Pinus sylvestris; Schottische Kiefer): Schuldgefühle, Selbstvorwürfe.
25. Red Chestnut (bot. Aesculus carnea; Rote Kastanie): übertriebene Angst.
26. Rock Rose (bot. Helianthemum nummularium; Gelbes Sonnenröschen): Angst.
27. Rock Water (Wasser aus einem Felsen): Märtyrertum.
28. Skleranthus (bot. Skleranthus annus; Einjähriger Knäuel): Verzweiflung.
29. Star of Bethlehem (bot. Onithogalum umbellatum; Goldiger Milchstern): Schock, Verzweiflung.
30. Sweet Chestnut (bot. Castanea sativa; Edelkastanie): Hoffungslosigkeit.
31. Vervain (bot. Verbena officinalis; Eisenkraut): Selbstaufgabe, übertriebene Opferbereitschaft.
32. Vine (bot. Vitis vinifera; Weinrebe): Rücksichtslosigkeit, autoritäres Verhalten.
33. Walnut (bot. Juglans regia; Walnuss): Hemmungen, mangelnde Zuversicht, Zukunftsangst, Angst vor Lebensentscheidungen.
34. Water Violet (bot. Hottonia palustris; Sumpfwasserfeder): Einsamkeit.
35. White Chestnut (bot. Aesculus hippocastanurn; Rosskastanie): Grübelsucht, Introvertiertheit.
36. Wild Oat (bot. Bromus ramosus; Waldrespe): Unbesonnenheit, Abenteuerlust.
37. Wild Rose (bot. Rosa canina; Heckenrose): Apathie, Gleichgültigkeit, Resignation.
38. Willow (bot. Salix vitellina; Gelbe Weide): Verbitterung; das Gefühl, im Leben zu kurz gekommen zu sein.

Bach war überzeugt, die individuelle Heilkraft der Pflanzen durch Auflegen der Hände auf die Blumenblätter zu erkennen. Die Blüten wurden gesammelt in Schalen mit klarem Wasser gegeben und drei Stunden lang der Sonne ausgesetzt. Dann wurde das Wasser abgeseiht und die Blütenessenzen zur Heilung der oben genannten Gebrechen eingesetzt. Zur Sonnenmethode kam noch die des Abkochens hinzu.
Nach Bach gibt es keine Krankheiten, sondern nur kranke Menschen aufgrund von seelischen Ursachen. Der Mensch ist mit dem universellen Lebensprinzip oder Gott verbunden, hat eine unsterbliche Seele, ein höheres Selbst, das zwischen Seele und Person vermittelt und der Seele hilft, den ihr bekannten Auftrag dieses Menschen zu verwirklichen. Es geht hierbei um ideelle Qualitäten wie Weisheit, Freude, Stärke, Sanftmut usw., die Bach archetypische Seelenkonzepte nennt. Werden diese Tugenden nicht verwirklicht, bilden sich negative Zustände wie Habgier, Stolz usw., welche die Seele vom kosmischen Energiefeld trennen. Es kommt zu einer Disharmonie im feinstofflichen Bereich, die sich als Krankheit auf den Körper auswirkt.
Seine Therapie beruht daher darauf, diese negativen Seelenzustände durch übergeordnete harmonische Schwingungen zu überfluten, damit sie sich auflösen. Die Feststellung, welche der 38 Blütenessenzen ein Patient benötigt, wird im Gespräch ermittelt; dabei soll der Patient die Bachblüten selbst ein Jahr lang ausprobieren.
Inzwischen haben sich zusätzliche Diagnosehilfen eingebürgert, wie das Bachblüten-Orakel, eine Art > Tarot aus 38 Karten. Andere arbeiten intuitiv oder bedienen sich ergänzend der > Farbtherapie. Die Originalessenzen werden mit ¼ Wasser und ¼ Alkohol verdünnt. Standardmäßig werden täglich vier Tropfen eingenommen. Des Weiteren kommen Bäder, Umschläge und das Tragen von kleinen Fläschchen am Körper zur Anwendung. Da die meisten seelischen Störungen ihre Wurzeln in der Kindheit haben, wird die Therapie auch bei Kindern angewendet.
Dieses stark intuitiv aufgebaute Heilverfahren, bei dem die Zuordnung der Pflanzen zur jeweiligen Krankheit nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen beruht, kann bei persönlicher Motivation hilfreich sein, sollte aber die medizinische Gesundheitskontrolle nicht ersetzen, um bewährte medizinische Maßnahmen in konkreten Fällen nicht zu unterdrücken, bis es zu spät ist.

Lit.: Weeks, Nora: Edward Bach: Entdecker der Blütentherapie; sein Leben – seine Erkenntnisse. Aus dem Engl. übertr. von Christian Quatmann. München: Heyne, 1997; Heile dich selbst mit den Bach-Blüten / Edward Bach; Jens-Erik Petersen. Aus dem Engl. v. Karl Friedrich Hörner [Teil 2 (mit Ausnahme der Original-Bach-Texte) wurde aus dem Dän. übers. von Giovanni Dellefant]. München: Droemer Knaur, 1998; Bach, Edward: Gesammelte Werke: von der Homöopathie zur Bach-Blüten-Therapie. [Dt. Übers. von Karl Friedrich Hörner]. Grafing: Aquamarin-Verl., 2003; Bach, Edward: Blumen, die durch die Seele heilen: ausgewählte Originalschriften. Zsgest. und eingef. von Mechthild Scheffer. Berlin: Ullstein, 2004.

Bachja ben Josef Ibn Pakuda (11. Jh.), spanischer Kabbalist und Autor des bekannten „Buches der Herzensverpflichtungen“ (Sefer Chowot haLwawoth ), der ersten systematischen Darstellung der jüdischen Ethik und geistigen Erbauung. B. gilt als einer der beliebtesten jüdischen Autoren des Mittelalters. Das Werk, das er um 1080 in Arabisch verfasste, unterteilt die Verpflichtungen, die jeder religiöse Mensch hat, in „Pflichten der Körperteile“ (alle Handlungen, die den Körper betreffen) und „Pflichten des Herzens“ (alles, was das innere Leben, die Einstellung oder Motivation eines Menschen einschließt).

Lit.: Bahyê Ben-Yôsef: Das Buch der Pflichten des Herzens: die zweite, dritte und vierte Pforte der Naturbetrachtung, des Gottesdienstes und des Gottvertrauens / von Bachja b. Josef Bakuda. Ins Hebr. übertr. von Juda Tibbon, ins Dt. von Em. Baumgarten. Mit einem Vorw. von Selig Bamberger. Hamburg: Kramer, 31922.   

Bachofen, Johann Jakob, Schweizer Rechtshistoriker und Altertumsforscher, geb. am 22.12.1815 in Basel, gest. am 25.11.1887 ebenfalls in Basel. Vom 30. Lebensjahr an widmete er sich nur mehr der wissenschaftlichen Arbeit und wurde dabei vor allem mit den Büchern Gräbersymbolik der Alten (1859) und DasMutterrecht (1861) weltweit bekannt. B. war der Ansicht, dass nur das Studium der Natursymbole den Zugang zur „Seele der alten Welt“ erschließe. Diese Symbole müssten ihrerseits über die Mythen gedeutet werden. In den Mythen liege nämlich die Exegese der Seele. Während aber der Mythos in seiner Klärung einen Gedanken nach dem anderen zum Ausdruck bringt, stellt das Symbol seinen Inhalt mit einem Blick der Seele zur Verfügung und weckt Ahnungen vom Unendlichen und Unsagbaren. So besteht auch das wahrhaft wissenschaftliche Erkennen nicht nur in der Beantwortung der Frage nach dem Was, sondern erhält seine Vollendung erst, wenn es das Woher zu entdecken vermag und damit das Wohin zu verbinden weiß.

Lit.: Bachofen, Johann Jakob: Versuch über die Gräbersymbolik der Alten. Basel: Schwabe, 31954; Bachofen, Johann Jakob: Die Unsterblichkeitslehre der orphischen Theologie. Römische Grablampen. Basel: Schwabe, 1958; Bachofen, Johann Jakob: Das Naturrecht und das geschichtliche Recht in ihren Gegensätzen. Lauterbach: Officina Librorum, 1995; Bachofen, Johann Jakob: Das Mutterrecht: eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur. Eine Ausw. hrsg. von Hans-Jürgen Heinrichs. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2003.

Bachstelze (Motacilla alba, Motacilla yarelli), Singvogel der Familie der Stelzen (Motacillidae) und der Ordnung Sperlingsvögel (Passeriformes). Die B. ist in zwei Unterarten über ganz Europa verbreitet. In England lebt die Trauerbachstelze (M. yarelli) mit schwarzem Rücken, im übrigen Europa die weiße B. (M. alba). Die B. lebt in Wassernähe, ist aber  auch auf Wiesen, Wegen und in Städten anzutreffen, wenngleich sie – wie schon der Name sagt – ihr Nest bevorzugt an Bächen baut. Sie wird bis zu 18 cm groß, hat ein Gewicht von ca. 25g, wird bis zu 10 Jahre alt und ist auch paranormologisch interessant.
Begegnet einem überraschend eine B., so soll das auf baldigen Besuch hindeuten. Wer ihr Nest zerstört, dem droht die Vernichtung des eigenen Hauses durch Überflutung. Sieht eine ledige Frau im Frühjahr bei der Ankunft der Vögel zuerst zwei Bachstelzen beisammen, so heiratet sie in diesem Jahr (Grimm, 1087).

Lit.: Ölschlegel, Helmut: Die Bachstelze: Motacilla alba. Wittenberg Lutherstadt: Ziemsen, 1985; Grimm, Jakob: Deutsche Mythologie. 3 Bände. Nachdruck der von Elard H. Meyer besorgten 4. Auflage. Berlin 1875 bis 1878. Wiesbaden: Drei Lilien, 1992; Wehr, Christian: Lexikon des Aberglaubens. München: Heyne, 1992.

Bachtan, Stein auf dem Hagar Ismael, den Sohn > Abrahams, geboren (Gen 16, 15) und an dem Abraham sein Kamel angebunden haben soll, um Isaak zu opfern (Gen 22, 9). Die Araber, die sich für die direkten Nachkommen Abrahams durch Ismael halten, verehren diesen Stein wie jenen in der Kaaba zu Mekka.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Mythologie aller Völker, Stuttgart, 1874.

Bächtold-Stäubli, Hanns, *27.3.1886 in Schaffhausen, †10.10.1941 in Basel; Sohn des Müllers Hans Georg und der Susanna geb. Scheffeler; besuchte die Kantonsschule Schaffhausen, studierte in Neuenburg und Basel und promovierte 1913 bei Eduard Hoffmann-Krayer (1864–1936) mit einer Dissertation über Gebräuche bei Verlobung und Hochzeit. Von 1906–1908 war B. Reallehrer in Stein am Rhein und von 1908–1917 Lehrer an einer privaten Handelsschule in Basel. Von 1917–1921 leitete er die Abteilung Schulkind von Pro Juventute und ab 1919 fungierte er als Sekretär des Verbandes der Arbeiter und Arbeitgeber der Basler Seidenfabrikanten. 1921 heiratete B. Fanny Marguerite, Tochter des Seidenstoff-Fabrikanten Stäubli in Horgen. Zusammen mit seinem Lehrer Hoffmann-Krayer befasste er sich eingehend mit volkskundlichen Arbeiten. Ab 1936 war er Vorsteher der Abt. Europa des Basler Museums für Völkerkunde. Von 1927 an arbeitete B. unter Mitarbeit von Hoffmann-Krayer am zehnbändigen Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (1927–1942), das 1987 neu herausgegeben wurde und heute noch das umfangreichste Nachschlagewerk der deutschen Volkskunde ist. Die Bezeichnung „Aberglaube“ entspricht nur zum Teil dem Inhalt, der sich ausnahmslos mit volkskundlichen Themen befasst, die nicht einfach als Aberglaube abgetan werden können. Das Werk ist auch paranormologisch eine wahre Fundgrube hinsichtlich magischer und mantischer Vorstellungen und Bräuche sowie volksmedizinischer Praktiken. Die Beiträge stammen von zahlreichen Autoren und sind mit einer ausführlichen Bibliografie belegt. Da viele der genannten Bräuche heute ausgestorben sind, bekommt das Wörterbuch nun auch einen unschätzbaren historischen Wert.

Lit.: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens / M. e. Vorw. v. Christoph D axelmüller. Unveränd. fotomechan. Nachdr. d. Ausg. Berlin u. Leipzig, de Gruyter, Guttentag, Reimer, Trübner, Veit, 1927–1941, 10 Bde., hrsg. Von Hanns Bächtold-Stäubli. Berlin; New York: de Gruyter, 1987.

Bachue („Die mit den großen Brüsten“), Erdgöttin der Chibcha, eines indigenen Volkes in Südamerika. Diese erzählen, dass B. nach der Erschaffung der Welt durch > Chiminigagua aus einem heiligen See kam und ihren dreijährigen Sohn bei sich hatte, den sie, als er erwachsen war, zum Mann nahm und mit ihm Kinder zeugte, die heute die Welt bevölkern. Danach hätten sich beide in Schlangen verwandelt und seien in den heiligen See zurückgekehrt.

Lit.: Jones, David M.: Die Mythologie der Neuen Welt: die Enzyklopädie über Götter, Geister und mythische Stätten in Nord-, Meso- und Südamerika / Molyneaux, Brian L.; Elisabeth Liebl [Übers.]. Reichelsheim: Edition XXV, 2001.

Baciel oder Bachiel, Dämon, der mit dem Tierkreiszeichen der Fische verbunden ist und den Planeten Saturn regiert. Sein Herrschaftsgebiet ist der Osten.

Lit.: Pseudomonarchia daemonum. Milano: Mondadori, 1994.

Bacis, griechischer Wahrsager und ägyptischer Stier.
1. Berühmter Seher von Böotien und einer der ältesten Griechenlands. Nachdem B., alternd, von seinen Freunden Abschied genommen hatte, versahen ihn die Nymphen der corycischen Grotte mit der Gabe der Wahrsagung. Ursprünglich war B. zweifellos eine allgemeine Bezeichnung für einen Wahrsager, weshalb mehrere B., namentlich auch ein arcadischer und selbst Frauen desselben Namens genannt werden.
2. Ein zu Hermonthis in Oberägypten für heilig gehaltener Stier mit borstigem Haar, das stündlich seine Farbe änderte. B. wird auch Onuphis genanntund ist nicht mit dem > Apis in Memphis zu verwechseln.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Neu bearb. von W. Binder. Mit e. Einl. in d. mythol. Wissenschaft von Johannes Minckwitz. Stuttgart: Hoffmann, 1874; Spence, Lewis: An Encyclopaedia of Occultism. New York: Cosimo, 2006.

Backen gehört zu jenen Tätigkeiten des Menschen, die mit besonders vielen kultischen und magischen Vorstellungen verbunden sind. Im Mehl sieht man die aus dem Boden gewonnene konzentrierte Kraft des Getreides, die das gebackene Brot zur Kraftspeise für Mensch, Geister und Götter werden lässt. Das Backen ist daher ein heilige Handlung.
Um Teig und Brot zu schützen, ist folgende Zeremonie weit verbreitet: Man macht über dem ungesäuerten und dem gesäuerten Teig und über dem Brotlaib, den man in den Ofen schiebt, ein oder drei Kreuzzeichen. Wenn das Brot im Ofen ist, darf nicht hineingeblasen werden. Das Aufgehen des Teiges und das Aufgehen der Brotlaibe im Ofen ist nämlich von besonderer zukunftsverkündender Wichtigkeit. Hexen stören vor allem das Aufgehen des Teiges (Fogel, 138). Beim Herausnehmen des Brotes macht man wieder das Kreuzzeichen.
Im Übrigen kannte die Volksphantasie gerade im Zusammenhang mit dem Backen keine Grenzen an kultischen Handlungen und magischen Beschreibungen. Vieles von dem ist bei der heutigen Technisierung des Backens, wo kaum noch zu Hause gebacken wird, nur mehr schwer nachvollziehbar.

Lit.: Staub, Friedrich: Das Brot im Spiegel schweizerdeutscher Volkssprache und Sitte: Lese schweizerischer Gebäcknamen; aus den Papieren des schweizerischen Idiotikons. Leipzig: Hirzel, 1868; Meyer, Elard Hugo: Germanische Mythologie. Berlin: Mayer & Müller, 1891; Fogel, Edwin Miller: Beliefs and Superstitions of the Pennsylvania Germans. Philadelphia, Pa: American Germanica Press, 1915; Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens / M. e. Vorw. v. Christoph Daxelmüller. Unveränd. fotomechan. Nachdr. d. Ausg. Berlin u. Leipzig, de Gruyter, Guttentag, Reimer, Trübner, Veit, 1927. Berlin; New York: de Gruyter, 1987, Bd. 1. S. 754–779.

Backlum Chaam, Gott der männlichen Sexualität der Maya. Sein Helfer ist > Chin, der die Menschen zu sexuellen Ausschweifungen verleitet.

Lit.: Chactun: die Götter der Maya; Quellentexte, Darstellung und Wörterbuch / hrsg. von Christian Rätsch. 2., akt. Aufl. München: Diederichs, 1994.

Backster, Cleve (*1924), ein früherer Vernehmungsbeamter der CIA, avancierte zu einem der führenden Lügendetektor-Spezialisten Amerikas. Er wurde Direktor des Keeler Polygraph Institute in Chicago und gründete später die Cleve Backster School of Lie Detection in Manhatten, New York.
Am Morgen des 2. Februar 1966 schloss B. seinen Büro-Drachenbaum an den Galvanometer seines Polygraphen an. Lügendetektoren messen Feuchtigkeitsströme und Backster wollte wissen, wie lange es dauerte, bis das Wasser der nassen Erde die Blätter an der Spitze erreichte. Er erfuhr dabei jedoch etwas völlig anderes. Als er die Pflanze begoss, zeigte der Detektorschreiber die typische Kurve eines Menschen, der sich freut. Er war erstaunt und dachte sich einen anderen Versuch aus. Er wollte die Pflanze ein wenig anbrennen, was, von dieser als Bedrohung verstanden, einen heftigen Ausschlag provozieren sollte. Der Schreiber reagierte kräftig, allerdings schon, als Backster lediglich daran gedacht hatte, die Pflanze zu versengen. Daraus zog er den Schluss, dass Pflanzen nicht nur ein messbares Gefühlsleben haben, sondern auch Gedanken lesen können. In weiteren Versuchen fand er heraus, dass Hühnereier Schmerz empfinden, wenn sie gekocht werden, und dass sein Baum Mitleid mit den Eiern hatte. Ein Joghurt zuckte zusammen, wenn neben ihm ein anderer Joghurt durch Antibiotika umgebracht wurde. Salatblätter fielen in Ohnmacht, bevor sie gegessen wurden. Zu Baxters speziellen Scherzen gehörte es, wenn er im Flugzeug seinen Nebenmann mit ansehen ließ, wie sein kleiner transportabler Detektorschreiber in Panik ausschlug, sobald Salat serviert wurde.
Der CIA allerdings missfielen diese Versuche, Backster wurde gekündigt und musste sich als Nachtwächter durchschlagen. Wissenschaftler der westlichen Welt wollten von seinen Beobachtungen nichts hören, während man seine Ergebnisse in Indien für selbstverständlich nahm. Experimentelle Überprüfungen seiner Experimente, etwa durch John M. Kmetz, den Forschungsdirektor der Science Unlimited Research Foundation, ergaben nur negative Resultate, sodass der sogenannte Backster-Effekt noch weiterer Prüfungen bedarf.

Lit.: Backster, Cleve: Evidence of a Primary Perception in Plant Life. In: Journal of Parapsychology (1968); Backster-Report. In: The International Journal of Parapsychology 10 (1968); Tompkins, Peter: Das geheime Leben der Pflanzen: Pflanzen als Lebewesen mit Charakter und Seele und ihre Reaktionen in den physischen und emotionalen Beziehungen zum Menschen. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1974; Whitman, John: The Psychic Power of Plants. London: New American Library, 1974; Kmetz, J. M.: An Examination of Primary Perception in Plants. In: Parapsychology Review 6 (1975) 3.

Backster-Effekt > Backster, Cleve.

Backward masking (engl., Rückwärtsbotschaften), Methode der > Black Metal-Musik, Texte rückwärts auf den Tonträger zu pressen, sodass diese erst verständlich werden, wenn der Tonträger rückwärts abgespielt wird. Auf diesem Weg sollen Informationen unterschwellig aufgenommen, unbewusst gespeichert und vom Gehirn decodiert werden. Beweise gibt es dafür nicht, weshalb die Methode als Geheimniskrämerei bezeichnet wird, um den meist satanistischen Inhalt gewinnbringender zu vermarkten.

Lit.: Aranza, Jacob: Backward Masking Unmasked. Shreveport, La.: Huntington House, 1983.

Baco von Verulam > Bacon, Francis.

Bacon, Roger (1214/1220–1292), Doctor mirabilis, englischer Philosoph und Franziskaner. Von 1231–1240 studierte B. möglicherweise in Paris die Artes. Zwischen 1241 und 1247 hielt er dort Vorlesungen über verschiedene Werke des Aristoteles und hörte selbst sicher auch Vorlesungen des > Albertus Magnus. Ab 1247 hielt sich B. in Oxford auf. 1257 trat er in den Franziskanerorden ein, der ihm das Leben nicht leicht machte, vielleicht wegen seiner ziemlich scharfen Zunge und seines Kontaktes, unter Umgehung des Dienstweges, mit dem ihm befreundeten Papst Clemens IV. (1264–1268), der ihn 1266 ermunterte, seine Lehre, ungeachtet der Restriktionen, die ihm der Orden auferlegte, aufzuzeichnen. So arbeitete er zwischen 1266 und 1268 am Opus maius, Opus minus und Opus tertium . Zwischen 1277 und 1289 wurde er wegen Häresieverdachts vom Franziskanergeneral Hieronymus von Ascoli in Klosterhaft genommen, wahrscheinlich wegen seiner astrologischen Ansichten hinsichtlich der Zukunft, seiner herben Kritik der Wissenschaft von Ordens- und Zeitgenossen sowie wegen seiner Aussagen zur Apokalypse, die es seinen Gegnern erlaubte, ihn mit radikalen Randgruppen des Ordens in Verbindung zu bringen. Die Haft war jedoch milde, denn er konnte seinen Studien weiter obliegen. So fasste er 1292, kurz vor seinem Tod, seine Hauptthesen in Compendium studii Theologiae nochmals zusammen.
Philosophisch ist B. Aristoteliker mit deutlichen Anklängen zum > Neuplatonismus hin, kulturhistorisch ist er ein vielseitig talentierter Visionär. In seiner Epistola de secretis operibus Artis et naturae macht er eine Reihe erstaunlicher Voraussagen:
„Zuerst will ich Dir von den wunderbaren Werken der Kunst und der Natur erzählen; dann werde ich Dir ihre Ursachen und ihre Form beschreiben. Dies hat nichts mit Magie zu tun , denn die Magie steht weit unter solchen Dingen und ist ihrer nicht würdig. So können z. B. Wasser­ fahrzeuge hergestellt werden, riesige Schiffe für Flüsse und Meere. Sie bewegen sich ohne Ruder, und ein einziger Mann kann sie besser lenken, als wenn sie voll bemannt wären. – Dann gibt es auch Wagen, die sich ohne Pferde und mit ungeheurer Geschwindigkeit bewegen... Auch Flugmaschinen können gebaut werden. Ein Mann sitzt in der Mitte und be dient etwas, das die künstlichen Flügel der Maschine wie bei den Vögeln flattern lässt... – Man kann auch ein kleines Gerät zum Herablassen schwerer Lasten machen, das in Notfällen höchst nützlich ist... Ferner kann man eine Maschine bauen für Unterwasserfahrten auf Flüssen und Meeren.“
Wenngleich er die Technik höher schätzte, zweifelte er nicht an der Magie. Die natürliche Magie, die auf das Gute abzielt, ist erlaubt; dagegen sind die schwarzen Künste, die dem Bösen dienen abzulehnen.
Sein großes Interesse galt neben den technischen Möglichkeiten jedoch der > Alchemie, wie aus seinen Büchern Opus maius und Opus tertium hervorgeht. Er unterscheidet zwischen spekulativer und operativer Alchemie. Die spekulative Alchemie beschreibt die Entstehung aller Körper aus den > Elementen und bildet so die Grundlage der Medizin und Naturphilosophie. Die operative Alchemie behandelt die Herstellung von Farben, wertvollen Metallen und Ähnlichem. Sein alchemistisches Hauptinteresse galt jedoch der Verlängerung des Lebens, eine Vorstellung, die die chinesische Alchemie beherrschte, im Abendland jedoch erstmals durch B. erörtert wurde. Mit einer Mischung von Blättern, Holzstücken, Blüten, zubereiteten Schlangen und einem Knochen, der im Herzen eines Hirsches wächst, könne ein ausgezeichnetes Heilmittel gegen das Altern erstellt werden.
Schließlich beruht alles menschliche Wissen auf Mathematik, deren vornehmster Zweig die > Astrologie ist. Bei der Geburt eines Menschen bestimmen die Himmelskörper seinen physischen Charakter und dessen Veränderungen, ohne aber das menschliche Leben zu bestimmen. Medizin, Alchemie und Zukunftsdeutung sollten sich ihrer bedienen.
Auch das gesprochene Wort hat nach B. eine große Macht, geschahen doch alle großen Wunder am Anfang der Welt durch das Wort.
Als Ganzes betrachtet ist B.s Lehre eine wagemutiger Versuch, Wissen, Weisheit und Glauben zu einer Einheit zusammenzuführen. Die Kirche solle daher in ihrem Kampf gegen den Unglauben und die Widersacher wissenschaftliche Erkenntnisse einsetzen, besonders auch angesichts der künftigen Gefahren in Zeiten des Antichristen.

Lit.: Bacon, Rogerius: Send-Schreiben von geheimen Würckungen der Kunst und der Natur, und von der Nichtigkeit der falschen Magiae. 1732; Bacon, Rogerus: Opus tertium. Opus minus. Compendium philosophiae / ed. by J. S. Brewer. London: Longman, Geen, Longman, and Roberts, 1859; Bacon, Roger: Compendium of the Study of Theology. Ed. and transl. with introd. and notes by Thomas S. Maloney. Leiden [u. a.]: Brill, 1988; Bacon, Roger: The Mirror of Alchimy: Composed by the Thrice-Famous and Learned Fryer/ ed. by Stanton J. Linden. New York [u. a.]: Garland, 1992; Bacon, Roger: The opus majus of Roger Bacon / transl. by Robert Belle Burke. [Reprint from the 1928 ed.]. Bristol [u. a.]: Thoemmes Press, 2000.

Bacon, Sir Francis, Baron von Verulam, Viscount St. Albans, *22.01.1561 in London, †09.04.1626 in High-Gate bei London, englischer Philosoph, Staatsmann und Gelehrter. Er absolvierte ab 1563 scholastische, juristische Studien am Trinity College in Cambridge bzw. in Grays Inn. 1576–1579 begleitete er einen Botschafter nach Frankreich, wo er sich für die Experimente des Mediziners B. Palissy interessierte. 1582 wurde er Rechtsanwalt, 1584 Parlamentarier. 1618 übernahm er das Kanzleramt. 1621 enthob ihn das Parlament seines Amtes und so widmete er sich naturwissenschaftlichen Forschungen.
B. propagiert die neue Philosophie, indem er die begrifflich ableitende Methode der Scholastik bzw. die Deduktion (Rationalismus) verneint und einzig eine von der Erfahrung „auslegende“ Methode (interpretatio naturae) oder Induktion (Empirismus) gelten lässt. Er weist darauf hin, dass für den nach Wissen strebenden Menschen Vorurteilslosigkeit in Bezug auf die „Natur“ die erste Voraussetzung sei. Diese Auffassung der Wissenschaft hat die gesamte moderne Naturwissenschaft von der Gründung wissenschaftlicher Akademien im 17. Jh. über die französischen Enzyklopädisten des 18. Jh.s bis hin zu Kant beeinflusst.
In seinen Schriften beschäftigt sich B. auch mit paranormologischen Themen wie Alchemie, übersinnlichen Erscheinungen und Magie. Obwohl er die Gesamtheit der Alchemie verwirft, hält er die Transmutation oder Metallumwandlung für möglich und gibt sogar Anweisungen, die darauf hinauslaufen, einzelne Formen des Goldes zu vereinigen, um so eine Art Synthese des Goldes zu bewerkstelligen. Wenn nämlich der Mensch die gesetzmäßigen Wirksamkeiten oder Formen entdeckt, würde dies für ihn eine unbeschränkte Macht bedeuten. Denn die Form einer Natur ist derart, dass mit ihrer Setzung auch die Natur unfehlbar darauf folgt (Novum Organum II). Konkreter spricht B. in seiner Schrift Sylva sylvarum or a Natural History von der Metallumwandlung und nimmt an einigen Stellen Fragen der ASW- und PK-Forschung vorweg, indem er Versuchsanordnungen zur Erforschung des Phänomens der Imaginatio in der Bedeutung etwa von Psi anführt, wobei er drei Wirkweisen unterscheidet: 1. die Wirkung auf den Körper des Erlebnisträgers, einschließlich der möglichen Wirkung der Schwangeren auf den Fötus (> Versehen); 2. die Wirkung auf unbelebte Gegenstände; 3. die Wirkung von Menschen auf andere Lebewesen (> ASW). Als nicht zu eliminierenden Faktor der Versuche sieht er auch mögliche Einflüsse böser Geister. Er erhoffte sich mit solchen Experimenten eine Veränderung menschlicher Affekte. Zudem regt er Versuche mit Pflanzen im Sinne mentaler negativer Beeinflussung des Wachstums an. Als Untersuchungsmethode des Einflusses der Imagination auf unbelebte Gegenstände nennt er die Bewegungen des Mischens von Karten. Für Versuche der Wirkung von Menschen auf andere Lebewesen empfiehlt er, mit nahen Verwandten zu arbeiten. Zudem hegte er die Vermutung, dass sich die Imagination bei mehreren Sendern addieren könnte. Bei all diesen Aussagen gibt B. jedoch zu bedenken, dass die Berichte über die Kraft der Imagination und die geheimen Vorgänge der Natur zu ungewiss sind, um ohne eine Vielzahl von Prüfungen Schlüsse ziehen zu können.
In seinem monumentalen Werk Instauratio magna (Die große Erneuerung), von der er nur Teile vollendete, entwirft er eine angewandte Metaphysik, die „natürliche Magie“, und stellt zwischen Physiologie und Psychologie eine Disziplin, die Gedanken der > Physiognomie vorwegnimmt.
Nach der Meinung einiger Gelehrter soll B. der wahre Autor der Theaterstücke von Shakespeare sein. Sein Roman Nova Atlantis soll die Grundgedanken der Freimaurerei vorweggenommen haben.

Lit.: Bacon, Francis: Francisci Baconis de Verulamio, Vice-Comitis Sancti Albani, Historia naturalis et experimentalis ad condendam philosophiam: Sive, phaenomena universi: Quae est Instaurationis magnae pars tertia. Londini: HavilandLondini: LownesLondini: Barret, 1622; Bacon, Francis: The Works of Francis Bacon / coll. and ed. by James Spedding; Robert Leslie Ellis. St. Clair Shores, Mich.: Scholarly Pr., 1977; Bacon, Francis: [The Letters and the Life of Francis Bacon: Including All his Occasional Works ... Vol. 7]. 2., unveränd. Aufl. Stuttgart-Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog, 1994; Bacon, Francis: The major works. Ed. with an introd. and notes by Brian Vickers. Oxford [u. a.]: Oxford Univ. Press, 2002; Bacon, Francis: Advancement of Learning. Novum Organum. New Atlantis. 7th print. Chicago [u. a.]: Encyclopaedia Britannica, 2003.

Bacoti, allgemeine Bezeichnung für > Wahrsager und > Zauberer in Tunkin in Indochina. Sie stehen beim Volk in großem Ansehen, das sie vor allem über verstorbene Personen befragt, um mit diesen in Verbindung zu treten.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Neu bearb. von W. Binder. Mit e. Einl. in d. mythol. Wissenschaft von Johannes Minckwitz. Stuttgart: Hoffmann, 1874; Spence, Lewis: An Encyclopaedia of Occultism. New York: Cosimo, 2006.

Bacstrom, Sigismund (ca. 1750-1805), skandinavischer Arzt und Chirurg, der in seinen früheren Jahren als Schiffsarzt tätig war und 1794 in der französischen Kolonie auf der Insel Mauritius in die Gesellschaft der > Rosenkreuzer aufgenommen wurde. Später ließ er sich in London nieder und übersetzte lateinische, deutsche und französische alchemistische Texte ins Englische, die er unter den Mitgliedern eines kleinen Kreises verteilte. Diese zwischen 1790 und 1809 erstellten Übersetzungen und Kopien aus früheren alchemistischen Werken umfassen 19 Bände und ca. 120 verschiedene Themen. Sie hatten großen Einfluss auf Thomas South und seine Tochter Mary Anne > Atwood, auf Frederick Hockley (1809–1885), den Hermetischen Orden des > Golden Dawn und auf H. P. > Blavatsky.

W.: Bacstrom’s Alchemical Anthology. Edited and with an Introduction by J. W. Hamilton-Jones. London: John M. Watkins, 1960.

Bad, Ort der Reinigung und Erneuerung, hat zahlreiche Bedeutungen. Die altmesopotamischen Mythen sprechen vom B. der Götter und in der Antike kennt man das rituelle Baden der Götterstatuen. Im Hinduismus, mit seinem Glauben an die Heiligkeit der Flüsse, spielt das Baden eine besondere Rolle der Reinigung, ebenso im Schintoismus. Im Judentum war mit der Synagoge immer ein Bad verbunden und im Christentum wird durch das Bad der Taufe die Kindschaft Gottes verliehen.
Als Ersatz für das vollständige Baden dient die Gesichts-, Hand oder Fußwaschung zur symbolischen Reinigung.
Negativ wird das Bad auch als Zeichen der Verweichlichung, des Luxus und der Sinneslust bezeichnet.
Vor allem aber hat das B. einen Verjüngungs- und Heilungswert. Das Baden im Jungbrunnen (durch den Alexanderroman wohl bekannt) greift die alte Symbolik der Verjüngung und Wiedergeburt auf. So versteht die Psychoanalyse das Baden auch als unbewussten Versuch, in den Mutterschoß zurückzukehren.
Unzählig sind je nach Qualität des Wassers und der Beigaben die Heilungsformen des Bades.
In der persischen Mythologie ist das Bad ein > Dschinn, ein Genius, der Macht über Winde und Stürme hat und jeden 22. Tag des Monats den Vorsitz führt.

Lit.: Der Jungbrunnen / Lucas Cranach d. J. Einf. von G. F. Hartlaub. Stuttgart: Reclam, 1958; Stoffer, Hellmut: Die Magie des Wassers: eine Tiefenpsychologie u. Anthropologie d. Waschens, Badens u. Schwimmens. Meisenheim: Hain, 1966; Encyclopedia of Occultism & Parapsychology: a Compendium of Information on the Occult Sciences. Leslie Shepard [Hrsg.]. Vol. 1. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984; Die Mikwe von Sondershausen: jüdisches Ritualbad aus der Zeit um 1300. Sondershausen, 2003.

Badarayana (sanskr.), Begründer der philosophischen Vedanta-Schule und Autor des > Brahma Sutra, worin er in 555 Aphorismen eine Systematisierung der Vedanta-Philosophie versucht und sich gegen die nicht-theistischen Strömungen, wie den Buddhismus, stellt.

Lit.: Badarayana: Brahmasutram / Maharsibadarayanapranitam. Varanasi: Caukhamba Vidyabhavana, 1995.

Badb (Bodb, auch Badhbh; irisch, Schlacht), Kriegsgöttin der keltischen Iren. Nach ihr wird das Schlachtfeld oft auch „Land der Badb“ genannt. In der Schlacht von Mag Tured nahm sie die Gestalt einer Krähe an, verwirrte so die Fomore auf magische Weise und sicherte dadurch den Tuatha Dê Danann den Sieg.
B. bildete mit Macha (Nemian) und Morrigan eine Göttinnen-Dreiheit.

Lit.: Jordon, Michael: Encyclopedia of Gods. London: Kyle Cathie Limited, 2002.

Bader, Berufsbezeichnung für den Betreiber einer Badestube. Der Beruf ist seit dem Mittelalter bekannt. Die B. übten einen hochgeachteten, wenngleich nicht wissenschaftlichen Heilberuf aus und galten als die „Ärzte der kleinen Leute“. Als Zeichen ihres Handwerks hängten sie ein weißes Badetuch vor die Tür. In ihren Badestuben badeten und rasierten sie die Badegäste, ließen zur Ader, schröpften, kurierten und zogen Zähne. Auch die Behandlung von Verrenkungen und Brüchen war ihnen, wie den Scharfrichtern, erlaubt. Ihre Praxis durften sie jedoch nicht außerhalb der Badestube ausüben.
Neben dem B. arbeitete in der Badestube oft auch ein Barbier, der für das Haarschneiden zuständig war. Aus diesen Berufen entwickelte sich der Berufsstand der Handwerkschirurgen, später auch Wundarzt genannt.
Wegen der körperlichen Berührung von Kranken, Verwundeten und Pflegebedürftigen zählten sie in manchen Gegenden zu den sog. „unehrlichen“ Berufen und durften sich in keiner Zunft organisieren. In anderen Regionen wurden sie jedoch später in die Zünfte aufgenommen, so in Augsburg und Würzburg 1373 oder in Hamburg 1375; besonders im südlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches waren sie geschätzte Mitglieder des Bürgertums. Sie bildeten auch selbst Zünfte, u. a. in Bayern das Collegium oder die Societas balneatorum, hielten Gesellen und Lehrlinge, deren Ausbildung genau geregelt war. Die Lehre bei einem Meister dauerte drei Jahre, gefolgt von einer dreijährigen Wanderschaft und der Ausübung des Gewerbes bei anderen Meistern. Nach der kostspieligen Meisterprüfung  und einem Examen an der Wiener Medizinischen Fakultät konnte der Beruf des B.s selbständig ausgeübt werden.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden viele Badestuben auf Verordnung der Landesherren  oder Städte geschlossen und die B. wurden zu „fahrenden“ Helfern. Durch die im 18. Jh. erfolgte Einrichtung von Krankenhäusern auch für die weniger Reichen oder gar Bedürftigen ging die Bedeutung der B. im öffentlichen Gesundheitswesen zurück, erhielt aber z. B. in den Berufen von Heilpraktikern, Masseuren, Maniküren oder Kosmetikern neue Aufgaben.

Lit.: Lammert, G.: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Bayern und den angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cultur. Mit historischer Einleitung und einer lithographierten Tafel. Neudruck d. Ausg. Würzburg 1869. Regensburg: Johannes Sonntag, 1981; Stolz, Susanna: Die Handwerker des Körpers: Bader, Barbier, Perückenmacher, Friseur. Marburg: Jonas-Verl., 1992; Widmann, Martin: Bader und Wundarzt. Zürich: Medizinhistorisches Inst. und Museum der Univ., 1998; Tuchen, Birgit: Öffentliche Badhäuser in Deutschland und der Schweiz im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Petersberg: Imhof, 2003.

Baduhenna, germanische Göttin. Nach Tacitus (Ann. IV, 73) wurden beim Aufstand der Friesen 28 n. Chr. in der Nähe eines ihr geweihten Haines 900 römische Soldaten niedergemetzelt. Der Name B. soll sich von „badwa“ (Kampf, Schlacht) und henna bzw. „henae“ ableiten – eine Wendung, die häufig in Matronenamen vorkommt Aufgrund dieser Etymologie war B. nach Rudolf Simek wahrscheinlich eine Kriegsgöttin. Der heilige Hain soll sich nördlich der Stadt Velsen in der heutigen niederländischen Provinz Noord-Holland befunden haben.

Lit.: Tacitus, Cornelius: Annalen. Düsseldorf: Artemis und Winkler, 2005; Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart: Kröner, 2006.

Bael, ein Dämon der im > Grand Grimoire als Herrscher der Hölle bezeichnet wird. Er hat drei Köpfe, den eines Krebses, einer Katze und eines Menschen. Ihm gehorchen 66 Legionen.

Lit .: Le grand grimoire, ou l’art de commander les esprits célestes, aériens, terrestres, infernaux, avec le vrai secret. De faire parler les Morts, de gagner toutes les fois qu'on met aux loteries, de découvrir les trésors cachés, etc. Imprimiré sur un manuscrit de 1522. Paris: B. Reanault, Editeur, 1845.

Baerwald, Richard, *1867, †15.5.1929 in Berlin, Psychologie und Schriftsteller. Nach dem Studium der Psychologie, Ethik und Soziologie arbeitete er als Psychologe in Berlin. Als Herausgeber der Zeitschrift für Kritischen Okkultismus war B. zunächst ein erbitterter Kritiker der Untersuchungen der > Society for Psychical Research und ein Gegner paranormaler Phänomene, die er durchgehend zu entlarven suchte. Diese anfängliche Entlarver-Haltung wurde nach gründlicher Beschäftigung mit den vorgegebenen Daten von der Überzeugung der Existenz der > Außersinnlichen Wahrnehmung abgelöst. B. vertrat dabei die Ansicht, dass alla paranormalen Phänomene auf Telepathie zurückzuführen seien, was zu eigenartigen Deutungen führte. So nahm er zur Erklärung eines Wahrtraumes an, dass der Träumende nach dem Traum so viele Personen telepathisch beeinflusse als notwendig sind, das geträumte Ereignis herbeizuführen. Alle Menschen seien nämlich durch ein telepathisches Netz verbunden, womit auch die Sensitivität einzelner Personen erklärt werden könne. Er dachte dabei an eine physikalische Energieübertragung von Gehirn zu Gehirn, die unbewusst alle Menschen verbinde. Wie jedoch der Sensitive seine spezielle Information aus der Vielfalt herausgreifen könne, ließ er offen. B. verneinte ein Fortleben nach dem Tode und glaubte die diesbezügliche Sehnsucht nach dem Jenseits durch das Unbewusstsein aufzufangen. „Ein neues ‚Jenseits der Seele‘ (Dessoir) tut sich auf, ein Unterbewusstsein, hinter dem normalen, alltäglichen Bewusstsein, so voll von ahnungsvollem Wissen und unbekannten Kräften, dass seine Wunder denen des geträumten Himmels, der angenommenen Geisterwelt, kaum nachstehen.“(Baerwald 1920, S. 115).

Lit.: Baerwald, Richard: Okkultismus, Spiritismus und unterbewusste Seelenzustände. Leipzig; Berlin: Teubner, 1920; ders.: Der Mensch ist größer als das Schicksal. Betrachtungen über d. Methode d. sieghaften u. frohgemuten Lebens. Leipzig: J. C. Hinrichs, 1921; ders.: Die intellektuellen Phänomene. Berlin: Ullstein A.-G., 1925; ders.: Psychologie der Selbstverteidigung in Kampf-, Not- u. Krankheitszeiten. Autosuggestion (Conéismus) und Willenstraining. Leipzig: J. C. Hinrichs'sche Buchh. [Verl.], 1927; ders.: Lebensmut, Erfolg, Arbeitsfreunde. Der Weg zu Glück u. froher Zuversicht; 2 Tle. in 1 Bd. geb. [Mit e. Vorw. d. Bearb. Erwin Heine]. M.-Ostrau; Leipzig: Buchsbaum, 1933; Baerwald, Richard: Gedankenlesen und Hellsehen. Berlin: Ullstein, 1933.

Baetyl (griech. batylos), nach den klassischen Texten ein „Stein-Gott“, in der semitischen Mythologie der Name für das Haus Gottes, > Bethel. Der göttliche Name Bethel findet sich in Gen 31, 13, 35, 7, Amos 5, 5 usw.
In der phönizischen Theogonie von Philo Byblius (nach Eusebius, P. E. I 10, 16) ist der Gott Baitylos ein Sohn des Uranos und seiner Frau-Schwester Ge (> Erde) mit den Brüdern > El/Kronos, > Dagon und Atlas. Der Name taucht erstmals im 7. Jh. v. Chr. auf und scheint auf Nordsyrien begrenzt gewesen zu sein. Im 5. Jh. wurde er nach Ägypten gebracht.
Nach Jer 48, 13 wurde das Haus Israel an Bethel zuschanden, auf das es vertraute. Diese Aussage überrascht insofern, als die nordsyrischen Gottheiten sonst mit Israel nicht in Verbindung standen. Es ist daher anzunehmen, dass der Kult von Bethel vor 600 v. Chr. in Israel eingeführt wurde, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass der Gott Bethel mit der biblischen Stadt Bethel in Beziehung steht. Andererseits darf vermutet werden, dass der Stein in Gen 28, 10–22, auf dem Jakob schlief und den er mit Öl begoss, mit dem Kult Baetyls, als Haus Gottes, in Verbindung steht.

Lit.: The Phoenician History of Philo of Byblos: a Commentary / Baumgarten, Albert I. Leiden: Brill, 1981; The God-List in the Treaty Between Hannibal and Philip V of Macedonia: a Study in Light of the Ancient Near Eastern Treaty Tradition / Barré, Michael L. Baltimore [u. a.]: Johns Hopkins Univ. Press, 1983; Dictionary of Deities and Demons in the Bible(DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hg.]. Second extensively rev. ed. Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

Baetylien, kegel- oder keilförmige > Steine, die an besonderen Orten als Symbole der Gottheit aufgestellt und zum Zeichen der Verehrung mit > Wein, > Blut, vor allem aber mit > Öl gesalbt wurden. Man findet diese Steine bei den Hebräern, Phöniziern, Griechen und Römern. Von manchen glaubte man, sie seien vom Himmel gefallen. Einen B. unweit des delphischen Tempels hielt man für jenen, den > Saturn an Stelle seines neugeborenen Kindes > Jupiter verschlungen und wider ausgespuckt habe.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart, 1874, S. 99.

Baffometus, eine andere Schreibweise für > Baphomet, bedeutet „Der Mann mit dem Bart“, nach der italienischen Bezeichnung für Bart: baffi.

Lit.: Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1976.

Bag, persische Gottheit, die Bagdad den Namen geben haben soll. Die Gattin von König Cyrus baute ihr einen Tempel.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Mythologie aller Völker. Stuttgart, 1874.

Baga, altpersische Bezeichnung für Gott. Die etymologischen Deutungen mit Bezug auf altindisch Bhaga und Ahura Mazda (baga vazraka, „der große Gott“) sind nicht gesichert.

Lit.: Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der [Hg.]. Second extensively rev. ed. Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999.

Bage, das geheimnisvolle heilige Schweigen nach der Lehre des Zoroaster, das beim Waschen und Essen beachtet werden musste. > Pythagoras dürfte diese Lehre gekannt und in sein System der Philosophie eingebaut haben.

Lit.: Vendidad Sade: die heiligen Schriften Zoroaster's Yaçna, Vispered und Vendidad / nach den lithographierten Ausg. von Paris und Bombay mit Index und Glossar hrsg. von Hermann Brockhaus. Hildesheim: Olms, 1990.

Baggally, William Wortley (†1928), wurde 1896 Mitglied der British Society for Psychical Research, um die Möglichkeit eines experimentellen Beweises des Fortlebens nach dem Tode auszuloten. Er experimentierte mit einer Reihe bekannter Medien wie William Eglington, Cecil Husk, Mrs. Corner, Miss Mary Showers und Mrs. Etta Wriedt. Bekannt wurde er vor allem durch seine Experimente mit dem umstrittenen Medium > Eusapia Palladino gemeinsam mit > Everard Feilding und > Hereward Carrington. B. nahm bei den Untersuchungen eine sehr skeptische Haltung ein, war aber nach all den Experimenten davon überzeugt, einige paranormale Phänomene erlebt, ohne dabei den Beweis für das Fortleben gefunden zu haben. Allein bei 11 Sitzungen mit Palladino erlebte er 470 Phänomene.

Lit. Feilding, E./ Carrington, H.: Report on a Series of Sittings with Eusapia Palladino. In: PSPR 23 (1909), 309; Baggally, William W.: The Napels Report on Eusapia Palladino. In: JSPR 14 (1910), 213; Kurtz, Paul (Hg.): A Skeptic's Handbook of Parapsychology. Buffalo, NY: Prometheus Books, 1985.

Bagnall, Reginald Oscar Gartside (geb. 1893 in Berkshire, England), britischer Pionier der Auraforschung. Als Biologe befasste er sich mit den Farbstoffen und stieß so auf das Phänomen der menschlichen Ausstrahlung. Im Besonderen interessierte er sich für den Effekt des blauen Farbstoffes Dicyanin, der schon von dem Auraforscher Walter J. > Kilner näher untersucht worden war. In seinem Buch The Origin and Properties of the Human Aura bestätigte B. viele Aussagen Kilners. Später wurde die Auraforschung von der > Kirlianfotografie aufgegriffen.

Lit.: Bagnall, Oscar: The Origin and Properties of the Human Aura. London: Kegan Paul & Co., 1937.

Bagoe, ein Nymphe in der Toskana, die sämtliche Ereignisse aus dem Donnergrollen beurteilt haben soll. Nach anderen Quellen ist sie mit der unter dem Namen > Herophile bekannten erythräischen > Sibylle identisch. Und wiederum andere sind der Ansicht, dass sie nach Herophile die erste Frau war, welche > Orakel erstellte.

Lit.: Encyclopédie ou dictionaire raisonné des sciences des arts et des métiers: par une société gens de lettres / mis en ordre & publié par Diderot et d'Alembert. 2. unveränd. Aufl. nouvelle impr. en facs. de la 1. éd. de 1751–1780. Bd. 1– 35. 1966–1990. Stuttgart-Bad Cannstatt, 1990; Spence, Lewis: An Encyclopaedia of Occultism. New York: Cosimo, 2006.

Bagvarti, Göttin der Urartäer – gewissermaßen die Vorgänger der Armenier, die von 900–600 v. Chr. auf dem Gebiet der heutigen Osttürkei und Armeniens lebten. B. war die Gemahlin des urartäischen Reichsgottes > Haldi.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989.

Bahaman oder Bahman (ursprünglich Vohumano, „die gute Gesinnung“) ist in der Religionslehre > Zoroasters der Name des ersten Amschaspands (> Amesha Spentas, „ die Unsterblichen“, „Heiligen“), der guten Geister. Er wird als Sohn des Ormazd (> Ahura Mazda) betrachtet, der die lebenden Wesen beschützt, Friede und Freundschaft unter den Menschen erhält, im Himmel die ankommenden Seelen der Seligen empfängt und ihnen ihre Plätze anweist.
Der zweite Tag jedes Monats ist ihm heilig und das am zweiten Tag des zweiten Wintermonats ihm zu Ehren gefeierte Fest heißt Bahmangeh.

Lit.: Duchesne-Guillemin, Jacques: Ormazd et Ahriman. Paris: Presses Universitaires de France, 1963.

Bahir (hebr., „Glanz“), einer der ältesten und wichtigsten mittelalterlichen Texte der > Kabbala, ohne dass dabei das Word „Kabbala“ verwendet wird. Das Buch entstand um 1176 und wird als Werk des französischen Rabbi Isaak ben Abraham von Posquières, allgemein „der blinde Isaak“ genannt, bezeichnet. Die kabbalistische Tradition schreibt das Buch jedoch dem Talmudlehrer Rabbi Nehuniah ben HaKana, aus dem 1. Jh. v. Chr. zu , weil es mit diesem Namen beginnt. Der Text ist fragmentarisch erhalten und besteht aus einer Sammlung von Aussprüchen zu Bibelversen, die sich mit Kosmologie und Kosmogonie befassen. Einen wichtigen Platz nehmen mystische Gleichnisse (50) ein. Der Grundgedanke ist die > Merkabamystik in ihrer gnostischen Weiterentwicklung: Gott hat als erste Wirklichkeit das > Pleroma (griech., „Fülle“) geschaffen, das die oberste Welt darstellt, die von den Kräften Gottes gebildet wird. Ihre Früchte, die Seelen der Gerechten, steigen von hier in die untere Welt hinab. Wegen dieses gnostischen Einschlages wird das Buch auch in den Einflussbereich der katharischen Sekten, wie der Albigenser, in Südfrankreich gestellt.

Lit.: Das Buch Bahir: ein Schriftdenkmal aus der Frühzeit der Kabbala auf Grund der kritischen Neuausgabe / von Gerhard Scholem. Darmstadt: Wiss. Buchges. 41989.

Bahir-Mukha (sanskr., „nach außen gerichtet“), das nach außen gerichtete Denken. Bedingt durch die Sinne, wendet sich unser Denken vom wahren Selbst (> Atman) ab und richtet sich nach außen auf die Erscheinungswelt. Auf diese Weise haben sich alle empirischen Wissenschaften entwickelt.

Lit.: Lexikon der östlichen Weisheitslehren: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Zen / Ingrid Fischer-Schreiber; Ehrhard, Franz-Karl; Friedrichs, Kurt; Diener, Michael S. [Hrsg.]. Bern; München; Wien : Scherz, 1986.

Bahmangeh > Bahaman.

Baho, Name für Federstäbe, welche die > Pueblo-Indianer bei religiösen Handlungen zusammen mit Maismehl opferten und über die sie Gebete an den Sonnengott richteten.

Lit.: Nölle, Wilfried: Völkerkundliches Lexikon: Sitten, Gebräuche und Kulturbesitz der Naturvölker. München: Goldmann, 1959.

Bahram (iran.), iranischer Gott, der teils als Regent des Planeten Mars und manchmal als mit dem Windgott > Verethragna identisch gedacht wird. Als Gott des Sieges unterstützt er den > Sraosha, wenn er bei seiner Fahrt mit der Seele eines Toten die Lüfte emporsteigt, um sie vor den Dämonen Astovidatu und Aeshma zu schützen, deren Ziel es ist, die Seele zu rauben.

Lit.: Bellinger, Gerhard J.: Knaurs Lexikon der Mythologie: über 3000 Stichwörter zu den Mythen aller Völker. Lizenzausg. f. area verlag gmbh, erftstadt. München: Droemersche Verlagsanst. Th. Knaur Nachf. GmbH & Co.KG, 2005.

Bahreziehen, dreimaliges Ziehen der Totenbahre auf einem Schlitten rund um den Friedhof während des Zwölf-Uhr-Schlagens in der Heiligen Nacht. Dieses Sagenmotiv war vor allem in einigen Gebieten Tirols, von Mauls in Südtirol bis nach Sellrain, Tulfes und Volders in Nordtirol, verbreitet. In der Heiligen Nacht luden waghalsige Gesellen die Totenbahre auf einen Schlitten und fuhren beim Glockenschlag zur zwölften Stunde dreimal um den Friedhof. Die Fahrt wurde durch die Armen Seelen, die aus den Gräbern stiegen und sich auf den Schlitten setzten, immer beschwerlicher. Mit dieser Kraftanstrengung war der Glaube verbunden, dass ein Bursche so viele Raufer im Leben besiegen konnte, wie er Arme Seelen ziehen konnte. Wäre er stecken geblieben, hätte ihn der Teufel zerrissen.

Lit.: Holzmann, Hermann: Weihnacht am Tiroler Bergbauernhof / M. e. Geleitw. v. Vera v. Grimm. Graz: Verlag für Sammler, 1979.

Bahrgericht > Bahrprobe

Bahri (arab.), menschenköpfiger Vogel im islamischen Bereich.

Lit.: Mode, Heinz: Fabeltiere und Dämonen: die Welt der phantastischen Wesen. Leipzig: Koehler & Amelang, 2005.

Bahrprobe oder Bahrrecht (it. prova del cataletto), auch Hexenprobe und Blutprobe genannt, ist eine Form des germanischen Gottesgerichtes, getragen vom Glauben, dass die Wunden des Getöteten von neuem zu bluten anfangen, wenn der Mörder vor die Leiche tritt oder sie berührt. Aufgegriffen wurde das Verfahren als letzte Entscheidungshilfe im 12. Jahrhundert. Literarisch ist die B. im „Nibelungenlied“ (V. 984ff.) und im „Iwein“ (V. 1355ff.) bezeugt. Das Bahrrecht gehörte zu den im Volksglauben begründeten Rechtsbräuchen, durch die man schwere Mordtaten in schwierigen Fällen abzuklären suchte. Bezeugt wurde diese Anschauung auch in einer Predigt Bertholds von Regensburg (1210–1272, Schönbach, S. 1).
1597 empfahl Jakob I. die genannte Methode in seiner Daemonologie. Von den vielen Autoritäten war auch der presbyterianische Gelehrte und Dichter Richard Baxter von der Wirksamkeit dieser Probe in Mordfällen überzeugt, wie er in seiner Schrift The Certainty of the World of Spirits (1691) betont:
„Was soll man zu den vielen zuverlässigen Ge­ schichten über das erneute Bluten ermordeter Körper sagen, das beginnt, wenn der Mörder zu der Leiche gebracht wird, oder wenn er sie zu­ mindest berührt, sei es durch die Seele des Toten oder durch den guten Geist, der Mord hasst, oder durch den Teufel, der bestellt ist, um Rache zu nehmen; es scheint einfach das Wirken eines un­ sichtbaren Geistes zu sein“ (nach Pickering).
Später wurde diese Probe bei Fällen von Hexerei eingesetzt, wie im Prozess gegen Jennet Preston. Sie musste die Leiche ihres angeblichen Opfers, Thomas Lister, berühren, worauf diese sofort zu bluten begann. Obwohl Preston jegliche Schuld von sich wies, wurde sie am 27. Juli 1612 in York wegen Mordes verurteilt und bald darauf gehängt.
Auch Christine Wilson, die „Hexe von Dalkeith“, musste bei ihrem Prozess 1661 in Schottland einen Finger auf die tödliche Wunde ihres vermeintlichen Opfers legen, die sogleich zu bluten begann, was als Beweis ihrer Schuld angesehen wurde.

Lit.: Schönbach, Anton Emanuel: Zeugnisse Bertholds von Regensburg zur Volkskunde. Wien: Gerold [u. a.], 1900; The Lancashire Witch Craze: Jennet Preston and the Lancashire Witches, 1612 / Lumby, Jonathan. Preston: Carnegie Publishing, 1995;  Pickering, David: Lexikon der Magie und Hexerei. Dt. Erstausgabe : Bechtermünz Verlag, 1999; Hartmann, von Aue: Iwein. Aus dem Mittelhochdt. übers., mit Anm. und einem Nachw. von Max Wehrli. [Nachdr.]. Zürich: Manesse-Verl, 2004.

Bahrrecht > Bahrprobe.

Bahya-Puja (sanskr.), äußere Anbetung von Gottheiten oder > Avataras. Hieraus haben sich die vielfältigen Pujas, Gottesdienste, der Hindus entwickelt, die im > Karma-Kanda der Veden ihre Grundlage haben.

Lit.: Lexikon der östlichen Weisheitslehren: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Zen / Ingrid Fischer-Schreiber; Ehrhard, Franz-Karl; Friedrichs, Kurt; Diener, Michael S. [Hrsg.]. Bern; München; Wien: Scherz, 1986.

Baia (lat. Baiae), zur Römerzeit eine Stadt nordwestlich von Neapel und Sitz eines berühmten > Totenorakels, von dem in Vergils (70–19 v. Chr.) Äneis und in den Schriften von Strabo (63 v. Chr. bis 24 n. Chr.) die Rede ist. > Aeneas soll den Ort besucht haben, um mit dem Geist bzw. dem Schatten seines Vaters Kontakt aufzunehmen. Die Orakelstätte wurde unterirdisch in den Felsen gehauen. Es gibt daher Vermutungen, dass die in der Literatur beschriebene Unterwelt, z. B. jene in Homers Odyssee, sich auf B. bezieht.
Unter Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) wurde das Orakel von dem römischen Admiral Marcus Agrippa aus ungeklärten Gründen zerstört und erst im 20. Jh. von den Amateurarchäologen Robert F. Paget und Keith W. Jones wiederentdeckt.

Lit.: Paget, Robert F.: In the Footsteps of Orpheus: The Discovery of the Ancient Greek Underworld. London: Robert Hale, 1967; Vergilius Maro, Publius: Hirtengedichte. Berlin; Weimar: Aufbau-Verlag, 1982.

Baiame („Schöpfer“ oder „Großer“), Himmels- und Schöpfergott bei den australischen Wiradyuri und Kamilaroi, der Australien seine heutige Gestalt gab und von den Frauen „unser Vater“ genannt wird. Nachdem er sich selbst erschaffen hatte, schuf er alle Dinge und Wesen. Er ist ein Greis mit langem Bart, sitzt im Himmel auf seinem Thron, ist unsichtbar und nur im Donner zu hören. Wenn er den Aborigines im Traum erscheint, lässt er zur Einweihung der Schamanen einen heiligen Wasserfall aus flüssigem Quarz durch ihren Körper strömen, sodass ihnen für den Schamanenflug Flügel wachsen. Später wird den Schamanen eine innere Flamme und eine Himmelsschnur eingepflanzt.
B. gab den Menschen Werkzeuge und Waffen und stellte ihre Lebensregeln auf. Sein Sohn ist > Daramulun.

Lit.: Howitt, A. W.: The Native Tribes of South-East Australia. London [u. a.]: Macmillan, 1904; Nevermann, Hans/Worms, E. A./Petri, H.: Die Religionen der Südsee und Australiens. Stuttgart [u. a.]: Kohlhammer, 1968; Leitner, Gerhard: Die Aborigines Australiens. Orig.-Ausg. München: Beck, 2006.

Baian (Baianus), Sohn des Zaren Boris II. von Bulgarien aus dem Hause Krum (970–971); großer Magier, von dem gesagt wurde, dass er sich jederzeit in einen Wolf verwandeln könne. Er konnte auch andere Gestalten annehmen und sich unsichtbar machen. B. wird von Jean de Nynauld in seinem Buch De la Lycanthropie erwähnt und ist das erste Beispiel eines > Werwolfs.

Lit.: Nynauld, Jean de: De la lycanthropie, transformation et Extase des Sorciers ou les astuces du Diable sont mises en èvidence [etc.]; avec la réfutation des argumens contraires que Bodin allègue. Paris: Millot, 1615.

Baias, nach der indischen Religionslehre der Sohn des Porosor und der Sotti Obotti, einer der größten Weisen. Von seiner Weisheit zeugen die Vedas, die er sammelte, ordnete und in Bücher und Kapitel teilte. Die Zeit, in der er lebte, ist allerdings nicht auszumachen.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Mythologie aller Völker. Stuttgart, 1874.

Baibars. Der Roman von Baibars, eher Heldenlied als Roman, ist eine der großen Sammlungen arabischer Volkserzählungen, von denen eine Ausgabe in 60 Bänden bis heute überliefert ist. Der Roman folgt einer Person, die der Erzählung ihre Einheit verleiht, nämlich dem Leben des großen Mamelucken-Sultans Baibars al-Bunduqdari. Dieser wurde 1223 im südrussischen Steppengebiet geboren und in Sivas (Osttürkei) als Sklave verkauft. Später befehligte er die Garden, gegen die 1250 der Kreuzzug Ludwig IX. des Heiligen bei Mansurah scheiterte, und besiegte als Befehlshaber der Mamelucken 1260 die Mongolen. Von 1260–1277 war er Sultan von Ägypten und Syrien. Er starb am 20.6.1277 in Damaskus, weil er versehentlich Gift trank.
Die Erzählungen im Roman von Baibars, die im Lauf der Jahrhunderte zur Legende ausgeschmückt wurden, sind episch und derb zugleich, wenn nicht gar anzüglich, und von kriegerischen Ritter- und Wundertaten sowie von den Früchten der Magie durchzogen. Sie sind ein Spiegelbild ihrer Zeit.

Lit.: Thorau, Peter: Sultan Baibars I. von Ägypten: ein Beitrag zur Geschichte des Vorderen Orients im 13. Jahrhundert. Wiesbaden: Reichert, 1987; Roman de Baibars. Paris: Éditions Sindbad, 1985–198.

Baij, Cecilia (4.1.1694–6.1.1766), trat nach innerer Umkehr 1711 bei den Zisterzienserinnen in Viterbo ein, wechselte dann zu den Benediktinerinnen ihres Heimatortes Montefiascone, legte dort 1714 die Profess ab und wurde schließlich Äbtissin. In ihrer Selbstbiografie beschreibt sie ihre inneren Erlebnisse mit Versenkungen in Gott bis hin zur Ekstase. Ihr Hauptwerk, Vita interna di Gesù Cristo, manifestata da Gesù alla sua serva Donna Maria C. B. (Innenleben Jesu Christi, von Jesus seiner Dienerin D. M. C. B. offenbart), ist Ausdruck mystischer Erfahrung. Was dabei Eingebung und was Eigenproduktion ist, muss, wie in all diesen Fällen, offen bleiben. Konkrete Aussagen können, speziell hinsichtlich des irdischen Lebens Jesu, nur durch historische Daten verifiziert werden.

Lit.: Baij, Maria Cäcilia: Kindheit Jesu: (bis zur Rückkehr aus Ägypten). Innsbruck-Hungerburg: Verl. der Kath. Legion, 1934; Baij, Maria Cäcilia: Einleitung zum öffentlichen Leben. Innsbruck-Hungerburg: Verl. der Kath. Legion, 1935; Baij, Maria Cäcilia: Beginn der Predigt-Tätigkeit. Innsbruck-Hungerburg : Verl. der Kath. Legion, 1935; Baij, Maria Cäcilia: Predigt-Tätigkeit bis zur Verklärung auf Tabor. Innsbruck-Hungerburg: Verl. der Kath. Legion, 1935; Baij, Maria Cäcilia: Vorspiel zum Leiden bis zur Verurteilung Jesu durch Kaiphas. Innsbruck-Hungerburg: Verl. der Kath. Legion, 1936; Baij, Maria Cäcilia: Sterben und glorreiches Leben Jesu. Innsbruck-Hungerburg: Verl. der Kath. Legion, 1936; Baij, Maria Cäcilia: Das Innenleben Jesu / geoffenbart der Maria Cäcilia Baij. Aus dem Ital. übertr. von Ferdinand Kröpfl. Wiesbaden: Credo-Verl, 1963; Baij, Maria Cäcilia: Das Leben des heiligen Josef / Maria Cäcilia Baij. Aus dem Ital. übertr. von Ferdinand Kröpfl. Mit einer Einf. von Odo Staudinger. Stein am Rhein: Christiana-Verl, 51991.

Bailes, Frederick (1889–1970), amerikanischer Psychologe und Mitbegründer des > Positiven Denkens. Er teilt die Menschen in zwei Gruppen ein: jene, die das Leben meistern, und jene, die durch die Umstände des Lebens bestimmt werden. Jeder müsse daher herauszufinden versuchen, welche Ursachen sein Leben prägen, andernfalls werde er zum Erfüllungsgehilfen. Dr. B. war auch als Heiler tätig, nachdem er sich selbst von sog. unheilbaren Beschwerden befreit hatte. Bei jeder Heilung geht es darum, jeglichen Gedanken der Unvollkommenheit und Krankheit aus unserer Vorstellung zu entfernen.

Lit.: Bailes, Frederick: Ich lebe glücklich: in 7 Tagen ein neuer Mensch; glauben Sie es nicht! Versuchen Sie es! München, 1986; Bailes, Frederick: Lebe schöpferisch: in 7 Tagen neue Kräfte wecken. München: Erd, 1989; Bailes, Frederick: Your Mind Can Heal You. New York: R. M. McBride & Company, 1941.

Bailey, Alice Ann, englische Theosophin, auch als A.A.B. und AAB bekannt, wurde am 16.6.1880 als Alice Ann Le Trobe-Bateman in Manchester (England) geboren und starb am 15.12.1949 in New York. Sie wuchs in England im christlichen Glauben auf und heiratete 1907 den Pfarrer Walter Evans. 1915 trat sie in Kalifornien der Adyar-Theosophischen Gesellschaft (ATG) bei und befasste sich zunächst mit der „Geheimlehre“ von H. > Blavatsky und der „Studie über das Bewusstsein“ von Annie > Besant. B. war nämlich überzeugt, schon in ihrer Jugend mit Mahatma Koot Humi, dem geheimnisvollen Lehrer von Blavatsky, zusammengetroffen zu sein. Nach Bewährung wurde sie 1918 in die Esoteric Section (E.S) der ATG, eine Art innersten Zirkel mit sehr strengen Regeln, aufgenommen.
1919 wurde die Ehe mit Walter Evans geschieden. Im gleichen Jahr lernte sie bei einem Spaziergang den geheimnisvollen spirituellen Lehrer Djwhal Khul kennen, der später „der Tibeter“ genannt wurde. Dieser diktierte ihr mittels > Telepathie, > Visualisation und > Traum über 30 Jahre hinweg über 18 Bücher. Bailey nannte sich Sekretärin oder Schreibgehilfin und Schülerin des tibetanischen Meisters, ohne sich selbst als Medium zu bezeichnen. Sie schrieb nicht automatisch, hörte aber manche Kapitel und sah bestimmte Symbole und Mantras; Zeichnungen wurden ihr im Schlaf übermittelt.
1920 heiratete sie den Generalsekretär der amerikanischen ATG, Forster Bailey (†1977). Angesichts der durch ihre sensationellen Botschaften des Tibeters ausgelösten Eifersucht seitens der Besant-Anhänger erfolgte 1920 die Spaltung der Adyar-TG in den USA. Der größte Teil der TG-Mitglieder schloss sich der von Bailey neugegründeten Theosophical Association an. 1921 erhielt sie von Mr. Prater aus dem Nachlass von W. Q. Judge die Originalunterlagen der Esoteric Section. Daraus erkannte sie, dass die E. S. auf Wunsch der „Meister“ eigentlich „Arkanschule“ heißen sollte, und so benannte sie 1923 die Theosophical Association in „Arkanschule“ um.
In ihrer Lehre, die stark von den Schriften Blavatskys und anderer Theosophen beeinflusst ist, verkündet Bailey u. a., dass die Wiederkunft Christi nahe bevorstehe und dass in den heiligen Schriften seine Rückkehr nur symbolisch dargestellt werde. Das Hauptthema ihrer Lehren ist jedoch die Gegenwart eine Hierarchie bewusster Wesen auf Erden, die für die Leitung der Menschheit verantwortlich seien – ein Gedanke der später vom > A morc aufgenommen wurde. An der Spitze dieser Hierarchie, die das neue Zeitalter vorbereitet, steht Christus, über ihm steht Buddha.
Durch den von ihr gegründeten Lucis-Verlag, die eigenen Werke, die Zeitschrift The Beacon sowie Kurse in ihrer Schule versuchte Bailey das Ideal einer Weltreligion zu verwirklichen und die Menschheit auf die nächste Stufe der Evolution vorzubereiten. Ihre Schriften sind ein Gemisch aus esoterischer Philosophie, okkulten Lehren, weißer Magie, „Bewusstseinserweiterung“, Astrologie und Meditation. Baileys Arbeiten sind in der Schrift: Dreißig Jahre Arbeit: die Bücher von Alice A. Bailey und dem tibetischen Meister Djwhal Khul (o. J.) dargestellt.

Lit.: Bailey, Alice A.: Telepathie und der Ätherkörper. Lorch, Württembg.: Karl Rohm Verlag, 1960; Bailey, Alice A.: Erziehung im neuen Zeitalter. Vorwort von Oliver L. Reiser. Genf: Lucis, 1966; Bailey, Alice A.: Eine Abhandlung über kosmisches Feuer / Einleitung von Foster Bailey. Genf: Lucis, 51968;  Bailey, Alice A.: Die Wiederkunft Christi. Genf: Lucis, 1987; Bailey, Alice A.: Eine Abhandlung über weiße Magie oder der Weg des Jüngers. Genf: Lucis, 1987; Bailey, Alice A.: Initiation: menschl. u. solare Einweihung. [Übers. von P. P. Althaus]. Genf: Lucis; Bietigheim/ Württemberg: Rohm, 41988; Esoterische Philosophie / Alice Bailey/Djwhal Khul. Caux, Schweiz: Netnews, 1997; Bailey, Alice A.: Eine Abhandlung über kosmisches Feuer. Genf: Lucis, 2005.

Bailey (eigtl. Beasmore), Charles (1870–1947), australisches Medium, das als das meistgepriesene und zugleich meistverdammte Medium aller Zeiten gilt. Mit 18 Jahren nahm B. an einer Seance teil, in der ihm gesagt wurde, dass er ebenfalls ein Medium sei. Er schloss sich dem Zirkel an, trat rasch in Trance und erhielt die geistige Mitteilung, dass er Apporte produzieren könne. Tatsächlich erschien in einer Seance ein Stein, noch nass vom Meer, ohne dass man wusste woher. Er entschied sich daraufhin, als Berufsmedium tätig zu werden, und nahm den Namen Charles Bailey an. Unterstützt wurde er von dem reichen Spiritisten Thomas Welton Stanford, der mit ihm in den folgenden 12 Jahren Sitzungen abhielt. Mehr Aufsehen als die Botschaften erregten die Apporte von Fischen, Pflanzen, alten Münzen, Vögeln, Eiern und sogar eines menschlichen Schädels. Der außergewöhnlichste Fall von Apporten waren jedoch Tonzylinder und Tafeln, angeblich aus Babylonien, mit keilschriftähnlichen Texten. Fachleute des British Museum erklärten das Ganze allerdings für Schwindel.
Ob Schwindel oder nicht – es blieb die Frage offen, wie die Gegenstände nach Melbourne gelangten, wo sämtliche Sitzungen stattfanden. Um Täuschung auszuschließen, wurde B. in einer Serie von Seancen von Charles McCarthy, einem bekannten Arzt aus Sydney, gestestet. Die Apporte dauerten an und es tauchten u. a. mehrere Tontafeln mit Inschriften und eine arabische Zeitung auf. Eine Sammlung dieser archäologischen Apporte (Imitationen antiker Töpferei, echte Münzen u. a.) wird von der Stanford University von Kalifornien verwaltet.
Die Resonanz war enorm und so wurde Bailey 1904 zu Sitzungen nach Mailand und Rom eingeladen, wo ebenfalls Apporte stattfanden, ohne dass man einen Betrug feststellen konnte. Bei den Sitzungen in Grenoble (1910) tauchten zwar ebenfalls Vögel auf, doch erfuhren die Experimentatoren, dass B. diese vorher in der Stadt gekauft hatte. In London wurde B. von der S.P.R untersucht (1911), darunter von Everard > Feilding and W. W. > Baggally. Letzterer fand jedoch heraus, dass B. die als Apporte vorgestellten kleinen Vögel in seinem Gepäck hatte.
Während in Australien die Spiritualistische Gesellschaft durch Bailey einen großen Auftrieb erfuhr, wurde die Arbeit der Psychischen Forschung und der Parapsychologie durch den aufgedeckten Schwindel für Jahrzehnte gelähmt, weil sich kein ernsthafter Forscher der Möglichkeit eines Betruges aussetzen wollte. Allerdings bleibt die Frage, ob B. immer oder nur manchmal geschwindelt hat, nach wie vor offen. Er scheint jedenfalls seine Sitzungen bis in die späten 1930er Jahre fortgeführt zu haben.

Lit.: Mediumship of Mr. C. Bailey. In: JSPR vol. 12 (1905), 77–78; vol. 15, 194–208; Doyle, Arthur Conan: The History of Spiritualism. New York: Arno Press, 1975; Irwin H. J.: Charles Bailey: A Biographical Study of the Australian Apport Medium. In: JSPR 54 (1987), 97.

Bailey, E. H. (geb. 29.11.1876, gest. 4.06.1959), britischer Pionier der > Astrologie. B. befasste sich bei seinen astrologischen Forschungen späterhin bevorzugt mit der sog. pränatalen Periode, der für das Individuum bestimmenden Zeit von der Empfängnis bis zur Geburt. Die Ergebnisse seiner jahrelangen Beobachtungen fasste er in seinem Buch The Prenatal Epoch zusammen.

Lit.: Bailey, E. H.: The Prenatal Epoch. O. O.: Selbstverlag, 1916; Holden, James H./Robert A.Hughes: Astrological Pioneers of America. Tempe, Ariz.: American Federation of Astrologers, 1988.

Bailey, Foster († 1977), Ehemann und Nachfolger von Alice Ann > Bailey; war Freimaurer und führendes Mitglied der > Arkanschule in den USA. In seinem Buch Die Wandlung esoterischer Werte macht er Voraussagen für das Jahr 1963, von denen jedoch keine eingetroffen ist.

Lit.: Bailey, Foster: Die Wandlung esoterischer Werte. Lorch / Württemberg: Rohm, 1956; Bailey, Foster: Der Sinn der Freimaurerei. Genf: Lucis, 1979.

Baites, Anne > Forster, Anne

Baiwe, die von den Lappländern verehrte Göttin der Sonne. Ihr Gatte ist der Mond. Nach dem Volksglauben ist sie die Mutter aller Tiere und die besondere Beschützerin der Rentiere und ihrer Jungen, denen sie im Winter die Lebenswärme erhält, damit sie wachsen und gedeihen. Man brachte ihr weibliche Rentier-Kälber als Opfer dar und verteilte die Knochen der geopferten Tiere als ihr Sinnbild im Kreis auf dem Tisch. Mit einer gebogenen Weidenrinde wurden von jedem Glied Fleischstücke aufgehängt.

Lit.: Vulpius, Christian August: Handwörterbuch der Mythologie der deutschen, verwandten, benachbarten und nordischen Völker. Wiesbaden: Fourier, 1987.

Bajaderen (portug. bailadeira, Tänzerin), indische Tempeldirnen, die dem Gott mit ihrem Tanz dienen (> Devadasi).

Lit.: Goethe, Johann Wolfgang von: Der Gott und die Bajadere. In: Das große Balladenbuch, R 20 und III J 3, 1980, S. 136.

Baka, haitianisches Wort zur Bezeichnung einer gespensterhaften Gestalt, die nach dem Tod zurückkehrt, um menschliches Fleisch zu essen. Während ihres irdischen Daseins sollen Bakas angeblich Mitglieder einer geheimen Gesellschaft gewesen sein, in der sie auf den Weg, den sie nach dem Tod zu gehen hatten, vorbereitet wurden.

Lit.: Haining, Peter: Das große Gespensterlexikon: Geister, Medien und Autoren. Lizenzausg. f. Gondrom Vlg. GmbH, Bindlach 1996.

Bake, Alijt (1415–1455). Am 13.12.1415 in Utrecht geboren, trat B. in das Kloster Galilea der regulierten Chorfrauen vom hl. Augustinus zu Gent ein, das seit 1438 dem Windesheimer Kapitel angehörte. Als junge Novizin brachte sie ihre mystische Verbundenheit mit Gott in Konflikt mit ihren Vorgesetzten, sie durfte aber trotzdem 1440 die Profess ablegen. 1445 wurde sie zur Priorin gewählt. Einige Jahre später fiel sie jedoch in Ungnade, wurde 1455 abgesetzt, aus dem Kloster verbannt und starb am 18.10.1455 wahrscheinlich in Antwerpen.
Zentraler Gedanke ihrer Schriften ist das Thema der Gelassenheit und des Leidens als volle Hingabe an Gott: De vier wegen van der passien (D ie Vier Wege der Passion , 1446) enthält die Ausarbeitung einer Vision, die sie 1441 am Himmelfahrtstag hatte. Als Priorin schrieb sie außerdem Het boexken vander passien ons heren ( Büchlein des Leidens Christi, 1446); Kloosteronderrichtingen (Klosterunterrichtungen,1446); Bruygoms mantelken (1454). Ihre Autobiografie (Autobiografie, 1451) ist nur zum Teil erhalten.

Lit.: Axters, S.: Gesch. van de vroomheid in de Nederlanden, dl. 3 (1956); Lievens, R.: A. B. van Utrecht. In: Nederl. Archief voor Kerkgesch. 42 (1957–1958); Persoons, E.: Enkele nota's over drie hss. van Ruusbroec en A. B. In: Ons Geestelijk Erf, 40 (1966); Lievens, R.: Een vijfde hs. van A. B.'s Vier kruiswegen. In: Idem, 40 (1966); Spaapen, B.: Middeleeuwse passiemystiek. In: Idem 40–43 (1966–1969); Bollmann, Anne: Een vrauwe te sijn op mijn selfs handt. Alijt Bake (1415–1455) als geistliche Reformerin des innerlichen Lebens. In: Ons Geestelijk Erf, vol. 76, afl. 1–3 (2002), S. 64–98; Bollmann, Anne: Being a Woman on My Own: Alijt Bake (1415–1455) as Reformer of the Inner Self. In: Seeing and Knowing. Women and Learning in Medieval Europe 1200–1500 (Medieval Women: Texts and Contexts; 113, ed. Juliette Dor u. a.), hg. von Anneke Mulder-Bakker, Turnhout 2004, S. 67–94.

Baker, Augustin David (1575–9.8.1641), Benediktiner; entstammte einer wohlhabenden Baptistenfamilie aus Abergavenny (Wales), konvertierte nach dem Studium in Jerusalem, Oxford und London 1603 zum Katholizismus und trat schließlich 1605 in Padua in den Benediktinerorden ein, wobei er den Namen David annahm. 1612 wurde er in Reims zum Priester geweiht und arbeitete dann als Kaplan in einer Adelsfamilie in Devon. Die strenge Verfolgung der Katholiken in England zwang ihn zur Rückkehr in das französische Exil, wo er von 1624–1631 als Spiritual der englischen Nonnen im neu gegründeten Benediktinerkonvent in Cambrai (Normandie) wirkte. Seine bekannteste Schülerin war Gertrude More (1603–1633), eine Großnichte von Thomas More (1478–1535), deren mystische Erlebnisse er in The Inner Life of Dame Gertrude More (um 1633) niederschrieb. Ab 1633 betreute er als Seelenführer die englischen Nonnen im benachbarten Kloster von Douai, wurde jedoch wegen seiner theologisch nicht immer fundierten Anweisungen zur Kontemplation abgesetzt und kehrte 1638 nach England zurück, wo er im Alter von 66 Jahren starb. Sein umfangreiches Werk umfasst über 60 Abhandlungen, die nur zum Teil veröffentlicht sind und überwiegend mystopraktische Anweisungen und mystische Erlebnisberichte enthalten. B. beeinflusste auch mystische Strömungen im England des 17. und 19. Jh.s. Die wesentliche Voraussetzung der Gotteserfahrung sieht B. in der Beherrschung des eigenen Willens, um sich durch Askese, Gebet und Kontemplation dem eigentlichen Seelenführer, nämlich dem Heiligen Geist, zu öffnen. Die passive Kontemplation, die ekstatische Vereinigung mit Gott, sei nur durch Gnade möglich.

W.: Baker, Augustine: Holy Wisdom: or, Directions for the Prayer of Contemplation. London: Burns, Oates & Washbourne, 1876; Baker, Augustine:  Die inneren Weisungen des Heiligen Geistes oder das geistliche Leben der Gertrud More. Freiburg: Herder, 1955; B aker, Augustin: Heilige Weisheit. Ausgew. und übers. von Klaus Dahme. St. Ottilien: Eos-Verlag, 1995; Baker, Augustine: The Life and Death of Dame Gertrude More.  LinkInst. für Anglistik u. Amerikanistik, Univ. Salzburg, 2002; Baker, Augustine: A Secure Stay in all Temptations. Inst. für Anglistik u. Amerikanistik, Univ. Salzburg, 2002.

Baker, Douglas (* 31.12.1922 in England), Autor von über 100 Büchern zu verschiedenen esoterischen Themen. In Südafrika aufgewachsen, promovierte B. in Geisteswissenschaften und qualifizierte sich 1964 an der Universität von Sheffield in medizinischer Praxis. Seine Interessensgebiete sind vor allem Astrologie, Meditation, Heilung und Esoterik in Anlehnung an Alice > Bailey und in enger Verbindung mit der > Theosophie und der > Theosophischen Gesellschaft. Sein Astrological Dictionary umfasst drei Bände.

W.: Vollständige Werke. Spigno Saturnia (LT): Ed. Crisalide, 1997.

Baker-Eddy, Mary , Begründerin der Christian Science (Christliche Wissenschaft), wurde am 16.7.1821 in Bow bei Concord, New Hamsphire (USA), als Mary Morse Baker geboren und starb, heftig befehdet, am 3.12.1910 in Chestnut Hill bei Boston. Tief religiös erzogen trat sie mit 17 Jahren den Kongregationalisten bei, welche die christliche Einzelgemeinde befürworteten und das Wort der Bibel als höchste Norm anerkannten; sie protestierte allerdings gegen die Prädestinationslehre ihrer Kirche. 1943 heiratete sie den Bauunternehmer George Glover, der jedoch bereits 1844 an Gelbfieber starb.
Von Geburt an kränklich, interessierte sie sich besonders für die Heilungsbereichte in der Bibel und befasste sich mit den verschiedenen Heilmethoden, so auch mit der > Homöopathie. 1852 heiratete sie den Zahnarzt Daniel Patterson. Ab den 1860er Jahren interessierte sie sich für den > Mesmerismus von Phineas Parkhurst > Quimby in der Hoffnung, hier den Zugang zum biblischen Heilen zu finden. Sie lehnte jedoch die rein suggestive Praxis ohne Gott und das magnetische Reiben des Kopfes des Patienten als Praxis eines tierischen Magnetismus und damit als unchristlich ab.
Drei Tage nach ihrem Unfall vom 1.2.1866, bei dem sie schwere Verletzungen davontrug, wurde ihr beim Lesen der Geschichte der Heilung des Gelähmten bei Mt 9 die Heilkraft der Wahrheit bewusst. Sie wurde zum Staunen der Ärzte auf der Stelle gesund und behauptete, eine Spontanheilung erfahren zu haben. Dies führte zu einem dreijährigen Bibelstudium, zur Entwicklung der Christian Science und zur Eröffnung einer eigenen Heilpraxis.
1873 wurde sie nach unglücklicher Ehe von Patterson geschieden. 1875 erschien ihr erstes Werk, Science and Health . Der Veröffentlichung folgte die Gründung einer kleinen Gemeinde, der Christian Scientist’s Association . 1877 heiratete sie den Nähmaschinenfabrikaten Gilbert Eddy, der ihr mit großem Aufwand half, die Quimby-Lehren nach ihrem Verständnis und unter ihrem Namen zu verbreiten. 1879 kam es zur Gründung der Church of Christ, Scientist mit ihr als einziger Pastorin. 1882 starb ihr Mann und sie widmete sich fortan dem Aufbau der Kirche (des Metaphysical College, dessen Reorganisation 1892 zum neuen Namen der Kirche, The First Church of Christ, Scientist führte) und der Revision von Wissenschaft und Gesundheit. 1883 erschien die erste Ausgabe des Journal of Christian Science. Nachdem auch ihr dritter Mann an einer Krankheit starb, bei der ihre sog. Heilkunst versagt hatte, zog sie sich zurück und schrieb nur noch für das Journal. Ihr Gedankengut kann man ganz allgemein als „Positives Denken“ bezeichnen, während das Buch Science and Health zur Bibel der Christian Science wurde.

W.: Eddy, Mary Baker: Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift. Boston, Mass.: First Church of Christ. Scientist, 1998; Eddy, Mary Baker: Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter und Verschiedenes = The First Church of Christ, Scientist and Miscellany. Dt. Übers. der autorisierten engl. Ausg. Boston, Mass.: First Church of Christ, Scientist, 1974; Eddy, Mary Baker: Unity of Good. Renewed, German transl. 1963. Boston: Trustees under the Will of Mary Baker G. Eddy, 1936.
Lit.: Peel, Robert: Mary Baker Eddy: The Years of Discovery, Mary Baker Eddy: The Years of Trial, and Mary Baker Eddy: The Years of Authority. New York [usw.]: Holt, Rinehart & Winston, 1972 (engl.), von Christian Science autorisierte Biografie.

Bakhita, Josephine, hl., Fest: 8. Februar, Canossianerin; um 1869 in der Nähe von Jebel Agilese, im Norden von Nyala, Süd-Darfur, Sudan, in einer wohlhabenden Familie geboren, die dem Stamm der Dagiù angehörte; mit sieben Jahren entführt und als Sklavin verkauft. Nach Diensten bei verschiedenen Herrschaften wurde sie 1883 vom italienischen Konsul Callisto Legnani „erworben“. Auf diesem Weg kam sie nach Italien, wo sie zusammen mit der Tochter der Familie Legnani der Gemeinschaft der Canossianerinnen anvertraut wurde. Nach der Taufe vom 9. Januar 1890 auf den Namen Josephine Margherita Fortunata trat sie am 7. Dezember 1893 in Venedig in das Noviziat der Töchter der göttlichen Liebe (Canossianerinnen) ein und legte am 8. Dezember 1896 die zeitlichen und am 10. August 1927 die ewigen Gelübde ab. Nach dem Dienst in verschiedenen Häusern der Gemeinschaft  kam sie nach einem früheren Aufenthalt wieder nach Schio zurück ,wo sie am 8. Februar 1947 im Ruf der Heiligkeit starb. Ihr Körper blieb bis zur Einsargung am 11. Februar ohne jede Totenstarre, sodass die Mütter ihre Hand als Schutzsymbol den Kindern auf das Haupt legten. Josephine Bakhita wurde am 17. Mai 1992 selig- und am 1. Oktober 2000 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

Lit.: Resch, Andreas: Wunder der Seligen 1991–1995. Innsbruck: Resch, 2006; Beatificationis et Canonisationis Iosephinae Bakhita. Positio super virtutibus. Roma: Sacra Congregatio pro Causis Sanctorum, 1975.

Bakis (griech.), Seher aus Böotien. B. diente vielleicht als allgemeine Bezeichnung für ekstatische Propheten und Orakelspender des 7. und 6. Jh.s v. Chr. Nach Suidas gab es drei Orakelspender, die den Namen B. trugen, einen böotischen, einen arkadischen und einen athenischen (attischen). Am berühmtesten war der böotische, der von den Nymphen der  
> Corycian-Höhle in Millitorr Parnassos, Griechenland, benannt nach der Nymphe > Corycia, inspiriert worden sei. Seine Orakelverse sollen sich eindrucksvoll erfüllt haben. Er wird von Herodot und Pausanias erwähnt. Goethe besingt diese besonderen seherischen Gaben in den „Weissagungen des Bakis“.
 
Lit.: Halliday, William Reginald: Greek Divination. (Unchanged reprint of the ed. 1913). Chicago: Argonaut Publ., 1967; Luck, Georg: Magie und andere Geheimlehren in der Antike : mit 112 neu übersetzten und einzeln kommentierten Quellentexten. Stuttgart: Kröner, 1990.

Baktromantie (griech. baktron, Stab), Stabweissagung, vereinzelt verwendete Bezeichnung für > Rhabdomantie.

Lit.: Van Dale, Antonius: Dissertationes de origine ac progressu idolatriae et superstitionum de vera ac falsa prophetia uti et de divinationibus idolatricis Judaeorum. Amstelodami, Henricus 1696.

Baktun, nach dem zwischen 1500 v. Chr. und 850 n. Chr. entwickelten > Maya-Kalender eine Großperiode von 144 Tagen. Die Tage werden in Kin gezählt. 20 Kin ergeben einen Uinal (Monat), 20 Uinal ergeben fast ein > Tun (Jahr) – es fehlen 5 Tage. 20 Tun ergeben ein Katun und 20 Katun ergeben ein Baktun = 144 Jahre. Den einzelnen Großperioden werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. So gilt das gegenwärtige B., das am 21.12.2012 zu Ende gehen soll, als das „Zeitalter der Transformation der Materie“. Dieser Wandel ist nach den Vorstellungen der > Maya mit folgenden Erscheinungen verbunden: Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation – Die Sonne verliert durch den Sturm ihr Gesicht – Es folgt eine Reinigung der Erde und eine Regeneration des Planeten.

Lit.: Argüelles, José: Der Maya-Faktor: Geheimnisse einer außerirdischen Kultur. München: Goldmann, 1990; Schele, Linda: Die unbekannte Welt der Maya: das Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt. München: Orbis-Verl., 1999; Argüelles, José: Der Maya-Faktor: ein Pfad über die Technologie hinaus. Gössenheim: Bender, 2001.

Bala (sanskr., Pali, „Kräfte“), 5 Kräfte, die den 37 Elementen der Erleuchtung (boddhipkkiya-dhamma) des Buddhismus angehören und folgende Fähigkeiten (>Indriya) entfalten sollen: 1)  Vertrauen (saddha), 2) Willenskraft (viriya), 3) Achtsamkeit (sati), 4) Sammlung (samadhi) und 5) Wissen oder Einsicht (panna).

Lit.: Fischer-Schreiber, Ingrid et al. (Hg.): Lexikon der östlichen Weisheitslehren: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Zen. Bern; München; Wien: Scherz, 1986.

Balaam > Bileam

Balam. In dem magischen Werk Clavicula Salomonis (Schlüssel des Salomon) ein schrecklicher Dämon mit drei Köpfen (Stier, Mensch, Widder), einem Schlangenschwanz und Feueraugen, der auf einem Bären reitet. In der Hand hält er einen Habicht. Er kennt die Vergangenheit und Gegenwart, kann die Menschen unsichtbar machen und die Zukunft voraussagen. Er regiert über 40 Legionen der Unterwelt.

Lit.: Goëtia, vel Theurgia, sive Præstigiarum magicarum descriptio, revelatio, resolutio, inquisitio, & executio. Das ist/ Wahre und eigentliche Entdeckunge/ Declaration oder Erklärunge fürnehmer Articul der Zauberey Und was von Zauberern/ Unholden/ Hexen/ derer Händel/ Art/ Thun/ Lassen/ Wesen/ Buelschafften/ Artzneyen/ woher sie erwachsen/ und ihrer Machination. Deßgleichen Was von WechselKindern und Wütenden Heer zu halten sey / Jacob von Liechtenberg. Leipzig: Francke, 1631; Pizzari, Pietro (Hg.): Pseudomonarchia Daemonumorganigramma dell’inferno von Johann Weyer. Milano: Mondadori, 1994; La Vey, Anton Szandor: Die satanische Bibel. Berlin: Second Sight Books, 1999.

Balan, nach Johannes > Weyer ein großer und schrecklicher Monarch unter den Mächten der > Unterwelt mit drei Köpfen: einem Stierkopf, einem Menschenkopf und einem Widderkopf. Mit diesen verbunden ist der Rumpf einer > Schlange, deren Augen wie brennendes > Feuer lodern. B. reitet auf einem großen Bären und befehligt vierzig höllische Legionen.

Lit.: Wierus, Joannes: Ioannis Wieri De Praestigiis Daemonum, et in cantationibus ac veneficiis: Libri sex; Acc. Liber apologeticus, et pseudomonarchia daemonum; Cum rerum ac verborum copioso indice. Postrema editione quinta aucti & recogniti. Basileae: Oporinus, 1577.

Balarama (sanskr., „der kraftvolle Rama“). In der Hindu-Mythologie ist B. ein Ackerbaugott und ein Gott der Stärke mit dem Pflug als Attribut. Nach dem Heldenepos Mahābhārata ist er der ältere Bruder > Krishnas. Beide Brüder entstanden aus einem weißen und einem schwarzen Haar, die Vishnu sich auszog – B. aus dem weißen Haar mit heller Haut und Krishna aus dem schwarzen Haar mit dunkler Hautfarbe. Um B. vor dem Dämon > Kamsa zu retten, übertrug ihn die Schlafgöttin Nidra noch vor seiner Geburt aus dem Mutterschoß der > Devaki in den der Rohini, einer anderen Gattin des > Vasudeva.

Lit.: Bowker, John (Hg.): Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999.

Balasius, ein purpur- oder rosaroter Stein mit magischen Kräften, der nach Camillus Leonardus (16. Jh.) die Kraft besitze, nichtige Gedanken und Luxus zu unterdrücken,  Streitereien unter Freunden zu beheben und den menschlichen Körper mit einer guten gesundheitlichen Verfassung auszustatten. B. heilt angeblich Augenkrankheiten und hilft bei Leberbeschwerden. Am meisten überrascht jedoch, dass Haus und Garten von Unwettern und Würmern verschont bleiben sollen, wenn man die vier Ecken mit B. berührt.

Lit.: Leonardi, Camillo: Camilli Leonardi Speculum lapidum et D. Petri Arlensis de Scudalupis ... Sympathia septem metallorum ac septem selectorum lapidum ad planetas. Accedit Magia astrologica Petri Constantii Albinii. Hamburgi: Liebezeit, 1717.

Balbina von Rom (lat. balbus, stammelnd), hl. (seit dem 6. Jh., Fest: 31. März). B. lebte zur Zeit Kaiser Hadrians (117–138) und war der Legende nach die Tochter des hl. Märtyrers Quirinus (Fest: 30. März), der vor der Bekehrung als heidnischer Kriegstribun den hl. Papst Alexander I. (ca. 106–116, Fest: 3. Mai) im Gefängnis zu verwahren hatte. Dabei sagte er dem Papst, von dem ihm Wunderbares zu Ohren gekommen war, dass er eine erwachsene Tochter habe, deren Schönheit, durch eine Geschwulst (struma) am Hals sehr entstellt sei. Der Papst legte seine Fesseln (Bojas) um den Hals der herbeigebrachten Tochter. Gleich erschien ein Engel mit brennender Fackel, ermahnte sie zur Jungfrauschaft und verschwand. Von dieser Stunde an war sie geheilt und Vater und Tochter wurden mit dem ganzen Haus getauft. Der Vater erlitt daraufhin den Märtyrertod. B. lebte fortan als Jungfrau, entdeckte die Ketten des hl. Apostels Petrus und starb im Jahre 130.
Wenngleich B. im Altertum nicht als Heilige verehrt wurde, dürfte sie wohl die Stifterin des Platzes, an dem sie begraben wurde, später Cömeterium der hl. Balbina genannt, sowie der Kirche S. Balbina sein. Doch erst 595 unterschrieben zwei Priester die Akten der römischen Synode als Verweser der Basilika S. Balbina.
B. gilt wegen ihrer angeblichen wunderbaren Heilung als Patronin gegen Halsleiden und speziell gegen den Kropf. In künstlerischer Hinsicht wird sie bald mit einer Kette, bald mit einem Engel, einem Kreuz und einer Lilie dargestellt. Mancherorts wird sie auch als Märtyrerin verehrt, wenngleich ihr Martyrium nicht belegt ist.

Lit.: Vielliard, René: Recherches sur les origines de la Rome chrétienne: Ed. di storia e letteratura, 1959; Kirsch, Johann Peter: Die römischen Titelkirchen im Altertum. New York; London: Johnson, 1967.

Balcoin, Marie, eine Zauberin des französischen Baskenlandes, die unter der Herrschaft Heinrich IV. (1589–1610) an einem Hexensabbat teilnahm. Ihr wurde u. a. vorgeworfen, dass sie beim Sabbatmahl das Ohr eines kleinen Kindes gegessen habe, weshalb man sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte.

Lit.: Encyclopedia of Occultism & Parapsychology / Leslie Shepard (Hg.). Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 1984.

Balder (altisländ. Baldr, neuisländ. Baldur), nordgermanischer Gott. Die verschiedenen etymologischen Ableitungen des Namens spiegeln die unterschiedlichen Auffassungen seines Wesens und seiner Herkunft wider. Er war der Sohn des Gottes > Odin und der Göttin > Frigg, der Bruder von >Höd(u)r und > Hermod(u)r. Seine Gattin war Nanna. B. gehörte zur Göttergruppe der Asen und wohnte in Asenheim. Er war schön, klug und weise und schätzte bei den Menschen Schönheit, Weisheit und Redekunst. Eines Tages plagten ihn böse Träume und er fühlte sich bedroht. Seine Mutter nahm daraufhin allen Lebewesen den Eid ab, ihm keinen Schaden zuzufügen. Nur die > Mistel nahm sie nicht in die Pflicht, was sich der böse Gott > Loki zunutze machte. Er schnitt die Mistel vom Baum, gab sie Balders Bruder, dem blinden Gott > Höd(u)r, und wies ihn an, mit der Mistel auf Balder zu zielen. Höd(u)r tat, wie ihm geheißen, und tötete so den Lichtgott.
Die Götter legten seinen Leichnam, seine Frau Nanna und sein Pferd voller Trauer auf das Totenschiff, zündeten das Holz an und überließen das brennende Schiff dem Meer. Odin legte den Ring > Draupnir auf den Scheiterhaufen. Die Seele des Balder kam nach > Hel, dem Land der Toten, wo das Leben nicht gut war, weshalb Balders Mutter Frigg mit der Göttin Hel um seine Freilassung verhandelte. Diese war bereit, ihn ziehen zu lassen, wenn ihn auf Erden alle betrauerten. Die Riesin Thöll verweigerte jedoch die Tränen der Trauer, und so musste B. in Hel bleiben. Unter den Göttern aber war das Glück dahin, denn es fehlte ihnen das Licht. Sie gerieten schließlich in den großen Endkampf mit den Riesen, was ihr Ende bedeutete.
Eine Seherin prophezeite allerdings, dass nach der alten Götterwelt eine neue entstehen, Balder wiederkommen und das Licht für eine gute und lichtvolle Zeit bringen werde.

Lit.: Neckel, Gustav: Die Überlieferungen vom Gotte Balder. Dortmund: Ruhfus, 1920; Kabell, Aage: Balder und die Mistel. Helsinki: Suomalainen Tiedeakatemia, 1965; Eliade, Mircea: Geschichte der religiösen Ideen. 2. II. Von Gautama Buddha bis zu den Anfängen des Christentums. Freiburg: Herder, 41987; Cebulla, Frank: Schlange und Messias: und andere mythologisch-kabbalistische Schriften. Kahla: Hadit Verlag, 2002; Grabner-Haider, Anton: Das Buch der Mythen aller Zeiten und Völker. Akt. Neuausg. Wiesbaden: Marix, 2005; Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. 3., völlig überarb. Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner, 2006..

Baldinucci, Antonius SJ,  geboren am 19.6.1661 in Florenz, trat 1681 in Rom in die Gesellschaft Jesu ein mit dem besonderen Wunsch, in die Mission geschickt zu werden. Der Orden bestimmte ihn aber für die Volksmission und so predigte er 448 Volksmissionen. Bei der letzten Mission in Pofi in den Sabinerbergen brach er erschöpft zusammen und starb wenige Tage später, am 7.11.1717, an einem heftigen Fieber. 1893 wurde er seliggesprochen.
Sein missionarischer Dienst war sehr erfolgreich und von außergewöhnlichen Begebenheiten begleitet, die er dem Gemälde „Maria, Zuflucht der Sünder“ zuschrieb, das er bei seinen Missionen stets mit sich führte. So bezeugt der Bischof von Citta Ducale, Petrus Jacobus Pichius, dass er mehrere Male gesehen habe, wie Baldinucci mit bloßen Händen eine Menge von Vipern fing, die unter den Stufen zum alten Palast des Herzogs von Parma zum Vorschein kamen, wenn er dort predigen oder Gottesdienst halten wollte. Auch Don Petrus Cavalloni berichtet, dass bei der Predigt von B. auf dem Stadtplatz von Ortona das Volk unruhig wurde, weil zwischen den Frauen eine dicke, lange Viper schlängelte. Auf B.s Befehl hin verschwand sie.
Zudem soll er die Gabe der Herzenskenntnis besessen haben, sodass er in der Beichte den Pönitenten deren Sünden und andere Handlungen aufdeckte. Eidesstattlich bezeugt ist das Fallen der Blätter von jenem Baum, unter dem er in der Predigt gesagt hatte: „Wisst ihr mein Volk, wie die Seelen in die Hölle stürzen? So wie von diesem Baum die Blätter fallen“.

Lit.: Galluzzi, Francesco Maria: Vita del venerabile Servo di Dio P. Antonio Baldinucci della Compagnia di Gesù Missionario. In questa seconda impressione corretta. Roma, 1736; Schamoni, Wilhelm: Charismatische Heilige: besondere Gnadengaben bei Heiligen nach Zeugenaussagen aus Heiligsprechungsakten. Stein am Rhein: Christiana-Verlag, 1989.

Baldrian (lat. Valeriana officinalis). Der Name stammt wahrscheinlich von seinem botanischen Namen, der sich von valere = „gesund sein“ ableitet. In Europa und Asien, aber auch im nordöstlichen Amerika beheimatet, war B. bereits im Altertum als Heilpflanze bekannt. So wurde aus dem indischen Nardenbaldrian das berühmte Nardenöl hergestellt, mit dem auch Jesus in Bethanien gesalbt wurde. Die Baldrianstaude kann eine Höhe von 50 bis 150 cm erreichen. Die hellrosa bis weißen Blüten sind in rispigen Trugdolden angeordnet und verströmen einen angenehmen Duft. Medizinisch werden die Wurzeln und deren Ausläufer verwendet. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind das ätherische Öl und die sog. Valepotriate, die sich beim Trocknen der Pflanze chemisch umwandeln und für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Zudem enthält B. auch Alkaloide, die auf Katzen erregend wirken sollen.
B. wirkt beruhigend, krampflösend, muskelentspannend, schlaffördernd und dadurch angstlösend. Verwendet wird B. innerlich als Tee, Tropfen, Dragees und Kapseln, äußerlich als Bad in entsprechenden Dosierungen, wie den medizinischen Fachbüchern zu entnehmen ist. In der Volksmedizin gilt B. vor allem als Pestmittel. In den alten Kräuterbüchern wird er häufig als Augenmittel erwähnt. (Bock)
Die vielfältige Wirkung des Baldrian drückt sich in seinen verschiedenen Bezeichnungen aus. So wird er u. a. Katzenkraut, Hexenkraut, Viehkraut, Theriakwurz, Augenwurzel, St. Georgen­kraut, Zahnkraut, Spickwurz, Wandwurzel, Marienwurzel, Dreifuß, Mondwurzel, Tollerjan, Katzenwargel, Phu, Brachkraut, Bullerjan, Denmarkwurzel Krampfwurzel, Sperrkraut, Windwurzel, Waldspeik, Rattenwurzel genannt.
B. war schon vor unserer Zeitrechnung eine bekannte Heilpflanze, zunächst vor allem bei Frauenleiden. Bei Dioskurides und Plinius findet sich für die Pflanze die Bezeichnung "Valeriana" (lat. valere, kräftig, wert sein). Nachdem im Mittelalter die Anwendung auf Gicht, Tuberkulose und sogar die Pest ausgeweitet wurde, soll dann Im 17. Jh. Epilepsie erfolgreich mit B. behandelt worden sein. Bis alle Inhaltsstoffe der Wurzel restlost erforscht waren, dauerte es aber noch bis 1971.
Mythologisch wird die deutsche Bezeichnung Baldrian mit dem germanischen Gott > Baldur in Verbindung gebracht, der als Gott des Lichts von allen Göttern geliebt wird und ein Symbol des Guten ist. B. gilt daher paranormologisch als Pflanze, die Glück bringt und Tapferkeit verleiht. So verwendete der mittelalterliche Volksglaube B. zum „Ausräuchern“ des Teufels und zur Vertreibung der Hexen. In einigen Gegenden hängte man Baldrian freischwebend an die Decke, um das Eintreten einer Hexe festzustellen. Bewegte sich der Baldrian oder die „Unruhe“, wie das aufgehängte Kräuterbündel genannt wurde, beim Eintritt einer Person, war man der Ansicht, dass es sich um eine Hexe oder einen Hexer handelte. Diese Schutzfunktion wurde dem B. auch bei den Tieren zugeschrieben. Im Bienenstock soll er das Ausschwärmen der Bienen verhindern und andere Bienen anziehen. Beim Fischfang soll man die Regenwürmer vor ihrem Gebrauch mit B. in Berührung bringen, um einen guten Fang zu erzielen.
Weiters wird berichtet, dass ein Scharfrichter vor jeder Hinrichtung ein Stück Baldrianwurzel kaute, um sein weiches Herz zu stärken. Und ein Liebesrezept aus dem 15. Jh. besagt: „Nimm Baldrian in den Mund und küsse die, die du haben willst; sie gewinnt dich gleich lieb.“
All diese positiven Wirkungen habe B. deswegen erhalten, weil er unter dem Kreuz Christi entstand.

Lit.: Bock, Hieronymus: Kreutterbuch darin underscheidt Nammen und Wurkung der Kreutter, Stauden, Hecken unnd Beumen sampt ihren Früchten ... : Item v. d. 3 Elementen, zamen u. wilden Tieren ... Jetzund auffs new mit allem fleiß ubersehen u. mit vilen nützl. Experimenten gebessert und gemehrt durch Melchiorem Sebizium. Reprint. München: Kölbl, 1964; Brunfels, Otto: Contrafayt Kreüterbuch: Nach rechter vollkommener art vnud [!] Beschreibungen d. Alten, besstberümpten ärtzt ... Samt e. gemeynen Inleytung ... [Th. [1]/2]. München: Kölbl, 1964; Schöpf, Hans: Zauberkräuter. Graz: ADEVA, 1986; Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium; ein erweytertes wahrhaft ergötzliches Werk ueber die magischen Verrichthungen mit Kreuthern und den zauberischen Kräfften der Pflanzen sowie dehren medicinalischer Beteuthungen. 2., überarb. u. erg. Aufl. Speyer: Die Sanduhr – Fachverlag für altes Wissen, 1995; Zittlau, Jörg: Gesundheit aus der Kraft der Wurzeln: Heilrezepte mit Angelika, Baldrian, Ginseng, Löwenzahn & Co.; mit Tees, Tinkturen und Bädern Schmerzen lindern, Psyche und Lebenskraft stärken; [ursprüngliches Heilwissen für Körper und Seele]. München: Südwest, 1999; Faust, Volker: Pflanzenheilmittel und seelische Störungen: eine allgemeinverständliche Einführung in die Behandlung mit Baldrian, Ginkgo biloba, Hopfen, Johanniskraut, Kava-Kava, Melisse, Passionsblume u. a.; mit 8 Tabellen. Unter Mitarb. von H. Baumhauer und R. Hofmann. Stuttgart: Wiss. Verl.-Ges., 2000.

Baldur > Balder.

Baldurbraue, allmähliches Hochziehen der Augenbrauen als Ausdruck des Lauschens in die Ferne, bei den Ägyptern als „die schöne Braue“ bezeichnet. Die B. begünstigt das geistige Hören und Schauen.

Lit.: Spiesberger, Karl: Das Mantra-Buch: Wortkraft – Tongewalten – Macht der Gebärde; von der Vokaltiefatmung zum Mantra-Yoga. Berlin: Richard Schikowski, 1977.

Balfour, Arthur James, First Earl of Balfour (1848–1930), britischer Staatsmann, Altphilologe, war von 1882–1892 Vizepräsident, 1893 Präsident und von 1895–1930 neuerlich Vizepräsident der > Society for Psychical Research in London. B. wurde am 25. Juli 1848 in Whittinghame, East Lothian, Schottland, geboren und starb am 19. März 1930 in Fischer’s Hill, Woking, Surrey, England. Er bekleidete mehrere öffentliche Ämter und erhielt zahlreiche Ehrengrade in Recht und Philosophie von britischen und amerikanischen Universitäten. Von 1902–1905 war B. Premierminister. Weltbekannt wurde er vor allem durch die Balfour Declaration für einen jüdischen Staat in Palästina.
Als Schüler von Henry > Sidgwick interessierte er sich, wie Edmund Gurney, F. W. H. Myers und andere vom Trinity College in Cambridge, für die psychische Forschung und war ein frühes Mitglied der Society for Psychical Research, in der seine beiden Geschwister Eleanor Sidgwick, Frau des ersten Präsidenten, Henry Sidgwick, und Gerald William > Balfour aktiv mitarbeiteten. 
B. war eine scharfer Beobachter und nahm vor allem an den Sitzungen mit Mrs. Willet (Mrs. > Coombe-Tennant) teil. Dabei wurde er mit dem sog. „Palmsonntagsfall“ zu einem bekannten Zeugen für das Fortleben und die Kommunikation mit den Toten. 1870 verliebte sich B. in Mary Catherine Lyttleton, die am Palmsonntag des Jahres 1875 plötzlich verstarb. B. war schwer getroffen, ging keine Ehe ein und verbrachte 55 Jahre lang, bis zu seinem Tod, den „Palmsonntag“, den Jahrestag von Mary’s Tod, mit ihrer Schwester und deren Familie. Am Palmsonntag des Jahres 1912 produzierte Mrs. Willett bei der Kreuzkorrespondenz das erste Schreiben, das mit der Liebe von B. und Mary zu tun haben schien. Nach einer Beobachtung über 18 Jahre hinweg, in denen sich die Mitteilungen fortsetzten, akzeptierte B. diese schließlich als echt und die verstorbene Mary als Kommunikatorin. Er war nunmehr überzeugt, dass er nach dem Tod mit ihr zusammenkommen werde. Der „Palmsonntagsfall“ gilt als bedeutendes Dokument für die Hypothese des Fortlebens.

Lit.: Balfour, A. J.: The Palm Sunday Case. In: PSPR 52 (1960) 79; Prince, Walter Franklin: Noted Witnesses for Psychic Occurrences; Incidents and Biographical Data, with Occasional Comments. Boston, Mass.: Boston Society for Psychic Research, 1928.

Balfour, Gerald William, 2nd Earl of Balfour (1853–1945), britischer Staatsmann, jüngerer Bruder von Eleanor > Sidgwick und Arthur James > Balfour, geboren am 9. April 1853 in Whittinghame, East Lothian, Schottland, besuchte das Trinity College in Cambridge, schloss sich wie sein Bruder Arthur der > Society for Psychical Research in London an, war von 1906–1907 deren Präsident und von 1908–1945 deren Vizepräsident. Er befasste sich vor allem mit > Kreuz-Korrespondenzen in Zusammenarbeit mit Mrs. > Willett, von deren medialen Fähigkeiten er überzeugt war. In der Deutung der erhaltenen Botschaften vertrat er die Hypothese des Fortlebens. Seine Veröffentlichungen sind vorwiegend in den Proceedings der Society for Psychical Research 1906/7; 1911, 1913; 1915; 1916–18, erschienen. Schließlich veröffentlichte er dortselbst 1935 A Study of the Psychological Aspects of Mrs. Willett’s Mediumship, and of the Statements of the Communicators Concerning Process.

Lit.: Biographical Dictionary of Parapsychology: with Directory and Glossary 1964–1966. New York: Helix Press, 1964.

Bali, auch Mahabali, in der Hindu-Mythologie ein Dämon und Affenkönig, der zu den > Daityas (Dämonen) und damit zu den > Asuras zählt. Er ist der Sohn von > Vairochana und Gemahl von Vindhyavali sowie Vater der Putana, die Krishna mit ihren vergifteten Brüsten stillen wollte, und des Bana. Seine Hauptstadt war Mahabalipura. Nach einer verlorenen Schlacht wurde er vor die Wahl gestellt, mit hundert Toren in den Himmel zu gehen oder mit einem Weisen in die Hölle. Er entschied sich für die Hölle, denn, so sagte er: „Mit einem Weisen kann ich leicht die Hölle zum Himmel machen, aber mit hundert Toren wird selbst der Himmel zur Hölle.“ Mit seiner Buße besiegte er den Gott des Firmaments, > Indra, und dehnte seine Herrschaft über Himmel, Erde und Unterwelt aus. Die Götter ersuchten >Vishnu um Hilfe, der als Zwerg (>Avatara) Bali bat, ihm alles zu schenken, was er mit drei Schritten umschreiten könne. Als Bali zustimmte, stieg der Zwerg in zwei Schritten über Himmel und Erde, überließ Bali dann aber aus Achtung vor seiner Güte die unteren Regionen (> Patala). Der Ursprung dieser Legende von drei Schritten ist im > Rigveda zu finden. 

Lit.: Fischer-Schreiber, Ingrid u. a. (Hg.): Lexikon der östlichen Weisheitslehren: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Zen. Bern: Scherz, 1986.

Balidet, Dämon der Luft, der im Westen herrscht und am Samstag regiert. Er ist Diener des > Mammon.

Lit.: Pseudomonarchia daemonum; cum rerum ac verborum copioso indice. Postrema editione quinta aucti & recogniti. Basileae: Oporinus, 1577.

Balinesische Krisspiele, Gruppentherapie gegen > Besessenheit, bei der die unterdrückten Impulse episodisch ausgelebt werden, dabei aber von der bewussten Persönlichkeit abgespalten bleiben, indem sie den Göttern zugerechnet und – nach Ablauf des Ausnahmezustandes – erneut abgewehrt werden.

Lit.: Lexikon der Psychologie. 1. Band A–E. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2000.

Balint, Michael (1896–1971), Arzt und Psychoanalytiker, der sich als Erster mit den emotionalen Problemen der Arzt-Patient-Beziehung befasste. Geboren am 3. Dezember 1896 in Budapest, Ungarn, promovierte er 1920 an der Universität Budapest zum Dr. med. und 1924 an der Universität Berlin zum Dr. phil. Von 1933–1938 war er Direktor des Psychoanalytischen Instituts in Budapest, wurde dann aber von der NSDAP zur Emigration nach London gezwungen, wo er am 31. Dezember 1970 starb. 
B. vertrat das Konzept der „Droge Arzt“, demzufolge es nicht auf das Medikament an sich ankomme, sondern auch darauf, wie der Arzt es verschreibt. Die emotionale Atmosphäre zwischen Arzt und Patient wird auch daran deutlich, dass der Patient in den Entscheidungsprozess eingebunden wird. Diesem Verständnis dienten ursprünglich mit analytisch geprägten Fallbeschreibungen die nach B. benannten Balint-Gruppen. Inzwischen existieren diese Supervisionsgruppen auch bei zahlreichen anderen Berufen. Die Bekanntheit von B. beruht ferner auf Studien zur Psychologie der Mutter Kind-Beziehung. Zudem entwickelte er die Fokaltherapie.

Lit.: Balint, Michael: Die Urformen der Liebe und die Technik der Psychoanalyse. München: Klett-Cotta im Dt. Taschenbuch-Verl., 1988; Balint, Michael: Therapeutische Aspekte der Regression: die Theorie der Grundstörung. Stuttgart: Klett-Cotta, 1997; Balint, Michael: Der Arzt, sein Patient und die Krankheit. Stuttgart: Klett-Cotta, 2001.

Balinus, durch die Übertragung aus arabischen Schriften verstümmelte Namensform des > Apollonios von Tyana.

Balios, neben seinem Bruder > Xanthos eines der beiden unsterblichen Rosse des > Achilleus, hervorgegangen aus der Verbindung des > Zephyros und der > Harpyie Podarge, daher schnell wie der Wind.

Lit.: Latacz, Joachim: Achilleus: Wandlungen eines europäischen Heldenbildes. Stuttgart; Leipzig: Teubner, 1995.

Balitok und Bungan, Stammeltern der Ifugao (Nord-Philippinen). Sie sind Bruder und Schwester und nehmen unter den vergöttlichten Ahnen eine besondere Stellung ein. Die sehr unübersichtliche Götterwelt der Ifugao, die in zahlreiche Götterklassen gegliedert ist, kennt über 1.500 Götter.

Lit.: Barton, Roy Franklin: The Religion of the Ifugao. Menasha, Wisc.: American Anthropological Assn., 1946.

Balken, meist viereckige Schnitthölzer, die in der Regel als waagrechte Träger lotrechte Lasten zu tragen und somit eine besondere Schutzfunktion haben. Aus diesem Grund wurden bei den Indogermanen und damit bei den Germanen, B., Pfosten und Pfähle als göttlich verehrt. Im Gebälk wohnt besonders gerne der Kobold, deshalb darf man beim Umbau die B. nicht achtlos wegwerfen. Mitunter werden lästige Dämonen und sogar die Pest in den B. gebannt. Die Schnitzereien, Rosetten oder hl. Zeichen auf dem Mittelbalken der Bauernstube, haben neben der Verzierung immer auch einen Übel abwehrenden Zweck, sodass die Zeichen mit Bedacht ausgewählt werden.
Durch eine geeignete Platzierung des Herdes in der Küche soll die Sammlung der Schutzgeister des Hauses und der Hausbewohner in der Küche und um den Herd gefördert sowie ihre Wirkung verstärkt werden. Die Hitze des Herdes wirke nämlich anziehend sowohl auf die Schutzgeister des Hauses als auch auf die Schutzgeister ihrer Bewohner und erleichtere ihnen das Arbeiten.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bde. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Bagavad-Gita 7,23.2; Koran 9,29.

Balkentheorie > Crawford, W. J.

Ballofa, jener Berg, in dem die nordischen Zwerge ihre Schmiedewerkstatt hatten. Bei ihnen sollte > Wieland, ein kunstreicher Schmied der germanischen Mythologie nach seiner Arbeit bei > Mime auf Wunsch seines Vaters > Wate in die Lehre gehen. Ob Wieland in B. tatsächlich das Schmiedehandwerk erlernte, bleibt offen.
Die unterschiedlichen Lautungen in der Vita Ludgeri und den 5 Fassungen der nordischen Dietrichsage (ballowa, ballofa, kallava, kallafua und kallaelffua) spiegeln nur idiomatische bzw. schreibtechnische Eigentümlichkeiten der Sprachen wider, betreffen also die gleiche Ortsangabe. Es bleibt daher reine Spekulation, ob es irgendwo im Hönnetal (Sauerland) einen Berg „ballofa“ gegeben hat. Allerdings war Ballofa (oder Ballowa) offenbar bereits im 8./9. Jh. der Name für einen begrenzten geographischen Raum im Hönnetal oder für eine großflächige Hofanlage in der Hand eines edlen Geschlechts.

Lit.: Altfridus, Monasteriensis: Das Leben des heiligen Liudger. Übers. von Albert Wassener. Essen: Ruhrländ. Verl.-Ges, 1957.

Ballotage (franz., „Kugelung“, vom ital. ballotta, Kügelchen), freimaurerische Form der geheimen Abstimmung mit weißen und schwarzen Kugeln, zumeist bei Aufnahme eines Neulings, aber auch zur Entscheidung bestimmter Fragen. Wie aus Ovids Metamorphosen XV, 41 hervorgeht, ist dieser Brauch uralten Datums: „Alter Brauch war es, mit schwarzen und weißen Steinchen schuldig zu sprechen die einen, die anderen von Schuld zu befreien.“ 
Im Allgemeinen wird eine B. als „hell leuchtend“ erklärt, wenn nur weiße Kugeln fallen, als „trüb“, wenn zwei, als „dunkel“, wenn mindesten drei schwarze Kugeln geworfen werden.

Lit.: Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon / Posner, Oskar; Binder, Dieter A. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932. München: Herbig, 2000.

Ballspiel. Gruppendynamische Interaktion mit einem Ball, die in ihren Urformen tief in die Menschheitsgeschichte zurückreicht. Bei antiken Völkern diente die an eine >Kugel erinnernde Form des Balles als Bild für die Gestirne und als Gegenstand religiöser Zeremonien. Apollonios von Rhodos erzählt (Argonautika) vom schicksalhaften B. > Aphrodites mit > Eros. Bei den altmexikanischen Indianern stellte die religiöse Zeremonie des B. den Himmelslauf der Sonne dar, den man durch das Spiel magisch zu beeinflussen suchte. Der Ball aus Kautschuk, der die Sonne symbolisierte, wurde auf besonderen Plätzen in der Nähe der Tempel mit den Knien, den Hüften oder dem Gesäß bewegt. Das Spiel wurde zwischen zwei Parteien unter der Leitung eines Priesters ausgetragen, der allein den Ball in die Hand nehmen durfte. Der Platz war umhegt, und aus der Umhegung ragten große Steinringe hervor. Es galt als Haupttreffer, den Ball durch diese Steinringe zu schleudern. Wem dies gelang, der durfte als Verdienst allen Zuschauern die Mäntel fortnehmen. Eine Reihe mexikanischer Ortsnamen, die vom indianischen Wort für Ballspielplatz (Tlachtli) abgleitet sind, zeugen von der Popularität des B. Auch in den mexikanischen Bilderhandschriften ist das B. abgebildet. Ebenso waren bei den vorgeschichtlichen Indianern Neu-Mexikos und Südarizonas sowie im Raum Hinterindiens solche B. üblich.
Die kultische Bedeutung des B. war auch im europäischen Mittelalter bekannt. So übten in Frankreich Mönche bei Trockenheit das B. zur Beeinflussung der Sonne, was auch für die Berber Nordafrikas nachweisbar ist. Bei den Germanen war es eines der beliebtesten Spiele.

Lit.: Löffler, L. G.: Das zerimonielle Ballspiel im Raum Hinterindiens (Paideuma 6/1955); Mendner, Siegfried: Das Ballspiel im Leben der Völker. Münster: Aschendorff, 1956; Henderson, Robert William: Ball, Bat, and Bishop: the Origin of Ball Games; Foreword by Leonard Koppett. First Illinois Paperback ed. Urbana, Ill. [u. a.]: Univ. of Illinois Press, 2001; Apollonius, Rhodius: Argonautika / Apollonij Rodosskij. Izd. podgot. N. A. Cistjakova. Moskva: Ladomir [u. a.], 2001; Hoops, Johannes: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde / Unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter. Hg. v. Johannes Hoops. Straßburg: Trübner, o. J., I, S. 161.

Balmaseda y San Martin, Catalina de, Catalina de Cristo (Ordensname), geb. am 28. November 1544 in Madrigal de las Altas Torres, Spanien, wurde Karmelitin und starb im Ruf der Heiligkeit am 3. Januar 1594 in Barcelona. Ihr Körper blieb flexibel und strömte einen angenehmen Duft aus. Diese Flexibilität des Körpers wurde auch bei der letzten kanonischen und medizinischen Identifizierung von 1981 festgestellt, sodass man von > Unverwestheit spricht. Das Seligsprechungsverfahren ist eingeleitet.

Lit.: Bouflet, Joachim: Encyclopédie des phénomènes extraordinaires dans la vie mystique. Tome 1: Phénomènes objectifs / Présentation de René Laurentin. Paris: F. X. de Guibert (O.E.I.L.), 1992.

Balmung, jenes Schwert, das nach der Nibelungensage Siegfried mit dem Nibelungenschatz erhielt. Noch nach seinem Tod konnte seine Gemahlin Krimhild den Mord durch Hagen an ihm mit diesem Schwert rächen.

Lit.: Das Nibelungenlied. Kreuzlingen: Hugendubel, 2006.

Balneatores, Bader, die u. a. in Bayern, eine Zunft – Collegium oder Societas balneatorum – bildeten, Gesellen und Lehrlinge hielten und als Zeichen ihres Handwerks ein weißes Badetuch vor die Tür hängten. Sie badeten und rasierten die Badegäste in ihren Badestuben, ließen zur Ader, schröpften und kurierten, durften ihre Praxis jedoch nicht außerhalb der Badestube ausüben. Die Behandlung von Verrenkungen und Brüchen war ihnen, wie den Scharfrichtern, erlaubt.

Lit.: Lammert, G.: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Bayern und den angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cultur / Mit historischer Einleitung und einer lithographierten Tafel. Neudruck d. Ausg. Würzburg 1869. Regensburg: Johannes Sonntag, 1981.

Balneologie (lat. balneare, baden; balneum, Bad) ist die Lehre von der therapeutischen Anwendung von Bädern und den darin enthaltenen Wirkstoffen, von Trink- und Inhalationskuren und anderen ortsgebundenen Kurmitteln wie Heilgasen und Peloiden (Moor, Schlamm und Schlick), von Liege- und Bewegungskuren unter Ausnützung besonderer klimatischer Faktoren. Zur B. gehören: Balneotherapie, Balneotechnik zur Herstellung von Heilbädern, Balneochemie, Balneophysik und Hydrochemie. Als Begründer der wissenschaftlichen Balneologie gilt der deutsche Arzt Emil Osann (geb. 25. Mai 1787, gestorben am 11. Januar 1842 in Berlin).

Lit.: Handbuch der Balneologie und medizinischen Klimatologie: mit 120 Tabellen / Chr. Gutenbrunner ; G. Hildebrandt (Hrsg.). Begr. von W. Amelung und G. Hildebrandt. Berlin: Springer, 1998.

Balneotherapie, Heilanwendung der Balneologie durch Heilquellen, Heilgase und Peloide (Mohr, Schlamm und Schlick), aber auch die Anwendung von natürlichen Heilmitteln in Form von Packungen, zum Trinken oder zur Inhalation.
Sie geht von der Erkenntnis aus, dass beim Baden wasserlösliche Wirkstoffe aufgenommen werden und im Organismus Wirkungen hervorrufen, wobei sich die Effekte des Arzneistoffes und die Wirkungen des Wassers positiv ergänzen können.
Hauptanwendungsgebiete der B. sind Rheuma und Gelenkerkrankungen, Nervenkrankheiten, Frauenerkrankungen, Hautkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Kreislaufbeschwerden sowie Durchblutungsstörungen.
Ein wesentlicher Effekt der Balneotherapie ist ihre Wärmewirkung mit schmerzstillenden, muskelentspannenden, entzündungshemmenden, auch durchblutungsfördernden und beruhigenden Einflüssen.

Lit.: Physikalische Medizin, Balneotherapie und Rehabilitation im höheren Lebensalter / hrsg. von K. L. Schmidt. Darmstadt: Steinkopff, 1987; Kompendium klassische Naturheilverfahren / hrsg. von André-Michael Beer. Hattingen-Blankenstein: A.-M. Beer [u. a.], 2000; Balneologie und medizinische Klimatologie bei rheumatischen Erkrankungen: Positionsbestimmung zur Jahrhundertwende; Proceeding des IV. Türkisch-Deutschen Kongresses für Balneologie und Medizinische Klimatologie in Balçova, Izmir, Türkei / hrsg. von Müfit Zeki Karagülle. Sarow: ISMH-Verl., 2003.

Balneum Mariae (lat., „Marienbad“), das angeblich von der Alchemistin > Maria Judaica erfundene Wasserbad, in dem chemische Substanzen bis zu 100o C erhitzt werden können. Der Begriff „Marienbad“ findet sich in alten Büchern sehr häufig. So spricht man in Frankreich noch heute vom „bain marie“. Es handelt sich dabei um die Destillation in einem doppelwandigen Gefäß zur langsamen und gleichmäßigen Erwärmung von Substanzen, wobei das Wasser in der Regel bis knapp unter den Siedepunkt erhitzt wird. In älteren Werken, wie Teichmayers Institutiones chemiae (Jena, 1729), scheint das B. unter der Abkürzung „MB“, das Dampfbad (balneum vaporis) unter „VB“ auf.

Lit.: Teichmeyerus, Hermannus Fridericus: Hermanni Friderici Teichmeyeri, D. ... Institutiones Medicinae Legalis Vel Forensis: In Quibus Praecipuae Materiae Civiles, Criminales Et Consistoriales, Secundum Principia Medicorum Decidendae, Ex Recentissimis Atque Optimis Eorum Hypothesibus Erutae, Traduntur, In Usum Auditorii Sui; Cum Indicibus. Jenae: Bielckius, 1723; Ludolfus, Hieronymus von: darin gezeiget wird: I.) Eine herrliche Verbesserung der bishero üblichen Tincturñ Antimonii ... II.) Ein ächtes Arcanum Tartari zu bereiten. III.) Wie ohne Kosten ein reines Sal Alcali Fixum ... zu verfertigen, und wie ein Balneum Mariñ umsonst unterhalten werden könne / Mit einem hierzu nöthigen Kupfer versehen, und alles aus gnugsamen Chymischen und Physicalischen Gründen bewiesen von Hieronymo Ludolfo, Philos. Et Medic. Doct., Facult. Philos. Assess. Extr. Et Profess. Publ. Itemque Practico Erford. Erfurt: Jungnicolischer Buchladen, 1743.

Balor (kelt.), einäugiger Riese der irischen Mythologie. Er war von gewaltiger Gestalt, viel größer als Menschen. Sein Auge, das böse war, hatte sieben Lider. Hob B. das siebte Lid, so entstand eine alles vernichtende Glut. Nach anderen Versionen wirkte bereits der Blick des geöffneten Auges tödlich. B. war der Großvater des Gottes > Lug und der Anführer der Krieger der > Formore in der Schlacht von Mag Tured. Dabei ließ er sich das Auge aufreißen, wozu es mehrerer starker Krieger bedurfte. Als das Auge offen war, geriet die ganze Gegend in Brand. Lug wuchs an seiner Seite auf und als er B. eines Tages reizte, öffnete dieser sein Auge, doch in dem Augenblick schleuderte Lug einen großen Stein, der durch das Auge und das Hirn Balors drang. Der Riese fiel tot um, und das Kriegsheer der Formore ergriff die Flucht.

Lit.: Krappe, Alexander Haggerty: Balor With the Evil Eye. Studies in Celtic and French Literature. Repr. d. Ausg. New York 1927.

Balsam (lat. balsamum, althebr. boshem, Wohlgeruch, Gewürz), duftendes Harz des Balsambaumes (Benzoe) und anderer Balsampflanzen (> Myrrhenstrauch), das schmerzlindernde, heilende und konservierende Wirkung hat und Bestandteil von > Chrisam ist. B. gilt daher als Leben erhaltendes Prinzip. Als solches wurde er zum Symbol Christi, der alle körperlichen und seelischen Krankheiten heilt. Den Körper einbalsamieren, bedeutet, einen bleibenden geistigen Körper erlangen, der das Kleid Christi ist und somit jener Körper, den der hl. Paulus als unzerstörbar bezeichnet.
Ursprünglich war es der Mumienbalsam, der den einbalsamierten Leichnam vor Fäulnis bewahrte.

Lit.: Wolf, Friedrich: Über das Einbalsamieren und Konservieren von Leichen. Frankfurt a. M., 1945; Weinfurter, Karl: Mystische Fibel. Ein Handbuch für die Schüler der praktischen Mystik; erster Band / Dt. Bearb. v. Erich Sopp. Sersheim / Wttbg.: Osiris Verlag, 1954.

Balsamo, Giuseppe > Cagliostro.

Baltazo, einer der Dämonen, von denen 1566 angeblich eine junge Frau namens Nicole Aubry aus Laon, Frankreich, besessen war.

Lit.: Ernst, Cécile: Teufelaustreibungen: die Praxis der katholischen Kirche im 16. und 17. Jahrhundert. Bern [u. a.]: Huber, 1972; Spence, Lewis: An Encyclopaedia of Occultism. New York: Cosimo, 2006.

Balten, Angehörige verschiedener indogermanischen Völker, die das sog. Baltikum bewohnen. Dazu gehören die Staaten Litauen, Lettland und Estland. Mit dem Sammelnamen „baltische Völker“ werden hingegen die drei ethnisch und sprachlich eng zusammengehörenden Völker der Letten, Litauer und Pruzzen bezeichnet, von denen Letztere im Zuge der deutschen Kolonisation im 16. Jh. zu bestehen aufhörten. Der Name Pruzzen ging 1701 auf den preußischen Staat über, als das „Königreich Preußen“ gegründet wurde.
Von diesen Völkern ist bekannt, dass sie die jetzt von ihnen bewohnten Gebiete bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. innehatten. Wenngleich in den geschichtlichen Dokumenten seit dem 12. Jh. oft genannt, wurden sie eigentlich erst im 19. Jh. bekannt. So hat auch die Erforschung der baltischen Religion erst spät begonnen.
Geister und Götter
Als Agrarvölker kennzeichnet die B. eine besondere Verbundenheit mit der Natur, die als beseelt gilt. Die Naturerscheinungen manifestieren sich als lebende Wesen, woraus später eine reiche Mythologie entstand. Als Quellen für die baltische Mythologie dienen vor allem christliche Missionsberichte des Peter von Dusburg, des Hieronymus von Prag, die Malalas-Chronik, die Vita Ansgari u. a.
Hausgeister
In den Häusern der Menschen lebten viele Geister, die > Aitvaras, die in Tiergestalten (Hahn, schwarzer Kater, Drache im Wald) auftreten konnten. Wenn die Menschen sie gut behandelten, brachten sie Geschenke. Die Empfänger der guten Gaben mussten ihnen jedoch ihre Seele verschreiben. Wurden sie schlecht behandelt, konnten sie sogar ein Haus in Brand setzen.
Götter
Neben dem Haus ist für die baltischen Völker die Verbindung mit dem Himmel von besonderer Bedeutung. Dabei spielte der Himmelsgott, lett. Dievs,(lit. Dievas,altpreuß. Deivas) eine bedeutende Rolle. Er lebte wie ein Großbauer und wohnte prächtig gekleidet im Himmel, wo er viele Besitzungen hatte. Auf seinem kräftigen Pferd ritt er um den großen Himmelsberg. Seine Söhne, die Dievadeli, halfen ihm beim Bebauen der Kornfelder. Dievs hielt seine schützende Hand über alle Hochzeiten, bei denen er stets den Brautführer machte. Zur Zeit der Aussaat und der Ernte ritt er auf seinem schnellen Pferd auf die Erde herab. Er schenkte den Menschen ein gutes Schicksal, wobei ihm die Schicksalsgöttin Laima zur Seite stand. 
Seine Frau Saule,die Sonnengöttin, wohnte zwar in der Nachbarschaft ihres Mannes, zog aber nicht zu ihm in sein Haus, sondern bewahrte sich ihre Selbständigkeit. Wie Dievs ritt auch sie  von Zeit zu Zeit mit ihrem Pferd vom Himmelsberg auf die Erde, um die Felder der Bauern zu segnen. 
Eine untergeordnete Rolle spielte der Gott des Morgensterns, Auslekis. Als Freier warb er um die vielen Töchter der Sonnengöttin, wobei er in Konkurrenz zum Mond trat. Die Töchter Saules schlugen in den Badestuben die badenden Götter mit Birkenzweigen und schenkten ihnen damit Fruchtbarkeit und Kindersegen. Auslekis sorgte in den Badezimmern der Götter hingegen für das Verdampfen des Wassers auf den heißen Steinen, damit es den Göttern Kraft und Heilung spendete.
Die Todesgöttin, Giltine, trug ein weißes Kleid, trat unsichtbar in die Häuser ein und fragte nach den Kranken. Da sie jedoch keine Flüsse überqueren konnte, musste sie diese umgehen und brauchte daher länger, bis sie in die Häuser der Menschen kam, die sie fürchteten und teils mittels Riten versuchten, sie fernzuhalten.
Die Letten verehrten viele Schutzgötter des Hauses und des täglichen Lebens. Der Fruchtbarkeits- und Getreidegott Pilnitis schenkte den Bauern reiche Ernten. In den Getreidefeldern lebte auch der Fruchtbarkeitsgott Jumis, der das Korn wachsen und reifen ließ. Er zeigte sich den Menschen in einer zusammengewachsenen Kornähre, weshalb man bei der Ernte jeweils ein Kornbüschel stehen ließ oder in der Scheune aufbewahrte, um auch für das kommende Jahr eine gute Ernte zu sichern.
Wie schon erwähnt, bestimmte die Schicksalsgöttin Laima den Verlauf eines jeden Menschenlebens, während die schöne Göttin Laume einen zwiespältigen Charakter hatte. Einerseits half sie den Armen und Waisenkindern, konnte dann aber aus einem Haus verschwinden und nicht wiederkehren. Wenn sie beleidigt wurde, brachte sie Unglück und Krankheit.
Der Mondgott Meness freite die Sonnengöttin und schützte die Krieger. Nach den Litauern war der Mond mit der Sonne verheiratet und zeugte mit ihr die Erde. Dann aber trennten sie sich und traten fortan nicht mehr gemeinsam am Himmel auf.
Bei den Letten sprach  man ferner von sechzig göttlichen Müttern, von denen jede einen für das Leben wichtigen Bereich schützte, weshalb sie den Menschen auf ihren Wegen immer wieder begegneten.
Der Donnergott Perkunas bestimmte das Wetter und den Regen, führte die Krieger an und wachte über Recht und Ordnung.
Kult
Zur Verehrung der Götter und Göttinnen hatten die Balten viele Kultorte und heilige Haine, wo sie ein ewiges Feuer hüteten, denn im Feuer lebten die Feuergeister, die den Menschen Gesundheit, Kraft und Glück spendeten. Wenn eine  Braut in das Haus zog, musste sie die Feuergeister anrufen, damit sie in das neue Haus aufgenommen wurde. Das bedeutendste baltische Fest war direkt mit der Sonne und dem Sonnenkult verbunden. Es war die Zeit der Sommersonnenwende, die in späterer Zeit mit Johannes dem Täufer in Zusammenhang gebracht wurde.
Neben der Sonne und dem Feuer waren den Balten auch Bäume wie Eiche, Linde und Eberesche heilig. Die Eiche war dem Donnergott Perkunas geweiht. Unter ihrer Baumkrone wurden die Opferriten vollzogen.
Das Land der Toten
Starb ein Mensch, wurde seine Leiche unter rituellen Klageliedern verbrannt. Die Seelen der Toten lebten weiter, weshalb man Speisen, Waffen und Schmuck mit ins Grab legte. Ein Fürst erhielt 18 Kriegsrosse zugeteilt; auch seine Sklaven wurden mit ihm bestattet. Bei der Verbrennung der Leiche sahen die Priester, wie sich die Seele aus dem Feuer auf ein Pferd schwang und in das Land der Ahnen ritt. Man verehrte die Verstorbenen und hatte nicht selten Angst, die Ahnen könnten sich für erlittenes Unrecht rächen. Besonders gefürchtet waren die Seelen von bösen Menschen und Verbrechern, die Vaidilas. Sie zogen nachts umher, überfielen die Schlafenden her und saugten ihnen das Blut aus den Adern. Die Seelen der übrigen Togen hießen Velis und konnten unsichtbar unter den Menschen weilen. Vor allem bei Geburten, Hochzeiten und Todesfällen waren sie in der Sippe anwesend.

Lit.: Fontes historiae religionum primitivarum, praeindogermanicarum, indogermanicarum minus notarum / coll. Carolus Clemen. Bonnae: Markus & Weber, 1936; Heiler, Friedrich: Die Religionen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 21962; Euler, Wolfram: Die Balten, ihre Herkunft, Sprache und Kultur: [Vortrag, gehalten im September 1991 beim siebenten Prußentreffen in Bonn – Bad Godesberg]. Dieburg: Tolkemita, 1992; Mikhailov, Nikolai: Baltische und slawische Mythologie: ausgewählte Artikel. Madrid: Actas Ed, 1998; Grabner-Haider, Anton: Das Buch der Mythen aller Zeiten und Völker. Akt. Neuausg. Wiesbaden: Marix, 2005.

Balthasar von der hl. Katharina von Siena (*24.8.1597 in Bologna, letzter Nachfahre der Macchiavelli, †6.12.1673), trat in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten ein, legte 1615 in Rom die Profess ab, wirkte als Prior in Malta, als Provinzial der Lombardei und als Generalprokurator in Rom, wo er die Schrift des Joseph a Jesu Maria Quiroga (1562–1628), Subida del alma (Aufstieg der Seele), ins Italienische übersetzte und 1671 in Bologna seinen großen Seelenburg-Kommentar Splendori riflessi di sapienza celeste (Glanz und Widerschein himmlischer Weisheit) verfasste. Dieses bedeutende Werk, die einzige wissenschaftliche Auslegung der theresianischen Mystik im Italien des 17. Jhs., behandelt entsprechend der Lehre der hl. > Theresia v. Avila den Weg der Anfänger, der Fortgeschrittenen und der Vollkommenen und unterscheidet zwischen niedriger Beschauung (Gebet der Ruhe, Schlaf der Seelenkräfte, geistige Trunkenheit) und höherer Kontemplation (> unio mystica, geistliches Verlöbnis und Vermählung). Für die mystische Erkenntnis seien die Gaben des Hl. Geistes von grundlegender Bedeutung.

W.: Splendori riflessi di sapienza celeste. Bologna, 1671.

Baltinus, Galtinus, Saltinus, Ultinus, Namen von vier Königen auf vier kleine Papierräder geschrieben, denen in einer mittelalterlichen Anleitung zur Herstellung eines magischen Zirkels jeweils eine Himmelrichtung zugeordnet wurde: Baltinus, König des Ostens, Galtinus, König des Nordens, Saltinus, König des Südens und Ultinus König des Westens. Zwischen den Namen dieser Könige wurden in roter Schrift bestimmte Charaktere zugewiesen (Daxelmüller, S. 119–120).

Lit.: Daxelmüller, Christoph: Zauberpraktiken: die Ideengeschichte der Magie. Düsseldorf: Patmos, 2005.

Baltis, altarabische Göttin, die mit dem Venusstern gleichgesetzt und in Carrhae in Nordwestmesopotamien verehrt wurde. Die römischen Legionäre brachten ihren Kult in den Mittelmeerraum.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989.

Baltus, Jean François SJ (*8.6.1667 Metz, †9.3.1743 Reims), trat am 21.11.1682 in den Jesuitenorden ein, lehrte u. a. Bibelwissenschaft, Hebräisch und Theologie in Straßburg, wo er auch Rektor der Universität war. 1717 war er Generalzensor von Büchern in Rom und später Rektor in verschiedenen Häusern in Frankreich. Er hinterließ mehrere wertvolle Bücher der christlichen Apologetik, darunter vor allem die Entgegnung auf das Buch von Le Bovier de Fontenelle: L’Histoire des Oracles unter dem Titel Réponse à l’histoire des oracles de Mr. de Fontenelle, Strasburg (1707), in der er die Theorie von Van Dale zurückweist und die Kirchenväter verteidigt. 1708 folgte der zweite Teil: Suite de la réponse à l’histoire des oracles. Nach Baltus waren die Orakel des Altertums ein Werk der Dämonen, die durch das Auftreten Christi auf Erden zum Schweigen gebracht wurden.
 
W.: Réponse à l’histoire des oracles de Mr. de Fontenelle, dans laquelle on réfute le système de Mr. Van-Dale, sur les auteurs des Oracles du paganisme (etc.) Strasbourg: Jean-Renauld Doulssecker, 1707–1708; Historia de silentio oraculorum paganismi, post ... Jesus Christi adventum obmultiscentium, Contra D. van-Dale Anabaptistam Batavum, Ejusque defensorem D. de Fontenelle, adverbi incarnati majorem gloriam, et catholicae veritatis ab ecclesia et Ss. patribus constanter ascertae Confirmationem, Ropuguata è Gallico latinè reddite. [Brunsvigae]: Typis Engmannianis, 1725.

Balvala, gigantischer Dämon der altindischen Sagenwelt, der ursprünglich vermutlich ein Sturm- und Unwetterwesen war, von dem gesagt wird, dass es die Luft mit Staub und Gestank erfüllte, einen gewaltigen Hagelschauer erregte und heilige Stätten mit unreinen Ausscheidungen beschmutzte. Von Gestalt ein Riese mit schwarzem Körper, kupferrotem Haar, Bart und Schnurrbart, vermittelte B. ein bedrohliches Aussehen. Der Heros > Balarama, ein Halbruder Krishnas, zog B. bei seinem Flug durch die Lüfte mit einer Feldhaue zu sich und zerschmetterte dessen Stirn mit seiner Keule, sodass er tot zu Boden stürzte.

Lit.: Biedermann, Hans: Dämonen, Geister, dunkle Götter: Lexikon der furchterregenden mythischen Gestalten. Graz; Stuttgart: Leopold Stocker, 1989.  

Balver Höhle. Mit fast 80 m Länge und bis zu 20 m Breite gehört die gewaltige Höhle im Märkischen Kreis, Westfalen, zu den größten Kulturhöhlen Deutschlands. In den 14–18 m hohen Ablagerungen wurden Reste von Mammutjägern der letzten Früheiszeit bis hin zu solchen von Menschen der frühen Eisenzeit (600 v. Chr.) gefunden. Den größten Teil der Funde beherbergt das Museum von Arnsberg.
Auf die Zeit der Eisenhüttenleute scheint eine der ältesten germanischen Sagen  zurückzugehen, die Sage von > Wieland dem Schmied, die sich im 5.–7. Jh. über ganz Europa verbreitete und im nordischen Völundrlied (Wielandlied) erhalten ist. Wieland ist ein > Alb, der von König Nidhad gefangen genommen und zu kunstvollen Schmiedearbeiten gezwungen wurde. Sein Handwerk soll er in der Balver Höhle bei zwei geschickten Zwergen erlernt haben.

Lit.: Der Schwarze Führer: Deutschland; 253 geheimnisvolle Stätten in 194 Orten / M. e. Einf. v. Lutz Röhrich. Freiburg i. Br.: Eulen Verlag, 2000; Wielandlied, Lied von Frau Helchen Söhnen und Hunnenschlachtlied: Historische Wirklichkeit u. Heldenlied. Theoderich u. das Blutrachemotiv / Hellmut Rosenfeld. [Privatdr.]. Tübingen: Niemeyer, 1955.

Bamberg, Hexen von. Das Fürstentum Bamberg war Schauplatz einiger der grausamsten Hexenprozesse. Unter der Herrschaft der Fürstbischöfe Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609–1622) und Johann Georg II. Fuchs Freihr. von Dornheim (1623–1633) kam es zu einem wahren „Krieg gegen die Hexen“. Die Motive waren vielfältig. Neben der Angst vor dem Bösen und dem Fanatismus einzelner Machthaber förderte auch die wirtschaftliche Situation Anfang des 17. Jahrhunderts den zeitgenössischen Hexenwahn: Ernteeinbußen und Missernten als Folge der sog. Kleinen Eiszeit lösten wiederholt Wellen von Hexen-Prozessen aus. Die genannten Gründe führten unter Johann Gottfried I. 1612/13 und 1617/18 im Hochstift Bamberg und ab 1617 auch im Hochstift Würzburg zu einer ersten großen Verfolgungswelle gegen angebliche Hexen. An die 300 Personen, Männer wie Frauen, starben auf sein Geheiß in den Flammen der Scheiterhaufen. Allein 1617 wurden im Hochstift Bamberg 102 Menschen als Hexen hingerichtet. Johann Gottfried I. erhielt dabei tatkräftige Unterstützung durch seinen Generalvikar Friedrich Förner.
Dieser trieb dann unter Johann Gottfrieds Nachfolger in Bamberg, Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs Freihr. von Dornheim, auch „Hexenbrenner“ genannt, die Hexenverfolgung auf die Spitze. Die Verfolgung unter Johann Georg II. zwischen 1626–1631 zeichnete sich durch ein noch planmäßigeres und deutlich brutaleres Vorgehen aus. Er beauftragte den Eichstätter Hexenkommissar Dr. Johann Schwarzkonz gemeinsam mit dem bisherigen Bamberger Hexenkommissar Ernst Vasolt, einen Rat von Rechtsgelehrten zu leiten, welcher die Prozesse durchführen sollte. In seinem Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner, den er vom Vorgänger übernahm, hatte er einen erfahrenen und fanatischen  Propagator des Hexenwahns zur Seite. Auf Förner geht auch die Konzeption und der Bau eines eigenen Drudenhauses (= Hexengefängnis) in Bamberg zurück, das 1627 fertiggestellt wurde und Platz für 30 bis 40 Gefangene bot. Kleinere Drudenhäuser entstanden auch in anderen Städten des Hochstiftes wie etwa in Zeil, Hallstadt und Kronach. Selbst der bischöfliche Kanzler Dr. Georg Haan blieb vom Hexenwahn nicht verschont. Da er versuchte, die Prozesse wenigstens ein Stück weit zu kontrollieren, geriet er bald in Verdacht, ein Hexenfreund zu sein. Sein Einsatz für die vermeintlichen Hexen kostete ihn sowie seine Frau und Tochter 1628 das Leben, und dies trotz kaiserlicher Anordnung, ihn freizulassen.
Neben dem bischöflichen Kanzler fielen auch zahlreiche Bürgermeister und Magistrate Bambergs dem Hexenwahn zum Opfer, so Johannes Junius, dessen Abschiedsbrief an seine Tochter erhalten ist und der Einblick in eine zutiefst gequälte Seele gibt. Neben der Denunziation wurden vor allem durch die Anwendung der Folter Namen anderer angeblicher Hexen erpresst, so dass sich die Verfolgung wie von selbst fortsetzte.
Es ist auch bekannt, dass Johann Georg II. an der Verfolgung gut verdiente, denn der konfiszierte Besitz der Opfer füllte die Taschen des Fürstbischofs. Wie der Fall Georg Haan zeigt, kümmerte sich J. Georg II. wenig um die Eingaben des Kaisers. Bamberg wurde zum Synonym für die Folter. Selbst auf dem Weg zur Hinrichtung wurden die verurteilten „Hexen“ noch gequält. Manchen wurde kurz vor ihrem Flammentod noch die rechte Hand abgeschlagen oder es wurden glühende Eisennadeln durch die Brüste getrieben. Diese extreme Brutalität rief zunehmend Befremden und Entsetzen hervor, sodass der Kaiser zum Handeln gezwungen wurde, wollte er nicht unglaubwürdig werden.
1630 verfügte Kaiser Ferdinand II. daher in einem Mandat, alle Gerichtsakten der Hexenprozesse dem Reichskammergericht in Regensburg zur Prüfung vorzulegen und die Anklagen öffentlich zu machen, um Diffamierungen und üble Nachrede als die häufigsten Anklagegründe besser ausschließen zu können. Jeder und jedem der Hexerei Angeklagten war Rechtsbeistand zu gewähren und die Konfiszierung von Besitz hatte zu unterbleiben, um die nicht angeklagten Angehörigen und Verwandten in keine Notlage zu bringen. Die Folter als Mittel zur Urteilsfindung wurde allerdings nicht verboten.
Dieses energische Eingreifen des Kaisers und der Tod von Weihbischof Förner im Dezember 1630 bewirkten einen merklichen Rückgang des Terrors. Der Hauptgrund für das Ende des Hexenwahns in Bamberg war jedoch die Schwedengefahr und der Tod von Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs Freihr. von Dornheim, dessen Hexenwahn in der Stadt Bamberg, wie eingangs erwähnt, ca. 300 Menschen und im gesamten Hochstift noch einmal etwa 900 Menschen das Leben kostete.
Ähnlich massive Verfolgungen lassen sich in Süddeutschland nur noch in den Hexenprozessen der Hochstifte Würzburg und Eichstätt sowie in Kurmainz und Ellwangen nachweisen, wobei Deutschland mit 25.000 die weitaus höchste Zahl an Hinrichtungen aufweist, während in Italien „nur“ 1000 zu verzeichnen sind.

Lit.: Scriptores rerum episcopatus Bambergensis/cum praefatione et indice locupletissimo cura Ioan. Petr. Ludewig. Francofurti [u. a.], 1718. Ussermann, Aemilian: Episcopatus Bambergensis sub S. Sede Apostolica chronologice ac Diplomatice illustratus: Opus posthumum / opera et studio P. Aemiliani Ussermann. Typis San-Blasianis, 1802; Leitschuh, Friedrich: Beiträge zur Geschichte des Hexenwesens in Franken. Bamberg: Hübscher, 1883; Soldan, Wilhelm Gottlieb: Geschichte der Hexenprozesse. Nachdr. der 3. (letzten) Aufl. / neu bearb. u. hrsg. von Max Bauer. Köln: Parkland-Verl, 1999; Hexen und Hexenprozesse in Deutschland / hrsg. von Wolfgang Behringer. München: Dt. Taschenbuch-Verl., 52001.

Bambus (Bambusoideae), eine vielgestaltige Unterfamilie der Süßgräßer (Poaceaae) mit etwa 1.200 Arten, gilt in Ostasien als glückbringende Pflanze. In Bezug auf den Menschen ist sie auch Symbol für ethische Werte: die hängenden Blätter deuten auf das leere Innere, das Herz, als Ausdruck der Bescheidenheit. Die immergrüne Pflanze ist Sinnbild für das Alter; stilisierte Bambusblätter, die häufig Gegenstand einer meditativ verstandenen Malerei sind, weisen auf Ruhe und Frieden hin. Wenn in China B. und Pflaume zusammengestellt werden, bedeuten sie Mann und Frau. Der mit lautem Klang im Feuer zerplatzende B. soll die Dämonen vertreiben.
B. dient auch als Zaubermittel. So verzauberte auf den Fidji-Inseln ein Magier namens Ata den Diener des Südseeforschers Paul Abt, weil er sich an der jüngsten Tochter des Häuptlings vergriffen hatte, was bei diesen Insulanern mit der Todesstrafe geahndet wird. Dazu führte der Magier über dem Diener Fred den sog. Bambuszauber aus, indem er unter Beschwörungen ein Stück von Freds Gewand in ein Bambusrohr gab. Nach Beenden der Sprüche und Gebete sagte er zu Abt: „Eines Tages wird dieses Stück Bambus auf dem heiligen Baume platzen, und zur selben Stunde wird dein Diener aus dem Leben scheiden...“ (Wieser, S. 18).

Lit.:  Wieser, Edwin: Im Banne der Magie: wunderbare Erlebnisse unter allen Himmelsstrichen – einst und jetzt.  Affoltern a. A.: Aehren Verlag, 1950; Egenter, Nold: Göttersitze aus Schilf und Bambus: jährl. begaute Kultfackeln als Male, Zeichen u. Symbole; e. bautechnolog. Unters. d. ujigami-Rituale d. Volksshintô um d. Stadt Ômihachiman, Japan = Sacred symbols of reed and bamboo. Bern [u. a.]: Lang, 1982.

Bananenbaum bzw. Bananenstaude, gehört zur Gruppe der Beeren, sieht wie eine Palme aus, kann eine Höhe von über 2 Metern erreichen und bis zu 200 Bananen tragen. Der B. hat einen weichen Scheinstamm mit oft vom Wind zerfetzten Blättern. > Buddha sah in ihm daher ein Symbol der Hinfälligkeit alles Irdischen. Die chinesische Malerei bringt diese Symbolik mehrfach mit der Darstellung eines Weisen zum Ausdruck, der unter einem Bananenbaum über die Nichtigkeit der Welt meditiert.

Lit.: Herder-Lexikon Symbole. Freiburg u. a.: Herder, 72000.

Bandara (genauer: Bandara deviyō), ursprünglich Titel hoher Beamter im singhalesischen Königreich, dann Bezeichnung einer Gruppe von Göttern, die über den > Yakku stehen. Nicht selten werden die lokalen Hauptgottheiten B. genannt. Zum B. konnten auch besonders verdiente Persönlichkeiten erklärt werden. So wurde bspw. im 20. Jh. der ermordete Ministerpräsident Bandaranaike unter dem Namen Horagolle devata bandara vergöttlicht.

Lit.: Bechert, H.: Mythologie der singhalesischen Volksreligion (WdM 5), 1984.

Bänder, Symbol der Macht, zu binden und zu lösen. Die Bindung kann freiwillig wie unfreiwillig sein.

Lit.: Herder-Lexikon Symbole. Freiburg u. a.: Herder, 72000.

Bandha (sanskr., „Zusammenziehung“), Zusammenziehen der Muskeln, die im täglichen Leben nur wenig angestrengt werden, als Vorübung zum > Yoga. Die wichtigsten Vorübungen sind: Zusammenziehen von Bauch, unterem Zwerchfell und Genick.

Lit.: Satyananda <Svami>: Asana, pranayama, mudra, bandha / von Swami Satyananda Saraswati. Satyananda-Yoga-Zentrum e.V. [Aus dem Engl. von Swami Prakashananda Saraswati]. Köln: Ananda-Verl., 2001; Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995.

Bandornament, eine seit frühester Zeit bekannte Grundform der Dekoration, bei welcher der Rhythmus im frei gestreuten Muster und in der freien ornamentalen Einzelkomposition einen Bewegungsablauf bildet, der einer bestimmten Gesetzmäßigkeit gehorchen, aber dennoch beständig von ihr abweichen kann. Der Takt ist berechenbar und schafft rationale Ordnung. Durch die Wechselwirkung von Takt und Rhythmus lässt sich Spannung erzeugen.
Solche B. finden sich bereits in prähistorischer Zeit etwa in Form von Spiralbändern in der Bandkeramik des Donauraumes. Die sumerische Ornamentik zeigt neben geometrischen  Motiven auch Flechtbänder als Begrenzung mythologischer Szenen. In den Gräbern zu Theben dürften die Spiralbänder mit der ägyptischen Vorstellung von Tod und Wiedergeborenwerden zusammenhängen. Als > Symbol des Lebensprozesses erhält das B. in christlicher Zeit die Bedeutung von Leben, Tod und Auferstehung. Bänder um Quadrat, Rechteck oder Raute haben die Funktion einer Eingrenzung und Abschirmung des heiligen Zentrums: zu beobachten an Weihbrunnen, Altarplatten, Sakralräumen wie auch als Einrahmung in der irisch-keltischen Buchmalerei.

Lit.: Flecht- und Knotenornamentik: Mosaiken (Teurnia und Otranto); Beiträge zur Symboldeutung; mit einem Vorwort des Herausgebers / Gustav A. Küppers-Sonnenberg; Wilhelm Haiden; Alice Schulte. Klagenfurt: Geschichtsverein f. Kärnten, 1972; Kutzli, Rudolf: Langobardische Kunst: die Sprache der Flechtbänder. Stuttgart: Urachhaus, 31986.

Bandzauber, magische Praktik zum Schutz vor feindlichen Einflüssen durch Tragen eines Bandes um Hals, Stirn, Finger, Arm, Körper. Diese Praxis wird von der Vorstellung getragen, dass der Kreis als vollkommene Gestalt das kreisförmig Umschlossene besonders schützt. Auf diese Symbolik sind nicht nur die geschlossenen Eheringe zurückzuführen, sondern auch der auf die Erde gezeichnete „Zauberkreis“, in dem die Beschwörung stattfindet, Dieser wird zudem noch oft von einem geschlossenen Kreis der Beschwörungsteilnehmer umgeben und verstärkt:  Man hält sich an den Händen, um den Energiefluss und den Schutz nach außen zu erhöhen (> Séance).
Hinzu kommen noch die Farbe des Bandes (meist rot), der Bandzauber selbst und, drittens, die Beziehung zum religiösen Kult. Bunte Bänder dienten schon bei antiken Völkern zur Abwehr des > bösen Blickes. Mit der Priesterbinde wurden deren Träger als Diener und Sklaven Gottes bezeichnet.
Der Bandzauber wird erhöht, wenn Knoten in das Band gemacht werden.

Lit.: Scheftelowitz, Isidor: Das Schlingen- und Netzmotiv im Glauben und Brauch der Völker. Gießen: Töpelmann, 1912.

Banerjee, Hemendra Nath, Philosoph und Parapsychologe, geb. am 31.10.1929 in Sirohi, Rajasthan/Indien, wurde 1957 Direktor des Seth Sohan Lal Memorial Institute of Parapsychology in Sri Ganganagar; Herausgeber des Indian Journal of Parapsychology und des Directory of Philosophical Studies in India. B. befasste sich vor allem mit der Untersuchung der > Außersinnlichen Wahrnehmung (ASW) bei Kindern und mit der Frage der > Reinkarnation.
 
Lit.: Banerjee, Hemendra Nath: Ismail: Report of the Case Suggestive of Extra Cerebral Memory. Jaipur: Univ. of Rajasthan, 1964; Banerjee, Hemendra Nath: Munesh: Report of the Case Suggestive of Extra Cerebral Memory. Jaipur: Univ. of Rajasthan, 1964; Banerjee, Hemendra Nath: Prabhu: Review of a Case-History of Extra Cerebral Memory. Jaipur: Univ. of Rajasthan, 1965; Banerjee, Hemendra Nath: Lives Unlimited: Reincarnation in East and West. Garden City, NY: Doubleday, 1974; Banerjee, Hemendra Nath: Americans Who Have Been Reincarnated. New York, NY: Macmillan, 1980.

Bangputys (lit., „Wellenblaser“), in der litauischen Mythologie der Gott des Meeres und der Wellen. In einem Volkslied wird er einfach „Gott der Wellen“ genannt.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989.

Bangs (engl. bang, Knall), aus dem Englischen übernommene Bezeichnung für paranormale Töne oder Geräusche, die sich mit Hammerschlägen vergleichen lassen.

Lit.: Carrington, Hereward: Psychical Phenomena and the War. New York: Dodd, Mead & Co., 1918.

Bangs-Schwestern, die Medien Lizzie und May Bangs (ca. 1860/1864–ca. 1920) aus Chicago, die sich auf das direkte Schreiben, Zeichnen und Malen spezialisiert hatten. Außerdem produzierten sie Apporte, die Verwandlung von Tinte in schmutziges Wasser u. a. m. Während Dr. I. K. Funk, der sie öfters persönlich untersuchte, eine große Meinung von ihnen hatte, stellte der angesehene Parapsychologe Dr. Hereward > Carrington, der 1909 nach Chicago kam, bei seinen Untersuchungen Betrug fest. Admiral William Usborne Moore, der mit den Schwestern 1909 und dann 1911 zahlreiche Sitzungen durchführte, distanzierte sich von der Verurteilung. So sollen einige Sitzungen auch bei sehr strengen Kontrollen erfolgreich gewesen sein.

Lit.: Richmond, Almon Benson: What I Saw at Cassadaga Lake: a Review of the Seybert Commissioners' Report. Boston: Colby & Rich, 1888; Moore, William Usborne: Glimpses of the Next State (The Education of an Agnostic.). London: Watts & Co., 1911; Carrington, Hereward: The Physical Phenomena of Spiritualism: Being a Brief Account of the Most Important Historical Phenomena, with a Criticism of Their Evidential Value. New ed. London: Kegan Paul, Trench, Trubner and Co., 1920; ders.: Laboratory investigations into psychic phenomena. Philadelphia: McKay, 1939; ders.: Psychology in the Light of Psychic Phenomena. Philadelphia: McKay, 1940; ders.: Mysterious Psychic Phenomena: Unknown Worlds of Mystery and How They are Explored. Boston: Christopher Publ. House, 1954; Photographing the Invisible; Practical Studies in Spirit Photography, Spirit Portraiture, and Other Rare but Allied Phenomena. New York: Arno Press, 1973.

Banisterin, Bestandteil einer Reihe von psychedelischen Drogen, der erstmals 1928 von Louis Lewin isoliert wurde. Gewonnen aus Banisteria caapi und anderen Banisteria-Arten, ist B. chemisch identisch mit Harmin und Yagein. Die Eingeborenen Südamerikas, vor allem Brasiliens, Kolumbiens und Venezuelas, bereiten aus der Riesenliane Banisteria ein Rauschgetränk, den > Ayahuasca- oder Yage-Trank, mit beachtlicher halluzinogener Wirkung, die sich z. B. in der Loslösung der „Seele“ vom Körper, in Visionen von entlegenen Orten, im Erlebnis von > Himmel und > Hölle äußert. Die > Schamanen Südamerikas verwenden die Drogen, um eine Verbindung mit der Welt des Übernatürlichen herzustellen.

Lit.: Banisterin und Harmin: Bericht über d. Verhandlgn e. zus.gesetzten Ausschusses d. Landesgesundheitsrats am 12. Juli 1929. Berlin: Verlagsbuchh. von R. Schoetz, 1929; Krüger, Johannes: Versuche mit Harmin bzw. Banisterin bei Hunden. Berlin, 1931; Adelaars, Arno/Müller-Ebeling, Claudia/Rätsch, Christian: Ayahuasca: Rituale, Zaubertränke und visionäre Kunst aus Amazonien. Baden: AT Verlag, AZ Fachverlage, 2006.

Bankei Eitaku, auch Bankei Yotaku (1622–1693), einer der populärsten und berühmtesten Zen-Meister Japans, Vertreter der > Rinzai-Schule des Zen-Buddhismus, der dem damals im Niedergang begriffenen Zen-Buddhismus zu einer Neubelebung verhalf. Zunächst lebte B. viele Jahre zurückgezogen, bis er 1672 auf kaiserliche Anordnung zum Abt des Klosters Myôshin-ji in Kyôtô berufen wurde. Mit seiner Begabung, die Lehre des Zen in allgemein verständlichen Worten zu vermitteln und die erstarrten Formen des Rinzai aufzubrechen, wurde er nicht nur zum bekanntesten und populärsten Zen-Meister seiner Zeit, sondern auch zum Wegbereiter des Reformwerks des > Hakuin Zenji (1686–1769). B. hinterließ keine Schriften und untersagte seinen Schülern, seine Lehren aufzuzeichnen, die nach seinem Tod dennoch verbreitet wurden. Den Kern seiner Lehre fasste er in folgenden Worten zusammen: „Was ich Euch mit meinen Unterweisungen darlege, ist der ungeborene Geist der erleuchtenden Weisheit – sonst nichts. Allen Menschen ist dieser Geist eingeboren, doch sie wissen es nicht“.

Lit.: Meister Bankei: Die Zen-Lehre vom Ungeborenen: Leben und Lehre des großen japanischen Zen-Meisters Bankei Eitaku (1622–1693) / Aus d. japan. Quellen hg. v. Norman Waddell. Bern u. a.: O. W. Barth, 1988.

Bann (lat. edictum, interdictum; althd. pan, mhd. ban, engl. charm ), die dem geistlichen oder weltlichen Richter und dem Bannherrn zustehende Gewalt und Gerichtsbarkeit zum Ausschluss eines abweichenden Individuums oder einer Gruppe zwecks Aufrechterhaltung einer als legitim angesehenen Ordnung.
Im paranormologischen Bereich bedeutet B. die Sanktionierung, die ein Mensch durch einen Zauberspruch oder eine Zauberhandlung gegenüber Menschen, Tieren, Geistern, Gegenständen oder Orten ausübt, um den Gebannten/das Gebannte unschädlich bzw. unfähig zu machen, durch Aktionen oder Emanationen selbst tätig zu werden, sei es begrenzt auf einen Bannkreis, auf eine bestimmte Zeit oder grundsätzlich. Der Bann wird zurückgeführt auf die Tätigkeit von Geistern, Zauberern und Hexen. Es wird gebannt, wer in das Revier eines Geistes, einer Hexe oder eines Zauberers tritt. Andererseits können durch einen Zauberspruch oder eine magische Handlung Geister, Hexen, Räuber und Mörder, Kriegsfeinde und selbst Krankheiten mit dem Bann belegt werden.
Der B. geht in seiner ursprünglichen Anwendung tief in die Menschheitsgeschichte zurück. Im Alten Testament wird durch den Bann alles, was mit ihm belegt wird, für die menschliche Nutzung unzugänglich. Wurde im Heiligen Krieg der B. vollzogen, musste alles Lebende getötet und Besitztum verbrannt werden, damit es sich niemand aneignen konnte. (Num 21, 1–3; Dtn 13, 13–19; Jos 6, 17–21). Hinter diesen Anordnungen steht offensichtlich die Vorstellung, dass das „Widergöttliche“ auch später wieder Macht entfalten könnte, wenn es nicht getilgt wird.

Lit.: Pedersen, Johannes: Der Eid bei den Semiten in seinem Verhältnis zu verwandten Erscheinungen sowie die Stellung des Eides im Islam. Strassburg: Trübner, 1914; Doskocil, Walter: Der Bann in der Urkirche: eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. München: Zink, 1958; Theologische Realenzyklopädie / in Gemeinschaft mit Horst Balz ... hrsg. von Gerhard Müller. Bd. 1. Berlin: de Gruyter, 1980.

Bannbüchlein, Bezeichnung von  kleinen Beschwörungsbüchern, die Sprüche und Mittel zum Stellen von Jagdtieren, von Dieben, zur Unschädlichmachung von reißenden Tieren und Schlangen, zum Bannen der Geister und des Teufels enthalten. Um sich beim Gebrauch der B. nicht selbst Gefahren  auszusetzen, muss man das B. rückwärts lesen können, wodurch der Zauber aufgehoben wird.

Lit.: Dornseiff, Franz: Das Alphabet in Mystik und Magie. Reprint d. Orig.-Ausg. von 1925. Leipzig: Reprint-Verl, 1994.

Bannen > Bann.

Bannerhalter, altmexikanische Steinfiguren auf den Plattformen der Pyramiden, deren Hände einen Ring bilden, in den bei Festen Federbanner gesteckt wurden. 

Lit.: Nölle, Wilfried: Völkerkundliches Lexikon: Sitten, Gebräuche und Kulturbesitz der Naturvölker. München: Goldmann, 1959.

Bannesche, Abwehrbaum. Nach altem Volksglauben pflanzte man zwischen Lichtmess (2. Februar) und Ostern einen Laubbaum der Gattung Eschen (lat.Fraxinus excelsior, F. angustifolia, F. ornus) aus der Familie der Ölbaumgewächse als Abwehr gegen Feuer, Seuchen und jede Form von Not und Unheil. Da eine Esche Wuchshöhen von bis zu 40 m, Stammdurchmesser von bis zu 2 m und ein Höchstalter von etwa 300 Jahren erreichen kann, wurde die B. für Generationen zum heiligen Baum. Man durfte sie weder mit Äxten und Beilen noch mit Sägen beschädigen. Wer dies trotzdem wagte, beschwor für sich und sein Dorf großes Unheil herauf. Derartige B.n soll es heute noch geben, so in Bisdorf auf der Ostseeinsel Fehmarn.

Lit.: Rust, Jürgen: Aberglaube und Hexenwahn in Schleswig-Holstein. Garding: Cobra-Verlag, 1983, S. 17f.

Banneux, Unsere Liebe Frau von, Wallfahrtsort auf der Hochebene der belgischen Ardennen, der kirchlich zur Diözese Lüttich gehört.
Am Sonntag, den 15. Januar 1933, befand sich Mariette Béco, geb. am 25. März 1921 als ältestes von 7 Kindern der Familie des Julius und der Louise Béco geb. Wegimont, mit der Mutter in der Küche des kleinen Hauses und schaute in Erwartung ihres jüngeren Bruders durch das Fenster auf den vor dem Haus liegenden Garten. Gegen 19.00 Uhr erblickte sie zu ihrer Rechten die Lichtgestalt einer Frau, die sie beschrieb, während sie diese betrachtete: „Sie trägt ein schneeweißes, unter dem Kinn geschlossenes Kleid, das vom blauen Gürtel ab gefaltet ist. Die Enden des Gürtels hängen vorn herunter. Der Kopf ist mit einem weißen Schleier bedeckt, der auf die Schultern und die Arme herabfällt. Ihr rechter Fuß ist unbekleidet und trägt eine goldene Rose. Am rechten Arm hängt ein Rosenkranz. Die Jungfrau blickt mich lächelnd an“ (Ernst, S. 115–116). Die Frau winkte Mariette mit einer Handbewegung zu sich, doch die Mutter erlaubte ihr nicht, vor das Haus zu gehen.
Am Mittwoch, den 18. Januar, erschien die Frau um 19.00 Uhr auf einer rauchartigen Wolke am Straßenrand. Nachdem Mariette die Straße überquert hatte, ging sie auf den Wald zu und kniete an einer Quelle nieder. Die Frau sprach zu ihr: „Tauche deine Hände in das Wasser.“ Mariette gehorchte und wiederholte, was die Frau zu ihr gesagt hatte: „Diese Quelle ist mir vorbehalten. Guten Abend. Auf Wiedersehen.“
Am Donnerstag, den 19. Januar, kniete Mariette um 19.00 Uhr auf dem Gartenpfad. Die Frau erschien. Mariette fragte sie : „Wer sind Sie, schöne Frau ?“ – „Ich bin die Jungfrau der Armen“, antwortete diese.
Am Freitag, den 20. Januar, fragte Mariette die Frau bei ihrem Erscheinen um 19.00 Uhr: „Was wünschen Sie, meine schöne Frau?“ Die Jungfrau erwiderte: „Ich wünsche eine kleine Kapelle.“
Am Samstag, den 11. Februar, erfolgte nach dreiwöchiger Pause die fünfte Erscheinung. Mariette begab sich wieder auf die Straße, kniete zweimal nieder, tauchte die Hände in das Wasser der Quelle und machte ein Kreuzzeichen, lief dann unvermittelt in das Haus und weinte. Sie verstand nicht, was die Jungfrau zu ihr gesagt hatte: „Ich komme, das Leiden zu lindern.“ Sie verstand die Bedeutung des Wortes „lindern“ nicht.
Am Mittwoch, den 15. Februar, erschien die Jungfrau zum sechsten Mal. Mariette überbrachte die Frage von Kaplan Jamin: „Heilige Jungfrau, der Herr Kaplan hat mich aufgefordert, Sie um ein Zeichen zu bitten.“ Die Jungfrau entgegnete ihr: „Glaubt an mich, ich werde an euch glauben!“
Am 20. Februar kniete Mariette wieder im Schnee, verließ dann den Garten, kniete zweimal auf der Straße nieder und ein drittes Mal bei der Quelle. Dort betete sie und weinte, „weil sie so rasch wieder gegangen ist.“ Die Jungfrau hatte zu ihr gesagt: „Mein liebes Kind, betet viel.“
Am Donnerstag, den 2. März, erschien die Jungfrau zum letzten Mal. Um 19.00 Uhr ging Mariette hinaus, breitete die Arme aus, kniete nieder und weinte dann zusammengekauert. Der Vater trug das Kind in das Haus zurück, wo Mariette sich beruhigte und sagte: „Die heilige Jungfrau kommt nicht mehr, sie hat mir gesagt ,Lebe wohl!‘“ Auf die Frage, was die Jungfrau noch gesagt habe, antwortete Mariette: „Ich bin die Mutter des Erlösers, die Mutter Gottes. Betet viel! Lebe wohl.“
Mariette blieb dieser Bitte treu und betete viel. Sie heiratete und wurde Mutter von drei Kindern, arbeitete im Stillen und lebte sehr zurückgezogen.
Durch einen Erlass vom 19. März 1942 erteilte der Bischof von Lüttich die Erlaubnis, in seiner Diözese Unsere Liebe Frau von Banneux unter dem Namen „Jungfrau der Armen“ zu verehren.
Am 22. August 1949 wurde die Echtheit der Erscheinung vom Bischof offiziell anerkannt.

Lit.: Kerkhofs, L. J.: U. L. Frau von Banneux: Studien und Dokumente. Kaldenkirchen Rhld.: Styler Verlagsbuchhandlung, 21950; Ernst, Robert: Die Erscheinungen der Jungfrau der Armen in Banneux (Belgien) 1933. Eupen: Heinrich Braun, 1951; Blass, J. B.: Die Erscheinungen Unserer Lieben Frau in Banneux: Verehrung und Gnadenerweise / Nach authentischen Dokumenten dargestellt. Innsbruck: Marianischer Verlag, 1957.

Bannkreis, magisches Mittel, das alle schlechten Einflüsse abhalten soll. Ein solcher Kreis könne durch die starke Vorstellung, dass das Gesprochene sofort Realität werde, durch folgenden Spruch geschaffen werden:

Ich setze ein Licht in Norden,
ich setze ein Licht in Süden,
ich setze ein Licht in Westen,
ich setze ein Licht in Osten.
Ich setze ein Licht in die Höhe,
ich setze ein Licht in die Tiefe.
Sie bilden eine Sphäre, durch die kein schlechter Einfluss zu mir dringen kann, kein bösartiges Astral­wesen, kein schlechter Gedanke meiner Mitmenschen, kein Dämon, nichts – nichts! Ich bin gefeit gegen alles Böse, was es auch sei.
Und ich setze ein Licht in die Mitte.
Seine Strahlen durchdringen alle Welten, die hohen und tiefen.
Sie setzen mich in Verbindung mit allem Guten, allen freundlichen Wesen der Astralwelt, mit allen Lieben, die vor mir in sie hinübergegangen sind, mit allen Naturgeistern, die uns wohlgesinnt, mit allen Engeln, die mich führen wollen, und mit allen hohen Wesen, die das Schicksal unserer Erde und das meine lenken.“ (Winkelmann, S. 30–31)

Durch eine solche Anrufung soll ein Bannkreis, besser noch, eine Bannkugel geschaffen werden, die von allen Seiten eine mächtige Schutzwirkung habe.

Lit.: Winckelmann, Joachim: Magie: Einführung und Praxis; Was ist Magie? Magische „religio“. Schwarze und weiße Magie. Erfolgsmagie. Magische Heilungen. Magie im Alltag. Die grundlegenden Praktiken. Hannover: Hilfe-Verlag, 1950.

Bannungsritual, Ritus der zeremoniellen Magie zum Fernhalten negativer oder unheilvoller Einflüsse. Ein solches Ritual kann in den verschiedensten Formen ausgeführt werden, als runisches Bannungsritual oder als > Kleines Pentagrammritual, das in einem magischen Kreis ausgeübt wird und im Osten beginnt. Der Magier zeichnet mit einem Schwert Pentagramme in die Luft und ruft an den vier Ecken die Erzengel > Raphael, > Gabriel, > Michael und > Uriel an. Die Bannung schließt auch ein rituelles Gebet, das > kabbalistische Kreuz, mit ein.

Lit.: Aberglaube und Hexenwahn heute: aus der Unterwelt unserer Zivilisation. Freiburg i. Br.: Herder, 1960; Drury, Nevill: Lexikon esoterischen Wissens. Dt. Erstausg. München: Droemer Knaur, 1988; Arnold, Hans: Magische Kräfte in uns: was starker Wille und zweifellose Überzeugung ist, und welche wunderbaren Wirkungen man durch diese Kräfte erreichen kann. 4., verb. Aufl. von „Die Kraft der Überzeugung“. Leipzig: Verlag „Wahrheit“ Ferdinand Spohr, o. J.

Bannwälder, Waldschutzgebiete, „Urwälder von morgen“, vollständig unbewirtschaftet, Anschauungsobjekt für eine ungestörte Waldentwicklung, Biotope insbesondere für Totholzlebensgemeinschaften. Das Leben eines Baumes dauert oft mehr als 400 Jahre! Bereits heute liegt die Totholzmenge in B. in der Regel über den Totholzanteilen in bewirtschafteten Wäldern. Die B. sind ein Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.
Geschichtlich scheinen die B. aus heidnischen Hainen hervorgegangen zu sein, wobei später an die Stelle des Kultes das Recht des Königs trat, der den heiligen Wald der Benutzung und Gemeinschaft des Volkes entzog. In solchen Wäldern pflegten nicht nur Missetäter, Verfolgte und Ausgestoßene Asyl zu finden, sondern hier sollten auch auch Geister, > Feen, > Kobolde und > Hexen hausen. Zudem sei die Totholzmenge neben den gesunden Bäumen eine Brutstätte magischer Kräfte.

Lit.: Grimm, Jakob: Deutsche Mythologie. Überarb. Reprint d. Orig.ausg. v. 1943 nach d. Exemplar d. Verlagsarchives. Coburg: K. W. Schütz-Verlag, o. J.; Bannwälder „Zimmeracker“ und „Klebwald“ im Hagenschieß, Nordschwarzwald: forstliche Grundaufnahme, Standorte, Vegetation / Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Abteilung Waldökologie. Freiburg i. Br.: FVA, 2005.

Banshee (kelt. ben, Frau; sighe, Fee; gäl.: bean-si, „Frau-Fee“), „Frau des Todes“, die auch Lady of Death, Angel of Death, Woman of Peace, Nymph of the Air genannt wird; ein Familiengeist  Irlands und Schottlands, der meist in Gestalt einer alten Frau mit zerfetzten Gewändern und zerzausten, auf ihre mageren Schultern herabhängenden Haaren auftritt. Wenn eine Person aus der Familie, mit der sie verbunden ist, sterben muss, stimmt sie in der Nähe des betroffenen Hauses ihre gellenden und unverständlichen Klagelaute an. Selbst wenn der todgeweihte Familienangehörige in der Fremde lebt, kündigt sie dessen Tod bei seinem heimatlichen Geburtshaus an. Manchmal trägt sie einen weißen Mantel und einen Schleier um den Kopf. Gelegentlich wird sie auch als jugendliche Gestalt gesehen, elegant gekleidet, etwa mit einem grauen Mantel über einem grünen Kleid, im Stil des Mittelalters. Sie ist immer voller Gram, ihren Kummer zeigend, jedoch niemals bösartig, ähnlich der > Ahnfrau oder der > Weißen Frau in den Familientraditionen Mitteleuropas.
B. bindet sich ausschließlich an vornehme keltische Familien von echter milesischer Abstammung und hält auch in Zeiten größter Armut an ihnen fest, bis das letzte Familienmitglied gestorben ist. Ferner wird berichtet, dass sie des eigenen Geschicks wegen zur Familie gehöre, in der sie sich zeigt, da sie die ruhelose Seele einer Frau verkörpere, die vor langer Zeit unter tragischen Umständen ihr Leben verlor. Sie gilt als sehr schüchtern und empfindsam. Wird sie verärgert, zeigt sie sich in derselben Generation nicht wieder.
Als schottische Varianten der Erscheinung gelten bean-nighe, der Geist einer Frau, die im Wochenbett starb und Berichten zufolge ziemlich hässlich sein soll (mit nur einem Nasenloch, großen vorstehenden Zähnen und langen Hängebrüsten), sowie Little-Washer-by-the-Ford („kleine Wäscherin an der Furt“), welche bei ihrem Erscheinen angeblich die Totenhemden derer wäscht, die demnächst sterben.

Lit.: Lysaght, Patricia: The Banshee: the Irish Supernatural Death-Messenger. Dublin: The Glendale Press, 1986; Millar, Margaret: Banshee, die Todesfee. Roman. Zürich: Diogenes, 1990.

Bantu, auch A-Bantu, Sammelbegriff für über 400 verschiedene Volksgruppen von Nigeria über Ostafrika (Kenia, Tansania) bis nach Namibia und Südafrika, die eine Sprache sprechen, welche zur Sprachfamilie der Bantusprachen gehört. Neben viel Zauberei ist bei den östlichen und südlichen B. der > Ahnenkult so stark ausgebildet, dass er als Zentralmoment der jeweils herrschenden Religion, wenn nicht in vielen Gruppen als Religion selbst bezeichnet werden kann. Damit verbunden ist die Verehrung von > Naturgeistern, die sich bis zur Anerkennung eines höchsten Himmelsgottes erheben kann. Daneben ist auch > Totemismus verbreitet.

Lit.: Meinhof, Carl: Afrikanische Religionen: Hamburgische Vorträge. Berlin: Berliner Evang. Missionsges. 1912; Dammann, Ernst: Die Religionen Afrikas. Stuttgart: Kohlhammer, 1963; Bahoken, Jean-Calvin: Clairières métaphysiques africaines. Essai sur la philosophie et la religion chez le Bantu du Sud-Cameroun. La connaissance. Publ. avec le concours du Centre National de la Recherche Scientifique. Paris: Présence Africaine, 1967; Dahlquist, Allan: Allgemeine Übersicht über Afrikas Völker und ihre Sprachen, einschließlich der Geschichte der Afrika-Forschung, und Afrikas agglutinierender Sprachtyp, die Bantusprachen. Hässleholm: A. Dahlquist, 1995.

Baouardy, Mirjam, Maria vom Gekreuzigten Jesus, geb. am 5. Januar 1846 in Abellin (Cheffa-Amar), zwischen Nazareth und Haifa, Israel, wurde mit 12 Jahren von der Familie ausgestoßen, weil sie der geplanten Ehe und dem Übertritt zum Islam nicht zustimmte. Geschlagen und von einem Krummsäbel am Hals schwer verletzt, wurde ihr regungsloser Körper, in ein Leintuch gewickelt, in eine dunkle Straße gelegt. Als Mirjam erwachte, fand sie sich in einer Grotte wieder, umsorgt von einer in Blau gekleideten Ordensfrau, die ihr in wenigen Worten ihre Zukunft kundtat. Mirjam war der Überzeugung, dass es sich um die Jungfrau Maria gehandelt hatte, weshalb sie das Fest Mariä Geburt in Erinnerung an jenen 8. September fortan immer besonders feierlich beging.
Am 14. Juni 1867 trat sie in den Karmel von Pau (untere Pyrenäen) in Frankreich ein. Am 21. August 1870 wurde Mirjam mit anderen Karmelitinnen nach Indien geschickt, um den ersten Karmel in Mangalore zu gründen. Am 21. November 1871 legte sie die Profess ab. Es war dies die erste Profess einer Karmelitin in Indien. Ab 1871 erhielt sie die Wundmale, die zwischen Mittwoch abends und Freitag früh stark zu bluten begannen. Sie versuchte diese „Krankheit“, wie sie die Wundmale nannte, zu verbergen, doch war sie in ihrer Arbeit stark beeinträchtigt. Nach einigen weiteren paranormalen Vorkommnissen, die sich jeder Erklärung entzogen, glaubte auch ihr Spiritual, dass sie vom Teufel besessen sei, und so musste sie 1872 in den Karmel von Pau zurückkehren. Im selben Jahr vertraute sie ihren Oberen an, dass der Herr einen Karmel in Bethlehem wünsche. 1875 reiste sie mit acht Schwestern dorthin und errichtete nach eigenem Entwurf den Karmel, der am 24. September 1876 eingeweiht wurde.
Obwohl des Lesens und Schreibens unkundig, erteilte sie viele Ratschläge und gab theologische Erklärungen ab, die voller Klarheit waren. Stets betonte sie die Verehrung des hl. Geistes und ließ eine besondere Verbundenheit mit Pius IX. durchblicken, an dessen Ableben sie am 7. Februar 1878 in Ekstase teilnahm, ebenso wie am Konklave der Wahl Leos XIII. Mirjam starb am 26. August 1878 im Ruf der Heiligkeit und wurde am 13. November 1983 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Lit.: Stolz, Benedikt: Mirjam von Abellin: Flamme der göttlichen Liebe; Leben der Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten aus dem Karmelitinnenkloster zu Bethlehem, seliggesprochen am 13. November 1983. Jestetten: Miriam-Verlag, 31988; Resch: Die Seligen Johannes Pauls II. Innsbruck: Resch, 2000.

Baphomet, ein von einigen Templern genanntes Idol, wohl in Zusammenhang mit dem berühmten templerischen Buchstabenquadrat, welches über 600 Jahre vergeblich gedeutet wurde. 1932 will Kuno Graf von Hardenberg in der kleinen Schrift Rosenkranz und Baphomet eine einigermaßen verständliche Erklärung des Wortes „Baphomet" (Bafomet oder Baffomet) gefunden haben. Hardenberg knüpfte an das templerische Buchstabenquadrat (Abb. 1) folgende Spekulationen:

S
N
A
A
T
A
B
A
T
A
D
A
A  
S
Abb. 1
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 Lässt man bei dem mit Buchstaben gebildeten Quadrat alle Buchstaben außer dem A und dem B weg so erhält man folgende Figur (Abb. 2):

.
.
A
.
A
.
A
B
A
.
A
.
.
A
A  
.
.
Abb. 2

Nun ist nach der > Kabbala das B der Logos, das geoffenbarte Wort, während die A’s um das B herum die Emanationen Gottes darstellen. Zudem sind diese A’s so um das B gruppiert, dass man – ohne die inneren vier A’s zu berühren – das Templerkreuz einfügen kann (Abb. 3).

Abb. 3

Dieses Templerkreuz ist aus zwei heraldischen Figuren zusammengesetzt,  die man „Fyrfos“ nennt. Es sind zwei Kreuze mit entgegengesetzter Richtung ihrer Flügelarme. Die Figur heißt heraldisch „das redende Haupt“.

S
.
N
.
.
.
T
.
(B)
.
T
.
.
D
.
.  
S
Abb. 4

Betrachtet man nun die Buchstaben, die bei der ersten Darstellung weggefallen sind (Abb. 4), so ergibt sich der lateinische Name der Templer: Salamonis Templum novum Dominorum Militiae Templariorum. Nimmt man die Anfangsbuchstaben dieser Bezeichnung: STNDMT, so sind das die übriggebliebenen Buchstaben im oberen Quadrat, während die Buchstaben im unteren Quadrat (hinter dem B) kabbalistisch umgekehrt – TMDNTS – zu lesen sind.
Fügt man nun das heraldisch „redende Haupt“, den „Fyrfos“, ein, so zeigt sich gleich die gewünschte Lösung. Durch den Fyrfos, die Feuerhieroglyphe, wird das Feuer des Glaubens entzündet. Das Quadrat ist also der „Feuerentzünder“, der lateinisch Fomes heißt. So haben die Templer das Quadrat in einem ihrer geheimen Rituale als Symbol benutzt und dabei gesagt: „ex literis B A fomitem habemus“ (aus dem Buchstaben B und A haben wir den „Feuerzünder“). Die Abkürzung dieses Spruches lautet: A fomes oder BA fomit = Bafomet.
Somit ist der B., das grässliche Götzenhaupt, das im Mittelalter eine große Rolle spielte, nach Hardenberg nichts anderes als eine Abkürzung für einen Ritualsatz der Templer (Frick, S. 261).
Neben dieser Deutung gibt es noch einer Reihe anderer Erklärungen, wie z. B. die Ableitung von Mohammed, dem arabischen Abufimat (Vater des Erkennens); von A. > Crowley, für den B. der Ordensname im O.T. O. (> Ordo Templis Orientis) war; von Baomithr, einem Wort, das soviel wie Vater > Mithras bedeutet.
Eliphas > Levi stellte B. als ziegenköpfigen Gott mit Flügeln und Brüsten dar, der zwischen seinen Hörnern eine entzündete Fackel trägt.
Der mittelalterliche Templerorden wurde 1307 von Philipp IV. dem Schönen beschuldigt, gerade diesen Gott zu verehren, doch bekannte sich von den 231 verhörten Tempelrittern nur ein Dutzend, sicherlich nicht ohne Druck, zu dieser Praxis. Levi setzte daher B. mit der Tarot-Karte Der Teufel gleich und vertrat die Ansicht, dass das eigentliche  Verbrechen der Templer darin bestand, die Geheimnisse um dem B.-Kult verraten zu haben.
Bei den Satanisten stellt das Wort B. ein Profanierung des Göttlichen dar.

Lit.: Hardenberg, Kuno Graf von: Rosenkreuz und Bafomet: Versuch der Lösung zweier alter magischer Quadrate [Holzschnitte von Annelise Reichmann]. Darmstadt: Ges. Hessischer Bücherfreunde, 1932; Endres, Franz Carl: Mystik und Magie der Zahlen. 3., überarb. u. verm. Aufl. Zürich: Rascher, 1951; Frick, Karl R. H.: Die Erleuchteten: Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts; ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit. 2., unveränd. Aufl. Graz: ADEVA, 1998.

Baptista (Camilla) da Varano, geb. am 9. April 1458 als Tochter des Herzog von Camerino in Umbrien, Klarissin, selig (1843 Approbation des Kultes durch Gregor XVI., Fest: 31. Mai). 1481 trat sie zunächst bei den Klarissen in Urbino ein, 1484 dann in das von ihrem Vater gegründete Kloster S. Chiara in Camerino, wo sie 1499 Äbtissin wurde. Sie verfasste mehrere geistliche Schriften, von denen eine Reihe erhalten sind. In den Istruzioni z. B. warnt sie vor dem Schlaf der Trägheit und Gleichgültigkeit bei Ordensleuten. 
Ihre Schriften, von denen viele noch nicht veröffentlicht sind (so die meisten der Epistolae spirituales ad devotas personas und die Camina pleraque latina et vulgaria), sind insgesamt von beachtenswerter Originalität und tiefer Spiritualität, sodass sie von den hll. Philipp Neri und > Alphons Maria von Liguori sehr geschätzt wurden.
B. war eine der bedeutendsten Gelehrten ihrer Zeit und schrieb lateinisch wie italienisch gleichermaßen. Sie starb am 31. Mai 1524 und wurde im Chor des Klosters begraben. Bei der Exhumierung 1593 war ihre Zunge noch frisch und rot.

Lit.: Varano, Battista  da: Jesu, unsers Herrn Seelenleiden: betrachtet von der Seligen Baptista Varani, aus dem Orden der Hl. Clara. Innsbruck: Rauch, 1872; Rambuteau (Comtesse de): La bienheureuse Varani [Texte imprimé]: princesse de Camerino et religieuse franciscaine: (1458–1527). Deuxième édition / Paris: Librairie Victor Lecoffre, 1906; Franziskanisches Proprium für die franziskanischen Ordensgemeinschaften des deutschen Sprachgebietes; die Feier des Stundengebetes. Freiburg: Herder, 1980.

Baqa (arab., Dauer, Weiterbestehen, Bleiben in Gott), im Sufismus Bezeichnung des Zustandes der Dauer jenseits aller Form bzw. der Einigung mit dem reinen Geist oder dem reinen Sein. B. bezeichnet auch den Anblick der göttlichen Ewigkeit.

Lit.: Schimmel, Annemarie: Mystische Dimensionen des Islam: die Geschichte des Sufismus. Lizenzausg. [Nachdr.]. Frankfurt a. M. [u. a.]: Insel-Verl, 2000.

Baquet, runder Holzbottich, Zuber, der um 1780 von einem Freund Franz Anton > Mesmers entwickelt wurde. Mesmer empfahl anfangs, in das Innere eines Holzfasses eine Anzahl Glasflaschen mit magnetisiertem Wasser konzentrisch, mit der Mündung nach innen, zu legen und mit Wasser und Eisenfeil zu überschütten. Das Fass wurde mit einem Deckel mit zahlreichen Löchern verschlossen, durch die Eisenstäbe mit einem in der Mitte sämtlicher Flaschen eingesteckten Eisenstab verbunden waren. Durch das Anfassen dieser Stäbe konnten sich die um das B. sitzenden Patienten eine Dosis „magnetischen Fluids“ zukommen lassen, das vom B. generiert wurde, während jemand auf einem Klavier spielte. Die Patienten zeigten dabei des öfteren Symptome von Konvulsionen, Schreie, unkontrolliertes Gelächter und Erbrechen. Diese Zustände nannte man Krisen, die als Zeichen dafür gewertet wurden, dass der Heilungsprozess begonnen hatte.
1784 ließ die französische Regierung das Phänomen des > Mesmerismus und die Ereignisse um das B. durch die Medizinische Fakultät und die Königliche Medizinische Gesellschaft untersuchen. Die Kommission, unter Vorsitz des auf Besuch weilenden Amerikaners Benjamin Franklin, verneinte die Existenz jedweden magischen Fluidums. Die Aussagen der Kommission veranlassten Michael A. > Thouret, sich mit dem > Animalischen Magnetismus zu befassen. Er kam dabei auf die Idee, dass das mesmerische Phänomen nicht von einem Ferro-Magnetismus ausgelöst werde, sondern mit einer dem lebenden Organismus inhärenten Kraft zu tun habe. Auf das hin ersetzte Marquis de > Puységur 1785 das B. durch einen Baum, den er magnetisierte. Die Patienten wurden mit diesem durch Seile anstatt durch Eisenstäbe in Verbindung gebracht. Im gleichen Jahr errichtete ein gewisser Dr. Bell eine ähnliche Institution in England, wobei er einen großen Eichenzuber verwendete.

Lit.: Franz Anton Mesmer und die Geschichte des Mesmerismus: Beiträge zum internationalen wissenschaftlichen Symposion anlässlich des 250. Geburtstages von Mesmer, 10. bis 13. Mai 1984 in Meersburg / Im Auftrag des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Freiburg und der Stadt Meersburg. Stuttgart: Franz Steiner Verlag Wiesbaden GmbH, 1985; Wolters, Gereon (Hg.): Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus: Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Konstanz: Univ.-Verl. Konstanz, 1988; Williams, William F. (Hg.): Encyclopedia of Pseudoscience. Chicago; London: Fitzroy Dearborn Publishers, 2000.

Bär, ein Raubtier, das – wie Felsenbilder und Knochenfunde beweisen – seit Jahrtausenden von den Menschen gleichermaßen verehrt und gefürchtet wird. Seine mächtige Gestalt und sein schlürfender Gang, der in Kontrast zu seiner Schnelligkeit und Geschicklichkeit steht, sind von vielen Legenden umwoben. So hatte der B. schon in prähistorischer Zeit kultische Bedeutung. Nach den Ainu und Giljaken übernimmt die Seele des geopferten B. eine Mittlerrolle zwischen Menschen und Göttern. In der keltischen Mythologie war > Artio eine Bärengöttin. Den Germanen dienten Zähne und Klauen des Bären als Amulette. Im Volksglauben der Russen und anderer Völker gilt der B. als verwandelter Mensch, was besonders in den Märchen seinen Niederschlag findet.
Verschiedene Völker, wie die Wogulen und Ostjaken, haben die Vorstellung, dass sie von einem B. abstammen, der ihnen das Feuer gebracht hat. Als Nachttier und wegen seines Verschwindens während des Winterschlafes wurde der B. in Sibirien und Alaska mit dem > Mond in Verbindung gebracht und in der Kunst gelegentlich zum Symbol für Alter und Tod des Menschen verwendet.
In Griechenland hatte die Göttin > Artemis eine besondere Beziehung zum B. So hießen ihre Dienerinnen in Athen arktoi, Bärinnen.
Die Kraft des Bären fand besonders auch in der Heilkunde ihren Niederschlag. Die Lakota-Sioux schreiben dem B. Heilkräfte zu, weshalb ihre Schamanen den Bärengeist suchen und Heilkräuter benutzen, deren Macht von ihm stammen soll. Die angeblich heilende Kraft des Bären kommt auch in zahlreichen Apothekennamen zum Ausdruck.
Macht und Gefährlichkeit brandmarken den B. aber nicht zuletzt auch als Dämon, insbesondere als Vegetationsdämon und Buhlteufel der Hexen. Andererseits ist das an und für sich gutmütige Tier ein treuer Begleiter von Heiligen, wie Korbinian, Romedius, Lukan, Gallus, Magnus, Severin, Columban und Maximin. Schließlich ist er wegen seiner Stärke auch noch ein beliebtes Wappentier, wie etwa für Berlin und Bern.

Lit.: Meyer, Elard Hugo: Mythologie der Germanen. Straßburg: K. J. Trübner, 1903; Slwawik, A.: Zum Problem des Bärfestes bei den Ainu und Giljaken. Wiener Beiträge zur Kulturgeschichte und Linguistik 9 (1952); Narr, K. J.: Bärenzerimoniell und Schamanismus in der älteren Steinzeit. Saeculum 10 (1959); Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bde, Berlin: W. de Gruyter, 1987; Die Mythologie der Neuen Welt: die Enzyklopädie über Götter, Geister und mythische Stätten in Nord-, Meso- und Südamerika / David M. Jones. Reichelsheim: Edition XXV, 2001; Grimm, Jacob: Deutsche Mythologie. Unveränd. Nachdr. der 4. Aufl. mit Bearb. von Elard H. Meyer 1875–78. Wiesbaden: Fourier Verl, 2003; Der Berliner Bär. Kleine Geschichte eines Stadtsymbols. Berliner Forum 2 (1979).

Baraduc, Hippolyte (1850–1909), französischer Erforscher der > Bioenergie und > Gedankenfotografie; arbeitete als Magnetopath, d. h., er behandelte Krankheiten auf der Basis der Lehre des > Animalischen Magnetismus. So ließen sich die Damen der höheren Gesellschaft von ihm behandeln, weil anscheinend nur er mit Neurosen fertig wurde. In seinem Forscherdrang versuchte er dann die Ausstrahlungen des menschlichen Körpers durch Messungen unter Beweis zu stellen. Zu diesem Zweck gab er zwei Magnetometer vor sich auf den Tisch. Bei Annäherung mit seinen beiden Händen stellte B. fest, dass die rechte Hand die Nadel des rechten Geräts um etwa 15 Grad anzog und die linke Hand die Nadel des linken Geräts um 5 Grad abstieß. Die Kraft der linken Hand nannte er Expir und die Kraft, die über die rechte Hand in den Körper einfloss, Aspir.
Wenn also der Körper fünf Einheiten abgibt und 15 Einheiten aufnimmt, bleibt ein Unterschied von 10 Einheiten, die eine spezifische Batterie aufladen, welche uns mit psychischen Kräften versorgt, die wir nach außen abgeben können. Die > Vitalseele atme gewissermaßen mit dem Aspir ein und mit dem Expir aus. Dieses Ein- und Ausatmen der Vitalseele könne durch Fotografieren des fluidischen Unsichtbaren (iconographie de l’invisible fluidique) sichtbar gemacht werden. Zu diesem Zweck genüge es zunächst, eine fotografische Platte zwischen die Fingerspitzen der rechten und linken Hand zu geben oder in ihre Nähe zu stellen. Diese Methode nannte er Ikonographie (griech., Bilddarstellung), weil nicht Licht, sondern ein elektro-vitaler Strom, den man als inneres Licht bezeichnen könne, nämlich die innerste Seele, auf die Platte einwirke, wodurch sich die verschiedenen psychischen Zustände festhalten ließen.
Für das Entstehen der Ikonographie nennt er vier Voraussetzungen: 1. den Operator; 2. das elektrische Fluid und die kosmische Atmosphäre zwischen ihm und der Platte; 3. die empfindliche Platte, die den entstehenden Strom aufnimmt und fixiert; 4. das Unsichtbare, das – durch den menschlichen Willen hervorgerufen – durch eine pulsierende Atmung zur Verfügung gestellt wird, was den Strom erzeugt und verstärkt, der die Kräfte aus der Umgebung und das, was einer universellen Lebenskraft oder Intelligenz angehört, anzieht. Für die Aufnahme solcher Einwirkungen der Vitalseele verwendete B. eine Fotokamera und einen Elektrorasierer, wobei er den Strom nur zur Verstärkung der Phänomene benutzte. Zudem arbeitete er mit nassen, trockenen, bloßen, und eingewickelten Platten. In seinem Buch L’ame humaine (Paris, 1896) führt er bei all seinen 70 Aufnahmen die verwendeten Hilfsmittel genau an. Dabei zeigt er auch Bilder, die ohne Elektrizität, ohne Kamera, sondern nur mit der rechten Hand entstanden sind. Bei der Fotografie von Gedanken bedarf es nach B. jedoch einer bestimmten Willensanstrengung: „Dann muss das Bewusstsein im Geist mit Kraft und Genauigkeit jenes Bild erfassen, dem es einen fluidischen Körper geben will“ (nach Krauss, 55)
1895 legte B. der französischen Akademie der Medizin eine Gedenkschrift über seine Arbeiten vor. Die Kritik verhielt sich zurückhaltend bis ablehnend. Offenbar war man auf eine solche Darstellung nicht vorbereitet.
1907 fotografierte B. neun Stunden nach dem Tod seines Sohnes André den Sarg, in dem der Leichnam lag. Die Aufnahme zeigte einen formlosen Nebel vom Sarg aufsteigen. Sechs Monate später fotografierte er seine sterbende Frau. Auf den entwickelten Platten fand er geradewegs über ihrem Körper drei leuchtende Sphären, die dünne Lichtfinger ausstrahlten.
Der von ihm konstruierte > Biometer diente dem Nachweis einer Nervenkraft und einer unbekannten Vibration außerhalb des Körpers. 
Seine Fotografien, die in die Geschichte eingingen und viele Fragen offen lassen,  regten Annie > Besant und Charles Webster > Leadbeater zu ihren > Gedankenformen an.

W.: Iconographie de la force vitale cosmique od. Extrait de “L'Ame humaine, ses mouvements, ses lumières” / Baraduc, Hippolyte Ferdinand (1850–1909) / G. Carré / 1896;  L'Ame humaine, ses mouvements, ses lumières, et l'iconographie de l'invisible fluidique, par le Dr H. Baraduc. Paris: G. Carré, 1896; Baraduc, Hippolyte: La force curatrice à Lourdes e la psychologie de miracle. Paris, C. A. Mann, 1909; La force vitale: notre corps vital fluidique, sa formule biométrique [Texte imprimé] / Baraduc, Hippolyte Ferdinand (1850–1909) / Editions du Cosmogone / 1996.
Lit.: Krauss, Rolf H.: Jenseits von Licht und Schatten: die Rolle der Photographie bei bestimmten paranormalen Phänomenen – ein historischer Abriss. Marburg: Jonas Verlag, 1992.

Baraka (arab., „Segen“), im Islam eine Kraft, die ursprünglich von > Allah ausgeht, jedoch auf Menschen und Gegenstände übertragen werden kann. Es handelt sich dabei um einen Segen oder Schutz, den Gott bestimmen Personen (Heiligen und Scherifen), Orten (Gräbern von > Marabuts), Gegenständen (dem Ölbaum) oder Daten (der 27. Nacht im > Ramadan) gewähren kann. B. kann aber auch durch das Berühren eines Schreins oder Grabes eines > Wali (heilige Persönlichkeit) und insbesondere durch den > Schwarzen Stein erlangt werden. Die Kraft soll zudem einem Koranexemplar, der Hennapflanze (> Henna), bestimmten Quellen u. Ä. innewohnen.
Das Wort B., dessen allgemeine Bedeutung „Glück“ ist, erscheint daher auch in zahlreichen Dankes-, Wunsch- und Begrüßungsformeln des religiösen und täglichen Lebens.
Da das Wort aus einer semitischen Wurzel hervorgegangen ist, hat die hebräische Bezeichnung barakh dieselbe Bedeutung. Zudem entsprechen dem hebräischen Vornamen Baruch die arabischen Vornahmen Mabruk, Mubarak (der „Gesegnete“) usw.

Lit.: Schimmel, Annemarie: Die Zeichen Gottes. 2., unveränd. Aufl. München: Beck, 1995.

Barastir (Barastaer), der Herrscher und Torhüter der Totenwelt der Osseten im Kaukasus. Er führt die Toten zu ihrem Platz im Paradies oder aber zu ihrem Platz in der trostlosen Unterwelt.

Lit.: Aus Tränen baut man keinen Turm: ein kaukasischer Spruchbeutel; Weisheiten der Adygen, Dagestaner und Osseten / hrsg. und aus dem Russ. übertr. von Gisela Reller. Ill. von Wolfgang Würfel. Berlin: Eulenspiegel-Verlag, 21985; Die Narten, Söhne der Sonne: Mythen und Heldensagen der Skythen, Sarmaten und Osseten / übers. u. hrsg. von André Sikojev. [Mit 41 Zeichn. von Antonia Gruenstein]. Köln: Diederichs, 1985.

Barau, Bezeichnung für einen > Hexer in Polynesien.

Lit.: Randi, James: Lexikon der übersinnlichen Phänomene: die Wahrheit über die paranormale Welt / Wulf Bergner [Übers.]. München: Wilhelm Heyne, 2001.

Barbagli, Domenica (1812–1859), Terziarin des Servitenordens, lebte 33 Jahre an das Bett gefesselt in Monte San Savino bei Arezzo in Italien. Nach der Kommunion geriet sie in Ekstase und schwebte wie ein Feder über ihrem Bett.
 
Lit.: Bouflet, Joachim: Encyclopédie des phénomènes extraordinaires dans la vie mystique. Tome 1: Phénomènes objectifs / Présentation de René Laurentin. Paris: F. X. de Guibert (O.E.I.L.), 1992.

Barbanell, Maurice, englischer Verleger und Autor, geb. 3. Mai 1902 in London, gest. 24. Juli 1981; 1932 gründete er mit Arthur > Findlay die Zeitschrift  Psychic News, die er bis 1946 und dann wiederum von 1960 bis zu seinem Tod herausgab. Von 1952 an war er Herausgeber der Wochenzeitung Two Worlds, die sich mit Spiritismus und psychischen Phänomenen befasste. B. interessierte sich vor allem für das Gesamtgebiet des > Mediumismus und der paranormalen Heilung, schrieb mehrere Bücher, Artikel und Beiträge zum Spiritualismus und war felsenfest vom Fortleben nach dem Tode überzeugt (Mitbegründer des Survival Joint Research Committee Trust).

W.: The Case of Helen Duncan. London: Psychic Press, 1945; Keep the Rome Fires Burning: A Reply to Spiritualism as Spiritualists Have Written of it by the Rev. H. V. O'Neill. London: Psychic Press Ltd., 1946; This is Spiritualism. London: H. Jenkins, 1959; Born to Heal. A Biography of Harry Edwards ... (New and revised impression.) With a postscript by Maurice Barbanell. London: Spiritualist Press, 1962; He Walks in Two Worlds; the Story of John Myers, Psychic Photographer, Healer, and Philanthropist. London: H. Jenkins, 1964; I Hear a Voice: A Biography of E. G. Fricker the Healer. London: Spiritualist Press, 1968; The Barbanell Report / transmitted to Marie Cherrie; ed. and with an introduction by Paul Beard. Tasburgh, Norwich, England :Pilgrim Books, 1987; Where There's a Will. Northamptonshire, England: Aquarian Press; New York, N.Y.: Distributed by Sterling Pub. Co., 1988.

Barbank, Luther (1849–1926), amerikanischer Gärtner und Pflanzenzüchter, der mehr als 1000 Neuzüchtungen erzielte, darunter kernlose Pflaumen, einen stachellosen Kaktus und eine Kartoffel, die seinen Namen trägt. Er attestierte den Pflanzen eine Vielfalt von Sinneswahrnehmungen und war überzeugt, dass liebevolle Zuwendung (z. B. mit der Pflanze sprechen) die Pflanzen stimuliere und positiv beeinflusse.

Lit.: Barbank, Luther: Die Zucht der Menschenpflanze. Leipzig: O. R. Reisland, 1926.

Barbara (griech. „die Fremde“; sumer. „Sonne“), Heilige, Märtyrerin, Fest: 4. Dezember, gehört zu den 14 Nothelfern. Der Legende nach stammte sie aus Nikomedien (dem heutigen Izmit in der Türkei) oder aus Heliopolis (dem heutigen Baalbek im Libanon) und erlitt 306 (?) möglicherweise unter Galerius Valerius Maximinus, genannt Daja, den Märtyrertod. Nach einer anderen Fassung soll ihr heidnischer Vater sie ihrer Schönheit wegen in einen Turm gesperrt haben, wo sie als Symbol der Trinität ein drittes Fenster in das Mauerwerk brechen ließ. Als Christin verfolgt, öffnete sich ihr auf der Flucht ein Felsen. Von einem Hirten verraten, wurde sie gemartert und von ihrem eigenen Vater enthauptet. Diesen erschlug daraufhin ein Blitz. Vor ihrem Tod hatte B. die Verheißung erhalten, dass keiner, der sie anruft, ohne Sakramentenempfang sterben werde. Ihre Gebeine sollen um 1000 nach Venedig gekommen und von dort in das Kloster S. Giovanni Evangelista nach Torcello gebracht worden sein.
B. wurde zunächst im Osten verehrt, im Westen setzte die Verehrung um 700 ein. Im 14. Jh. wurden dann die Bergbaugebiete in Sachsen, Schlesien und Böhmen besondere Kultlandschaften der Heiligen. Der 4. Dezember ist ein Festtag vor allem für die Berg- und Grubenarbeiter, für die Artilleristen, Baumeister, Turmwächter, Feuerwehrleute, Glockengießer und Glöckner. B. gilt auch als die Schutzheilige der Schwerstverwundeten und Sterbenden.
Der 4. Dezember war aber schon in vorchristlicher Zeit ein besonderer Tag: > Frau Holle, > Bertha, > Perchta > Holda und andere Zaubergestalten erschienen am Vortag und erschreckten die Menschen.
Im Gegensatz zu diesen Schreckgestalten haben Schönheit und Martyrium der B. ihren Festtag mit positiven Weissagungsbräuchen geschmückt. Zweige, > Barbarazweige genannt, die am 4. Dezember geschnitten und ins Wasser gegeben werden, blühen am Heiligen Abend auf und die Wünsche, die auf einem Zettel an die Zweige gehängt werden, gehen angeblich in Erfüllung. Als Zweige dienen für gewöhnlich Weichsel, wilde Kirsche, Apfelbaum und Rotdorn. Der Barbaratag am Beginn der Kirchenjahres war auch ein Termin für die > Zukunftsschau.
1969 wurde das Fest als legendär aus dem Calendarium Romanum gestrichen, 1972 aber in den Regional-Kalender als nicht gebotener Gedenktag wieder aufgenommen.

Lit.: Brzoska, Emil: Barbaraverehrung und Bergbau mit Berücksichtigung des oberschlesischen Industriegebiets. Heiligenkult u. Wirtschaft. Dülmen: Laumann-V., 1982; Eberhart, Helmut: Hl. Barbara: Legende, Darstellung und Tradition einer populären Heiligen. Graz: Verl. für Sammler, 1988.

Barbarazweige (früher häufig auch als Barbarabäume bezeichnet), kleine Äste, die nach altem Brauch am 4. Dezember, dem Gedenktag der hl. > Barbara, geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt werden. Bei den Ästen handelt es sich je nach Gegend und Brauchtum um Kirsch-, Apfel-, Haselnuss-, Rosskastanien-, Birken-, Holunder-, Aprikosen-, Kastanien-, Pflaumen-, Pfirsich-, Rot-, Weiß- und Schwarzdorn- oder Forsythienzweige. Diese sollen bis zum Heiligen Abend blühen und damit in der kargen Winterzeit ein wenig Leben in die Wohnung sowie im neuen Jahr Glück bringen. Schriftlich nachgewiesen ist der Barbarabaum seit dem 13. Jh.; zusammen mit dem Barbara-Weizen gilt er als einer der Ursprünge des Weihnachtsbaumes. In machen Familien wird für jedes Mitglied ein besonderer Zweig aufgestellt. Wessen Zweig zuerst oder besonders schön blüht, hat Glück zu erwarten. So schreibt man dem B. auch magische Kräfte zu.
Martin Greif hat dem Brauch in seinem Gedicht „Barbarazweige“ ein Denkmal gesetzt.

Lit.: Baumgarten, Amand: Das Jahr und seine Tage in Meinung und Brauch der Heimat. Linz: Pirngruber, 1927; Nussbaumer-Keller, Marie-Louise: Der Barbarazweig: Geschichten zur Advents- und Weihnachtszeit. Selbstverlag, 2004; Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg i. Br.: Herder, 2007.

Barbaric, Slavko, Franziskaner und Seelsorger in > Medjugorje. B. wurde am 11. November 1946 im bosnisch-herzegovinischen Dragicina, Pfarrei Cerin, unweit von Citluk, als viertes von sechs Kindern geboren und starb am 24. November 2000 in Medjugorje. 1965 trat er in den Franziskanerorden ein. Seine philosophischen und theologischen Studien absolvierte er in Visoko, Sarajevo, Schwaz, Freiburg und Graz und legte am 17. September 1971 im Kloster La Verna am Monte Penna, Italien, die Gelübde ab. Am 19. Dezember 1971 wurde er in Reutte in Tirol, Österreich, zum Priester geweiht. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Seelsorge studierte er von 1978 bis 1982 in Freiburg, Deutschland, Psychologie und Religionspädagogik und beschloss das Studium mit dem Doktorat. 1983 wurde er nach Medjugorje versetzt, wo seit Juni 1981 von täglichen > Marienerscheinungen die Rede war. Er wollte, seiner Ausbildung entsprechend, dem „Spuk“ ein rasches Ende setzen, gelangte jedoch nach eingehendem Studium zur Überzeugung, dass die Vorkommnisse echt seien. Damit kam er nicht nur in Konflikt mit den kommunistischen Machthabern, sondern auch mit dem Bischof von Mostar, Pavao Zanic, der nach anfänglicher Bejahung der Erscheinungen zum offenen Gegner wurde. B. setzte sich nun, seiner Überzeugung folgend, vorbehaltlos und ohne Rücksicht auf seine Gesundheit für die Seelsorge an diesem neuen Wallfahrtsort ein. Selbst zwischenzeitliche Zwangsversetzungen in verschiedene Pfarreien und Aufgabengebiete änderten nichts daran, nachdem sich auch anerkannte Professoren verschiedener Fachrichtungen aus aller Welt in umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen für die Echtheit der Ekstasen ausgesprochen hatten.
Mit grenzenloser Hingabe wandte sich B. nun den Pilgern zu, die in Strömen nach Medjugorje kamen. So hielt er unzählige Gebetsseminare ab, baute das „Mutterdorf“ (Majcino Selo) für Waisenkinder des Bosnienkrieges (1992–1995), gliederte einen großen Kindergarten an, wirkte überaus erfolgreich als Hausseelsorger im Drogenzentrum „Campo della vita“ in Medjugorje und rief Stiftungen für die Kinder gefallener Soldaten und für Theologiestudenten ins Leben. Daneben schrieb er noch Dutzende von Büchern mit einer Gesamtauflage von über 20 Millionen in mehr als 20 Sprachen und weltweit zahlreiche Artikel in verschiedenen Zeitschriften. Zudem war B. maßgeblich an der Gründung des Rundfunksenders „Radio Mir (Friede) Medjugorje“ beteiligt.
Dieser unendliche Einsatz blieb jedoch nicht ohne Folgen. Als ob er sein nahes Ende geahnt hätte, ersuchte er 1997 Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch in Innsbruck, eine neuerliche Untersuchung durchzuführen, die dann 1998 im Auftrag des damaligen Pfarrers von Medjugorje, P. Ivan Landeka, durch 15 Fachleute verschiedenster Disziplinen, vor allem der Medizin, zustande kam. Es war dies die umfangreichste Untersuchung derartiger Phänomene in der Geschichte der Kirche. Verlauf und Ergebnisse wurden in Bild, Ton und Schrift dokumentiert. Auch diese Untersuchungen bestätigten die physische und geistige Gesundheit der Seher sowie die Echtheit ihrer Erinnerungen an die Erscheinungserlebnisse der ersten 10 Tage nach 17 Jahren. Zudem konnte durch den Vergleich von > Hypnose und > Ekstase erstmals der Unterschied von Hypnose und Ekstase eindeutig bewiesen werden, womit auch gesagt ist, dass eine Ekstase durch > Suggestion nicht hervorgerufen werden kann.
Diese Untersuchungen, an denen B. zu Beginn noch persönlich teilnahm, verschärften die Gangart seiner Gegner, insbesondere des Bischofs von Mostar, Dr. Ratko Peric, des Nachfolger von Bischof Zanic: B. durfte schon länger keine Beichte mehr hören und sollte auch keine Gottesdienste mehr in Medjugorje feiern, ja sogar den Ort seines Wirkens verlassen. Doch noch bevor diese Frist, den Ort zu verlassen, ablief, starb B. am 24. November 2000 auf dem Kreuzberg in Medjugorje an akutem Herzversagen. Der Seligsprechungsprozess wird durch mehrere Initiativen angestrebt.

Lit.: Barbaric, Slavko: Umkehr als fundamentale Lehr- und Lernaufgabe christlicher Erwachsenenbildung: theol. Grundlegung, krit. Analyse d. theol.-andragog. Literatur u. empir.-analyt. Unters. d. Cursillo-Bewegung im deutschsprachigen Raum. Mit e. Geleitw. von Günter Biemer. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 1985; Resch, Andreas: I veggenti di Medjugorje: ricerca psicofisiologica 1998. M. e. Vorw. v. Ivan Landeka. Innsbruck: Resch, 2000; Resch, Andreas: Die Seher von Medjugorje im Griff der Wissenschaft. Innsbruck: Resch, 2005.

Barbarigo, Gregorio Giovanni, heilig (26. Mai 1960, Fest: 18. Juni), Kardinal, *16.9.1625 Venedig, †18. 6.1697 Padua. Nach Abschluss seines juristischen Studiums an der Universität Padua reiste er als Begleiter des venezianischen Gesandten Alvise Contarini nach Münster, um diesen bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden zu beraten. In Münster lernte er den päpstlichen Gesandten Fabio Chigi kennen, der später sein großer Förderer wurde.
1655 wurde B. zum Priester geweiht und 1656 berief ihn Chigi, der inzwischen als Alexander VII. den Stuhl Petri bestiegen hatte, nach Rom und betraute ihn mit der Koordinierung der Hilfe für die Pestkranken, für die sich B. auch persönlich als Priester, Krankenpfleger und Bestatter einsetzte. 1657 wurde er zum Bischof von Bergamo, drei Jahre später zum Kardinal und 1664 schließlich zum Bischof von Padua ernannt.
B. führte in seinen Diözesen umfangreiche Reformen durch, förderte die Seminare seiner beiden Bischofsstädte sowie das Studium der orientalischen Sprachen, weil er auf eine baldige Wiedervereinigung mit den Ostkirchen hoffte.
Der geschätzte Seelsorger, dessen Vorbild Karl Borromäus war, galt auch zweimal als aussichtsreicher Papst-Kandidat, doch winkte er beide Male ab.
Sein unversehrter Leib ruht im Dom von S. Maria Assunta in Padua.

Lit.: Chiericato, Giovanni Maria: Sulla vita del b. Gregorio card. Barbarigo, Vescovo di Padova: Riflessi tratti dalle opere di Giovanni Chiericato. Padova, 1897; Poletto, Giacomo: Nelle solennissime feste che Padova tributa al b. Gregorio Barbarigo nel secondo centenario della sua morte: Ode – Bassano, 1897.

Barbarossa, Christoph bzw. Rothbart, Christoph (*1562 Jever, †1623), protestantischer Pastor. Als Sohn des Superintendenten Peter Rothbart besuchte er die Schule in Hannover und studierte später in Wittenberg und Rostock, wo er seinen Magister erwarb. 1589 wurde er Prediger zu Ottendorf, 1597 zu Lüneburg und 1599 Hauptpastor in Altenbruch im Lande Hadeln, von wo er sich 1613 wegen seines Wirkens gegen die vermeintliche Lasterhaftigkeit der Gemeinde verabschieden musste. In diesem Kontext stehen ab 1610 seine veröffentlichten Predigten über das Fluchen, die Sünden der Menschen sowie die > Hexerei. Sodann dehnte er seine Ausführungen auf die > Hermetik und den Kreis der gelehrten > Magie aus, wie seine Schriften zu > Paracelus und über die > Rosenkreuzer zeigen.

W. (Auswahl): Valeth und Gesegenpredigt. Hamburg: Wolder, 1597; Extremum judicium. Das ist: Die gantze Lehr vom Jüngsten Tage/ vnd letzten Zukunfft des Herrn zu Gericht. Hannober: Holstein-Hildeßheim: Hantzsch, 1601; Elucidarius Chymicus. Oder/ Erleuchterung und deutliche Erklerung/ was die Fama fraternitatis vom Rosencreutz/ für Chymische Secreta de lapide Philosophorum, in ihrer Reformation der Welt/ mit verblümbten Worten versteckt haben. Lüneburg/Goslar: Stern/Vogt, 1616; Elucidarius Maior. Oder Erleuchterung uber die Reformation der gantzen weiten Welt/ F.C.R. auß ihrer Chymischen Hochzeit/ und sonst mit viel andern testimoniis Philosophorum. Lüneburg: Stern, 1617; Theophrastus non Theophrastus. Oder Deutliche Endeckung was von Theophrasto Paracelso zu halten sey/ ob er seine hohe Weißheit und Kunst von Gott oder dem Teufel gehabt. Lüneburg/Goslar: Stern/Vogt, 1617; Fluch- und Gottes-Lästerungs-Spiegel. Christoph Rodtbahrt. Rinteln: Lucius, 1632.

Barbatos, nach der > Pseudomonarchia daemonum ein Dämon, der vorher ein Engel war. Er erscheint, wenn die Sonne im Schützen steht, besitzt die Kenntnis aller Wissenschaften, das Wissen um verborgene Schätze und kennt Vergangenheit und Zukunft.

Lit.: Wierus, Joannes: Ioannis Wieri De Praestigiis Daemonum, et in cantationibus ac veneficiis: Libri sex; Acc. Liber apologeticus, et pseudomonarchia daemonum; Cum rerum ac verborum copioso indice. Postrema editione quinta aucti & recogniti. Basileae: Oporinus, 1577.

Barbelo, weibliches Prinzip in der > Gnosis, häufig als Komplement oder Abstufung der höchsten Gottheit. Die etymologische Herkunft ist ungeklärt. In der sethianischen Gnosis ist B. die Weltmutter, die aus den drei Äonen Kalyptos (Verborgener), Protophanes (Zuersterscheinender) und Autogenes (Selbstgezeugter) besteht. B. ist „männliche Jungfrau“, Gottes „erster Gedanke“, kann mit Gott und seinem Sohn (Christus) zu einer Trias gruppiert sein oder tritt als Weltmutter selbst in der oben genannten Äonentrias in Erscheinung.
Der Begriff B., auch Barbeloth, Barthenos, Barbero, kommt bei mehreren gnostischen Gruppen vor, so bei den > Nikolaiten und > Sethianern. In apologetischer Form wird B. von Irenäus (haer. I, 29, 1), Epiphanius (haer. 25, 2, 4) und Theoderet (haer. I, 13) genannt. Eine Herleitung von der alttestamentlichen Weisheit, Sophia, oder einer Muttergottheit (> Isis) betrifft primär nur die Weiblichkeit.
Im Johannesapokryphon trägt B. den Titel „Mutterschoß von allem“, „Mutter-Vater“ (griech. metropater), „der erste Mensch“, „der heilige Geist“ (griech. pneuma), und wird u. a. auch die „dreifach Männliche“, „die dreifach Empfangene“, die „Androgyne“ genannt.

Lit.: Leisegang, Hans: Die Gnosis. Stuttgart: Kröner, 51985; Brox, Norbert: Erleuchtung und Wiedergeburt: Aktualität der Gnosis. München: Kösel, 1989; Gnosis und Stoa: eine Untersuchung zum Apokryphon des Johannes / Onuki, Takashi. Freiburg, Schweiz: Univ.-Verl. [u. a.], 1989; The Apocryphon of John. Leiden: Brill, 1995; Bibel der Häretiker: die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi [erste deutsche Gesamtübersetzung] / eingeleitet, übers. und kommentiert von Gerd Lüdemann und Martina Janßen. Stuttgart: Radius-Verl, 1997; Gnosis: oder die Frage nach Herkunft und Ziel des Menschen / Albert Franz; Rentsch, Thomas [Hrsg]. Paderborn u. a.: Schöningh, 2002.

Barbelo-Gnostiker, allgemeine Bezeichnung aller Gruppierungen, die in den Mittelpunkt ihrer Lehren und ihres Kultus die Gestalt der > Barbelo oder Barbero stellen, welche ihren Namen der hebräischen Wort­verbindung Barbhe Eloha = „In der Vier ist Gott“ verdanke. Diese Gruppen treten bei den Kirchenvätern entweder als die Gnostiker schlechthin auf oder werden unter ihren Gruppennamen angeführt. Zu ihnen gehören die > Nikolaiten, > Phibioniten, > Stratiotiker, > Levitiker, > Borboriten, > Koddianer, >Zakchäer und > Barbeliten.
Die Barbelo-Gnostiker als solche werden von > Epiphanius (315–403), Bischof von Salomis auf Zypern, besonders erwähnt. Er begab sich etwa um das Jahr 335 als junger Mann von ca. zwanzig Jahren nach Ägyp­ten, wo er mit der Sekte in Verbindung kam, sich wieder von ihr löste und den Bischöfen der Stadt über das Treiben der Mitglieder berichtete, die daraufhin 80 Anhänger, die Christen waren, aus der Kirche ausschlossen.
In seiner Schrift Panarion haereses, der noch einzig vorhandenen Quelle über ihre kultischen Handlungen, d. h. in seinem „Arzneikasten“ gegen die Häresien, schreibt er (XXV, 2):
„Sie verehren eine gewisse Barbelo, von der sie sagen, dass sie oben im achten Himmel lebe, und sie sei aus dem Vater hervorgegangen. Sie aber ist, wie die einen sagen, die Mutter des Ialdabaoth, wie die anderen meinen, die des Sabaoth. Ihr Sohn aber führt die Herrschaft über den siebenten Himmel in tyrannischem Hochmut und spricht zu den ihm Untergebenen: ,Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir‘ [vgl. Jesaja 45, 5]. Barbelo aber hörte dieses Wort und weinte. Sie erscheint nun immer den Archonten in irgendeiner herrlichen Gestalt und beraubt sie ihres Samens durch Lust-Erguss, um auf diese Weise ihre in verschiedene Wesen zerstreute Kraft wiederum an sich zu bringen.“
Um dies zu verwirklichen, versammelte sich die Sekte zu sexualmagischen Riten, sammelte den Samen der Mitglieder ein und opferte diesen B. mit den Worten: „Wir bringen dir diese Gaben dar, den Leib des Christus“. Das Gleiche machten sie mit dem Menstruationsblut der Frau und sprachen dabei: „Das ist das Blut Christi“.
Durch diese Handlungen sollten Nachkommen weitgehend verhindert werden, um das Reich des Weltenschöpfers möglichst klein zu halten.

Lit.: Frick, Karl R. H.: Licht und Finsternis II: Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis an die Wende zum 20. Jahrhundert; Teil 1: Ursprünge und Anfänge. Graz: ADEVA, 1975; Leisegang, Hans: Die Gnosis. Stuttgart: Kröner, 51985; Epiphanius, Constantiensis: The Panarion of Epiphanius of Salamis / transl. by Frank Williams. Leiden [u. a.]: Brill, 1987.   

Barberi, Dominikus von der Gottesmutter, Seliger, geb. 22. Juni 1792 bei Viterbo, Italien, gest. am 27. August 1849 in Reading bei London. B. entstammte einer bäuerlichen Familie, konnte, früh verwaist, nicht einmal die Elementarschule besuchen und trat als Laienbruder in den Passionistenorden ein, wurde aber wegen seiner außerordentlichen Begabung zum Priestertum bestimmt. Seine späteren Werke schrieb er in italienischer, lateinischer, französischer und englischer Sprache. Die Bibel kannte er sozusagen auswendig.
Ab 1813 wurden ihm zahlreiche mystische Gaben zuteil: dauernde Passionsmeditation, Erscheinungen des Auferstandenen, Perioden innerer Trockenheit und das Erlebnis der mystischen Vermählung (1837). Als Theologiedozent für den Ordensnachwuchs kam er mit der damaligen Oxford-Bewegung in Verbindung, für die er sich besonders interessierte, weil er schon lange wusste, dass England das Feld seines Apostolats sein werde. 1840 gründete er  das erste Passionistenkloster in Belgien, 1842 die erste Niederlassung des Ordens in England. Dort kam er mit dem Freundeskreis der Oxford-Bewegung und mit John Henry Newman in Kontakt, den er zum Übertritt in die Katholische Kirche bewegte. Seine zahlreichen Schriften umfassen Meditationen, Predigten, Autobiographisches und Dialoge.
B. wurde am 27.10.1963 von Papst Paul VI. seliggesprochen  und gilt als „Apostel Englands“ im 19. Jh.

Lit.: Life and Letters of the Venerable Father Dominic, C.P., Founder of the Passionists in Belgium and England / by father Urban Young. London, 1926; Dominic Barberi in England: A New Series of Letters / translated and edited by father Urban Young; with an introduction by Denis Gwynn. London, 1935; Domenico della Madre di Dio: Traccia della divina misericordia per la conversione di un peccatore: memorie autobiografiche / Prefazione di P. Federico dell'Addolorata. Brescia, 1959; Domenico Barberi: L' azione divina sulla liberta umana / a cura di Adolfo Lippi. Roma, 1966; John Henry Newman / a cura del Sac. Pietro Innocenti. Viterbo, 1980; Barberi, Domenico della Madre di Dio: Scritti spirituali / a cura di Fabiano Giorgini. 1: Autobiografia e propositi dei suoi esercizi spirituali. Roma, [1986?]; 2: Commento al Cantico dei Cantici. Gemito della colomba. Roma, [1987?]; Lettera ai professori di Oxford: relazioni con Newman e i suoi amici / Domenico della Madre di Dio; a cura di Fabiano Giorgini. Roma, 1990.

Barbey d’Aurevilly, Jules (1808–1889), französischer satanistischer Schriftsteller im Umfeld der Schwarzen Romantik. Er stellt das Satanistische als ein Lebensprinzip dar. Bekannt sind u. a. die Werke L’Ensorcelée 1855 (Die Gebannte) und Les Diaboliques 1874 (Die Teuflischen), die auch ins Deutsche übersetzt wurden.

W.: Die Gebannte. Roman. Konstanz: Lingua-Verl, 1948; Die Teuflischen. Hamburg: XENOS-Verl.-Ges, 1988; Finsternis. Bremen: Manholt, 1999.

Barbieri, Clelia, Heilige, wurde am 13. Februar 1847 auf dem Landgut „Le Budrie“ in der Gemeinde von San Giovanni in Persiceto, Italien, geboren. Am 1. Mai 1868 gründete sie die Kongregation der Kleinen Schwestern der Schmerzensmutter. Am 31. Januar 1869 hatte sie während der hl. Messe eine Eingebung, die sie als „große Inspiration“ bezeichnete. B. starb am 13. Juli 1870 im Alter von 23 Jahren.
Ihre mystischen Phänomene bestanden vor allem in Ekstase, Levitation und Prophetie. Kurz vor ihrem Tod weissagte sie dem Institut: „Ich gehe, aber ich werde euch nie verlassen. Ich gehe in das Paradies und alle Schwestern, die in unserer Familie sterben, werden das ewige Leben haben.“ Am Jahrestag ihres Todes, am 13.7.1871, hörten die Schwestern beim gemeinsamen Gebet ihre Stimme, ein Phänomen, das sich auch später wiederholte:
„Beim Gebet hörten wir – fast alle – eine hohe Engelstimme, die unseren Chor begleitete, sich im Raum bewegend, bald an unserem Ohr, bald über uns. Wir erkannten sofort die Stimme Clelias und ihr Versprechen, uns nicht zu verlassen. Die Stimme blieb bei uns bis zum Abend. Wir entschieden uns, noch die ganze Nacht zu beten, und die Stimme war immer noch mit uns. Seitdem hat sie uns nicht mehr verlassen. Zu bemerken ist, dass nicht alle Schwestern die Stimme hör­ten...“ (Giovetti, S. 546).
Clelia Barbieri wurde am 27. Oktober 1969 von Papst Paul VI. selig- und am 9. April 1989 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

Lit.: Giovetti, Paola: Außergewöhnliche Phänomene im Leben von Mystikern und Heiligen. In: Andreas Resch: Paranormologie und Religion. Innsbruck: Resch, 1997 (Imago Mundi; 15); Resch, Andreas: Miracoli dei Santi. Volume V: 1983–1995. Vaticano: Libreria Editrice Vaticana, 2002; Resch, Andreas: I Santi di Giovanni Paolo II. Volume V: 1982–2004. Vaticano: Libreria Editrice Vaticana, 2007.

Barbo, Pietro, Papst Paul II. (30.8.1464 – 26.7.1471), geb. 1418 in Venedig, erkrankte als Kardinal in Ancona an der Pest und ließ sich daraufhin, da er nicht nach Rom reisen konnte, zum nahen Marienheiligtum von > Loreto bringen, um dort die Genesung zu erbitten. In diesem Marienheiligtum wird das Heilige Haus der Mutter Gottes von Nazareth verehrt, welches 1291 auf wunderbare Weise nach Tersatto im heutigen Kroatien und dann am 10. Dezember 1294 nach Loreto gebracht worden sein soll.
Die Bitte des Kardinals (genannt Pietro Barbo di Venezia) wurde erhört. B. erlebte innerhalb der Mauern des Heiligen Hauses die spontane und wundersame Heilung von der Pest und vernahm in einer „Privatoffenbarung“ der Madonna die Mitteilung, dass er Papst werden würde, wie das einige Tage später in Rom der Fall war, wo er am 30. August 1464 gleich beim ersten Scrutinium zum Papst gewählt wurde und sich Paul II. nannte. In seiner ersten Enzyklika vom 19. Oktober desselben Jahres bringt B. besonders seinen Dank an die Mutter von Loreto zum Ausdruck. Die Zusammenfassung dieser Enzyklika ließ der Leiter des Heiligen Hauses, R. Casali, in einen großen Marmorstreifen meißeln, der heute noch – eingemauert in der ersten Lisene des rechten Schiffes der Basilika von Loreto – zu sehen ist. Darin preist der Papst das Heiligtum, das durch seine großen Wunder berühmt wurde, mit den Worten: „Wir selbst haben sie in der eigenen Person erfahren“.

Lit.: Bartoli, Baldassare: Historische Beschreibung des Heil. Hauses zu Loreto. In einer wahrhafften Erzehlung nicht nur der Miraculeusen Uberbringung desselben, durch die Heil. Engel aus Nazareth in Galiläa nach Tersatto in Istrien, und nochmahls von dannen nach Loretto in Italien ...; Mit nöthigen und accuraten Kupffern versehen. Franckfurt: Buchner, 1725.

Barclay, Margaret (†1618), Ehefrau eines geachteten Bürgers von Irvine (Ayrshire) in Schottland, die 1618 infolge von Intrigen als Hexe denunziert und nach erzwungenem Geständnis stranguliert und verbrannt wurde.

Lit.: Pickering, David: Lexikon der Magie und Hexerei. Dt. Erstausgabe. Augsburg: Bechtermünz Verlag, 1999.

Bardaisan (Bar-Daisan, Bardesanes) syrischer Gnostiker, Theologe, Dichter, Philosoph und Astrologe am Hof König Abgars VIII. (177–212); geb. am 11. Juli 154 in Edessa, Mesopotamien, als Sohn heidnischer Eltern persischer oder parthischer Herkunft, wurde er Christ und starb 222 möglicherweise in der ehemaligen armenischen Hauptstatt Ani. Als Edessa von den Römern eingenommen wurde, ging er 216 nach Armenien.
Seine Lehre war stark gnostisch durchsetzt, entspricht aber keinem der großen gnostischen Systeme. Das Weltgeschehen kam nach ihm durch eine Vermischung der > Elemente mit der > Finsternis in Gang. Einen astrologischen Determinismus lehnte er ab, wenngleich er von der Beeinflussung der Seele durch die Sterne überzeugt war. Der Erlösungsvorgang begann mit der > Schöpfung. Die klare Erlöserfigur sei Christus. Erlangt die Seele Erkenntnis, könne sie mit Seiner Hilfe ihrer Vergangenheit in der bösen Materie entkommen und zum Brautgemach aufsteigen.
Durch diese sehr eigenwilligen Ansichten zog er sich das Missfallen von Ephraim von Edessa als Repräsentant der Amtskirche sowie späterer Autoren zu, was zum Verlust seiner Schriften führte, die heute weitgehend aus den Berichten seiner Gegner rekonstruiert werden. Erhalten ist ein Dialog über das Schicksal, bekannt unter dem Titel liber legum regionum, der in den recognitiones des Pseudo-Clemens (IX 19–20) in lateinischer Version und in der Praeparatio Evangelica (Buch VI 10, 1–48) des Eusebius von Cäsarea in griechischer Version zitiert wird.
B. ist auch als Verfasser von 150 syrischen Psalmen bekannt, von denen Fragmente erhalten sind. Arabische Traditionen erwähnen ein Evangelium des B., vielleicht identisch mit  Diatessaron. Sein Sohn Hermosios führte seine Lehre fort, die großen Einfluss auf das syrische Christentum des 3. Jhs. hatte.
 
Lit.: Drijvers, H. J. W.: The Book of the Laws of Countries: Dialogue on Fate of Bardaisan of Edessa. Assen: Van Gorcum & Co, 1965; Drijvers, Hendrik Jan Willem: Bardaisan of Edessa. Assen: van Gorcum, 1966; Kawerau, Peter: Das Christentum des Ostens. Stuttgart [u. a.]: Kohlhammer, 1972.

Barden, altkeltische Sänger und Dichter, die an den Königs- und Fürstenhäusern Schlachten- und Totengesänge, aber auch Preis- und Spottlieder vortrugen und mit einem der Leier ähnlichen Instrument begleiteten. Die B. bildeten einen eigenen Stand, der in Gallien mit der Romanisierung ausstarb. In Irland, Schottland und Wales hielt er sich hingegen noch Jahrhunderte. In Skandinavien, später auch in Island, wurden sie Skalden (Skall = Schall) genannt. Im 18. Jh. entstand in Deutschland eine die altdeutsche Zeit preisende Dichtung, die sog. Bardendichtung.
Verbindungen von Barden und > Druiden liegen im Bereich der Vermutung.

Lit.: Altenbach, Gilbert: Frankreich: Land der Barden und Druiden / Boune Legrais. München: Goldmann, 1991; Druiden, Barden, Menschenopfer. Die Welt der Kelten / Hrsg. Franz Metzger. Nürnberg: Sailer, 2003. 

Bardesanes > Bardaisan.

Bardewitt, ein Gott des Friedens, des Handels und der fünf Sinne bei den Wenden. Er wurde mit fünf Köpfen dargestellt und genoss in der Gegend um Wolgast besondere Verehrung.

Lit.: Gebhardi, Ludwig Albrecht: Älteste Geschichte der Wenden und Slaven und die Geschichte des Reichs der Wenden in Teutschland. Halle: Gebauer, 1790.

Bardha(t) (alban., „die Weißen“), weißliche Nebelgestalten, die nach dem albanischen Volksglauben als „weiße Mädchen“ unter der Erde wohnen. Sie entsprechen in etwa den > Elfen. Um sie gütig zu stimmen, streut man ihnen Zucker oder Kuchen aus. Stürzt ein Reiter vom Pferd, so sagt man im Volksmund: „Sein Pferd ist auf die B. getreten.“

Lit.: Elsie, Robert: Handbuch zur albanischen Volkskultur: Mythologie, Religion, Volksglaube, Sitten, Gebräuche und kulturelle Besonderheiten. Wiesbaden: Harrassowitz, 2002.

Barditus, der Schlachtgesang der Germanen, den sie mit an den Mund gehaltenen Schilden leise murmelnd begannen und zum lautesten Donner steigerten. Aus den daraus erfolgten Tönen glaubten sie den Erfolg eines Kampfes erahnen zu können (Tac. Germ. 3). Vom eben diesem Schlachtgeschrei spricht wohl auch Ammianus Marcellus (Amm. Marcell. XVI 12, 43; 17, 17).
Später führten die Römer diesen Schlachtgesang seiner mächtigen Wirkung wegen unter der allgemeinen Bezeichnung barritus ein (Amm. Marcell. XXI 13, 15).

Lit,: Tacitus, Cornelius: Germania: lateinisch-deutsch. Köln: Anaconda, 2006; Ammianus, Marcellinus: [Libri XIV–XVII]. Milano: Mondadori, 2008; Ammianus, Marcellinus: [Libri XVIII–XXIV]. Milano: Mondadori, 2008.

Bardo (tibet., „Zwischenzustand“), im tibetischen Buddhismus der Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt. „Bar“, bedeutet „zwischen“, und „do“ ist ein Zahlenbegriff. In der besonderen Bedeutung des Tibetischen Totenbuches ist „Bar-do“ ein Zustand zwischen zwei gleichen Zuständen, nämlich „zwischen zwei Leben“ oder Daseinsformen in körperlicher bzw. irdischer Gestalt. So wird mit „Bar-do“ eigentlich ein drittes Dasein benannt, nämlich der Daseinszustand des Menschen nach seinem Tod und vor seiner Wiedergeburt. Damit ist die buddhistische Vorstellung von der Kontinuität des Seins oder Lebens verbunden.
Dieser Zwischenzustand hat jedoch eine viel weitere Bedeutung als nur jene des nachtodlichen Daseinsweges. So gibt es eine ganze Anzahl von Zwischenzuständen. Dies hängt mit der buddhistischen Grundauffassung zusammen, dass es letzthin im Leben, im Erkennen, in allen Arten von Dasein und Form oder Materie nur Zwischenzustände gibt und keine definitiv unveränderlichen Formen.
Bereits in den Werken des > Hinayana- und > Mahayana-Buddhismus um das 2. Jh. finden sich Hinweise zu Vorstellungen eines Zustandes, der den Tod eines Individuums mit seiner nachfolgenden Wiedergeburt verbindet. Diese Konzeption wurde in der Lehre des > Vajrayana weiter ausgebaut, sodass in den > Naro Chödrug und im > Bardo Thödol sechs Arten des Zwischenzustandes unterschieden werden: 1. Bardo der Geburt; 2. Bardo der Träume; 3. Bardo der Versenkung (> Dhyana); 4. Bardo des Augenblicks des Todes; 5. Bardo der Höchsten Wirklichkeit (> Dharmata); 6. Bardo des Werdens. Die ersten drei umfassen das Diesseits als Phase von „Schwebezuständen“, die letzten drei den Zwischenzustand.
Die Dauer dieses Zwischenzustandes wird (zum größten Teil symbolisch) mit 49 Tagen angegeben. Durch Opfer und Gebete versuchen die Angehörigen, die Dauer dieses Zwischenzustandes zu verkürzen, dessen drei B. so aufeinander folgen: Im ersten erfolgt die Begegnung mit dem klaren Licht, um mit ihm in der spirituellen Herausforderung selbst als Licht zu verschmelzen und so die Befreiung zu erlangen. Gelingt das nicht, gerät man in das zweite Bardo, wo man Göttern und Dämonen begegnet. Erkennt der Verstorbene dabei, dass diese Wesen nur seine eigene Seele widerspiegeln, kommt es zu einer Verschmelzung mit dem Licht der Weisheit. Scheitert auch diese Begegnung, gelangt man in den dritten Bardo, in dem die Wiedergeburt geplant und vorbereitet wird.
Im Tibetischen Totenbuch, werden die Gefahren dieses Zwischenzustandes beschrieben und Verhaltensregeln angegeben. Zudem lehren die tibetischen Lamas eine Sterbetechnik, die den betreffenden Menschen durch diese Bardos hindurchführt, so dass er dem karmischen Kreislauf der Wiedergeburten entgeht und in das > Nirwana gelangt.

Lit.: Das Tibetanische Totenbuch oder Die Nach-Tod-Erfahrungen auf der Bardo-Stufe Olten; Freiburg i. Br.: Walter-Verlag, 101975; Lauf, Detlef-I.: Geheimlehren Tibetischer Totenbücher: Jenseitswelten und Wandlung nach dem Tode; ein west-östlicher Vergleich mit psychologischem Kommentar. Freiburg i. Br.: Aurum, 31979; Bowker, John (Hrsg.): Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999; Hummel, Reinhart: Reinkarnation: der Glaube an die Wiedergeburt. Freiburg u. a.: Herder, 1999.

Bardo Thödol (tibet., „Befreiung durch Hören im Zwischenzustand“), als Tibetisches Totenbuch bekannter Text aus einer Serie von Unterweisungen, die auf den buddhistischen Schriftgelehrten > Padmasambhava zurückgehen sollen. Dieser reiste 810 n. Chr. auf Einladung des tibetischen Königs Trisong Deutsen nach Tibet, blieb dort insgesamt 55 Jahre, lehrte den > Dharma und begründete auf diese Art den Buddhismus in Tibet und den Lamaismus. Der Text wurde im 14. Jh. als > Terma zu einem Lehrsystem ausgearbeitet. 
Ziel des B. T. ist es, den Verstorbenen über die eigentliche Natur der 49-tägigen Nachtodwelt zu unterrichten. Dabei sollte schon der Sterbende dem Tod nicht nur ruhig und klaren Geistes entgegengehen, sondern auch mit rechtgeführtem Bewusstsein. Ihm soll der Text klar und deutlich in das Ohr gesprochen werden, wobei der Betreffende drei- bis siebenmal beim Namen genannt wird. Daher setzt der Text dort ein, wo Fleisches- und Geistkörper sich voneinander zu lösen beginnen und der Schritt getan werden muss, den der B. T. „Verlegung des Bewusstseinsprinzips“ nennt und womit die drei Zwischenzustände (> Bardo) zu beschreiten sind, die im B. T. als Prozess des Sterbens und der Wiedergeburt beschrieben werden und eng mit der Lehre der drei Buddha-Körper (> Trikaya) zusammenhängen:
1. Mit dem Zerfall der äußeren Wirklichkeit und dem Einstieg in den Bardo wird das wahre Wesen des Geistes als ein blendend weißes Licht erfahren. Gelingt es dem Verstorbenen nicht, sich mit dieser Erfahrung zu identifizieren, fällt er in einen bewusstlosen Zustand. Es bildet sich ein sog. Bewusstseinskörper als Subjekt der kommenden Erfahrungen.
2. In dem 14 Tage dauernden Bardo der Höchsten Wirklichkeit (> Dharmata), die nun folgt, nimmt das Bewusstsein Formen von 42 friedvollen und 58 rasenden Gottheiten wahr, die als ein sich entfaltendes > Mandala in Erscheinung treten. Dabei wird durch die friedvollen Gottheiten der Aspekt der Leerheit und durch die rasenden Gottheiten der Aspekt der Klarheit repräsentiert. Diese Gottheiten sind Spiegelbilder der eigenen Seele.
3. Kann der Bewusstseinskörper auch dieses Mal die Lichterscheinungen nicht als seine eigene Projektion erkennen, beginnt der 28 Tage dauernde Zwischenzustand des Werdens, wobei das Bewusstsein in den ersten drei Wochen seine früheren Taten (> Karma) durchlebt. Erlangt es dabei noch immer keine Befreiung, stellt es sich dem Totenrichter > Yama und macht sich sodann in der letzten Woche, getrieben von seinen karmischen Bildekräften, auf die Suche nach einem der sechs Wiedergeburtsbereiche.
Alle drei Phasen bieten durch das Hören der entsprechenden Anweisungen die Möglichkeit, das Wesen des eigenen Geistes zu erkennen und das > Nirvana, die Befreiung, zu erlangen.

Lit.: Das tibetanische Totenbuch oder die Nachtod-Erfahrungen auf der Bardo-Stufe: [ein Weisheitsbuch der Menschheit] / nach der engl. Fassung des Lama Kazi Dawa-Samdup hrsg. von W. Y. Evans-Wentz. Im Auftr. des Hrsg. für die 7. Aufl. neu bearb., kommentiert und eingeleitet von Lama Anagarika Govinda. Übers. von Louise Göpfert-March. Mit einem Geleitw. und einem psycholog. Kommentar von C. G. Jung und einer Abh. von Sir John Woodroffe. Olten; Freiburg im Breisgau: Walter, 1991.

Bardo-Körper, ein leuchtender Körper, der dem früheren Körper ähnlich und mit gewissen Zeichen der Vervollkommnung ausgestattet ist. Er ist eine Gedankenform-Halluzination im Zwischenzustand (> Bardo), ein Wunschkörper. Dieser Körper ist seit der Trennung seines Geistes von seinem zurückgelassenen Körper nicht mehr grobstofflich und kann daher durch alle Hindernisse hindurchgehen.

Lit.: Das tibetanische Totenbuch oder die Nachtod-Erfahrungen auf der Bardo-Stufe: [ein Weisheitsbuch der Menschheit] / nach der engl. Fassung des Lama Kazi Dawa-Samdup hrsg. von W. Y. Evans-Wentz. Im Auftr. des Hrsg. für die 7. Aufl. neu bearb., kommentiert und eingeleitet von Lama Anagarika Govinda. Übers. von Louise Göpfert-March. Mit einem Geleitw. und einem psycholog. Kommentar von C. G. Jung und einer Abh. von Sir John Woodroffe. Olten; Freiburg im Breisgau: Walter, 1991.

Bardon, Franz, Okkultist und Schriftsteller, der vor allem durch seine Publikationen zur hermetischen Magie und > Kabbalah Bekanntheit erlangte, wurde am 1.12.1909 in Katherein bei Troppau (Opava), damals Österreich, heute Tschechien, geboren und starb am 10.7.1958 in Brno. In Opava besuchte er die Volks- und Bürgerschule und absolvierte eine Ausbildung als Mechaniker. Ab Ende der 1920er Jahre führte er seinem Publikum unter dem Künstlernamen Frabato (Abkürzung aus: Franz-Bardon-Troppau-Opava) auf der Bühne die Möglichkeiten der echten Magie vor Augen. Im Juni 1941 von den Nationalsozialisten in die Konzentrationslager Breslau und Troppau verschleppt und im Oktober desselben Jahres entlassen, arbeitete er bis Kriegsende als Heilpraktiker in München und dann bis 1951 in seiner Heimatstadt Opava.
Daraufhin bereitete er sich auf die Enthüllung der Geheimnisse der ersten drei Blätter des Tarot vor und legte seine Gedanken in den drei Lehrbüchern Der Weg zum wahren Adepten, Die Praxis der magischen Evokation und Der Schlüssel zur wahren Kabbalah nieder, die bis heute in mehreren Auflagen erschienen sind und vor allem in der Schweiz auf Interesse stoßen. In diesen Büchern beschreibt B. eine recht eigenständige Form der Magie. Den verborgenen Urgrund bezeichnet er mit den Begriffen Gott, Akasha, Tetragrammaton, Adonai oder auch Ätherprinzip, wohl um die westlichen und östlichen Systeme in eine Einheit zu bringen. Durch entsprechende Rituale könne jeder Mensch Kontakt mit den Geistwesen in den Sphären des Himmels aufnehmen, während alles, was als Wunder ausgegeben wird, durch niedere Naturgesetze erklärt werden könne.
Da B. mit seiner Heilpraxis auch ungewöhnliche Heilerfolge erzielte, setzte 1958 eine Hetzkampagne der etablierten Schulmediziner gegen ihn ein, die im April zur Verhaftung  und zu seinem Tod führte. Er starb während der Untersuchungshaft im Krankenhaus an einem alten Leiden, für das man ihm die Medikamente verweigert hatte. Auch die Errichtung einer Grabstätte wurde seiner Frau nicht gestattet.

W.: Der Weg zum wahren Adepten. Ein Lehrgang in 10 Stufen. Theorie u. Praxis. Freiburg i. Br.: Bauer, 1956; Die Praxis der magischen Evokation. Anleitung zur Anrufung von Wesen uns umgebender Sphären. Freiburg i. Br.: Bauer, 1956; Der Schlüssel zur wahren Quabbalah. Der Quabbalist als vollkommener Herrscher im Mikro- u. Makrokosmos. Freiburg i. Br.: Bauer, 1957; Frabato. Ein okkulter Roman. Freiburg i. Br.: Bauer, 1958.

Bärenhäuter, ein vieldeutiges, oft zur Schelte aber auch zur Bezeichnung von Gutmütigkeit verwendetes Wort, das bereits im Simplicissimus (3, 895–905) in einem Märchen beschrieben wird, wonach ein der Schlacht entronnener Landsknecht einem erlegten Bären die Haut abzieht und den Mantel so lange trägt, bis er endlich im Rhein gebadet hat und seiner wüsten Lebensart ledig geworden ist. Neben dieser Bedeutung des Verbergens der persönlichen Lebensschwächen ist die Bärenhaut auch Symbol der Kraft, Verachtung und des Ausgeschlossenseins, denn wäre er nicht ein B. gewesen, so hätte er, allen redlichen Soldaten zum Spott, die schändliche Arbeit nicht verrichtet ( Simpl. 1, 53). 
Diesen Erzählungen liegt folgende Grundbedeutung der Bärenhaut zugrunde: Der Krieger, der die Bärenhaut anlegt, kommt dem Bären selbst gleich, der sich im Winter auf die faule Haut legt und alles erträgt, weil er nichts spürt. Im Frühling zeigt er sich in seiner ureigentlichen Größe und Macht. In diesem Sinne ist der B. dem Aschenbrödel ähnlich, das eine Zeitlang der Schmutz der Küche birgt.

Lit.: Der aus dem Grab der Vergessenheit wieder erstandenen Simplicissimi abentheurlicher, und mit allerhand seltsamen, Begebenheiten angefüllter Leben-Wandel ... / / Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von. Nürnberg: Felszecker, 1713; Gaismaier, Josef: Die Bärenhäutersage: eine folkloristische Studie. Ried: Verlag des k. k. Gymnasiums, 1904.

Bärenkult, kultische Verehrung des Bären, vor allem des Braunbären (Ursus arctos), bei den Jägervölkern in weiten Teilen Nord-Eurasiens und im nördlichen Amerika, wo er wegen seiner imponierenden Kraft hoch angesehen ist. Das Tier wird während seiner Winterruhe lebend zur Siedlung gebracht, wo man ihm zu Ehren ein Fest ausrichtet, in dessen Verlauf es nach dem Singen bestimmter Lieder getötet wird. Dabei entschuldigt man sich bei ihm und beteuert seine Unschuld. Während die Knochen säuberlich bestattet werden, wird das Fleisch verzehrt. Das Volk ist fest davon überzeugt, dass der Bär als Dank für die ihm nach seinem Tod gewährte Verehrung den Anwesenden Glück bringt. Er wird schließlich durch magische Handlungen ins Leben zurückgerufen, d. h. man glaubt, der tote Bär habe sich in einen anderen verkörpert bzw. sei auferstanden.
Der bis in die Altsteinzeit zurückgehende Kult wurzelt in der Vorstellung von einem tiergestaltigen Stammvater der Menschen und in der erforderlichen Versöhnung mit dem Schutzgeist des überlisteten Tieres, damit das Wild die Jäger künftig nicht meide. Die ältesten Darstellungen finden sich auf den Felsbildern der südfranzösischen Höhlen.

Lit.: Paproth, Hans-Joachim: Studien über das Bärenzeremoniell. Uppsala: [Religionshistoriska inst.], 1976; Kohn, Mareile: Das Baerenzeremoniell in Nordamerika: der Baer im Jagdritual u. in der Vorstellungswelt der Montagnais-Naskapi-East Cree u. der Chippewa-Ojibwa. Hohenschaeftlarn: Renner, 1986.

Bärentraube (Arcostaphylos uva-ursi), auch Sandbeere, Wilder Buchsbaum, Wolfsbeere usw. genannt, ist ein immergrüner, bis 60 cm hoher Zwergstrauch aus der Familie der Heidekrautgewächse. Die Pflanze findet sich in hochgelegenen Gegenden nahe der Waldgrenze. Die Blätter ähneln jenen von Preiselbeeren, die jedoch keine netzartige Nervatur an der Blattunterseite aufweisen. Die Blüten sind klein und weiß, die Früchte beerenartig und von scharlachroter Farbe. Medizinisch verwendet werden die Blätter.
Diese sollen nach mythologischen und magischen Gesichtspunkten die psychischen Kräfte stärken.

Lit.: Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium; ein erweytertes wahrhaft ergötzliches Werk ueber die magischen Verrichthungen mit Kreuthern und den zauberischen Kräfften der Pflanzen sowie dehren medicinalischer Beteuthungen. 2., überarb. u. erg. Aufl. Speyer: Die Sanduhr – Fachverlag für altes Wissen, 1995; Ennet, Diether: Lexikon der Heilpflanzen: Wirkung, Anwendung, Botanik, Geschichte. Hamburg: Nikol, 2004.

Barfüßigkeit, bei vielen magischen und kultischen Handlungen geboten, dient dem unmittelbaren Kontakt mit der Erde und dem Kosmos, um sich in die Kräfte der Natur einzubringen und mit dem Kosmos in Wechselwirkung zu treten. Zudem steht Barfüßigkeit für das Ablegen der künstlichen Vereinnahmung der Füße zu ihrer ursprünglichen Begegnung mit der Welt. Barfüßiggehen hat auch eine zirkulationsfördernde Wirkung > Fußzonenmassage.

Lit.: Resch, Andreas: Kosmopathie: der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur. Innsbruck: Resch, 21986.

Barguest, ein bösartiger > Kobold in England und Wales, der mitunter auf Zäunen hockt – daher der Name. Dennoch ist die Herkunft des Wortes nicht völlig geklärt. Er wird auch mit dem > Berggeist in Zusammenhang gebracht oder – in Anspielung auf sein gelegentliches Auftreten als Bär – mit der deutschen Bezeichnung „Bärgeist“. Im Norden Englands wird B. häufig mit dem Phantom eines monströsen schwarzen Hundes mit gewaltigen Krallen, feurigen Augen und zottigem Fell identifiziert, der nicht selten als Todesbote fungiert.
Das Phantom des schwarzen Hundes ist in Großbritannien weit verbreitet, und fast jede Gegend hat ihre eigene Variante.

Lit.: Encyclopaedia metropolitana: or Universal dictionary of knowledge on an original plan: comprising the two-fold advantage of a philosophical and an alphabetical arrangement; with appropriate and entirely new engravings/ed. by Edward Smedley. London: Baldwin and Cradock, 1836.

Barjesus, auch Elymas, jüdischer Zauberer und falscher Prophet, der den Prokonsul Sergios Paulos, Statthalter von Zypern, von der Annahme des christlichen Glaubens abhalten wollte. Da blickte ihn der Apostel Paulus an und sagte: „Jetzt kommt die Hand des Herrn über dich. Du wirst blind sein und eine Zeitlang die Sonne nicht mehr sehen. Im selben Augenblick fiel Finsternis und Dunkel auf ihn...“ (Apg 13, 11)

Lit.: Haenchen, Ernst: Die Apostelgeschichte. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1977; Dormeyer, Detlev: Die Apostelgeschichte: ein Kommentar für die Praxis / Florencio Galindo. Stuttgart: Verl. Kath. Bibelwerk, 2003.

Barke, mastloses Boot, das im alten > Ägypten für die Nilschifffahrt eine große Rolle spielte, weshalb auch ihre Form größtenteils den Nilbooten entsprach. Sie wurde in den Bereich des Heiligen erhoben und trat an die Stelle des Sonnenwagens anderer Kulturen. An der Stelle der Kajüte stand der Naos mit dem Götterbild; Heck und Bug wurden vom Haupt des Gottes oder seines heiligen Tieres geschmückt. Am Tag durchfuhr die Sonne in der B. den Himmel und  in der Nacht durchquerte sie in der B. die Unterwelt. Bei Prozessionen wurde die B. gewöhnlich von Priestern auf der Schulter getragen. Sie diente der Gottheit als Sitz, wenn diese bei feierlichen Umzügen den Tempel verließen. Dabei sind zwei Formen zu unterscheiden. Die eine wurde bei Prozessionen zu Land verwendet und stand daher auf Schlittenkufen, um eventuell gezogen zu werden, die andere glich einer Sänfte und wurde getragen.
Berühmt ist die  B. des Osiris mit dem Namen > Neschmet, in welcher der Gott zu Beginn der Festspiele auszog und dann als vom Tode Erwachter wieder zurückkehrte. Daher wünschten sich die Ägypter nach ihrem Tod an der Fahrt der Neschmet teilzunehmen, zumal auch die Seele eines jeden Verstorbenen die nächtliche Welt durchfahren musste. Meist half ihr jedoch der > Re in der Sonnenbarke bei dieser gefährlichen Fahrt, auf der man, wie auf dem Nil, auf Sandbänke und Monster traf. Damit hängt auch zusammen, dass man den Verstorbenen zur Sicherheit kleinere Barkenmodelle als Grabbeilage mitgab.

Lit.: Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten / Übers. u. überarb. v. Alice Heyne. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränd. Aufl. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

Bärlapp bzw. Bärlappgewächse, Name einer Abteilung der Gefäßsporenpflanzen, zu der eine der wichtigsten Zauberpflanzen in der europäischen Tradition gehört, der Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum), eine in Nadelwäldern, an trockenen Hängen und in Heidelandschaften heimische, moosähnliche Pflanze mit weit umherkriechenden Stengeln und langstieligen Fruchtähren, die gelblichen Sporenstaub abgeben. Im Volksmund hat dieser B. viele Bezeichnungen, die ihm eine magische Kraft zuschreiben wie Alfkraut (> Alben, > Alp), Drudenbätzlein (> Drud), Drudenfuß, Drudenkraut, Drudengras, Hexenkraut, Hexenmoos, Hexentanz, Hexengürtel, Hexenranken, Mârmoos (> Mahr), Teuffelskraut, Teufelsband, Teufelshosenband, Toifl sei(n) Strumpfbandl (in Irland heißt die Pflanze devil’s garter, „Teufelsstrumpfband“), Teufelsblume, Teufelszwirn, Düwelsranken und Drachenschwanz..
Man nahm die Pflanze zum Schutz vor Hexen und Druden mit ins Bett, hängte sie über den Spiegel, um Bilder herum, in den Türrahmen oder über das Fenster, und wenn doch eine Drud ins Zimmer kam, bewegte sich die Pflanze (Marzell, 1487).
Die Namen anderer B.-Arten wie Truttenfuß für den Wacholder-Bärlapp (Lycopodium annotinum L.), Hexemoos für den Flachen Bärlapp (Lycopodium complanatum L.) oder Hexenkraut bzw. Verhexungskraut,lett. sawet-sahle, für den Tannen-Bärlapp (Lycopodium selago L.) legen ein weiteres Zeugnis für die magische Bedeutung der Bärlappgewächse ab.
Bärlappsporen wurden in Apotheken noch bis in dass 20. Jh. hinein als „Hexenmehl“ verkauft (Müller-Ebeling, 149).

Lit.: Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 2. Leipzig: Hirzel, 1972; Müller-Ebeling, Claudia u. a.: Hexenmedizin. Aarau, CH: AT, ²1999.

Barlow, Fred (†1964), britischer Fotoexperte und langjähriges Mitglied der SPR, befasste sich eingehend mit der > Geisterfotografie, wobei er nach anfänglicher Überzeugung zum Schluss kam, dass alle untersuchten sog. „Extras“ lediglich eine Kopie von bereits bestehenden Fotos oder Bildern waren. Bei seinem Tod ging seine Fotosammlung von Geisterfotografien an Eric J. > Dingwall, der sie katalogisierte und der okkulten Sektion der Abteilung gedruckter Bücher des Britischen Museums übergab.

Lit.: Rampling-Rose, W.: Report of an Investigation into Spirit-Photography. In: PSPR 41 (1933), 121; Dingwall, E. J.: The Need for Responsibility in Parapsychology. In: Paul Kurtz (ed.): A Skeptic's Handbook of Parapsychology. Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1985, p. 168.

Barnaud, Nicolas, französischer Arzt und Alchemist des 16. Jhs., der behauptete, den > Stein der Weisen gefunden zu haben. Er veröffentlichte eine Reihe kleinerer Schriften zur > Alchemie, die im 3. Band des Theatrum Chemicum von Zetzner enthalten sind.

Lit.: Theatrum chemicum, praecipuos selectorum auctorum tractatus de chemiae et lapidis philosophici antiquitate, veritate, iure, praestantia, & operationibus continens / [Hrsg.: Lazarus Zetzner]. Argentorati: Zetzner, 1613.

Barnett, Michael, englischer Energietherapeut. 1930 in London geboren, wurde B. nach Abschluss des Universitätsstudiums in Mathematik und Jura Geschäftsmann und Weltreisender. Nach London zurückgekehrt, initiierte er die Anti-Psychiatrie-Bewegung „People not Psychiatry“ und gründete sein eigenes „Growth Center“. 1974 wurde er Schüler des indischen Gurus > Bhagwan Shri Rajneesh, der ihn als Energiephänomen bezeichnete. Im Ashram in Poona war er an der Herausgabe von Bhagwans Büchern beteiligt und machte sich als Leiter von Intensivseminaren in Poona und anderen-Rajneesh Zentren einen Namen.
1982 verließ er die Bewegung, kreierte die „Wild Goose Company“ und sammelte einen großen Schülerkreis um sich. 1988 gründete B. am Lago Maggiore die „Michael Barnett Energy University“. Als dort der Platz für seine Schüler zu klein wurde, zog er 1993 auf ein Anwesen nach Frankreich, wo sich eine Landkommune mit eigener Schule bildete. 1996 heiratete er Mishka, die Mutter der zwei Jüngsten seiner sieben Kinder. Nach der Auflösung der Landkommune 1997 ging B. nach Freiburg in Deutschland, wo als Bezugspunkt seiner Vortragstätigkeit OneLife entstand.
B. veröffentlichte rund 30 Bücher, in denen er, wie in seinen unzähligen Vorträgen, die Herausforderungen des täglichen Lebens, das Ego, Liebe, Beziehungen, Meditation, Spiritualität unter Einbezug der Weisheit anderer spiritueller Lehrer, insbesondere des Zen, aufgreift.

W.: Der Soma-Weg: e. Erforschung d. inneren Wirklichkeit u. d. Welt jenseits d. Formen. Zürich: Cosmic Energy Connections (CEC), 1987; Handbuch für die Kunst des Springens. Zürich: CEC, 1987; Es gibt nichts Besseres: über Energie und Transformation. Zürich: CEC, 1990; Falltür ins Grenzenlose: eine Einladung zum Göttlichen. Orig.-Ausg. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1990; Das Herz des Universums. Zürich: CEC, 1991; Der menschliche Diamant: Körperkontakt mit dem Kosmos. Wessobrunn: Integral, 1991; Diamant-Yoga-Handbuch: durch einfache Bewegungen zu innerem Frieden, natürlicher Ekstase & Transformation. Zürich: CEC, 1993; Göttlicher Sex. Zürich: CEC, 1995; Rules for the World: International Organizations in Global Politics/Martha Finnemore. Ithaca [u. a.]: Cornell Univ. Press, 2004.
Lit.: Power in Global Governance/ed. by Michael Barnett and Raymond Duvall. Cambridge [u. a.]: Cambridge Univ. Press, 2005.

Baron Samedi (fr.), Baron Samstag, ist im neoafrikanischen Wodu-Kult auf Haiti der Name eines dunklen Totengottes oder Friedhofsherrschers neben dem homosexuellen Guédé Nibo und dem unheilbringenden Guédé Zoreille, deren Feste von 30. Oktober bis 3. November gefeiert werden.
Obwohl es heißt, er bleibe unsichtbar, wird B. als schwarz gekleideter Mann mit Zylinder und langem Bart dargestellt. Auf dem Friedhof ist ihm ein mit Kerzen und violetten Blumen geschmücktes Kreuz geweiht. Seine Anwesenheit tut er nur durch bestimmte Zeichen kund. Erweckt wird er durch das Getöse aufeinandergeschlagener Steine, denn als Beherrscher der Friedhöfe dürfen Gräber nur mit seiner Zustimmung geöffnet werden, um die exhumierten Leichen zu schwarzmagischen Zwecken oder zur Herstellung von > Talismanen und > Amuletten zu verwenden.

Lit.: Biedermann, Hans: Dämonen, Geister, dunkle Götter. Lexikon der furchterregenden mythischen Gestalten. Graz; Stuttgart: Leopold Stocker, 1989.

Baron, Pietro Renato wurde am 7. Dezember 1932 in Schio, Italien, geboren und starb dort am 2. September 2004. Nach einer soliden christlichen Erziehung durch seine Familie machte er in Abendkursen das Ingenieur-Diplom, arbeitete einige Jahre als Maschinentechniker in Textilfabriken und war dann bis zu seiner Pensionierung 1989 bei der Autobahngesellschaft in Piovene Rocchette mit Entwicklungsaufgaben von Autobahnen beschäftigt.
Am 5. Mai 1952 heiratete B. Margherita Menin. Von 1960 an wurde er mehrmals in den Gemeinderat von Schio gewählt und war dort von 1970 bis 1975 Stadtrat für die öffentlichen Arbeiten.
Am 25. März 1985 besuchte er das Kirchlein von San Martino und betete vor der Statue der Madonna den Rosenkranz, als er plötzlich das Empfinden hatte, das Leben weiche aus seinem Körper und die Seele entschwinde. „Um mich herum sah ich nichts mehr... Die Statue der Madonna begann zu sprechen und sich zu bewegen. Für mich war sie lebendig.“
Dieses Gefühl, dass das Leben entweiche und der Geist ihn verlasse, hatte er auch am nächsten Tag beim Besuch im Kirchlein, wo ihm eine Stimme mitteilte: „Ich bin es, ich bin Maria, ich bin die Mutter Gottes, ich bin es, die wahrhaftig zu dir spricht.“ Von da an war B. überzeugt, dass die Madonna zu ihm sprach, und die Menschen pilgerten zu ihm. Eine kirchliche Beurteilung steht noch aus. Der zuständige Bischof von Vicenza hat die seelsorgliche Betreuung der Pilger angeordnet.

W.: Botschaften der Königin der Liebe in San Martino di Schio: an Renato Baron; sämtliche Botschaften vom 3. April 1985 (Anfang der Erscheinungen) bis zum 24. Januar 1990 / [ins Dt. übertr. von Leonhard Wallisch]. Hauteville/Schweiz: Parvis-Verl., 1990.
Lit.: Rossi, Fausto: Die Königin der Liebe: die Erscheinungen in San Martino di Schio. Hauteville/Schweiz: Parvis-Verl., 1988.

Barqu, ein Dämon, der nach der Demonolatry-Liste das Geheimnis des Steins der Weisen hütet.

Lit.: Wierus, Joannes: Ioannis Wieri De Praestigiis Daemonum, et in cantationibus ac veneficiis: Libri sex; Acc. Liber apologeticus, et pseudomonarchia daemonum; Cum rerum ac verborum copioso indice. Postrema editione quinta aucti & recogniti. Basileae: Oporinus, 1577.

Barrett, Francis, englischer Okkultist, über dessen Leben fast nichts bekannt ist. Er scheint zwischen 1770 und 1780 in London geboren zu sein und unter den Studenten der Universität Cambridge einen magischen Zirkel gegründet zu haben. Bekannt wurde er durch sein Buch The Magus or Celestial Intelligencer: being a Complete System of Occult Philosophy, das 1801 in London erschien. Es besteht vor allem aus Auszügen aus den drei Büchern De Occulta Philosophia des > Agrippa von Nettesheim, aus dem Agrippa zugeschriebenen vierten Buch De Occulta Philosophia und aus dem 1655 von Robert Turner übersetzten Buch Heptameron des Petrus > Abano, die er leicht modifizierte und aktualisierte. Das Buch war als Handbuch bei fast allen Okkultisten des 19. Jhs. sehr geschätzt, die es bei ihren magischen Experimenten als Standardwerk der Magie heranzogen. Es soll u. a. auch Eliphas > Levi und die magischen Romane von Edward G. > Bulwer-Lytton,der sich für einen okkulten Eingeweihten hielt, beeinflusst haben.

Lit.: Barrett, Francis: The Magus, or Celestial Intelligencer: being a Complete System of Occult Philosophy. London, Lackington: Allen and Co., 1801; Wellingborough: Aquarian Press, 1989; Petrus, de Abano: Elementa magica heptameron, seu elementa magica Petri de Abano (1567).

Barrett, Sir William Fletcher (1844–1925), Physiker und Parapsychologe, geb. am 10. Februar 1844 in Jamaika, studierte in Manchester, England, war von 1873–1910 Professor für Experimentalphysik am Royal College of Science in Dublin, Irland, und trug durch seine Forschungen u. a. wesentlich zur Verbreitung des Telefons bei.
Bereits als 18-jähriger begann er mit Arbeiten auf dem Gebiet des Paranormalen und wollte 1863 die > Telepathie im Wachzustand nachweisen. Das Studium der mesmerischen > Trance lenkte sein Interesse auf die physikalischen Phänomene des > Spiritismus. 1874 begann er mit seinen ersten Untersuchungen.
Am 12. September 1876 überraschte B. in Glasgow die Mitglieder der hochangesehenen British Association for the Advancement of Science mit einem Vortrag zur Übertragung von Gedanken, Empfindungen und Gemütsbewegungen bei Hypnose unter dem Titel Some Phenomena Associated with Abnormal Conditions of Mind. Das Biological Committee lehnte diesen ab, die Anthropologische Untersektion nahm ihn nur aufgrund des Stimmentscheids des Vorsitzenden, Dr. Alfred Russel Wallace, an. Am Ende des Vortrags schlug B. die Bildung eines wissenschaftlichen Ausschusses zur systematischen Untersuchung der Phänomene von Mesmerismus und Spiritismus vor. Der Vorschlag wurde von William > Crookes, Dr. Wallace, Lord Rayleigh und Col. Lane Fox befürwortet, doch es geschah nichts, wahrscheinlich wegen des vier Tage später erfolgten Berichts von Professor Lancaster, dass er das Medium Henry > Slade entlarvt habe.
Im Januar 1882 B. eine Konferenz in die Räume der British National Association of Spiritualists ein. Auf dieser wurde dann am 20. Februar 1882 in London mit Frederic W. H. > Myers, Edmund > Gurney, Henry > Sidgwick und anderen die > Society for Psychical Research (SPR), die Gesellschaft für Psychische Forschung, gegründet, die ihre Arbeitsberichte Proceedings nannte. B. wurde zum Vizepräsidenten ernannt, 1904 war er Präsident der SPR. Von 1884–1899 gab er das Journal of SPR heraus und veröffentlichte darin sowie in den Proceedings fast ein halbes Jahrhundert lang Beiträge über seine Forschungen zu Telepathie, Mediumismus, Poltergeist und Erscheinungen. Seine Hauptuntersuchungen galten der Wünschelrutenfrage, deren Ergebnisse er in zwei Bänden herausgab.
Bei einem Besuch in den USA gab B. 1885 den Anstoß zur Gründung der > American Society for Psychical Research.
Seine vielfältigen paranormologischen Untersuchungen führten ihn zur Überzeugung, dass es nicht nur Telepathie und ein Fortleben nach dem Tode gibt, sondern dass man mit den Verstorbenen auch in Kontakt treten könne, wie sein Buch Deathbed Visions bezeugt.

W.: On Enoptic Vision; or, the Self-Examination of Objects Within the Eye. Dublin: William & Norgate, 1906;  On the Threshold of the Unseen. London, Kegan Paul, Trench,Trubner, 21917; Psychical Research. New and rev. ed. London: Williams & Norgate [u. a.], 1921; Deathbed Visions. London: Methuen,1926; The Divining Rod. London: Methuen, 1926; Death of the Soul: From Descartes to the Computer. First iss. as a paperback. Oxford [u. a.]: Oxford University Press, 1987.

Barsanuphius (lat. Barsonorius), Heiliger (Fest 6. Februar u. 11. April), asketischer Schriftsteller, † um 540 als Rekluse im Kloster Seridon bei Gaza in Palästina. Gemeinsam mit seinem Schüler Johannes, „dem Propheten“, schrieb er die Biblos psychophelestate, eine Sammlung von 850 geistlichen Briefen und Antworten, davon ca. 400 von B., denn die Mönche standen untereinander nur in brieflicher Verbindung. In diesen Briefen ist besonders vom Gebet die Rede. Zur höchsten Einigung mit dem Herrn führe das > Jesusgebet. Durch die Intensität des Gebets wird das Herz heiß. > Dorotheos zitiert B. häufig, weshalb diese Briefe in der orthodoxen > Mystik bekannt geblieben sind.
W.: Letters from the Desert: A Selection of Questions and Responses / Barsanuphius and John. Transl. and introd. by John Chryssavgis. Crestwood, NY: St. Vladimir's Seminary Press, 2003.

Lit.: Dietz, Matthias: Vom Reichtum des Schweigens: ein Zeugnis der Ostkirche; geistliche Antwortbriefe der Schweigemönche Barsanuph und seines Schülers Johannes (6. Jh.) / ausgew. und zum 1. Male ins Dt. übers. von Matthias Dietz. Zürich: Thomas-Verlag; Paderborn: Schöningh, 1963.

Barshamin oder Barshimnia, altarmenischer Gott. Der Name ist die armenische Bezeichnung des phönizischen Ba-ala-shamin, was „Herr des Himmels“ bedeutet, gleich dem > Bel der Babylonier.

Lit.: The Modern Encyclopedia of Religions in Russia and the Soviet Union. Vol. 3, ed. Paul D. Steeves (Gulf Breeze, FL: Academic International Press, 1991, S. 43–58.

Bart, Symbol für Männlichkeit und Kraft, ein langer, insbesondere weißer, Bart ist zudem ein Symbol für Weisheit. So wurden Götter, Herrscher und Helden meistens bärtig vorgestellt wie > Indra, > Zeus, > Hephaistos, > Posseidon, > Jahwe, der Gott der Juden und Christen.
Bei den > Ägyptern, die einen ausgesprochenen Sinn für Sauberkeit hatten, gab es seit den ersten Dynastien die Gewohnheit, sich das Haar zu schneiden und das Gesicht sorgfältig zu rasieren, eine Mode, die bis zum Ende des neuen Reiches währte. Dennoch war eines der Königsinsignien ausgerechnet der Bart als Zeichen der Macht, sodass ihn sogar die Königin Hatschepsut als reines Machtsymbol trug.
Ein zerzauster Bart war bei Juden und Griechen ein sichtbares Zeichen für Schmerz und Trauer. Das Abschneiden des B. galt allgemein als Zeichen des Ehrverlustes und der Schande (Sam 10, 4f), ja sogar der Entmannung, andererseits aber auch als Ausdruck von Einfachheit und Unschuld.
Während im Christentum der orientalische Klerus stets einen Bart trug, waren die abendländischen Priester seit der Spätantike nach dem Vorbild der freien Römer bartlos, ja ein solcher war durch synodale Gesetzgebung in der Regel sogar verboten.
Ab dem Spätmittelalter kam im Westen der Bart wieder auf, und zwar als Zeichen der Anspruchslosigkeit, Genügsamkeit und Armut, wie bei den > Anachoreten und den > Bettelmönchen.
Zur Bedeutung von Macht und Männlichkeit gesellt sich in der Gegenwart auch noch der Aspekt des Alternativseins, besonders wegen der verschiedenartigsten Gestaltungsmöglichkeiten des Bartes.

Lit.: Wietig, Christina: Der Bart: zur Kulturgeschichte des Bartes von der Antike bis zur Gegenwart. Hamburg, Univ., FB Chemie, Diss., 2005.

Barthel, Franziska (1824–1878), Stigmatisierte und Sühneseele aus Andlau zwischen Schlettstadt und Straßburg, der nach dem Bericht des Hausarztes im Januar 1851 eine spontane Ausrenkung des Beines widerfuhr, von der sie bei einer Wallfahrt plötzlich geheilt wurde. Am 17. März 1852 erbat sie in einem visionärem Gespräch mit Jesus, an den Schmerzen der Passion teilhaben zu dürfen. Am folgenden 28. März empfand sie zunächst die Schmerzen der Kreuzigung, dann der Geißelung und Dornenkrönung. Nun trat sie auch in Kontakt mit den Armen Seelen, die durch Verbrennungen am Körper Spuren ihrer Anwesenheit hinterließen.
Bei der Dornenkrönung bildeten sich Blutstropfen, bei der Geißelung blutende Striemen am Körper und bei der Kreuzigung war dieser vollkommen steif – sie glich einer Sterbenden. Mehrmals bluteten dabei Hände, Füße und Seite. So vermerkt der Arzt: „Das Blut fließt vor den Augen der Anwesenden mehr oder minder reichlich und breitet sich über das Gesicht und die Seiten des Kopfes bis auf die Kleider und das Bett der Dulderin und sogar bis zum Fußboden aus.“
Im August 1852 ordnete der Bischof eine Untersuchung durch eine Ärztekommission an. Trotz späteren Widerrufs ihrer angeblich unter Zwang gemachten Aussagen entzog er ihr 1853 endgültig die Erlaubnis, Sakramente zu empfangen.

Lit.: Schleyer, Franz L.: Die Stigmatisation mit den Blutmalen: biographische Auszüge und medizinische Analyse. Hannover: Schmorl & von Seefeld Nachf., 1948; Schamoni, Wilhelm: Stigmata: Hysterie oder Gnade? Wiesbaden: Credo-Verlag, 1951.

Bartholomäus, Apostel, Fest: 24. August, wird in den Evangelien (Mk 3, 18; Mt 10, 3; Lk 6, 14) und in der Apostelgeschichte (Apg 1, 13) lediglich als Mitglied des Zwölferkreises Jesu genannt. Hingegen ist die Legende über B. reich an vielfältigen Angaben. Nach Eusebius (Eus. h. e. V, 10,3) soll er in Indien gepredigt und dort den Christen das hebr. Mt-Ev. hinterlassen haben. Zudem soll er in Mesopotamien und Parthien, Lykaonien und Großarmenien gewirkt haben. Koptische, arabische und äthiopische Akten verlegen seine Tätigkeit in die „Oasen“ Ägyptens. Die Überlieferung über seinen Tod schwankt zwischen Enthauptung und Kreuzigung wegen der Bekehrung des Königs Polymios in Armenien. Im persischen Teil Syriens erhielt sich eine Tradition vom Grab des B.
Hieronymus und das Decretum Gelasianum nennen ein Evangelium des B. Koptisch liegt das Buch von der Auferstehung Jesu Christi von B. dem Apostel in drei Rezensionen vor.
Der Festtag des B. am 24. August ist von einem reichen Volksglauben umgeben: Barthlmä ist Herbstbeginn. Zu Barthlmä gehen die Wetter heim, die Störche ziehen fort. Zu Barthlmä soll man nicht ackern, wenn man sich nicht einem Unfall aussetzen will.
Barthlmäbrunnen sind häufig Heilquellen; die Butter, die zu Barthlmä ausgerührt wird, soll besondere Heilkräfte besitzen, da der Heilige seinen geschundenen Leib mit Butter (ungesalzen) gekühlt habe. Im Arzneibuch „Bartholomäus“ (spätes 12. Jh.) findet sich eine Reihe von Zauberformeln, wo fließendem Blut nicht mehr einfach befohlen wird „stant du, bluot!“, sondern im Namen der Trinität „caro carice conforma Yohmaheli te“, eine unverständliche Wortfolge, entgegengestellt und eine Zauberhandlung beschrieben wird.
Barthlmä ist auch der Tag der Fahrt des Totenheeres durch die Luft (Antwerpen), der Hexenfeste und der Zwerghochzeit.

Lit.: Zeuge aus dem Leben der Apostel des Herrn Philippus Bartholomaeus Thomas u. Matthaeus. Barmen, 1837; Keil, Gundolf: Bartholomäus. In: Die Deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon / Hrsg. von Wolfgang Stammler. Berlin: de Gruyter, 21978, Sp. 609–615; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Weidinger, Erich: Die Apokryphen: verborgene Bücher der Bibel. Augsburg: Pattloch, 1994; Westerhoff, Matthias: Auferstehung und Jenseits im koptischen „Buch der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn“. Wiesbaden: Harrassowitz, 1999.

Bartlett, John Allen, Pseud. John > Alleyne (1861–1933), britischer Marineoffizier, Liedermacher und Sensitiver, der lange Zeit mit dem Kirchenarchitekt Frederick Bligh Bond befreundet war. Bond wurde 1908 zum Leiter der Ausgrabungen der Abbey von Glastonbury ernannt. Bei dieser Arbeit bediente er sich der Angaben der Baubeschreibungen, die B. durch > automatisches Schreiben erhielt. Darunter befand sich auch eine Beschreibung der lange verschollenen Kapellen Edgar und Loretto, wiewohl auf diesem Weg eine Reihe neuer und unerwarteter Entdeckungen gemacht wurde.
Als jedoch bekannt wurde, dass sich Bond der Informationen eines Mediums bediente, wurde er als Ausgrabungsleiter abgesetzt, wenngleich er weiterhin mit B. zusammenarbeitete, weil nach seiner Überzeugung die Botschaften von den verstorbenen Mönchen der Abtei kamen. Demgegenüber wurde die Ansicht vertreten, dass beide sich bereits bekannter Angaben bedienten, die sie lediglich unbewusst aufgriffen. Mit der sensitiven Begabung von B. hätten diese nichts zu tun. Die Erfolge wurden hingegen anerkannt, weshalb der Fall immer wieder herangezogen wurde (Kenawell).

Lit.: Bond Frederick Bligh: The Gate of Remembrance: The Story of the Psychological Experiment which Resulted in the Discovery of the Edgar Chapel at Glastonbury. Oxford: Blackwell, 21918; Thurston, Herbert: Superstition: A Backward Glance Over the Nineteen Centuries. London: The Centenary Press, 1933; Kenawell, William W: The Quest of Glastonbury: A Biographical Study of Frederick Bligh Bond. New York: Helix Press, 1965.

Barton, Clara Harlowe, geb. am 25. Dezember 1821 in North Oxford, Mass., USA, als Jüngstes von fünf Geschwistern, wuchs auf einer Farm auf und war als Kind so schüchtern, dass sie es vorzog, eher ohne einen dringend benötigten Gegenstand auszukommen, als darum zu bitten. In Laufe der Zeit verstärkte sich diese Eigenschaft und B. vereinsamte in zunehmendem Maße, bis 1836 Lorenzo Fowler nach North Oxford kam und fast einen Monat bei ihrer Familie wohnte. Er unterzog Clara einer phrenologischen Analyse und prophezeite daraufhin, dass „der sensible Charakter sie ihr Leben lang begleiten wird. Sie wird nie für sich selbst eintreten, – eher erleidet sie Unrecht – , aber sie kennt keine Furcht, wenn sie für andere kämpft“. Sein Vorschlag war, dass sie Verantwortung übernehmen solle, sie habe alle Fähigkeiten für den Lehrberuf.
Barton folgte seinem Rat und begann mit 15 Jahren zu unterrichten. In Bordentown, New Jersey, errichtete sie die erste kostenlose öffentliche Schule. Von 1861 an lebte sie in Washington und arbeitete im Patentamt. Während des Amerikanischen Bürgerkrieges pflegte sie die verwundeten Soldaten und gründete 1881 das Amerikanische Rote Kreuz. Sie starb am 12. April 1912 in Glen Echo, Maryland, wohin sie sich 1904 zurückgezogen hatte.

Lit.: Historical Times. Illustrated Encyclopedia of the Civil War / Faust, Patricia L. New York [u. a.]: Harper & Row, 1986; Wahrsagungen und Prophezeiungen. Time Life Bücher, 61991.

Barton, Elizabeth (ca. 1506–1534), englisches Dienstmädchen, genannt “Maid of Kent”, die als Prophetin und Hexe beträchtlichen Ruhm erlangte. Sie behauptete, die prophetische Gabe von der Jungfrau Maria erhalten zu haben, nachdem sie in der Kapelle eines Priesters von starken Anfällen wunderbar geheilt worden sei. Diese soll sie allerdings auf Anraten des Priesters vorgetäuscht haben. Die Kapelle wurde zu einem Pilgerort. Als B. jedoch, anscheinend auf Anregung verschiedener Stellen, eine Reihe von Prophezeiungen machte, die vor unheilvollen Konsequenzen der Scheidung Heinrichs VIII. von Anne Boleyn warnten, wurde sie von Anhängern des Königs in Misskredit gebracht, indem diese Gerüchte verbreiteten, B. sei eine Hexe. Sie wurde wegen Verrats festgenommen und zum Tod verurteilt. Bevor sie in Tyburn gehängt wurde, gestand sie, aus Eitelkeit gehandelt zu haben. Ob dieses Geständnis in voller Freiheit geschah, bleibt offen.

Lit.: Pickering, David: Lexikon der Magie und Hexerei. Dt. Erstausgabe, s. l.: Bechtermünz Verlag, 1999.

Baruchschriften. An den Namen Baruch (hebr. baruk, gesegnet), einen Kurznamen, der in chronistischen Listen auftaucht und den Vertrauten und Helfer des Propheten Jeremias bezeichnet, hat sich eine Reihe von Schriften angeschlossen:
1. Das Buch Baruch, aus dem 1. Jh. vor Christus, das zu den sog. deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments gehört, bringt neben einem Gebet und einem Lob auf die Weisheit im 6. Kapitel den „Brief des Jeremias“, eine Abhandlung gegen Götzen und ihre Verehrer.
2. Die Baruch-Apokalypsen:
a) Die syrBar, die mit Ausnahme einiger griechischer Fragmente nur in Syrisch erhalten ist; sie wird in einer einzigen Handschrift in der Bibliotheca Ambrosiana in Mailand aufbewahrt, wo sie A. M. Ceriani auffand und 1871 herausgab. Es handelt sich dabei um die Übersetzung eines griechischen Textes, der auf eine hebräische Vorlage zurückgeht und im 2. Jh. n. Chr. entstanden ist. B. kündigt die Zerstörung Jerusalems durch Engel an und übersetzt apokalyptische Bilder in den Auftrag, sich auf Gott, das Gesetz und das für Israel heilvolle Ende auszurichten, in dem sich die Auferstehung vollzieht und zwar für jene, die in der Hoffnung auf den Messias entschlafen sind (30, 1).
b) Die grBar, seit 1897 bekannt, wurde wohl vor 230 verfasst. B. klagt über die Preisgabe Jerusalems durch Gott (586) und wird dann durch fünf Himmel geführt, wobei er im 3. das Paradies schaut.
c) Weitere Baruchschriften: Neben den genannten Apokalypsen wurden Baruch noch eine Reihe anderer Schriften zugeordnet.
Baruch selbst erfährt als Liebling Gottes am Ende eine besondere Auszeichnung. Er wird wie Henoch und Esra entrückt (4 Esra 14, 9) und muss die Erde verlassen, jedoch nicht durch den Tod,  sondern zur Aufbewahrung bis ans Ende der Zeit, wo dann der Messias kommt.

Lit.: Violet, Bruno: Die Baruch-Apokalypse. Leipzig: Hinrichs, 1923; Hage, Wolfgang: Lfg. 1: Die griechische Baruch-Apokalypse. Gütersloh: Mohn, 21979; Synopse des Vierten Buches Esra und der Syrischen Baruch-Apokalypse / von Klaus Berger unter Mitarb. von Gabriele Fassbeck u. Heiner Reinhard. Tübingen [u. a.]: Francke, 1992.

Baryt ist ein Bariumsulfat und zählt zur Mineralklasse der Sulfate. Farbgebend sind Einlagerungen von Eisen (rot, braun, grünlich), tonigen (grau, bläulich) und organischen (grau, braun) Substanzen bzw. Mischungen davon. B. wird als Rohstoff für weiße Farbe sowie zum Glätten und Beschweren von Kunstdruckpapier und bestimmten Geweben, aber auch zur Herstellung von Leuchtraketen und Feuerwerk eingesetzt.
Als > Heilstein ist Baryt noch völlig unbekannt. Er soll das Gedächtnis auch bei Altersschwäche stärken, das Selbstvertrauen fördern, bei Kummer und Verwirrung, bei Schluckbeschwerden und Entzündungen im Hals, bei Lymphknotenschwellung und Bauchschmerzen helfen. Seine Wirkung sei am besten, wenn er am Körper getragen oder direkt auf die betroffen Stelle gelegt wird.

Lit.: Gienger, Michael: Lexikon der Heilsteine: von Achat bis Zoisit / Mit Fotos v. Wolfgang Dengler. Saarbrücken: Neue Erde, 42000.

Barzabal (hebr., „Eisen-Herr“), in > Kabbala und > Magie der Dämon des Mars.

Lit.: Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 21979.

Barzakh (arab., Schranke, Hindernis, Scheidewand), im > Islam die Scheidewand zwischen den Verstorbenen im Grabe und der Auferstehung: „Hinter ihnen ist eine Schranke, bis zu dem Tag, da sie auferweckt werden“ (Sure, 23, 100).

Lit.: Der Koran: übers. u. eingel. v. Hans Zirker. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2003.

Basajaun (bask., „Herr des Waldes“), > Waldgeist und > Schutzpatron der Herden bei den Basken. Er lebt im Wald oder in hochgelegenen Höhlen. Im Volksglauben ist er eine Art Kulturträger, von dem die Menschen den Getreidebau und das Schmiedehandwerk erlernten. Wo er sich aufhält, wagt keine Wolf sich an die Herde heran. Bei Unwetter warnt er die Hirten durch Schreien.

Lit.: Bouda, Karl: Land, Kultur, Sprache und Literatur der Basken. Erlangen: Dipax-Verl., 1949; Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989.

Bashamum (arab. basham, Balsamstrauch), Arzt- und Heilgott in Saba und Qataban, dem zum Dank für Heilungen Weihegaben dargebracht wurden. Nach einem alten Text soll er u. a. auch zwei Steinböcke geheilt haben.

Lit.: Bellinger, Gerhard J.: Knaurs Lexikon der Mythologie: über 3000 Stichwörter zu den Mythen aller Völker. Lizenzausg. f. area verlag gmbh, erftstadt. München: Droemersche Verlagsanst. Th. Knaur Nachf. GmbH & Co.KG, 2005.

Ba-shar‛, eine Gruppe von orthodoxen Derwischbuderschaften, die „mit dem religiösen Gesetz“ konform gehen und der skripturalen Tradition des Islam, vereinfacht gesagt, der „Religion der Moschee“, nahestehen. Diese Bruderschaften vertreten einen gemäßigten > Sufismus, der entweder ethische Elemente betont (Bagdad-Schule) oder durch ekstatische Visionen zur Gotteserfahrung zu gelangen versucht. Dabei spielen gnostische Ideen, Kontemplation und Askese eine wichtige Rolle.
Die beiden wohl größten Derwischbruderschaften, Quadiriyya und Suhrawardiyya, sind in diesem Sinne orthodox ausgerichtet. Die Quadiriyya, gegründet von ‛Abdul Quadir Gilani (1077–1166), breitete sich seit dem 12. Jh. vom Irak nach Westen bis Afrika und nach Osten bis Indonesien aus.

Lit.: Frembgen, Jürgen Wasim: Reise zu Gott: Sufis und Derwische im Islam. Orig,-Ausg. München: C. H. Beck, 2000.

Bashir, Mir (*1907), legendärer indischer Handleser (Chiromant), seit 1948 in England, Zusammenarbeit mit Ärzten und Kriminologen. Er beschrieb Krankheiten und persönliche Charakteristika, die der klinischen Identifizierung dienlich waren. Sein Archiv enthält 50.000 Handabdrücke. Sein Hauptwerk trägt den Titel The Art of Hand Analysis. > Chiromantie.

W.: The Art of Hand Analysis. London: Muller, 1973.

Basic Technique > Grundtechnik.

Basiläa (griech., Königin, Fürstin), älteste Tochter des > Uranos und der Titäa. Als Erstgeborene erzog sie ihre Geschwister wie eine Mutter, weshalb sie auch Magna Mater, „Grosse Mutter“, genannt wurde.
Nach dem Sturz von Uranos erhielt B. die Herrschaft über ihre Geschwister. Als sie dann mit ihrem Bruder > Hyperion den > Helios und die > Silene zeugte und auch diese an der Herrschaft beteiligen wollte, lehnten die Geschwister dies ab, töteten Hyperion, ertränkten Helios im Fluss Eridan und trieben so Silene dazu, sich in den Tod zu stürzen.
Als B. vom Tod ihrer Kinder erfuhr, wurde sie ohnmächtig. Im Traum sah sie Helios, der ihr mitteilte, die neuen Machthaber hätten verfügt, dass er künftig als Sonne und Selene als Mond über den Himmel ziehen solle. Als B. erwachte, zog sie mit dem Spielzeug ihrer Tochter – Trommeln und Kymbeln – wie von Sinnen durch das Land. Als man sie einfangen wollte, verschwand sie in einem Unwetter. Seither genießt sie göttliche Verehrung.
Basileia war auch der Name der Königsinsel des sagenhaften Reiches der > Atlanter.

Lit.: Graves, Robert: Griechische Mythologie. Köln: Anaconda, 2008.

Basilides (ca. 85–145), bekannter Gnostiker, der vermutlich aus Syrien stammte und um 130 bis 140 in Alexandrien lehrte. Die von ihm und seinem Sohn Isidor gegründete Schule der Basilidianer ist noch im 4. Jh. in Unterägypten belegt.
B. war ein bedeutender theologischer Schriftsteller. Er gab vor, ein Schüler des Glaukias zu sein, der den Apostel Petrus gekannt hatte. Von seinem Hauptwerk, einer Auslegung des Evangeliums in 24 Büchern, finden sich nur geringe Bruchstücke in den Stromateis („Teppiche“) des Clemens von Alexandria, sodass wir seine Lehren lediglich aus Gegenschriften kennen, wie Irenäus und Hippolyt, deren Ausführungen widersprüchlich und in ihrem Wert ungesichert sind.
Nach den Bruchstücken bei Clemens bestimmen zwei Grundüberzeugungen den Gedankengang des B., dass nämlich Leiden immer Strafleiden ist und dass die Vorsehung gut ist. Der Mensch ist in der Anlage mit Sünde behaftet, so auch Jesus, da auch er ein Mensch ist. Glaube ist die Erkenntnis Gottes von Natur und diese Erkenntnis ist Besitz eines Seins, das wert ist, in der Nähe seines Schöpfers zu sein.
Alles strebt nämlich von unten nach oben, vom Schlechten zum Besseren, und nichts vom Besseren ist so unvernünftig, herabzukommen. Es ist dies der allgemeine Gang, vom Nichtsein zum Sein, wobei der Urkeim, das Sperma, selbst schon den Punkt des Übergangs von der Möglichkeit zur Wirklichkeit enthält. Aus dem kosmischen Sperma erhebt sich der große > Archon, das Haupt der Welt. Da er nicht allein sein wollte, schuf er den Sohn und stellte ihn zu seiner Rechten in der Ogdoas, der ätherischen Welt bis zum Mond. Um den Mond bildete sich die Mondsphäre und darunter, als niedrigste Region, die Erdregion, wo alles nach dem Naturgesetz geschehe.  
B. nahm in diese Weltschau platonisches und stoisches Lehrgut auf, erstellte eine Chronologie des Lebens Jesu und vertrat u. a. die unbedingte Güte Gottes, eine Ethik der Weltdistanz: alles lieben, nichts begehren, nichts hassen. Ferner vertrat er eine platonische Seelenlehre im Sinne einer Seelenwanderung. Von einigen Forschern wird er auch als Schöpfer einer bestimmten Form der > Zahlenmystik angesehen. Ferner soll  das Wort > Abraxas bei ihm seinen Ursprung haben.
Die Basilidianer feierten erstmals am 6. Januar das Tauf- und zugleich das Geburtsfest Jesu, die > Epiphanie. Der Kirchenlehrer Irenäus (ca. 140–220) erklärte B. zum Ketzer.

Lit.: Clemens, Alexandrinus: Teppiche wissenschaftlicher Darlegungen entsprechend der wahren Philosophie (Stromateis). Buch 7. München: Kösel [u. a.], 1938; Möller, E. Wilhelm: Geschichte der Kosmologie in der griechischen Kirche bis auf Origenes: mit Specialuntersuchungen über die gnostischen Systeme. Graz: ADEVA, 1977; Leisegang, Hans: Die Gnosis. Stuttgart: Kröner, 51985.
    
Basilidianer (engl. Basilideans) > Basilides.

Basilikumöl (lat. ocimum basilicum), > ätherisches Öl mit den Hauptbestandteilen Linalool bzw Estragol, etwas Gerbstoff, Flavonoiden und Pflanzensäure. Es wird aus dem Basilikum, auch Basilienkraut oder Königskraut genannt, gewonnen, das bis zu 40 cm hoch wird, zur Familie der Lippenblütler gehört und als Gewürzpflanze in Europa und im subtropischen Asien angebaut wird.
Das Kraut wird als Insektenabwehr ins Haus gehängt und zum Würzen von Fleisch und Geflügel, Salaten und feinen hellen Soßen verwendet. Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus der Wurzel gewonnen. Als besonders wertvoll gilt das Öl aus der Art Ocimum crispum, das einen sehr feinen aromatischen Geruch hat.
B. wirkt anregend auf die Nebennierenrinde, ist verdauungsfördernd, schwach krampflösend und menstruationsfördernd; bei Inhalation wirkt es gegen Stauungen in Stirn- und Nasennebenhöhlen.
Wegen angeblich antidepressiver Wirkung wird es in der alternativen Heilkunde zur Unterstützung gegen Angst und Niedergeschlagenheit angewandt. In der Schulmedizin hingegen wird es wegen potentieller Risiken aufgrund des hohen Estragolgehaltes bei Schwangerschaft, in der Stillzeit, bei Säuglingen und Kleinkindern nicht mehr benutzt. Auch als Gewürz sollte es nicht über längere Zeiträume verwendet werden (höchstens 5% in der Zubereitung).
Die magische Kraft des B. wird mit Schutz, Liebe und Reinigung umschrieben.

Lit.: Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium; ein erweytertes wahrhaft ergötzliches Werk ueber die magischen Verrichthungen mit Kreuthern und den zauberischen Kräfften der Pflanzen sowie dehren medicinalischer Beteuthungen. 2., überarb. u. erg. Aufl. Speyer: Die Sanduhr – Fachverlag für altes Wissen, 1995; Ilg, Petra: Basilikum – die heilige Pflanze der Hindus. München: Ehrenwirth, 2000; Ennet, Diether: Lexikon der Heilpflanzen: Wirkung, Anwendung, Botanik, Geschichte. Hamburg: Nikol, 2004.

Basilisk (griech. basiliskos, „kleiner König“, „Häuptling“), Fabelwesen, das in der antiken Mythologie auch „König der Schlangen“ genannt wird und nach Plinius (hist. 8, 38) in Libyen zu Hause ist. Die Ägypter nannten ihn sit, bei den Arabern hieß er sif. Für Plinius den Älteren war der B. eine Schlange oder Eidechse, die auf dem Kopf einen hellen Fleck in Form einer Krone hatte. Im Lauf der Zeit nahm der B. aber immer hässlichere Formen an. So ist er im Mittelalter ein vierfüßiger Hahn mit einer Krone, gelbem Gefieder und breiten, dornigen Flügeln; sein Schwanz ist der einer Schlange und endet in einer Klaue oder einem zweiten Hahnenkopf. Grundsätzlich handelt es sich immer um ein Mischwesen zwischen Hahn, Drache und Schlange.
Nach einer bei orientalischen Völkern verbreiteten Sage entsteht ein B. aus einem von einem Hahn gelegten Ei (= missgebildetes, weil dotterloses, Hühnerei), das von einer Kröte oder einer Schlange ausgebrütet wird. Diese Vorstellung fand weltweite Verbreitung. So wurde 1474 vom Rat in Basel ein elfjähriger Hahn, der ein Ei gelegt haben soll, zum Tode verurteilt, am 4. August d. J. enthauptet und ins Feuer geworfen; auch das Ei wurde feierlich verbrannt (Meyer).
Der B. haust in Kellern oder im Gestein, wo er Schätze hütet. Sein giftiger Hauch verdorrt angeblich das Gras und sprengt Steine. Am gefährlichsten sei sein Blick, der Mensch und Tier tötet, ja sogar sich selbst. Hält man ihm einen Spiegel vor und sieht er darin seinen Blick, kommt er um. Er vermag auch den Geruch eines Wiesels nicht zu ertragen, weshalb man ein Wiesel zur Tötung in seine Höhle bringt.
Der Glaube an die Macht des B. ist Ausdruck für die Macht des > bösen Blicks und beruht auf der Erfahrung des bannenden Schlangenauges, der Naturwidrigkeit des Hahneneis und der Abscheulichkeit des Ausbrütens durch Kröten oder Schlangen.
In der christlichen Symbolik gilt der B. als Sinnbild für Tod, Teufel, den Antichrist und die Sünde. So findet man ihn in der romanischen Bauplastik meist unter den Füßen des siegreichen Christus. > Luther sah im B. die Ketzer und falschen Lehrer symbolisiert (Frey).
In der Volksmedizin diente der B. als krankheitsvertreibendes Symbol, daher findet er sich nicht selten auf alten Aderlass-Schüsseln.
In der > Alchemie zählt der B. neben > Phönix, > Schwan, > Pfau, > Rabe, dem geflügelten > Drachen und gekrönten > Löwen zu den Symboltieren als allegorische Bezeichnung für den > Stein der Weisen.

Lit.: Schöpf, Hans: Fabeltiere. Graz: ADEVA, 1988; Meyer, Carl: Der Aberglaube des Mittelalters und der nachfolgenden Jahrhunderte. Nachdr. der Aufl. von 1884. Wiesbaden: Fourier, 2003; Plinius Secundus, Gaius: Naturalis historia: lat./dt. = Naturgeschichte / Plinius der Ältere. Ausgew., übers. und hrsg. von Marion Giebel. Stuttgart: Reclam, 2005.

Basilius der Große, heilig (Fest: 2. Januar), älterer Bruder Gregors von Nyssa, Bischof von Cäsarea, Kirchenlehrer und Vater des morgenländischen Mönchtums, wurde um 330 in Cäsarea in Kappadozien (heute Kayseri in der Türkei) als Spross einer tief christlichen Familie geboren. Außer Großmutter und Eltern finden sich noch drei Geschwister unter den Heiligen – die Brüder Gregor und Petrus, die ebenfalls Bischöfe wurden, und die Schwester Makrina, unter deren Einfluss er sich taufen ließ.
Den ersten Unterricht erhielt B. unter Leitung seines Vaters, studierte dann in Cäsarea, Konstantinopel und Athen Rhetorik, Grammatik und Philosophie, schloss dort innige Freundschaft mit Gregor von Nazianz und folgte einem asketisch-kontemplativen Lebensstil. Er zog daraufhin nach Ägypten, reiste durch Kleinasien, kehrte wieder nach Cäsarea zurück und führte das Leben eines Eremiten, das er 360 aufgab, um gegen den Arianismus zu kämpfen. Er stellte sich in den Dienst seines Bischofs und wurde 364 zum Priester geweiht und 370 Bischof seiner Heimatstadt Cäsarea. Als dort eine Hungersnot ausbrach, machte er Cäsarea zu einer „Stadt der Nächstenliebe“, mit Spitälern und Armenhäusern.
Seine außerordentliche Lehr- und Predigtätigkeit brachte ihm den Titel „der Große“ ein. Gemeinsam mit Gregor von Nazianz erarbeitete er zwei für das byzantinische Mönchtum grundlegende Regeln, in die das Vorbild des > Origenes hinsichtlich der Verbindung von wissenschaftlicher Tätigkeit und asketischer Lebensweise einfloss – ein Konzept, das sich auch auf den Westen auswirkte. In seiner bedeutenden Schrift „Über den Heiligen Geist“ (Peri tu hagiu pneumatos) entfaltet er mit der Unterscheidung von Dogma (Lehre) und Kerygma (Verkündigung) die Grundzüge einer mystischen Theologie. Der Geist, der den Gläubigen in der Taufe ausgeteilt wird und sich in der Seele seine Wohnung schafft, führt den Menschen zur Vollendung, die in der Vermählung mit Gott besteht. Wichtige mystische Aussagen enthalten auch seine Homilien.
Neben den 362 echten Schriften, meist Briefen, wird B. in der griechischen Liturgie eine der in den liturgischen Büchern aufgeführten Beschwörungsformeln gegen Besessene zugeschrieben. In diesem Exorzismus werden mehrere Tiere genannt, die in der Legenden- und Sagenwelt seit alters her eine Rolle spielten. Bei slawischen Völkern wird der Basiliustag nach wie vor in besonderer Weise begangen. Nach französischem Volksglauben soll sein Bildnis die Herde vor dem Wolf schützen.
B. starb am 1. Januar 379 in Cäsarea.

Lit.: Basilius, von Cäsarea: Über den Heiligen Geist. Eingel. und übers. von Manfred Blum. Freiburg i. Br.: Lambertus-Verl, 1967; Basil, Caesariensis: Letters and Select Works. 2. pr. Peabody, Mass.: Hendrickson, 1999.

Basilius Valentinus, ein angeblich bedeutender Alchemist des 15. Jhs., dessen Existenz und Biografie umstritten sind. Die erste Veröffentlichung der ihm zugeschriebenen Schriften erfolgte 1604 durch den Salzfabrikanten und Ratskämmerer aus Frankenhausen, Johann Thölde, der jedoch über die Herkunft des Manuskripts keine eindeutigen Angaben machte und vielleicht selbst der Verfasser war.
Nach J. M. Gudenus wurde B. V. 1394 in Erfurt geboren und sei dann Benediktinermönch im Konvent des dortigen St. Petersklosters gewesen. Doch konnten all diese und ähnliche Angaben nicht verifiziert werden.

Lit.: Thölde, Johann: Antimonii mysteria gemina Das ist: Von den grossen Geheimnussen deß Antimonij / in zweene Tractat abgeteilet. Derer einer die Artzeneyen zu anfallenden menschlichen Kranckheiten offenbahret / Der Ander aber / wie die Metallen erhöhet und in verbesserung ubersetzet werden. Leipzig: Apels, 1604; Guden, Johann Moritz von: Joannis Mauritii Gudeni Historia Erfurtensis Ab Urbe Condita Ad Reductam: Libri IV. Erfurti: Bircknerus Duderstadii: Westenhoff, 1675.

Baskische Hexen. Das Baskenland, geografisch abgelegen von den Kulturen Spaniens und Frankreichs, rief nicht nur in beiden Ländern den Argwohn der Obrigkeiten gegenüber seinen Bewohnern hervor, sondern stigmatisierte diese auch als undurchschaubar und gefährlich. Die Basken waren von der in Spanien und Frankreich 3000 Jahre zuvor herrschenden keltischen Kultur als auch von der römischen Invasion relativ unberührt geblieben und konnten so eine eigene Sprache und das eigene Volksbrauchtum bewahren. Als schließlich das Christentum zu ihnen gelangte, verbanden die Basken den neuen Glauben mit dem alten. Darin nahm das Hexenwesen eine besondere Stellung ein, wenngleich davon vielleicht weniger bekannt ist als von anderen Ländern.
So wurde die Region bereits im 14. Jh. als ein Zentrum des Hexenwesens erwähnt. 1466 schickte die Provinz von Guipúzcoa ein Gesuch an Heinrich IV. von Kastilien, in dem die vielen Schäden, welche die Hexen dort angeblich verursachten, aufgezeigt und ihre Vernichtung daher als unabdingbar bezeichnet wurden. Die jeweiligen Bürgermeister verhielten sich nachlässig: die einen aus Scham, die anderen aus Angst, wiederum andere aus Gründen der Verwandtschaft, Freundschaft, Partei oder Zuneigung. Andererseits sprachen die gesetzlichen Verordnungen nirgendwo von Hexen. Daher sollte der König den örtlichen Bürgermeistern das Recht geben, in Fällen von Hexerei Urteile ohne Revision vollstrecken zu können. Am 15. August 1466 wurde dies von Heinrich IV. in Valladolid ordnungsgemäß in einer Charta bestätigt. Das ganze Land wurde daraufhin nach Hexen durchsucht. Der Kanonikus Martín de Arles verfasste einen Traktat über den Aberglauben, der 1510 veröffentlicht wurde. Er bezeichnete die Hexen als gewöhnliche Personen, glaubte aber, dass sie Schaden verursachten und vom Teufel angeführt würden; ein Fliegen durch die Lüfte wurde von ihm allerdings verneint. Demgegenüber gelangten die Richter des Rates von Navarra zu der Überzeugung, dass die Hexen sehr wohl durch die Lüfte fliegen und sich zu Versammlungen treffen würden. Sie ernannten einen Inquisitor namens Avellaneda, der im Verlauf seiner Nachforschungen bis zu drei Versammlungen von Hexenmeistern und Hexen entdeckte: eine mit 120, eine andere mit 100, von denen mehr als 80 verurteilt wurden, und eine dritte mit mehr als 200. Das Land sei völlig infiziert, wie Avellaneda behauptete. Bei den Versammlungen würden Hexen und Hexenmeister Gott und Seinem Gesetz, der Jungfrau und den Heiligen abschwören; dafür böte ihnen der Teufel große Reichtümer und Genüsse. Zuweilen würde die Verführung unter einem gewissen Zwang erfolgen und die Frauen hätten Angst, getötet zu werden, wenn sie sich nicht darauf einließen.
Das Buch von Fray Martín de Castañega, das 1529 erschien, beschreibt das Hexenwesen als reine Umkehrung des katholischen Glaubens und dessen Riten. Die Hexenrituale würden stets den Riten der Kirche folgen, an die Stelle der Sakramente treten die Exkremente.
Die vertrauteste Figur bei den Basken ist somit die sorgiña, die Hexe, was auch damit zusammenhängt, dass es mehr Hexen als Hexenmeister gab.
Zudem zeigte sich bei den Hexenprozessen im Baskenland, dass die weltlichen Behörden exemplarische Strafen für die Hexen verlangten, während sich die kirchlichen weigerten, übermäßige Strenge anzuwenden.

Lit.: Arles et Andosilla, Martinus: Tractatus de superstitionibus. Lugduni, Joannes Cleyn, 1510; Fray Martín de Castañega: Tratado muy sotil y bien fundado de las supersticiones y hechizerias y vanos conjuros, y abusiones y otras cosas al caso tocantes y de la possibilidad y remedio dellas. Logroño: Miguel de Eguia, 1529.

Basler Konzil (1431–1449), Höhe- und Endpunkt der konziliaren Bewegung, welche die Lehre von der Superiorität des Konzils über den Papst vertrat.
Das B. gilt in der Hexen- und Religionsforschung als wichtige Kommunikationsschnittstelle für die Verbreitung der > Hexenlehre. Dies ist insofern falsch, als das Thema ,Hexen‘ zu keiner Zeit als offizieller Diskussionspunkt in den verschiedenen Gremien des Basler Konzils (Zwölfmännerkolleg, Deputationen, Generalkongregation) auf der Tagesordnung stand. Entsprechend finden sich auch keine Beschlüsse oder Dekrete zu dieser Frage. Dieser Umstand wird auch in der Forschungsliteratur durchgehend angesprochen, so z. B. von Tschacher (S.329): „Die Quellen enthalten keinerlei Anhaltspunkte für eine offizielle Behandlung des Hexenthemas in den Deputationen oder sonstigen Gremien der Konzilsversammlung.“ Selbst die nur wenige Tage vor Beginn des B. hingerichtete > Jeanne d’Arc wurde auf dem Konzil offiziell nicht erwähnt. Auch der vermutete Zusammenhang von Bauernrebellion und Erleichterung der Hexenverfolgung stimmt mit den Quellen nicht überein.
Die Hexendiskussion auf dem B. erweist sich vielmehr als ein von der konziliaren Kommunikationsstruktur geprägter Gedankenaustausch unter Gelehrten und Klerikern, war doch das B. der wichtigste Bücher- und Handschriftenmarkt seiner Zeit. Darunter befanden sich auch Hexentraktate. Handschriften mit dämonologischen Texten waren hingegen eher rar (Tschacher, S. 331).
Fest steht auch, dass während des B. mehre Traktate über die neue Hexensekte verfasst wurden, darunter der Formicarius von Johannes > Nider.

Lit.: Werner Tschacher: Der Formicarius des Johannes Nider von 1437/38. Studien zu den Anfängen der europäischen Hexenverfolgungen im Spätmittelalter. Aachen: Shaker, 2000; Beyer-de Haan, Rosmarie/Rita Voltmer/Franz Irsigler: Die europäischen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit – Vorurteile, Faktoren und Bilanzen. In: Dies. u. a. (Hg.): Hexenwahn – Ängste der Neuzeit. Wolfratshausen: Edition Minerva Hermann Farnung,, 2002, S. 30–45; Bailey, Michael D./Edward Peters: A Sabbat of Demonologists: Basel, 1431–1440. In: The Historian 65, 2003, S. 1375–1395.

Basler Psi-Tage (1983–2007). 1983 wurden von Matthias und Eva Güldenstein, Prof. Dipl.­Ing. Alex Schneider und dem ehemaligen Generaldirektor der Messe Basel, Frédéric Walthard, in Zusammenarbeit mit den parapsychologischen Gesellschaften der Schweiz
die sogenannten Basler Psi-Tage als Gesprächsforum eröffnet, das vom eingefleischten Esoteriker und magischen Praktiker bis hin zum wissenschaftlich Tätigen im Bereich der Grenzgebiete eine Plattform der Kommunikation, Demonstration und Information bieten sollte. Die im Laufe der jährlichen Tagungen von 1983 bis 2007 gebotenen Beiträge aus dem Gesamtbereich des Paranormalen ermöglichten den Zugang zu Phänomenen, die man weltweit nur im Rahmen der B. zu sehen bekam, wie z. B. echte Eingriffe der bedeutendsten brasilianischen Trancechirurgen. Der allgemeine Interessenswandel vom Inhalt zum rein persönlichen Erlebnis ließ eine Weiterführung der Tagung schließlich für nicht angebracht erscheinen.

Lit.: Resch, Andreas: Zur Geschichte der Paranormologie. Innsbruck: Resch, 2010.

Basmala, Kurzform von bismi llāhi r-rahmāni r-rahīmi („Im Namen Gottes, des Allerbarmenden und Barmherzigen), steht mit Ausnahme der 9. als Anrufung am Beginn jeder Sure. Der Moslem ist verpflichtet, relevante Handlungen mit B. einzuleiten.
Die aus vorislamischer Zeit stammende Formel spielt auch in der > Magie (> Amulett) und in der > Mystik eine bedeutende Rolle. In der islamischen Epigrafik und Kalligrafie wird sie immer wieder neu gestaltet. Der > Hadith verspricht dem Schreiber einer schönen B. sogar einen Platz im Paradies.

Lit.: Lexikon der Islamischen Welt / Klaus Kreiser; Wielandt, Rotraud [Hrsg.]. Völlig überarb. Neuausg. Stuttgart: Kohlhammer, 1992; Der Koran: übers. u. eingel. v. Hans Zirker. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2003.

Bassantin (auch Bassantoun), James († 1568), schottischer Astronom und Mathematiker des 16. Jhs. Nach seiner Ausbildung an der Universität von Glasgow kam er über die Niederlande, die Schweiz, Italien und Deutschland nach Paris, wo er an der dortigen Universität mit großem Erfolg Mathematik unterrichtete. 1562 kehrte er nach Schottland zurück, wo er sechs Jahre später starb.
Auf der Heimreise traf B. Sir Robert Melville of Modecairny, der mit Vorbereitungen zu einem Treffen zwischen Mary von Schottland und Elisabeth von England befasst war, und gab diesem zu verstehen, dass all seine diplomatischen Bemühungen vergeblich seien, da die beiden nie zusammenkommen würden; zudem würde es eine Zeitlang nichts als Heuchelei und geheime Hassgefühle geben und für Mary schließlich mit Gefangenschaft und totaler Vernichtung enden. Er fügte hinzu, dass das Königreich von England auf lange Sicht zu Recht an die Krone von Schottland fallen werde, doch werde es viele blutige Schlachten geben, bei denen die Spanier sich als Helfer erweisen und für ihre Hilfe ein Stück vom Königreich einfordern würden – eine Vorhersage, die sich zum Teil bewahrheiten sollte.

Lit.: Paraphrase de l'Astrolabe, avec une amplification de l'usage de l'Astrolabe. Lyons, 1555; Astronomia Jacubi Bassantini Scoti, opus absolutissimum, &c; ter. edit. Latine et Gallice. Genev., 1599.

Bassui Zenji, auch Bassui Tokushō (1327–1387), einer der hervorragendsten japanischen > Zen-Meister der > Rinzai-Schule. Als er, siebenjährig, seinen Vater verlor, drängte es ihn, die Frage nach dem Wesen seiner Seele zu lösen. Sein intensives zweifelndes Fragen (> Dai-Gidan) führte ihn zu mehreren Erleuchtungserfahrungen, doch konnte er keine zufriedenstellende Antwort finden. Mit 29 Jahren empfing er die Mönchsweihe, ohne jedoch fortan in einem Kloster zu wohnen, da ihm dies ein zu bequemes Leben schien. In Koho Zenji fand er dann den gesuchten Zen-Meister, der ihn zu tiefer Erleuchtung führte und von seinen Zweifeln befreite.
Mit 50 ließ er sich in einer Einsiedelei in den Bergen nieder und willigte schließlich ein, als Abt ein Zen-Kloster zu leiten, wo er Mönche und Laien bis zu seinem Tod auf dem Zen-Weg führte. Kurz bevor er mit 60 Jahren starb, also in seine Verwandlung einging, setzte er sich aufrecht in Lotushaltung hin und sagte zu den Umstehenden: „Lasst euch nicht irreführen! Schaut genau her! Was ist das?“ Er wiederholte das laut und starb ruhig.
B. schrieb wenig, doch gehören seine Dharma Worte und die an einige seiner Schüler verfassten Briefe zu den eindringlichsten Schriften der japanischen Zen-Literatur.

Lit.: Die drei Pfeiler des Zen: Lehre – Übung – Erleuchtung / Hg. u. komment. v. Philip Kapleau. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1969.

Bastami, Abu Yazid oder Tayfur Abu Yazid al-Bustami (804–874), in Bastam im Iran geboren, war ein strenger Asket und > Sufi mit großer Rednergabe und direkter Aussage über die inneren mystischen Erfahrungen, was Schüler und Besucher gleichermaßen anzog. Dabei bediente er sich der Paradoxie, des scheinbar Widersinnigen, da man die Wahrheit nur mit seinem Gegenteil erfassen könne.
Das religiöse Gesetz sei zwar notwendig, um zu Gott zu gelangen, doch letztlich zähle nur die in der Seele empfundene Gegenwart Gottes. Die Quelle der echten Gotteserkenntnis sei die spirituelle Erfahrung. Allerdings laufe diese Gefahr, das eigene Ich im Blick auf das Absolute zu verewigen. Daher übt sich der Sufi in > Askese. Seinen Schülern riet er, sich nie durch innere Erleuchtungen verführen zu lassen. Ebenso warnte er sie vor Wundern und paranormalen Phänomenen, die sich auf  ihrem mystischen Weg ereignen können, da diese nur Vortäuschungen des Göttlichen seien. Auch das sufische Ritual des ständigen Betens sei letztlich eine Falle, weil es zu einer Trennung von Mensch und Gott führe, wo doch das Ziel die Einheit sei: „Dreißig Jahre hindurch war ich fern von Gott, und mein Fernsein war mein Gebet zu Ihm. Dann verwarf ich das Gebet und ich traf Ihn in allen Situationen in dem Sinn, dass Er mein zu sein schien.“
Die höchste Paradoxie ereignet sich auf jener Ebene der mystischen Erfahrung, auf der das menschliche Ich vollkommen ausgelöscht ist und gleichzeitig in Gott weiterbesteht. Mit diesen Aussagen war Bastami der erste Sufi, der von der Auslöschung des Ichs in Gott (fana fi Allah‘) sprach. Er betonte nämlich die > Ekstase als Form der Einheit mit Gott, während der > Sufismus bis dahin auf Frömmigkeit und Gehorsam beruhte.

Lit.: Dermenghem, Emile: Vies des saints musulmans. Paris: Sindbad, 1983; Les dits de Bistami / trad. de l’arabe, présentation et notes par Abdelwahab Meddeb [Hrsg.]. Paris: Fayard, 1989; Dictionnaire critique de l'ésoterisme / Jean Servier [Hrsg.]. Paris: Presses Universitaires de France, 1998.

Bastet (griech.), ägyptische Lokalgöttin von Bubastis („Haus der Bastet“) im Ostdelta des Nils, die von antiken Autoren gelegentlich auch „Bubastis“ genannt wird. Bereits im Alten Reich wird sie durch synkretistische Angliederung an benachbarte Löwengöttinnen, wie > Sachmet und vor allem > Tefnut, mit Löwenkopf dargestellt. Seit dem neuen Reich trägt B. zunehmend einen Katzenkopf, wurde doch der Katze selbst solare Bedeutung zugesprochen. So wird sie auch als ägyptische katzenköpfige Göttin bezeichnet, die in Bubastis als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde. Von daher rühren nicht zuletzt die dortigen großangelegten Katzenfriedhöfe.
Nach memphitischer Überlieferung ist B. die Mutter des Einbalsamierungsgottes > Anubis und wurde selbst als „Salben-Göttin“ gedeutet, welche die Salbe in ihrer überirdischen Kraft verkörpere. In der Bibel wird sie auf Hebräisch „Pi-Beset“ (Ez 30,17) genannt. In der griechischen Interpretation wird für sie > Artemis eingesetzt.
Als Gegentyp zur gefährlichen Sachmet trägt B. die Züge einer gütigen Göttin. Dazu passen auch die von Herodot (II.60) geschilderten rauschenden Feste in Bubastis. In der Spätzeit wird B. als Tochter der > Isis mit dem alles an sich ziehenden Isiskult verbunden.
In der heutigen Hexerei und > Sexualmagie gilt sie als die populärste altägyptische Gottheit.

Lit.: Geschichte Ägyptens unter den Pharaonen. Nach den Denkmälern bearb. v. Heinrich Brugsch-Bey. Leipzig, 1877 / Neudr. Wiesbaden: LTR-Verl., 1981; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränd. Aufl. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

Bastian, Harry (19. Jh),  amerikanisches Materialisationsmedium, dessen Fähigkeiten 1882 nachließen, sodass er sich von der Teilnahme an spiritistischen Sitzungen zurückzog. Dennoch lud ihn Lazar Freiherr von > Hellenbach 1883 zu Privatsitzungen für Erzherzog Johann und Kronprinz Rudolf nach Wien ein. Die beiden Adeligen beabsichtigten, B. zu entlarven, während Baron Hellenbach von dessen Fähigkeiten überzeugt war. In der dritten Sitzung, am 11. Februar 1884, wurde dann ein „Phantom“ als das Medium selbst entlarvt, worauf Erzherzog Johann ein Pamphlet mit dem Titel Einblicke in den Spiritismus veröffentlichte. Allerdings war das „Geistergewand“ spurlos verschwunden, weshalb Hellenbach in seiner Schrift Die Logik der Thatsachen die von Erzherzog Johann aufgestellte Hypothese des einfachen Betrugs zurückwies.
Bastian, dem schon 1874 Betrug vorgeworfen worden war, kehrte nach Amerika zurück und nahm an keinen Sitzungen mehr teil.

Lit.: Einblicke in den Spiritismus. Von Erzherzog Johann. Linz, 1884; Hellenbach, L. B.: Die Logik der Thatsachen. Eine Entgegnung auf die Brochure „Einblicke in den Spiritismus“ [Von Erzherzog Johann]. Leipzig: Oswald Mutze, 1884.

Basuki, Urwesen bei den vorderindischen Bhuiyas (in Orissa und Westbengalen), das die Erde trägt und aus dem Licht seiner Augen Sonne und Mond erschuf. Der Name dürfte mit dem Schlangenkönig Vasuki zusammenhängen.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989.

Bat, die weibliche Entsprechung des > Ba, eine altägyptische Gottheit, die im 7. oberägyptischen Gau mit der Hauptstadt Hu-sechem als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde. In ihrer kuhköpfigen Gestalt ist sie > Hathor sehr ähnlich, wenn nicht sogar mit ihr identisch. In den Pyramidentexten wird sie als „Bat mit den zwei Gesichtern“ und als „die große wilde Kuh“ bezeichnet.

Lit.: Fischer, H. G.: The Cult and Name of the Goddess Bat. Journal of the American Research Center in Egypt 1/ 1962.

Bat Kol oder Qol (hebr., „Tochter einer Stimme“), die göttliche Stimme, die Gottes Willen offenbart. Nach den Rabbis wurde diese Stimme in biblischen Zeiten ständig gehört, insbesondere in heilsgeschichtlich entscheidenden Momenten, wie vor dem Tod des > Moses und beim Tadel des > Salomon, als dieser Moses nachahmte.
Nach dem Ende der Prophetie wurde B. zur unmittelbaren Mitteilung Gottes an den Menschen in Auditionen und Träumen bzw. in bestimmten Lebenssituationen, wie z. B. beim Tod von Märtyrern.

Lit.: Valentin, Friderici: Bath Kôl Sive Disputatio Philologica De Filia Vocis. Lipsiae: Colerus, 1670.

Bata, ein ägyptischer Stiergott des 17. oberägyptischen Gaues, dem Kultzentrum des > Anubis.

Lit.: Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränd. Aufl. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

Bataille, Dr., Pseudonym für den weitgereisten angeblich rheinländischen Schiffsarzt Dr. Karl (Charles) Hacks, einen Mitstreiter des französischen Schriftstellers Leo > Taxil (Pseudonym für Gabriel-Antoine Jogand-Pagès) bei der Bekämpfung der Freimaurerei. 1892–1894 erschien sein zweibändiges Werk Le diable au XIXe siècle mit fast 2000 Seiten. Darin versucht er zu beweisen, dass die > Freimaurerei einen Teufelskult praktiziere und in ihrem Kern eine satanische Sekte mit weltweiter Vernetzung sei. Das Symbol der Sekte sei der geheimnisvolle > Baphomet, dessen Verehrung man den Tempelrittern vorwarf. In diese antifreimaurerische Propaganda suchte B. auch Papst Leo XIII. einzubinden. 1805 erklärte er dann öffentlich, dass seine Behauptungen frei erfunden seien. Dabei dürfte B. nur das Vorwort geschrieben haben, während der Inhalt der beiden Bände von Leo Taxil stammt, der zugab, das Werk als einen antifreimaurerischen und antiklerikalen Schabernack verfasst zu haben. Jedenfalls erregte das Buch, das in Romanform Teufelskulte verschiedener Länder beschreibt, großes Aufsehen und wird von vielen bis heute ernst genommen.
 
Lit.: Bataille, Docteur: Le Diable au XIXe siècle ou les Mystères du spiritisme. La Franc-maçonnerie luciférienne... Par le Dr. Bataille [Léo Taxil et Charles Hacks] [Texte imprimé]. Paris, 1892–nov./déc. 1894; note(s): Pour le suppl. qui le remplace en janv. 1895 voir: « Revue mensuelle religieuse, politique, scientifique ».

Batak, Volk im nördlichen Sumatra (Indonesien), das heute weitgehend christianisiert ist. Seine Urreligion ist in der Hauptsache > Ahnenkult mit einem Seelenbegriff als Seelenstoff, der zwischen Kraft und Person schwankt und tondi genannt wird. Verlässt tondi den Menschen im Tode, wird er zum Totengeist (begu).

Lit.: Warneck, Johannes: Die Religion der Batak. Ein Paradigma f. d. animist. Religionen d. Indischen Archipels. Leipzig: Dieterich, 1909.

Batara Guru, der angesehenste Gott der Toba-Batak auf Sumatra (Indonesien). Als Herrscher des Himmels und Vater der Menschen ist er auch der Gott der Gerechtigkeit.

Lit.: Winkler, Johannes: Die Toba-Batak auf Sumatra in gesunden und kranken Tagen: ein Beitrag zur Kenntnis des animistischen Heldentums. Stuttgart: Belser, 1925.

Batara Kala, in der Mythologie von Bali der Gott der Unterwelt, die er zusammen mit der Göttin > Setesuyara beherrscht. Er wird auch Schöpfer des Lichts und der Erde genannt.

Lit.: Storm, Rachel: Die Enzyklopädie der östlichen Mythologie: Legenden des Ostens. Reichelsheim: Edition XXL GmbH, 2000.

Batcheldor, Kenneth J. (1921–1988), englischer Psychologe, der beim gruppendynamischen Spiel des > Tischrückens 1964 die Feststellung machte, dass Stimmung und Glaube der Teilnehmer wichtige Faktoren bei der Induktion paranormaler Phänomene sind. Er nannte  folgende vier Wesenselemente: 1. überzeugter Glaube, dass sich etwas Paranormales ereignet; 2. Artefakte, die den Glauben wecken oder verstärken; 3. Suggestion von künstlichen oder realen paranormalen Ereignissen, welche die Erwartung einer echten paranormalen Begebenheit steigern; 4. Überwindung des Widerstandes, der aus Angst vor dem Unbekannten und Unkontrollierten entsteht. Nach B. sind es nämlich nicht Verstorbene, die paranormale Phänomene auslösen, sondern es ist die geistige Gestimmtheit der Sitzungsteilnehmer, die solche Phänomene verursachen.
Auf diesem Hintergrund befasste er sich später mit der Umsetzung seiner Technik zur Hervorbringung von > Psychokinese aus der unbewussten Muskelaktivität. Kurz vor seinem Tod wandte er sich auch noch der Frage der > Materialisation durch Infrarotaufnahmen zu.

Lit.: Contributions to the Theory of PK Induction from Sitter-Group Work. JASPR 78 (1984) 105; Report in a Case of Table Levitation and Associated Phenomena. JSPR 43 (1966) 339.

Bateman, Frederick, geb. am 14. Dezember 1909 in Woodford Green, Essex, England, Studium der Mathematik an der Universität London, hielt 1946–1948 Vorlesungen in Mathematik am Northampton College of Advanced Technology, London. Gleichzeitig interessierte er sich für Telepathie und Hellsehen. Gemeinsam mit Dr. Samuel George > Soal führte er mit den Versuchspersonen Gloria Stewart sowie Ieuan und Glyn Jones Kartenexperimente durch, um unter verschiedenen Bedingungen telepathische Effekte zu testen. B. ist Mitautor (mit Dr. Soal) des Buches Modern Experiments in Telepathy (1954) und weiterer Beiträge zum Thema.

Lit.: Soal, S. G./Bateman, F.: Modern Experiments in Telepathy; with an Introductory Note by G. E. Hutchinson. Westport, Conn.: Greenwood Press, 1975.

Bateman, Mary (1768–1809), allgemein Yorkshire Hexe genannt, war die Tochter angesehener Eltern aus Aisenby in Yorkshire. Ihr Vater hieß Harker. Schon als Fünfjährige fiel Mary durch Stehlen und Lügen auf, was dann zu ihrer dominanten Charaktereigenschaft wurde, weshalb sie auch vielfach Strafen einstecken musste. 1780 verließ sie das Elternhaus, um sich als Dienstmädchen zu verdingen, wobei sie sich hauptsächlich dem Stehlen hingab. Zudem verdiente sie ihr Geld als Wahrsagerin des einfachen Volkes, das sich von ihren angeblich übernatürlichen Kräften überzeugen ließ. Ihre Diebstähle blieben allerdings nicht unbemerkt, und so war sie auch längere Zeit arbeitslos. 1792 heiratete sie John Bateman. Doch bereits zwei Monate nach der Eheschließung wurde sie mehrerer Betrügereien für schuldig befunden und konnte sich der Verfolgung nur entziehen, weil ihr Mann den ständigen Ortswechsel mitmachte. Umso mehr betätigte sie sich nun als Wahrsagerin und Vermittlerin von Zauberformeln, weshalb ihr bald der Ruf einer Hexe vorauseilte. 1806 wandte sich die kranke Rebecca Perigo an B., die sich ihrer besonders annahm und reichlich Geld abzapfte, indem sie vorgab im Dienst eines > Orakels, Mrs. Blythe, zu stehen, welche die Gabe hätte, in die Zukunft der Eheleute Perigo zu schauen. So habe ihr das Orakel mitgeteilt, dass das Ehepaar Perigo mehrere Tage lang Pudding essen solle. Der von B. verabreichte Pudding war jedoch vergiftet. Der Mann aß nur die halbe, die Frau die ganze Ration. Beide erkrankten schwer. Während sich William Perigo langsam erholte, starb Rebecca 1808. Der Mann machte den Fall publik. B. wurde daraufhin verhaftet, nicht als Hexe, sondern wegen Mordes an Rebecca Perigo, was 1809 zu ihrem Tod am Galgen führte.

Lit.: Extraordinary Life and Character of Mary Bateman, the Yorkshire Witch. Leeds: John Davies, 21809; The Complete History of Mary Bateman, the Yorkshire Pretended Witch & Imposter, etc. Leeds: H. Buckley & Son, 1864.

Bates, William Horatio > Bates-Methode.

Bates-Methode, Entspannungsmethode zur Behebung von Sehstörungen. Die Methode wurde vom US-amerikanischen Augenarzt Dr. William Horatio Bates, geb. am 27. Dezember 1860 in Newark, New Jersey, und gest. am 10. Juli 1931 in New York, entwickelt. B. machte 1885 an der Cornell University seinen Universitätsabschluss und arbeitete anschließend als Augenarzt in New York. Dabei gelangte er sehr bald zur Feststellung, dass längere Überanstrengungen der Augen in der Pubertät häufig zu Kurzsichtigkeit führten, dass die Sehfähigkeit im Tagesverlauf schwankte und dass sich viele Störungen spontan beheben ließen. Diese Feststellung untermauerte er durch Untersuchungen von 30.000 Augenpaaren. Seine Erfahrungen widersprachen der vorherrschenden Meinung, der zufolge Sehfehler auf eine irreversible Schädigung des Auges oder der Augenlinse zurückzuführen seien, und waren so überzeugend, dass er ungeachtet aller Einwände die revolutionäre Schlussfolgerung zog, dass die Anpassung, durch welche Kurzsichtigkeit, z. B. beim Lesen, und Weitsichtigkeit gesteuert werden, keine Funktion der Linse sei, sondern vielmehr der beiden Muskeln um den Augapfel.
Aufgrund dieser Erfahrungen entwickelte er eine Reihe von Methoden, die er in seinem Buch Besser sehen ohne Brille (1919) beschreibt. Dies führte zu zahlreichen Sehschulen und zur Anwendung von einfachen Übungen im Alltag zur Verringerung von Astigmatismus, Kurz- und Weitsichtigkeit und anderer Sehstörungen. Solche einfache Übungen sind: das Palming („Handauflegen“), wobei man die geschlossenen Augen mit den Händen bedeckt, um den Lichteinfall noch mehr zu reduzieren; Entspannung der Augen durch leichtes Hin- und Herschaukeln des Körpers, bis man anfängt zu blinzeln; abwechselndes Fixieren und Lockerlassen des Blickes unter Vermeidung ungesunden Starrens; einfache Übung der Augenmuskeln, etwa durch häufiges Blinzeln usw.
Der prominenteste Bericht über die Wirksamkeit dieser Methoden stammt von Aldous > Huxley: Infolge einer Erkrankung im Teenageralter konnte er nur mehr mit starker Brille und Atrophin zur Pupillenerweiterung lesen. Als sein Augenlicht immer schwächer wurde, stieß er auf die Bates-Methode: „Innerhalb von zwei Monaten konnte ich ohne Brille lesen. Und was noch viel erfreulicher war, ich las ohne Anstrengung und Ermüdung. Die chronische Verspannung und die plötzlichen Anfälle von totaler Erschöpfung waren vollkommen verschwunden“ (The Art of Seeing, 1943). Von der Schulmedizin wird die Methode trotzdem noch kaum beachtet.
  
W.: Rechtes Sehen ohne Brille: Heilung fehlerhaften Sehens durch Behandlung ohne Brille = (Perfect Sight Without Glasses). Bietigheim: Rohm, 1999.
Lit.: Huxley, Aldous: Die Kunst des Sehens: was wir für unsere Augen tun können. Aus dem Engl. und mit einem Nachw. von Christoph Graf. München; Zürich: Piper, 1996.

Bateson, Gregory (1904–1980), amerikanischer Philosoph, Ethnologe, Biologe und Psychologe, Sozialwissenschaftler und Kybernetiker, Sohn von William B., der den Begriff Genetik prägte. Zeitweilig war er mit der bekannten Anthropologin Margaret Mead verheiratet. B. gilt als Vordenker des > Holismus: Lebende Systeme haben den Geist (mind) als organisierendes Prinzip. Ein lebendes System kann daher auch nicht auf seine Bestandteile reduziert werden, denn das würde zu der falschen Annahme führen, dass das Ganze die Summe seiner Teile sei.

W.: Ökologie des Geistes: anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1994; Geist und Natur: eine notwendige Einheit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1995.
Lit.: Lutterer, Wolfram: Gregory Bateson: eine Einführung in sein Denken. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme-Verl., 2002.

Bathin (auch Bathym, Marthin), > Dämon in Gestalt eines starken Mannes mit Schlangenschwanz, der auf einem blassen Pferd reitet und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet ist. So kennt er die geheimen Kräfte der Steine und Pflanzen und kann einen Menschen blitzschnell von einem Ort zum andern befördern. Laut Johann > Weyer ist er Kommandant von 30 Legionen.

Lit.: Wierus, Joannes: Ioannis Wieri De Praestigiis Daemonum, et in cantationibus ac veneficiis: Libri sex; Acc. Liber apologeticus, et pseudomonarchia daemonum; Cum rerum ac verborum copioso indice. Postrema editione quinta aucti & recogniti. Basileae: Oporinus, 1577.

Bathon (indian.), außergewöhnliche Lebenskraft beim Volk der Dakota (Sioux-Omaha). B.
haust unter Umständen in einem > Medizinbündel, auf das die > Schamanen bzw. die >  Medizinmänner ihre Heilerfolge zurückführen.

Lit.: Kreis, Karl Markus: Lakotas, Black Robes, and Holy Women. Lincoln: University of Nebraska Press, 2007.

Báthory, Erszébeth (7.10.1560–14.8.1614, Csejthe, Nordungarn), genannt „Blutgräfin“. Erszébeth wurde als Tochter von Baron und Baroness Georg und Anna Báthory in der Brug von Escet (Ungarn) geboren. Die Familie gehörte zu den reichsten Ungarns. E. entwickelte sich zu einer sehr schönen und gebildeten jungen Frau. Als sie ca. neuen Jahre alt war, kam es zu einem Bauernaufstand. Auf der Flucht mit ihren zwei Schwestern und den Kindermädchen wurden sie eingeholt und E. musste mit ansehen, wie die Kindermädchen ermordet und die Schwestern vergewaltigt und gehängt wurden. Ihr selbst geschah nichts, weil die Kindermädchen sie noch rechtzeitig verstecken konnten. Sie flüchtete in das nächste Dorf. Dort wurden die Täter gefangen genommen, vor ihren Augen gefoltert und gevierteilt.
Mit 15 Jahren heiratete sie 1575 den 21-jährigen Ferenz Nadasdy. In der Nacht vor der Trauung kam König Matthias II. volltrunken in ihr Zimmer, als sie gerade nackt vor dem Spiegel stand. Der König war von ihrer Schönheit so eingenommen, dass er ihr einen Heiratsantrag machte. E. wurde dermaßen wütend, dass sie ihre Dienerinnen so heftig schlug, dass diese mit blutenden Wunden übersät waren. Der König verlangte das jus primae noctis, das Recht der ersten Nacht, doch verabreichten ihm die Brautleute ein Schlafmittel.
Durch die Ehe der beiden zog sich ein roter Faden an sexueller Perversion. So wird erzählt, dass Ferenz auf Wunsch von E. ein 12-jähriges Mädchen entjungferte und sie dieses dabei auspeitschte.
Als Ferenz in den Krieg zog, war sie allein auf der Burg, und Männer wie Frauen konnten sich als Geliebte einfinden. In dieser Zeit begann sie Mädchen um sich zu scharen. Sie wurden gefoltert, sexuell missbraucht und getötet. 1584 musste sie auf Befehl ihres Mannes von Schloss Keresztur aus auf die Burg Cachtice, auch „Csejthe“ genannt, wechseln. Als sie in die Gegend kam, herrschte dort gerade die Pest. Sie ließ alle Menschen in den befallenen Dörfern begraben, ob tot oder lebendig.
Ihr Mann vergab ihr und nach langer Kinderlosigkeit gebar sie 1585 ihr erstes Kind, eine Tochter, die sie Anna nannte. In den nächsten neun Jahren gebar sie zwei weitere Töchter, Ursula und Katharina, und 1598 ihren ersten und einzigen Sohn Pavol.
Als Ferenz Nadasdy 1604 auf dem Schlachtfeld starb, warf sie ihre Schwiegermutter aus dem Schloss und jagte ihre vier Kinder weg. Ihre Grausamkeit brach nun voll durch: So steckte sie glühende Nadeln in die Körper oder unter die Fingernägel der Mädchen. Dienerinnen wurden gebrandmarkt. Heiße Schlüsseln wurden auf der Haut ausgeglüht. E. biss Fleischstücke aus den Körpern (bei lebendigem Leib) und kaute darauf herum. Sie probierte allerlei magische Mixturen an den Mädchen aus.
Der einzige Sinn war, an das Blut der Mädchen zu kommen. Sie trank es, badete sich darin und hoffte dadurch, ewige Jugend und Schönheit zu erlangen.
B. steht übrigens als Massenmörderin Nummer 1 im Guinness-Buch der Rekorde – eine grausame Berühmtheit. Nachgewiesen wurden ihr 610 Morde, die sie selbst in ihrem Tagebuch beschrieben hat. Man geht aber von mindestens 650 Mädchen aus, die sie auf grausame Weise ermordete. Bei allen Opfern handelte es sich um Mädchen zwischen 12 und 25 Jahren.
1611 kam es zu einem Gerichtsverfahren, ihre Helfer wurden hingerichtet, sie selbst lebendig in den Nordturm von Cachtice eingemauert. Dort verbrachte sie den Rest ihres Lebens bis zu ihrem Tod am 14.8.1614.  
B. war eine depressive Sadistin mit rein lesbisch gerichtetem Aktionsdrang.

Lit.: Farin, Michael (Hg.): Heroine des Grauens: Wirken und Leben der Elisabeth Báthory in Briefen, Zeugenaussagen und Phantasiespielen. München: Kirchheim, 2003.

Bathym > Bathin.

Batin (arab., innerlich, verborgen), einer der 99 Namen Gottes. Im > Sufismus der Grundbegriff für das „innere Wissen“ (arab. al’Ilm al-batin) im Gegensatz zum äußeren Wissen (arab. al’Ilm azh-zhahir, auswendig, offensichtlich) der Schriftgelehrten.

Lit.: Hughes, Thomas Patrick: Lexikon des Islam. Wiesbaden: Fourier, 1995.

Batinija (arab. batin, „Inneres, Verborgenes“), Bezeichnung für die > Ismailiten im Hinblick auf ihre Geheimhaltung der Lehre vor Nicht-Eingeweihten und ihre Überzeugung, dass hinter dem Äußeren (> zahir) einer heiligen Schrift ein Inneres (> batin) stecke, dass durch das besondere Verfahren des ta’wil, die Zurückführung des zahir auf das batin,zu erfassen sei. Dieses innere Erfassen erfolgt nicht nach Prinzipien, sondern nach der Eingebung, was bis zu fingierten Ansichten führte. Dies wurde von den Ismailiten für den Aufbau und die Darstellung ihrer Lehre voll ausgenützt.
Jede Gruppe, die ta’wil billigte oder etwas zu verbergen hatte, wurde von den Gegnern als B. deklariert und diskreditiert.

Lit.: Goldziher, Ignaz: Streitschrift des Gazali gegen die Batinyja-Sekte. Leiden: E. J. Brill, 1916; Muhammed Ibn al-Hasan ad-Dailami: Die Geheimlehre der Batiniten nach der Apologie „Dogmatik des Hauses Muhammed“ / Hrsg. von R. Strothmann. Leipzig: F. A. Brockhaus, 1939.

Batiniten, liberale islamische Mystiker, benannt nach > Batin, dem inneren Sinn, den sie den Texten des Koran geben. Nach Ablauf bestimmter Perioden, die aus den Planeten und Sternbildern errechnet werden, muss sich eine neue Gottheit auf Erden manifestieren, damit die Religion den jeweiligen Zeitverhältnissen angepasst werde.

Lit.: Muhammed Ibn al-Hasan ad-Dailami: Die Geheimlehre der Batiniten nach der Apologie „Dogmatik des Hauses Muhammed“ / Hrsg. von R. Strothmann. Leipzig: F. A. Brockhaus, 1939.

Batman (engl., „Fledermaus-Mann“), Kämpfer gegen das Böse in der Welt. Geheimnisvoll unter einer Maske versteckt, vermag er mit seinem Fledermausgewand zu fliegen. Seitdem seine Eltern einem Mordanschlag zum Opfer fielen, bekämpft B., mit dem bürgerlichen Namen Bruce Wayne, alle Verbrecher, abnormen Schurken und eingefleischten Bösewichte. Er steht für Gesetzestreue, Ordnungsliebe, Eigentumsachtung und sexuelle Enthaltsamkeit. Um seine Gegner zu erschrecken, benutzt er eine Fledermausmaske und einen fledermausartigen Umhang. Jedes Mal, wenn B. einen Hilferuf der Polizei oder gar des Präsidenten der USA vernimmt, tritt er mit seinem Helfer Robin in Aktion.

Seit 1939 verkörpert B. jugendliche Sehnsüchte nach einem unbesiegbaren Helden, der zum Titelhelden der Science Fiction-Literatur wurde.
Lit.: Scott Beatty: Batman – die Welt des dunklen Ritters. Stuttgart: Dino, 2002.

Baton, auch Elato, griechischer Wagenlenker des weisen Sehers > Amphiaraos, den er im Krieg der Sieben gegen Theben begleitete. Dabei wurden beide samt ihrem Gespann von einer Erdspalte verschlungen, die Zeus durch einen Blitz geöffnet hatte. 

Lit.: Bener, Fritz: Die Amphiaraossage in der griechischen Dichtung. Chur: Bischofberger, 1945.

Battos
1. Kuhhirte des Neleus von  Pylos, den der erzürnte > Hermes in einen Stein verwandelte, weil er sein Versprechen gebrochen hatte, dem > Apollon nicht zu sagen, dass er (Hermes) das Rindvieh des Gottes gestohlen hatte.
2. Der erste König von Kyrene, der mit einem Sprachfehler geschlagen war – er stotterte – und sich in dieser Not an das Delphische Orakel wandte. Doch ging die Antwort der > Pythia nicht auf sein Problem ein, sondern beauftragte ihn, die Stadt Kyrene in Libyen zu gründen:

Battos, zwar kamst du der Stimme wegen, doch Phoibos Apollon
Sendet dich Libyen zu, dem herdenreichen, als Siedler.“


Vom Stammeln wurde er hingegen geheilt, als er beim Anblick eines Löwen erschrak.

Lit.: Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.

Baubiologie, Teilgebiet der Biologie, das sich mit dem Verhältnis von Wohnen und Gesundheit befasst. Dabei stellen sich neben den Fragen nach den gesundheitlichen Auswirkungen von Baustoffen, Möbeln und Elektroinstallationen auch die Fragen nach Abschirmung der Impulsreize der „sferics“ und der Reizzahl von Schwingungsgrößen bzw. der Stoffemissionen, nach Innen- und Außenraumresonanzen, Farbwirkung, Standort, Erdstrahlen, usw.
Zudem muss der Mensch lernen, sich als Teil des Kosmos in die Wirkungsfelder der Natur einzuschalten, zumal er bei entsprechender Einstellung auch psychisch positiv resonanzfähig sein kann. 

Lit.: König, Herbert L.: Unsichtbare Umwelt: der Mensch im Spielfeld elektromagnetischer Kräfte; Wetterfühligkeit, Feldkräfte, Wünschelruteneffekt. 2., wesentl. erw. Aufl. München: Eigenverlag Herbert L. König, 1977; Mauritius, Gernot: Der gesteuerte Mensch: Allpsyche, Kosmos, Leben. Innsbruck: Resch, 1980; Resch, Andreas: Kosmopathie: der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur. Innsbruck: Resch, 21986.

Baubo, griechisch-kleinasiatische Göttin und Personifizierung der weiblichen Fruchtbarkeit, deren Name als „Bauch, Uterus, Höhle“ gedeutet wird.
Nach einem orphischen Hymnus habe B. der trauernden > Demeter bei der Suche nach ihrer geraubten Tochter > Persephone einen Becher angeboten, den sie jedoch zurückwies, bis B. sich entblößte und die Göttin durch das Zeigen ihrer Scham erheiterte. Die öbszöne Handlung wird als > Abwehrzauber gegen die Mächte des Todes verstanden ( vgl. > Uzume in Japan).
Dargestellt wird B. ohne Kopf bzw. mit einem Kopf, der mit ihrem Bauch identisch ist und direkt über den Beinen liegt.
Später wurde B. zur Bezeichnung eines alten Weibes verwendet. In > Goethes Faust ist von der Hexe B. die Rede, die auf einer Sau durch die > Wallpurgisnacht reitet..

Lit.: Peuckert, Will-Erich: Geheimkulte: das Standardwerk. Lizenzausg. Hamburg: Nikol Verlagsges.m.b.H. u. Co.KG, 2005.

Bauch, das Abdomen, der Rumpfabschnitt zwischen Brustkorb und Becken, ist Symbol für mütterliche Wärme und mütterlichen Schutz, aber auch der Vernichtung des genussvoll oder grausam Verschlungenen.
In der bildenden Kunst des Buddhismus, vor allem in Japan, symbolisiert ein nackter, dicker Bauch bei männlichen Figuren Freundlichkeit, Ruhe und Wohlergehen.

Lit.: Herder-Lexikon Symbole. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 72000.

Bauchaufschlitzen, Gastrotomie, ein Verfahren, das zu den grauenhaften Betätigungen der > Percht, der Kinderscheuche und Spinnstubenfrau sowie der Henkersknechte gehört.
Wer am Perchtentag die primitiv-magische Schuld unvorschriftsmäßiger Nahrungsaufnahme auf sich lädt, dem füllt die Dämonin den aufgeschnittenen Leib mit Häckerling oder Backsteinen an, um ihn dann mit Pflugschar und Eisenkette wieder zuzunähen (Grimm, Mythol. I, 226. 227). In der Obersteiermark und in Salzburg füllt die Perchtel den faulen Dirnen den aufgeschnittenen Bauch mit Kehricht. Ähnlich verfahrende Dämonen sind die bayrischen Semper, die mährische Schperechta und viele andere.
Neben diesem Volksglauben ist das Bauchaufschlitzen ein zutiefst menschenverachtendes Ritual der Selbst- und Fremdjustiz. So gilt in Japan seit dem Ende des 13. Jhs. Hara-kiri (jap. hara, Bauch; kiru, schneiden) bei Adeligen und insbesondere bei den Samurai als möglicher Ausweg aus aussichtslosen Situationen, wie Untreue, Verachtung, Bestrafung für Leichtsinn, unglückliche Liebe. Seppuku, wie die Japaner Hara-kiri nennen, ist die unter Aufsicht vollzogene Tötung durch Bauchaufschlitzen, eine Art ehrenvoller Todesstrafe. Legendären Ruhm erhielten in diesem Zusammenhang die Kaikashu, die Helfer der sich den Bauch Aufschlitzenden, die ihr Leiden durch das gnädige Köpfen des Seppuku Begehenden verkürzten. Seit dem 17. Jh. gilt B. zudem als ehrenvolle Todesstrafe für Adelige.
B. wird aber auch in anderen Ländern bei Durchführung der Todesstrafe angewandt.

Lit.: Seward, Jack: Hara-kiri: Japanese Ritual Suicide. Rutland, Vt.; Tokyo: Tuttle, 1973; Grimm, Jacob: Deutsche Mythologie. Unveränd. Nachdr. der 4. Aufl. mit Bearb. von Elard H. Meyer 1875–78. Wiesbaden: Fourier, 2003.

Bauchkneifer, Vorstellung von einem mit Beißzangen ausgestatteten Tier, welches das Bauchgrimmen hervorruft; erfundener „Krankheitsdämon“ aus der Heilmittelwerbung, der als „mächtiges Wesen“ präsentiert wird, um ein bestimmtes Teepräparat an den Mann zu bringen, das die Kraft besitzen soll, dieses Wesen „mit Liebe machtlos“ zu machen.

Lit.: Glaube im Abseits: Beiträge zur Erforschung des Aberglaubens / Dietz-Rüdiger Moser (Hrsg.). Darmstadt: Wiss. Buchges., 1992.

Bauchreden (lat. Ventriloquismus; venter, Bauch; loqui, Reden), das Hervorbringen von Wortlauten ohne Lippenbewegung mittels Gaumensegel und Kehlkopf. Die Stimme kommt dabei nicht aus dem Bauch, wie man früher glaubte, sondern wird durch das Zusammenpressen der Gaumenbögen im Mund und durch Verengung des Kehlkopfeingangs durch Rücklage der Zunge gebildet.
Diese Kunst des B. reicht bis in die Antike zurück und wurde als etwas Übernatürliches, so bei den Kirchenvätern (Stolle, Register) und im Mittelalter (Meyer, 289) oder als Werk von Dämonen angesehen.
Im alten Griechenland war Eurykles von Athen einer der bekanntesten Bauchredner. Auch die Hexe von > Endor zählte als Prophetin zu dieser Klasse. Die Septuaginta, die altgriechische Übersetzung des Alten Testaments, nennt die Bauchredner eggastrimythos (Eingeweideredner).
Im 16. Jh. wurden Louis Brabant, ein Diener König Franz’ I., und im 17. Jh. Henry King, genannt King’s Whisperer, Diener bei König Karl I., als Bauchredner bekannt.
Heute treten Bauchredner meist in Varietés auf.

Lit.: Mayer, D. I.: Die Ventrilogistik oder Kunst des sogenannten Bauchredens. Ihr Wesen und ihre Geschichte kurz erörtert, mit einer auf physiologischer Untersuchung beruhenden Anweisung, dieselbe mit Erfolg zu üben: nebst biographischen Skizzen verschiedener Bauchredner vom 16.–19. Jahrhundert. Stuttgart, 1860; Bockamp, Elke: Bauchreden – spielend lernen. Moers: Ed. Aragon, 42002.

Bauchredner > Bauchreden.

Bauchtanz (engl. Belly dance, fr. danse du ventre), auch orientalischer Tanz genannt, ist als Teil eines Fruchtbarkeitsrituals ein sehr alter Kulttanz zu Ehren der „Großen Göttin“, die auch als > Erdmutter oder > Erdgöttin (Gaia) verehrt wurde. Der B. ist bereits auf einer ägyptischen Wandmalerei aus der 18. Dynastie (um 1400 v. Chr.) nachweisbar, während die heutige Form des Solotanzes in Ägypten erst in den 30/40-er Jahren auftauchte. Vor allem in der islamischen Welt blieb der Tanz als erotisch betonter Kunsttanz bis in die Gegenwart erhalten. Als bei der Weltausstellung von 1893 in Chicago eine Solotänzerin auftrat, war die westliche Welt ebenso schockiert wie fasziniert. Eine „Orient-Welle“ setzte ein, die jedoch bald wieder abflaute, bis Hollywood mit seinen Musicalfilmen im Stil von 1001 Nacht eine neue Welle lostrat. Anfang 1960 entstanden in den USA die ersten „Belly Dance-Studios“, die 1970 nach Deutschland kamen. Mitte der 80-er Jahre erreichte die „Bauchtanz-Welle“ einen ersten Höhepunkt.
Der Tanz besteht aus ruckartigen, von den Bauchmuskeln dirigierten Bewegungen und Zusammenziehungen des Unterleibs, die von Hüftbewegungen begleitet werden. Finger und Hände untermauern die einzelnen Bewegungen mit ihren Schnalz- und Knackgeräuschen.
Schließlich war auch der Tanz der > Hexen beim > Sabbat mit seinen freizügigen und erotischen Körperhaltungen Teil eines Fruchtbarkeitskultes.
Die moderne Esoterik sucht den B. als den ältesten Tanz der Frauen auf eine ästhetisch-vitale Ebene zu heben.

Lit.: Gadalla, Ulaya: Bauchtanz: das orientalische Schönheitsprogramm; der Weg zu einem neuen Körperbewußtsein. München: Goldmann, 1992; Karkutli, Dietlinde: Das Bauchtanz-Buch. Vollst. überarb. Neuausg. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002; Pütz, Jean: Bauchtanz: Lebenselexier aus dem Orient; Tänze und Genüsse aus 1001 Nacht. Köln: vgs, 2003.

Baucis > Philemon und Baucis.

Baudelaire, Charles (*9.4.1821 in Paris, †31.8.1867 ebd.), französischer Dichter des Seltsamen, Unheimlichen, Verruchten, der eine bis zum Satanskult gesteigerte Lust am Bösen der Sehnsucht nach dem Schönen und Guten gegenüberstellt.
B. gilt heute als einer der größten französischen Lyriker überhaupt und als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen literarischen Moderne. So war sein Hauptwerk, Les Fleurs du Mal (1857), auch in Deutschland richtungweisend für die Dichtung des späten 19. und frühen 20. Jhs. und setzt sich im 21. Jahrhundert fort. Bereits der Titel seines Hauptwerkes greift das Spannungsfeld zwischen dem Bösen und der Sehnsucht nach dem Guten auf. Der Mensch lebt in einem schwermütigen Existenzüberdruss, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nur der Künstler in seiner schöpferischen Tätigkeit kann mittels Vorstellung (imagination) geheime Affinitäten der Dinge unterhalb ihrer trivialen Erscheinung erfassen und so das Schöne im Hässlichen aufspüren. Daher strebt sein Held der modernen Welt trotz der ihn umgebenden Hässlichkeit nach Vergeistigung und Idealen.
In dieser Doktrin der Affinitäten (correspondances), beeinflusst von Emanuel > Swedenborg, J. K. > Lavater, Hoffmann und Fourier, manifestiert B. seinen manichäischen Dualismus zwischen Streben nach dem Ideal und Hingabe an das Böse in der Verherrlichung Satans als dem wahren Weltbeherrscher: „Die Erde ist nicht Entsprechung des Himmels, sondern Spiegel der Hölle.“
So verehrt er in den Litaneien des Satans in Les Fleurs du Mal (dt. Die Blumen des Bösen), die seinen engen Kontakt mit satanischen Kreisen bezeugen, > Satan „als den weisesten und schönsten Engel, der selbst nach seinem Sturz noch Gott ist“. Der > Satanismus ist für B. daher eine negative Verehrung Gottes und Satan ein Symbol der unterdrückten Triebe, der Lebensfreude des Menschen, der Auflehnung gegen Staat und Kirche. Für B. steht Satan über Gott, weil er, obwohl verraten und gestürzt, seine Würde und seinen Stolz bewahrt hat.
B. verkehrte daher in dem von Théophile Gautier gegründeten „Club der Haschishins“, wohl identisch mit satanischen Kreisen, deren Mitgliedern in einem Pariser Hotel Cannabis in Form eines Konfekts (Dawamesc, algerisches Haschisch) serviert wurde. Die Berichte von B. über die Trips zählen zu den ersten Veröffentlichungen über die Wirkung des Haschischgenusses im 19. Jahrhundert.

W.: Die Blumen des Bösen: Umdichtungen. Stuttgart: Klett-Cotta, 22004; Êuvres complètes. Préf. de Claude Roy. Notice et notes de Michel Jamet. Paris: Laffont, 2004; Les fleurs du mal: illustrées par la peinture symboliste et décadente. Préface: Baudelaire, le poète aux « larges Yeux » par Jean-David Jumeau-Lafond. Recherches iconographique et notices biographiques Aurélie Carréric. Paris : Diane de Selliers Editions, 2005.

Baudouin, Charles (*26.7.1893 Nancy, †25.8.1963 in Plan-les-Ouates), Sohn des Antoine und der Marie Laurence Geoffray, studierte in Nancy, Paris und Genf Literatur mit Lizenziat (1912) und Doktorat (1920). Ab 1915 unterrichtete er in Genf, zunächst am Institut Jean-Jacques Rousseau, dann an der Philosoph. Fakultät der Universität.
B. war ein Freund Stefan Zweigs sowie Romain Rollands, den er 1918 verteidigte. 1917 veröffentlichte er in der Zeitschrift Le Carmel Gedichte gegen den Krieg. 1924 gründete er das Institut International de Psychagogie et Psychothérapie sowie die Zeitschrift Action et Pensée.
B. war u. a. ein hervorragender Psychotherapeut und die erste Autorität auf dem Gebiet der > Autosuggestion, des Mustertyps jedweder > Suggestion:
„Die Autosuggestion ist der Mustertyp einer jeden Suggestion. Sie ist nicht vornehmlich eine Erscheinung der Beeinflussung, die Einwirkung eines Menschen auf einen anderen; Suggestion kann vorliegen, ohne dass eine Person suggeriert. Die Suggestion kann, kurz gesagt, bestimmt werden als die unbewusste Verwirklichung eines Gedankens.“ (Baudouin, Suggestion, S. 7)
Bereits 1910 wies er darauf hin, dass das Unterbewusstsein in einem schlafartigen Zustand zu beeinflussen sei, bei dem jede bewusste Anstrengung auf ein Minimum beschränkt ist. Daraus entstand die sog. Baudouin-Technik, die in folgende Formel zusammengefasst werden kann: Am einfachsten und wirkungsvollsten wird dem Unterbewusstsein die gewünschte Vorstellung suggeriert, indem man sie zu einem kurzen, einprägsamen Satz verdichtet, dann, gleichsam als Schlaflied, ständig wiederholt.
Nach seinen Arbeiten zur Suggestion (Suggestion et Autosuggestion, 1920) wandte er sich der Psychoanalyse (L'âme enfantine et la psychanalyse, 1931) zu und schuf mit seiner „Psychologie der Instanzen“ (De l'instinct à l'esprit, 1950) eine Synthese der Ansätze Sigmund Freuds und Carl Gustav Jungs. Zudem war er auch als Romanschriftsteller, Dichter und Übersetzer tätig.

W.: Die Macht in uns: Entwicklung einer Lebenskunst im Sinne der neuen Psychologie. Dresden: Sibyllen-Verl, 21924; De l'instinct à l'esprit. Précis de psychologie analytique. Neuchâtel: Delachaux, Niestlé, 1970; Das Seelenleben des Kindes und die Psychoanalyse. Olten u. a.: Walter, 1972; Komplexe. Olten u. a.: Walter, 1972; Suggestion und Autosuggestion. Basel; Stuttgart: Schwabe, 1972; Fälle. Olten u. a.: Walter, 1973; Methoden. Olten u. a.: Walter, 1973.

Bauer, Eberhard, Dipl.-Psych., geb. am 15. Februar 1944 in Pforzheim, studierte Geschichte und Philosophie in Tübingen sowie Psychologie in Freiburg i. Br. 1970 begann B. seine wissenschaftliche Mitarbeit am > Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. (IGPP) in Freiburg. 1972 wurde er Wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Hans > Bender und 1975 bei dessen Nachfolger, Prof. Johannes > Mischo, am Lehrstuhl für Psychologie und Grenzgebiete der Psychologie der Universität Freiburg, wo er Lehrveranstaltungen leitete und im Rahmen eines Lehrauftrages verschiedene Kurse und Seminare in Parapsychologie und Grenzgebieten der Psychologie veranstaltet. Seit 1970 ist B. Redakteur und seit 1980 Mitherausgeber der Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie. Seit 2003 gibt B. zusammen mit Michael Schetsche die IGPP-Schriftenreihe Grenzüberschreitungen heraus.
Zusammen mit seinem Beratungsteam bietet B. am IGPP Beratung und Information für Menschen mit außergewöhnlichen (paranormalen) Erfahrungen an. Ferner ist B. Leiter der Abteilung „Kulturwissenschaftliche und wissenschaftshistorische Studien“ und des Servicebereichs „Archiv und Bibliothek“ am IGPP sowie wissenschaftlicher Betreuer der Spezialbibliothek „Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie“ der  Universität Freiburg. Als Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes des IGPP ist er schließlich auch mit der Leitung des Instituts eng verbunden.
Neben diesen Funktionen ist B. Mitglied der > Parapsychological Association, der > Society for Psychical Research (SPR), der > Society for Scientific Exploration (SSE) sowie Gründungsmitglied und 2. Vorsitzender der > Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie e.V. (WGFP) in Freiburg i. Br.
Zu B.s besonderen Forschungs- und Interessensgebieten gehören die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte von Spiritismus, Okkultismus und paranormalen Phänomenen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart sowie interdisziplinäre Verflechtungen der parapsychologischen Forschung. Aufgrund der intensiven und jahrelangen Arbeit auf diesen Gebieten gehört B. heute zu den besten Kennern der parapsychologischen Literatur und der Forschung im Bereich der Grenzgebiete der Psychologie.
Neben seinen zahlreichen Aufsätzen und Beiträgen in Nachschlagewerken, Sammelbänden und Zeitschriften im In- und Ausland ist B. Herausgeber und Mitverfasser folgender Bücher:
Psi und Psyche (Stuttgart 1974), Spektrum der Parapsychologie (Freiburg i. Br. 1983, zus. mit Walter v. Lucadou), Psi – Was verbirgt sich dahinter? (Freiburg i. Br. 1984, zus. mit Walter v. Lucadou), Psychologiegeschichte – Beziehungen zu Philosophie und Grenzgebieten (München 1998, zus. mit J. Jahnke, J. Fahrenberg, R. Stegie); Alltägliche Wunder – Erfahrungen mit dem Übersinnlichen (Würzburg 2003, zus. mit M. Schetsche), Clinical Aspects of Exceptional Human Experiences (Utrecht 2009, zus. mit W. H. Kramer und G. H. Hövelmann).

Bauer, Georg > Agricola, Georgius.

Bauer, Isolde (*1923), deutsche Malerin und Sensitive, die seit den 1950-er Jahren in Kalifornien lebt. Nach einem Nahtod-Erlebnis begann sie, im Trancezustand Bilder aus dem vergangenen Leben von Menschen zu malen. Der einstige Hollywood-Star Shirley > MacLaine, die Präsidentengattin Pat Nixon und andere Prominente ließen ihre Porträts von B. malen. Ihre Erlebnisse aus den vergangenen Leben beschreibt sie in dem Buch Déjà-vu.

Lit.: Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995.

Bauer, Wolfgang, Dipl.-Psych., geboren 1940 in Frankfurt a. M., studierte Psychologie und begleitend Volkskunde. B. ist als Psychotherapeut, Supervisor und Markt- und Trendforscher tätig. Er publizierte als (Mit-)Autor und Herausgeber zahlreiche Bücher im Bereich Symbolkunde, Altes Wissen und Volksbotanik, wie: Lexikon der Symbole, Metamorphosen, Rabengeschrei,  6.  und 7. Buch Moses, Der Mann hinter dem Spiegel, Das Lexikon der Orakel.

W.: 6., 7. [Sechstes, siebtes] Buch Moses / Einl. u. Bildkommentare von Wolfgang Bauer. Repr. d. Ausg. Dresden, Gutenberg, 1931. Berlin: Kramer, 1979; Metamorphosen: e. wahres Abrakadabra d. Kunst d. Verwandlung; Quellen, Texte, Kommentare, Bilder. Berlin: Zerling, o. J.; Rabengeschrei: von Raben, Rillen, Runen u. Recken / hrsg. von Wolfgang Bauer. Berlin: Zerling, 1987; Das Lexikon der Orakel: der Blick in die Zukunft. München: Atmosphären, 2004; Lexikon der Symbole. Wiesbaden: Marixverl., 2004 (Mitherausg.).

Bauernpraktik, ein in vielen Auflagen seit 1508 erschienenes Büchlein, das vornehmlich der Bestimmung der > Witterung des kommenden Jahres aus der planetarischen Natur und dem Wetter des Christtags diente. Die B. entspringt den meteorologischen Vorstellungen des Mittelalters und fußt mit ihren Regeln größtenteils auf dem antiken Neujahrsglauben und der hellenistischen Zeitmystik. Die Erstausgabe von 1508 zeigt als Titel auf dem ersten Blatt über einem Holzschnitt den Satz: „In disem biechlein wirt ge- / funden der Pauren / Practick vnnd / regel darauff sy das gantz / iar ain auffmercken / haben vnnd / halten“. Die folgenden Auflagen ergänzen die B. mit Anweisungen zu > Aderlass und > Schröpfen sowie mit Aussagen zum Ab- und Zunehmen des Mondes, angereichert mit apokalyptischen Deutungen, vornehmlich entnommen den astrologischen Offenbarungsbüchern und hermetischen Schriften.

Lit.: Bawren practic: in disem biechlin wirt funden der Pauren Practick vnd Regel. Straßburg: Schürer, 1510; Bawren Practica: Oder Wetterbüchlein, wie mann die Losung der Zeiten durch das gantze Jahr erlernen unnd erfahren mag, von Jahr zu Jahr werende; Auffs new gemehret und mit schönen Figuren gezieret / Durch Heine von Vry. Erffurdt: Fritzsche, 1637; Reynmann, Leonhard: Wetterbüchlein: von wahrer Erkenntniss d. Wetters; 1510; mit e. Einl. / L. Reynman. Facs.-Dr. [d. Ausg.] Berlin 1893–1896. Nendeln/Liechtenstein: Kraus-Reprint, 1969. Enth. ausserdem: Récit de la grande expérience de l'équilibre des liqueurs / Blaise Pascal. On the modifications of clouds / Luke Howard. Die ältesten Karten der Isogonen, Isoklinen, Isodynamen. Die Bauern-Praktik.- Concerning the cause of the general trade-winds / George Hadley; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter, 1987.

Bauernregeln, teils gereimte, teils ungereimte Sprüche des Volksmundes, die sich vornehmlich auf die Wettervorhersage beziehen und insbesondere bei der Landbevölkerung zu finden sind. Die Regeln haben zumeist lokale Bedeutung, gründen zum Teil aber auch auf Traditionsgut ( > Bauernpraktik). So kann man die B. in folgende vier Gruppen einteilen:
1. Astrologische Sprüche, die zum großen Teil antike Einflüsse aufweisen. In Vergils Georgica, Buch I, 351– 463 finden sich derlei Vorzeichen in Fülle. 
2. Ernteweissagungen aus der Witterung bestimmter Monate und Tage, die meist auf lokale Beobachtungen zurückgehen, wie etwa die Monatsregel: „März trocken, April nass, Mai lustig, von beiden was, bringt Korn in’n Sack und Wein ins Fass“.
3. Wind-, Blitz- und Donnersprüche, die nach Tagen berechnet werden, reichen bis in die Antike zurück, da man auch im Altertum Monats- und Jahresweissagungen kennt: „Wie der Wind am 3., besonders aber am 4. und 5. Tage nach dem Neumond ist, so weht er den ganzen Monat hindurch.“
4. Tier- und Pflanzenwelt-Sprüche gehören zum allgemeinen Erfahrungsgut. So sagt der Bauer den Regen voraus, wenn er die Frösche schreien hört, die Tauben baden, die Gänse auf einem Fuß stehen, die Hühner die Schwänze hängen lassen, Regenwürmer aus der Erde kriechen und die Bienen sich nicht weit vom Bienenstock entfernen.
So sehr diese Bauernregeln durch die technische Wettervorhersage auch verdrängt wurden, geht es dennoch bei den aus jahrhundertelanger Beobachtung gewonnenen B. um Erfahrungswerte der Natur, die von grundsätzlicher Bedeutung sind.

Lit.: Orphal, Kurt: Alte Bauernregeln, neu gesehen: Erl. von altbewährten Bauernregeln nach neuzeitl. Gesichtspunkten. Berlin: C. V. Engelhard, 1943; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.  Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Zehl, Hermine-Marie: Der 100jährige Kalender: Bauernregeln, Mondrhythmen, Wetterkalender, Sonnenzeichen, Hausmittel. München: Bassermann, 2005; Kumpfmüller, Judith: Die besten Wetter- und Bauernregeln: alte Volksweisheiten & moderne Meteorologie. München: Heyne Ludwig, 2006.

Bauerntum, die vermutlich aus dem Jäger- und niederen Pflanzertum hervorgegangene systematische Feldbestellung und Viehzucht in Sesshaftigkeit, getragen von einer tiefen religiösen Bindung, auch > Agrarreligion genannt, in deren Mittelpunkt vor allem der Erfahrungsbereich von Saat und Ernte, > Ahnenkult, > Totenverehrung und Gottesfurcht stehen. In diesem Kontext kann es auch zur Bildung von > Maskenwesen, > Geheimbünden, > Mutterrecht, Königtum, Verehrung der > Sonne und von > Fruchtbarkeitsgöttern sowie zu > Kopfjagd, > Kannibalismus und > Schädelkult kommen. Der Ahnen- und Totenkult hat in vielen Teilen der Erde zu gewaltigen > Megalithbauten geführt.

Lit.: Das deutsche Bauerntum: Seine Geschichte und Kultur / Hrsg. von Wilhelm Hansen. Berlin-Schöneberg: Niermann, 1940; Linke, Wolfgang: Frühestes Bauerntum und geographische Umwelt: eine historisch-geographische Untersuchung des Früh- und Mittelneolithikums westfälischer und nordhessischer Bördenlandschaften. Paderborn: Schöningh, 1976.

Bauernzauber. Zauberriten zur Abwendung des Bösen von Häusern, Ställen und Äckern. Solche Riten in Form von Opfern, Gebeten und mannigfachen Handlungen begleiten die Anlage von Feldern und Äckern, die Aussaat und Ernte, das Setzen von Grenzsteinen, und bilden die Schutzmaßnahmen für Haus, Hof und Land.
Bei den Römern erhielt > Jupiter vor dem Säen ein Speise- und Dankopfer, beim Baumschlagen wurde ein Schwein dargebracht, bei der Ernte ein Ferkel, Früchte, Kuchen und Wein. Im Dienst der Zauberriten standen bei den Römern auch die jährlichen Feiern, wie die Hirtenfeste Lupercalia (15. Februar) und Parilia (21. April), die dem Beginn der freien Weide, dem Reinigen der Ställe und der Abwehr von Wölfen dienten, während die Robigalia (25. April) den Schutz der Äcker vor dem Getreiderost und das Augurium Canarium (April) als Opfer roter Hunde die Abwehr sengender Sonne bewirken sollten. Besonders reich an Agrarmagie waren die Riten der > Arvalbrüder, einer religiösen Gesellschaft, die alljährlich Flurumgänge, Opferriten und heilige Mahlzeiten veranstalteten.

Lit.: Heiler, Friedrich: Die Religionen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 21962.

Baugi (altnord., "der Kummer"), nach der nordischen Mythologie ein Riese und Bruder > Suttungs, der den aus > Kwasirs Blut bereiteten Met besaß, welcher Dichtkunst und Weisheit verlieh. > Odin, der diesen zu erwerben wünschte, suchte B. unter dem Namen Böllwerk als schlichter Wanderer auf und verdingte sich bei ihm einen Sommer lang für einen Schluck von Suttungs Met. Als B. im Herbst bei seinem Bruder wegen des Mets vorstellig wurde, lehnte dieser ab. So blieb nur eine List, um an den Met zu gelangen. B. und Böllwerk begaben sich zum Berg, wo > Gunnlöd, die Tochter Suttungs, die wertvollen Gefäße bewachte. B. bohrte ein Loch in das Gestein und Odin kroch, in einen Wurm verwandelt, hinein. Gunnlöd, der sich Odin als Riese vorstellte, verliebte sich in ihn und ließ ihn schließlich „zu drei Zügen“ trinken. Diese drei leerten aber die drei Gefäße, worauf Odin in Adlergestalt davonflog und in > Asgard den Met, der jedem, der davon bekam, Weisheit und Sangeskunst verlieh, in die von den > Asen bereitgehaltenen Gefäße spie.

Lit.: Kabell, Aage: Bau und der Ringeid. In: Archiv för nordisk Filologi 90 (1975); Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Sonderausg. Freiburg u. a.: Herder, 2002.

Bauhoroskop, astrologische Ermittlung des günstigsten Zeitpunktes für eine Grundsteinlegung. > Guido Bonatus forderte die Erstellung eines Bauhoroskops bei Kirchen- und Klosterbauten.

Lit.: Guido, Bonatus: Decem continens tractatus Astronomie / Guido bonatus de forlivio. [Magistri Johannis angeli viri peritissimi diligenti correctione]. Auguste Vindelicorum: Ratdolt, 1491; Guido, Bonatus: Guidonis Bonati Foroliviensis Mathematici De Astronomia Tractatus X: Uniuersum quod iudiciariam rationem Nativitatum, Aeris, Tempestatum, attinet, comprehendentes. Adiectus est Cl. Ptolemaei liber Fructus, cum commentarijs utilissimis Georgij Trapezuntij. Basileae: [Kündig], 1550. 

Bauhütte.
1. Bauwerkstätte der mittelalterlichen Kirchen (opus, fabricae ecclesiae), wo die Bausteine zugerichtet, die Werkzeuge aufbewahrt wurden, Auszahlungen und Besprechungen stattfanden und die Bauleute vielfach auch aßen und schliefen.
2. Bei Bauten von längerer Dauer ging der Name auf die sich dort versammelnde Arbeiterschaft über. Nach der Verweltlichung der Klosterbauhütten wurde B. zur Bezeichnung  der Bruderschaft der Steinmetze.
3. Der englische Name der B., das Lehnwort lodge, wurde dann von der > Freimaurerei zur Bezeichnung der Loge übernommen. Daher ist im deutschen Sprachgebrauch B. gleichbedeutend mit Loge.

Lit.: Du Colombier, Pierre: Les chantiers des cathédrales: ouvriers, architectes, sculpteurs (1889–1975). Nouv. éd. revue et augmentée. Paris: Picard, 1992; Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932.  München: Herbig, 2000; Binding, Günther: Der mittelalterliche Baubetrieb in zeitgenössischen Abbildungen. Bearb. von Akiko Bernhöft. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.

Bāul (sanskr. vatula, „verrückt“). In Indien eine Art wandernder Sänger, Mystiker oder Eingeweihter in esoterische Praktiken, aber auch eine Klasse von „Volksliedern“, die von solchen Leuten verfasst und gesungen werden. Die B. genannten Personen gehören zum Bengali-sprachigen Gebiet Südasiens.

Lit.: Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen / John Bowker (Hrsg.). Darmstadt: Wiss.l. Buchges., 1999; The Mirror of the Sky: Songs of the Baul's of Bengal / translated from the original Bengali with introduction and notes by Deben Bhattacharya. Prescott, Ariz.: Hohm Press, 1999.

Baum, in der Botanik eine ausdauernde Pflanze, die einen deutlich erkennbaren aufrechten Stamm besitzt, der aus einer Wurzel emporsteigt und an dem sich oberirdisch Äste befinden, die wiederum Zweige, Blätter, Blüten und Früchte ausbilden.
Der B. gehört zu den wichtigsten Rohstoffen der Welt. Er liefert Bau- und Heizmaterial, den Rohstoff für die Papierverarbeitung und Erdöl sowie verschiedene Früchte. Er ist wichtig für die Luftreinigung. Seine Wurzeln halten das Wasser in der Erde. Er ist ein natürlicher Helfer gegen Überflutungen und Erosion. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der B. schon früh zu einem Ursymbol mit fast unüberschaubarem Bedeutungsreichtum wurde.
Weltbaum
Als Weltbaum steht der B. in der Mitte des Alls und verbindet Himmel und Erde. Bei den Germanen ist es die Weltesche > Yggdrasyl, in persischer Überlieferung ein gewaltiger Baum, der aus dem Ozean aufragt, im älteren Hinduismus ein umgekehrter Baum mit den Wurzeln im Himmel und den Zweigen unter der Erde. Die > Bhagavadgita deutet den umgekehrten Baum auch als Symbol für die Entfaltung alles Seienden aus einem Urgrund. Der umgekehrte Baum taucht auch in anderem Zusammenhang auf, so in der > Kabbala als Lebensbaum oder im Islam als B. des Glücks. Im Judentum entspricht er dem Himmelsbaum – der siebenarmige Leuchter, der die Planeten trägt.
Sein hohes Alter macht den B. zum Symbol der Ewigkeit. Besonders die immergrünen Bäume (Lorbeer, Myrte, Zeder, Tanne, Zypresse) scheinen unberührt vom Gesetz des Vergehens und stehen daher in hohem Ansehen. So ist die Zeder das Symbol Jahwes (Ps 92, 13–15; 104, 16), die den Blitz anziehende Eiche ist > Zeus und > Odin geweiht, der Ölbaum > Athene, der Lorbeer > Apollon, die Myrte > Aphrodite.
Der B. vereint in sich auch Dauer und Schwinden, Bleiben und Werden, Hartes und Zartes, Starkes und Schwaches, Hohes und Tiefes. Er spendet Schatten, Schutz, Sicherheit und Heilung, wie der zwölfmal Früchte tragende B., „jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker“ (Offb. 22, 2). Kranke kriechen durch Bäume oder werden hindurchgezogen. Andererseits werden Krankheiten in den Wald oder in einzelne B. verbannt.
Lebensbaum
In vielen Religionen und Philosophien ist der B. Symbol für Leben und Erkenntnis und wird als solches in einer Unzahl künstlerischer Werke dargestellt (vgl. Hieronymus Bosch und Lucas Cranach). Zudem steht der B. für Kreation, Schönheit, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Größe, Erfolg und Freude. Auch Maria wurde als Lebensbaum aufgefasst.
In China wurden bei Todesfällen Bäume für die Verstorbenen gepflanzt, um ihre Seelen auf der Reise zu stärken und den Körper zu schützen. Ägyptische Darstellungen zeigen, wie die Himmelsgöttin (Hathor, Nut) den Toten aus einem B. heraus Speise und Trank reicht. In der Kabbala besteht der Baum aus zehn Sphären, den > Sephirot, durch die die Schöpfung hindurchgegangen ist, und symbolisiert den archetypischen Menschen > Adam Kadmon.
Bis heute wird vereinzelt der uralte Brauch gepflegt, für jedes neugeborene Kind einen B. zu pflanzen. Zur Lebensbaumsymbolik gehören schließlich auch der Maibaum und der Christbaum.
Baum der Weisheit
Im B. glaubte man die Stimme Gottes zu hören, z. B. von Jahwe (2 Sam 5, 23f.), in der > Eiche von Dodona jene von > Zeus; > Buddha empfing die Erleuchtung unter einem > Bodhi-Baum. Nach > Plinius (†79 n. Chr.) waren Bäume die ersten Tempel der göttlichen Wesen.
In der > Alchemie spielt der B. als > arbor philosophica eine Rolle, dem > Mercurius vergleichbar, ist er die Vorstufe zum großen Mysterium, und die erstrebte Vollkommenheit wurde als Frucht des unsterblichen Baumes (fructus arboris immortalis) angesehen.
Wohnsitz der Götter
Die Germanen und die Kelten verehrten den Baum als etwas Heiliges, als Wohnsitz der Götter. Jeder keltische Buchstabe repräsentierte eine heilige Pflanze. Es gab sogar einen Kalender, der auf den heiligen Bäumen aufgebaut war. Das Baumalphabet war die Grundlage der > Druiden bei ihrem Verständnis von Leben und Tod.
Lebewesen
Dem B. werden schließlich alle Qualitäten eines besonders sensiblen Lebewesens zugeschrieben. Er empfindet Schmerz, kann alkoholisiert, geimpft, betäubt und vergiftet werden. Er spricht auf  Kälte, Wärme, Feuchtigkeit, Trockenheit, Licht, Farbe, Töne an. Er gedeiht besser durch Zufuhr von Lebensmagnetismus, sei es durch Bestrahlung mit der Hand, sei es durch Begießen mit magnetisiertem Wasser, ja sogar durch liebevolle gefühlsmäßige und gedankliche Zuwendung. Gleichzeitig emaniert er heilende und stärkende Kräfte, strahlt Ruhe aus und schenkt Geborgenheit. > Baumkult.

Lit.: Bauerreiss, Romuald: Arbor Vitae: der „Lebensbaum“ und seine Verwendung in Liturgie, Kunst und Brauchtum des Abendlandes. München: Filser, 1938; Schrödter, Willy: Magie – Geister – Mystik. Berlin: Schikowski, 1958. Hermsen, Edmund: Lebensbaumsymbolik im alten Ägypten: e. Unters. Als Ms. gedr. Köln: Brill, 1981; Höhler, Gertrud: Die Bäume des Lebens: Baumsymbole in d. Kulturen d. Menschheit. München: Goldmann, 1988; Mazal, Otto: Der Baum: ein Symbol des Lebens in der Buchmalerei. Graz: ADEVA, 1988; Harva, Uno: Der Baum des Lebens: Göttinnen und Baumkult. Bern: ed. amalia, 1996; Vom Baum der Erkenntnis zum Baum des Lebens: ganzheitliches Denken der Natur in Wissenschaft und Wirtschaft; [im Rahmen des Forschungsprojektes „Kulturgeschichte der Natur“ entstanden] / von Klaus Michael Meyer-Abich und Gerhard Scherhorn. München: Beck, 1997.

Baum der Erkenntnis. Nach biblischer Überlieferung hat Gott den ersten Menschen verboten, von diesem Baum zu essen, da es ihm allein vorbehalten sei, zu bestimmen, was gut und was böse ist. „Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.“ (Gen 2, 16–17)
Vom Baum der Erkenntnis ist auch in anderen Kulturen die Rede. Im griechischen Mythos ist es der Baum der Hesperiden, im iranischen der Baum Hom, und in Indien ist es der Feigenbaum, unter dem Buddha erleuchtet wurde.

Lit.: Meier, Levi: Vom Baum der Erkenntnis: altes Wissen neu entdeckt. St. Pölten u. a.: NP-Buchverl., 2000.

Baum der Zauberer (Latua pubiflora), ein Strauch aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), der in Südchile wahrscheinlich schon in vorspanischer Zeit schamanisch genutzt wurde. Gattung und Art wurden erstmals vom deutschen Botaniker Rudolph A. Philippi (1858) beschrieben. Latua publiflora ist eine der seltensten psychoaktiven Pflanzen überhaupt, die früher von chilenischen Fischern als Fischgift eingesetzt wurde. Der ausdauernde Strauch kann bis zu zehn m hoch werden, erreicht aber meist nur eine Höhe von drei bis vier Meter.
Die Pflanze gilt als > Aphrodisiakum und wurde als Zutat für Liebestränke benutzt. Sie enthält die Tropanalkaloide Atropin und Scopolamin. Sie soll heftige Delirien und visuelle > Halluzinationen erzeugen, starke Mundtrockenheit bewirken, die Pupillen vergrößern sowie Kopfschmerzen und Verwirrung hervorrufen. Nachwirkungen können wochenlang anhalten.

Lit.: Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen: Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung / Mit einem Vorwort von Albert Hofmann. Stuttgart; Aarau, CH: Wiss. Verl.-Ges.; AT Verlag, 1998.

Baum des Lebens > Baum.

Baumachat, zählt als derber Quarz zur Mineralklasse der Oxide, Formel: SiO2 + Fe,Mn,Si. Die grünen Einschlüsse bestehen aus verschiedenen Eisensilikaten. Diesen pflanzenähnlichen Einschlüssen verdankt er auch seinen Namen.
Als Schmuckstein ist B. kaum bekannt. Von einem gewissen Interesse ist er hingegen in der Heilkunde. Da er seine Wirkung sehr langsam entfaltet, soll er nur bei kontinuierlicher Anwendung von Nutzen sein. Zu diesem Zweck wird er bspw. als Anhänger im Bereich der Thymusdrüse (zwischen Herz und Kehle) auf der Haut getragen. Er soll Ausdauer, Beharrlichkeit und innere Ruhe fördern und so mithelfen, auch unangenehme oder angsteinflößende Situationen besonnen zu bewältigen. Körperlich führt er angeblich durch Stärkung des Immunsystems und der Vitalität des Organismus zu einer Stabilisierung der Gesundheit.

Lit.: Gienger, Michael: Lexikon der Heilsteine: von Achat bis Zoisit / Mit Fotos v. Wolfgang Dengler. Saarbrücken: Neue Erde, 42000.

Baumeister, rechtlich geschützte Berufsbezeichnung, die nur von demjenigen geführt werden darf, der die B.-Prüfung bestanden hat.
Die Bezeichnung B. findet bereits im Neuen Testament ihre höchste Bedeutung: „denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat“ (Hebr 11, 10) und: „Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter“ (1 Kor 3, 10).
Diese Aufgaben erfüllte dann im konkreten Leben vor allem der B. der mittelalterlichen Kathedralen in einer unübertroffenen Weise. Er arbeitete den Entwurf aus und war auch an dessen praktischer Verwirklichung beteiligt, wozu ihn eine solide Schulung in „Geometrie“ und ihrer Gesetze wie auch eine eigentliche praktische Arbeit auszeichnete.
Aus diesem historischen Hintergrund entstand dann die Freimaurerbezeichnung Allmächtiger oder Großer Baumeister aller Welten (> A.B.A.W.), die allerdings in den ältesten Ritualbüchern noch fehlt, obwohl die englische Fassung Great Architect of the Universe sich bereits in der Tragödie Edward II von Christopher Marlowe (1564–1593) findet. Doch auch schon > Pico della Mirandola (1463–1494) und  Johann Amos > Comenius (1592–1670) sprechen vom „höchsten Baumeister der Welt“. In der Freimaurerei tritt die Bezeichnung erst im Dumfries Kilwinning MS. Nr. 4 (1696) auf; auch die Vorrede der Long Livers (1722) hat sie an zwei Stellen.

Lit.: Biedermann, Hans: Das verlorene Meisterwort: Bausteine zu einer Kultur- und Geistesgeschichte des Freimaurertums. Wien: Böhlau, 1986; Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932. München: Herbig, 2000.   

Baumeistersage. Erzählung, nach der Götter, Dämonen, Riesen und sogar der Teufel überlistet wurden, besonders eindrucksvolle Bauten (Burgen, Brücken, Dämme, Straßen, vor allem aber Kirchen) zu errichten. Dafür verlangten sie aber nicht selten, das Erste zu opfern, das einem entgegenkam. Tragischerweise waren dies mitunter das eigene Kind oder die eigene Frau anstatt, wie erwartet, der Hund. Das erste Beispiel, dass der Teufel als Baumeister auftritt, ist die Legende des hl. Wolfram aus dem 9. Jh. Einen weiteren Beleg bietet die Snorra Edda (1220/30).
In diesem Zusammenhang findet sich auch häufig das Motiv des „geprellten Teufels“.

Lit.: Boberg, Inger Margrethe: Baumeistersagen. Helsinki: Suomalainen Tiedeakatemia [Wiesbaden], 1955; Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Sonderausg. Freiburg u. a.: Herder, 2002.

Baumelben, Baumgeister. Zu den Bäumen, in denen > Elben wohnen sollen, zählen vor allem Ulme, Eiche, Eibe, Weide, Fichte, Stechpalme, Kiefer, Esche, Birke, Zypresse, Kirsch-, Lorbeer-, Nuss- und Apfelbäume. Die höchste Elbendichte weist allerdings der Holunder auf. Da das Leben dieser Elben an jenes des Holunders gebunden ist, beschützen sie diesen mit aller Macht. Beim Beerenpflücken empfiehlt es sich daher, die Elben vorher um Erlaubnis zu bitten.
In Gestalt, Geschlecht und Kleidung variieren die B. je nach Klimaeinfluss und Art ihres Stammbaumes. Zu den vielen Arten gehören der polnische Boruta, ein Fichtengeist, der dänische Löfviska, der Kirschbaumelb Tuometar sowie Hongatar und Katajatar in Finnland, die englischen  Nussgeister Melch Dick und Churn Milk Peg und die griechischen Nereiden. Im Übrigen gibt es B. in der ganzen Welt.

Lit.: Arrowsmith, Nancy: Das große Buch der Naturgeister. Stuttgart: Weitbrecht Verlag in K. Thienemanns Verlag, 2000.

Baumgeister > Baumelben.

Baumkalender, Einteilung des Jahres in 40 Zeitabschnitte, denen nach den Kelten 22 bestimmte Bäume zugeordnet werden. Die Ursprünge dieser Einteilung sind historisch nicht belegt. Als 1946 der britische Schriftsteller und Dichter Robert Graves das Buch The White Goddess (dt.: Die weiße Göttin, 1948) veröffentlichte, in dem er durch eine willkürliche Zuordnung von Ogham-Zeichen des keltischen Alphabets zu einzelnen Bäumen einen keltischen B. entwickelte, fand dieser große Akzeptanz, obwohl in den altirischen und altslawischen Quellen zur > Astrologie niemals Bäume vorkommen. Trotzdem  wird der B. von manchen bereits als Bestandteil ihrer Lebensauffassung angesehen.
Das Jahr wird in zwei Hälften geteilt, in die Zeit der dunklen und die Zeit der hellen Tage. Jede dieser Perioden wird wiederum in 20 Zeitabschnitte unterteilt, denen die verschiedenen Bäume zugeordnet werden, sodass ein Kalenderjahr aus 40 Baumphasen besteht. Dabei werden jedem zugewiesenen Baum besondere Merkmale zugeschrieben.

Lit.: Graves: Robert: The White Goddess: A Historical Grammar of Poetic Myth. New York: Creative Age Press, 1948; ders.: Die weiße Göttin. Berlin: Medusa-Verl., 1981; Vescoli, Michael: Der keltische Baumkalender. München: Kailash, 2009.

Baumkult, Verehrung des Baumes als Träger göttlicher und geheimnisvoller Kräfte. Man sieht den Baum wachsen, sich bewegen und hört ihn rauschen wie die Stimme eines Lebenden; man hält ihn für einen hilfreichen Geist, für den man Gaben in die Zweige hängt, den man berührt, um seine Kräfte aufzufangen und mit der Mutter Erde in Verbindung zu treten. Von der Erdmutter hat er die Fähigkeit geerbt, die Zukunft zu kennen; damit besitzt er eine weissagende Funktion, die sich besonders in der germanischen Mythologie erhalten hat. Der germanische Gott > Odin hängte sich neun Tage lang an der tief verwurzelten Esche > Yggdrasil auf, um an das geheime Wissen der > Runen zu gelangen.
Schon Tacitus berichtet (Germania 9), dass die Germanen Haine und Wälder verehrten. Diese Verehrung lebte auch nach der Christianisierung im Volksglauben noch lange weiter. So wird in süddeutschen Beichtspiegeln des 15. Jhs. das Baumopfer („Baumfüttern“) erwähnt,
Im prähistorischen Kreta verehrte man Bäume als Erscheinungen der Götter. In der griechisch-römischen Antike finden wir in > Dodona den Kult der Eiche, zu Olympia den des wilden Ölbaums.
Auch die Buddhisten stellten sich den Wald beseelt vor. Wenn eine Baumgottheit den Menschen erscheinen will, so zeigt sie sich in den Zweigen, kann aber auch ganz aus dem Baum hervortreten und als > Brahmane umherwandeln.
Bäume werden nicht zuletzt wegen ihrer magischen Heilkraft verehrt. So wird ein Kranker, der durch einen gespaltenen Baum kriecht, von seinem Leiden angeblich geheilt.

Lit.: Höfler, Max: Wald- und Baumkult in Beziehung zur Volksmedicin Oberbayerns. München: E. Stahlsen, 1892; Harva, Uno: Der Baum des Lebens: Göttinnen und Baumkult. Bern: ed. amalia, 1996; Magie und Mythos der Bäume. Wien: Ed. Brandstätter, 1997; Eggmann, Verena: Baumzeit: Magier, Mythen und Mirakel; neue Einsichten in Europas Baum- und Waldgeschichte. Zürich: Werd-Verl., 2003.

Baumquarz, meist beige-braunes, verkieseltes, versteinertes Holz, entweder aus faserigem Chalcedon, körnigem Jaspis oder amorphem Opal.
B. soll in seiner Wirkung auf den Körper vor Gefäßverengung und Arterienverkalkung bewahren, die Drüsenfunktion steuern und die Verdauungssäfte regulieren. In seiner Heilwirkung auf die Psyche soll B. die Lebenskraft, das Selbstvertrauen und die Willenskraft steigern sowie die Seele regulieren.

Lit.: Stephan, Dieter: Das große Lexikon der Heilsteine. Augsburg: Weltbild, 2004.

    
Baumseele > Baum.     

Baumwesen > Baum.

Baunscheidtismus, Hautreiztherapie von Carl Baunscheidt (1809–1873). Braunscheidt, geb. am 16.12.1809 bei Hagen in Westfalen, studierte am damals berühmten von Fellenbergischen Institut in Hofwil bei Bern Naturwissenschaften und erfand während seines freiwillig geleisteten Militärdienstes ein neues Visier für das Gewehr. Er ließ sich dann in Bonn nieder und befasste sich u. a. mit der Entwicklung neuer ärztlicher Instrumente. Dabei machte er zufällig die Feststellung, dass sich durch Mückenstiche sein Gichtleiden besserte. Diese Wirkung versuchte er mit einem Gerät, dem Dermatobiotikon („Lebenswecker“), nachzuahmen, an dem 33 feine Nadeln angebracht sind, die beim Druck auf die Haut bis zu zwei Millimeter in die Haut eindringen können. Durch diese leichte äußerliche Verletzung der Haut werden an vorher genau erkundeten Punkten Reizvorgänge ausgelöst, worauf ein hystaminchloridhaltiges Öl (Oleum Beinscheidtii) in die Haut einmassiert wird. Dieses Öl verursacht einen mehr oder weniger starken Ausschlag auf den zuvor gestichelten Hautpartien, womit folgende Wirkungen erzielt werden: Heilung chronischer oder akuter Neuritiden, über die Reflexzonen Stärkung der zugehörigen Organe und über das Vegetativum Einfluss auf das hormonale Geschehen, Ableiten von Lymphflüssigkeit und Gewebeschlacken aus den sich bildenden Pusteln.
B. behandelte die Kranken, die zu ihm nach Endenich bei Bonn kamen, mit seinem neuen Verfahren unentgeltlich und erfreute sich im 19. Jh. großer Beliebtheit. Seine Therapie gehörte zum Schatz jeder Hausapotheke. Man nannte sie auch die „Akupunktur des Westens“.

W.: Der Baunscheidtismus: mit Holzschnitten / vom Erfinder dieser neuen Heillehre Carl Baunscheidt. 6., abermals ... bereicherte Auflage. Bonn: J. Wittmann, 1858; Die Mücke: Ein volksthümliches Correspondenz-Organ für alle Freunde der Natur u. Wahrheit / Hrsg. u. red. v. Carl Baunscheidt in Endenich. Bonn: J. Wittmann, 1861.

Bauopfer, Darbringung eines Opfers bei der Errichtung eines Baues, das die Baustelle heiligen und so den Bau sichern soll. Dieser Brauch ist über die ganze Erde und bei Völkern aller Kulturen verbreitet. Er kommt bereits im Mesolithikum vor und beruht auf dem Glauben, dass dämonische Mächte (Erd- und Flussgötter) versöhnt werden müssen, in deren Herrschaftsbereich der Mensch durch seine Bauten eingreift.
Am häufigsten war die Darbringung lebender Wesen: Menschen, besonders Kinder, später Tiere, die dann durch leblose Gegenstände abgelöst wurden.
Neben dem Akt der Versöhnung soll durch das B. auch noch ein besonderer Schutz bewirkt werden, indem die Seele des Geopferten zum Schutzgeist des Baues wird. Davon zeugt die Vorstellung, dass durch das Einmauern eines Kindes, das bisweilen von einer armen Mutter gekauft wurde, eine Burg unüberwindlich wird (Schambach, 326). Auch zum Tode Verurteilte dienten als B. (Witzschel I, 282).
Manche Elemente des B. leben im heutigen Ritus der Grundsteinlegung weiter, wie Urkunden und spezielle Einbringsel. Münzen sollen Wohlstand bringen, Olivenzweige oder Räucherwerk Harmonie und Frieden.
 
Lit.: Sagen, Sitten und Gebräuche aus Thüringen / gesammelt von August Witzschel. Herausgegeben von G. L. Schmidt. Wien: Braumüller, 1878; Klusemann, Kurt: Das Bauopfer: Eine ethnographisch-prähistorisch-linguistische Studie. Graz; Hamburg : Selbstverlag, 1919; Niedersächsische Sagen und Märchen / aus dem Munde des Volkes gesammelt und mit Anmerkungen und Abhandlungen hrsg. von Georg Schambach und Wilhelm Müller. Stuttgart: Kohlhammer, 1948. Müller Zeis, Rita: Griechische Bauopfer und Gründungsdepots (1994). Saarbrücken, Univ., Diss., 1989; Sagen, Märchen und Lieder aus Schleswig, Holstein und Lauenburg / hrsg. von Karl Müllenhoff. Neue Ausg. besorgt von Otto Mensing. Neudr., 4. Aufl. Kiel: Schramm, 1995; Capelle, Torsten: Bauopfer. Neumünster: Wachholtz, 2000.

Bauplatzsagen. Legenden vom Ursprung einer Kultstätte, eines großen Tempels, einer Stadt oder eines anderen Gebäudekomplexes. Erzählungen dieser Art finden sich schon in der griechischen und römischen Antike und kommen auch im asiatischen und islamischen Raum vor. Besonders verbreitet sind B. in der christlichen Erzählung im Hinblick auf Wallfahrtsorte, Klosteranlagen oder Grabkirchen. Die häufigsten Motive sind: weisende Tiere, Hammer- und Beilwurf, Traumvisionen, besonderes Wachstum, Schneefall im Sommer, Auffindung bzw. Wanderung eines Kultbildes. > Baumeistersage.

Lit.: Lexikon des Mittelalters. Bd. 2., Darmstadt: Wiss. Buchges., o. J.

Bausymbolik, sinnbildliche Bedeutung eine Bauwerks oder seiner Teile. Die > Symbolik  kann bereits bei der Planung eingebracht oder erst später hineingelegt werden, etwa durch kultischen Gebrauch, aber auch durch theoretische Deutung. Dabei können alle Formen der darstellenden Symbolik zur Geltung kommen, wie dies besonders in den mittelalterlichen Kathedralen der Fall ist..

Lit.: Enderle, Pius: Der neue David und das neue Jerusalem: Versuch e. theol. Interpretation d. Bausymbolik d. ehemaligen Nikolauskapelle d. Freiburger Münsters. Freiburg i. Br.: Schillinger, 1983.

Bautasteine (die Herkunft des Wortes ist unsicher), Gedenksteine für Verstorbene in Form schlanker, unbeschrifteter Steine in der Höhe zwischen 30 cm und 5,1 m, die in einigen Gebieten Skandinaviens und den angrenzenden Regionen in der Zeit vom 5. Jh. v. Chr. bis ca. 1000 n. Chr. aufgestellt wurden, aber bereits auf spätbronzezeitlichen Grabhügeln vorgekommen sein sollen. Sie finden sich einzeln und miteinander verbunden besonders zahlreich auf den Inseln Bornholm und Fuur (im Limfjord). B. sind von Steinsetzungen (Grabdenkmäler, Opferplätze) und den Runensteinen zu unterscheiden, wenngleich sie später, teilweise noch vor der Wikingerzeit, mit Runeninschriften zum Schutz der Grabstätten versehen wurden. Nach Zeugnissen der > Edda dienten die B. auch noch in der Wikingerzeit (ca. 800 bis 1066) als Totengedenksteine:
„Ein Sohn ist besser, ob spät geboren
Nach des Vaters Hinfahrt.
Bautasteine stehn am Wege selten,
Wenn sie der Freund dem Freunde nicht setzt.“ (Edda, Hávamál, 71)
B. sollten möglicherweise nicht nur an den Verstorbenen erinnern, sondern dessen Leichnam auch im Grabe festhalten.

Lit: Magnus, Olaus: Historia De Gentibus Septentrionalibus: Earumque Diversis Statibus, Conditionibus Moribus, Ritibus, Superstitionibus, disciplinis, exercitiis, regimine, victu, belis, structuris, instrumentis, ac mineris metallicis & rebus mirabilibus, necnon universis pene animalibus in Septentrione degentibus, eorumq[ue] natura; Opus Vt Varium, Plurimarumque Rerum Cognitione Refertum, ... maxima lectoris animum voluptate facile perfundens / Avtore Olao Magno Gotho Archiepiscopo Upsaliensi Suetiñ & Gothiñ Primate. Romae: [G. M. de Viottis], 1555; Exner, Walter: Moai: Osterinsel-Bautasteine; Wikinger in der Südsee? Waldeck: Siebenberg-Verl., 31997; Die Edda: Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen / übertr. von Felix Genzmer. Eingel. von Kurt Schier. Kreuzlingen u. a.: Hugendubel, 2006.

Bavent, Magdelaine, französische Nonne und Hauptfigur einer Besessenheitsepidemie im Kloster von Louvier (Normandie), geb. 1607 in Rouen, gest am 21.08.1647 ebd.
In einer von ihr diktierten und 1652 posthum veröffentlichten Autobiografie, Histoire de Magdelaine de Bavent, beschreibt sie die vorgetäuschten Besessenheitsphänomene im Kloster von Louvier. Nach ihren Ausführungen trat sie, mit etwa 16 Jahren, in das Kloster ein in der Absicht, dem Herrn in aller Aufrichtigkeit zu dienen. Die geistliche Führung hatten jedoch Priester inne, die offensichtlich Anhänger der gnostischen Sekte der > Adamiten und deren später Nachfahren, der böhmischen > Taboriten, waren, welche den Gottesdienst nackt feierten. Ihr erster Spiritual, Pierre David, vertrat dabei die Ansicht, dass man die Sünde durch die Sünde töten müsse, um zur Unschuld von Adam und Eva zurückzukehren, die vor ihrem Fall keine Scham gekannt hatten. Als ganz tugendhaft galten jene, die völlig nackt im Chor und im Garten erschienen. Sie wurden daran gewöhnt, sich zu betasten und jede Art unnatürlicher Sünden, wie sie das Heidentum gekannt hatte, zu üben.
Als David 1628 starb, nahm Mathurin Picard die Ombudsstelle über das Kloster ein, der Davids Vorstellungen teilte und das Zelebrieren der Sexualität zum zentralen Thema der Nonne in ihrer Hingabe an Gott machte. B. wurde als die Schönste unter den Nonnen zur Königin dieses unorthodoxen Hexenzirkels auserkoren und „Astarot“ genannt. Die Zeremonien erreichten ihren Höhepunkt, wenn B. nackt auf den Altar gelegt wurde und Picard dann eine Messe auf ihrem Leib las, ehe er sich mit ihr – wie sie selbst sagte – gegen ihren Willen vereinigte.
Nach dem Tod Picards 1642 nahm Thomas Boullé seinen Platz ein und baute die Aktivitäten des Hexenzirkels in ähnlicher Weise weiter aus. Als die Vorgänge noch im selben Jahr bekannt wurden, gaben 14 Nonnen bei den Verhören an, unter Besessenheitssymptomen zu leiden, um der Bestrafung zu entgehen. B., die als Anführerin galt, gestand, eine Hexe zu sein, und wurde zu lebenslanger Kerkerhaft in einem Kloster verurteilt, wo sie 1647 starb. Boullé wurde zum Tod verurteilt und am 21. August 1647 bei lebendigem Leib verbrannt.

Lit.: Histoire de Madeleine Bavent, religieuse du monastere de Saint-Louis de Louviers. Reimpr. textuelle sur l’ed. ... de 1652, precedee d’une notice bio-bibliographique ... (ornee de deux eaux-fortes.) Rouen: J. Lemonnyer, 1878; Bekenntnisse der Magdelaine Bavent: Geschichte der Magdelaine Bavent, Nonne im Kloster Saint-Louis in Louviers, mit ihrer allgemeinen und testamentarischen Beichte ..., zusammen mit den Urteilen gegen Mathurin Picard, Thomas Boullé und die genannte Bavent, die allesamt des Verbrechens der Magie überführt wurden / Die biograph. Einl. J. Lemonnyers wurde durch e. erw. Fassung d. Hrsg. v. 1979 ersetzt. Übers. aus dem Franz. von Dieter Walter. Berlin: Zerling, 1980.

Ba-xian (chin. Pa-hsien, die „Acht Unsterblichen“): Nach dem chinesischen Volksglauben gibt es Männer und Frauen, die aufgrund eines besonderen Lebenswandels, entrückt von den anderen Menschen, ein glückliches und ewiges Leben führen dürfen. Sie gehören den > Xian, den Acht Unsterblichen an, die teils historische Persönlichkeiten, teils mythischen Ursprungs sind. Ein jeder von ihnen soll eine bestimmte Lebensform verkörpern: Jugend, Alter, Armut, Reichtum, Adel, Volk, Weibliches, Männliches. Ihre Namen sind: Cao Guo-jiu, Han Xiang-zi, He Xian-gu, Lan Cai-he, Li Die-guai, Lü Dong-bin, Zhang Guo-lao, Zhong-li Quan.
Die ersten Beschreibungen von ihnen stammen aus der Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.).

Lit.: Münke, Wolfgang: Die klassische chinesische Mythologie. Stuttgart: Klett, 1976; Fischer-Schreiber, I.: Pa-hsien. In: Lexikon der östlichen Weisheitslehren: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Zen. Düsseldorf: Albatros, 2005.

Baxter, Richard, *12.11.1615 Rowton/Shropshire, †8.12.1691 London; presbyterianischer Prediger und Schriftsteller, der zu seiner Zeit in England hohes Ansehen genoss; veröffentliche eine Reihe religiös erbaulicher Schriften, die auch für Andersdenkende Verständnis zeigten. Diese Richtung in der englischen Literatur, die damals von der strengen calvinistischen Orthodoxie gekennzeichnet war, wird auch als „Baxterianimus“bezeichnet. Besonderes Aufsehen erregte sein Buch The Certainty of the World of Spirits (1691), dt.: Die Gewißheit der Geister (1731), in dem er  in Anlehnung an den > Hexenhammer und Schriften der > Hexenrichter den > Hexenglauben rechtfertiget. Das Buch enthält auch viele Berichte über Spukfälle.

W.: The Certainty of the World of Spirits: Fully Evinced by the Unquestionable Histories of Apparitions, Operations, Witchcraft, Voices, etc. Proving the Immortality of Souls, the Malice and Misery of the Devils and the Damned, and the Blessedness of the Justified / Written for the conviction of sadduces & infidels, by Richard Baxter. London: Parkhurst, 1691; Die Gewißheit der Geister: gründlich dargethan durch unlaugbare Historien von Erscheinungen, Würckungen, Zaubereyen, Stimmen, ecc.; Zum Beweiß der Unsterblichkeit der Seele, der Boßheit und Elends der Teufel und Verdammten und der Seeligkeit der Gerechten; Zur Uberzeugung der Sadducäer und Unglaubigen. Ehemals in Englischer Sprache geschrieben / von dem fürtreflichen Richard Baxter, nunmehro aber ins Teutsche übersetzt. Nürnberg: P. C. Monaht, 1730.
Lit.: Orme, William: The Practical Works of Richard Baxter: With a Life of the Author and a Critical Examination of his Writings. London: J. Duncan, 1830.

Bayemon, nach dem Papst > Honorius III. zugeschriebenen > Grimoire ein mächtiger > Dämon, der über die westlichen Regionen der Hölle herrscht. An ihn wird folgende Anrufung gerichtet: „O König Bayemon, du Mächtigster, der du über den Westteil regierst, ich schreie nach dir und rufe deinen Namen im Namen der Göttlichkeit an. Ich befehle dir im Namen des Allerhöchsten, dich vor diesem Kreis zu zeigen, dir und den anderen Geister, die deine Untergebenen sind, im Namen von Passiel und Rosus, damit du alles erfüllst, was ich von dir verlange. Wenn du nicht kommst, will ich dich mit dem Schwerte des himmlischen Feuers quälen. Ich will deine Qualen vermehren und dich verbrennen. Gehorche, O König Bayemon.“
Von katholischen Autoren wird dieses Grimoire, das besonders bei den Magiern des 17. Jhs. populär war, allerdings als Fälschung bezeichnet.

Lit.: Grimoire du Pape Honorius Avec un recueil des plus rares secrets. Rome, 1670.

Bayless, Raymond (1920–), amerikanischer Parapsychologe, Mitglied der S.P.R. und der A.S.P.R., führte zunächst Experimente mit dem physikalischen Medium Attila von > Szalay durch, dem er erstmals 1948 begegnete. 1956 begann er mit Szalay Experimente mit dem > Stimmenphänomen, denen ein mehrmaliges Auftreten spontaner schriller Pfiffe vorausging. Eine kurze Übersicht dieser Tests veröffentlichte er 1959. Als sich auch D. Scott > Rogo für das Thema interessierte, begannen die beiden, sämtliche verfügbaren Informationen zusammenzufassen und auszuwerten. In ihrem Buch Phone Calls from the Dead (Telefonanrufe von den Toten) legten sie ihre Ergebnisse vor. Später befasste sich B. mehr mit nicht hörbaren Geräuschen auf dem Tonband, da sie leichter wiederholbar seien
als die Stimmen. B. sagt, dass er zahlreiche paranormale Phänomene beobachtet habe, wie > außerkörperliche Erfahrungen und > Erscheinungen. Dabei galt sein besonderes Interesse der Frage des > Fortlebens. Er scheint zudem der Erste gewesen zu sein, der auf das elektronische Stimmenphänomen aufmerksam wurde.

W.: Correspondence. In: JASPR 53 (1959), 35; The Enigma of the Poltergeist. West Nyack, N.Y.: Parker Pub. Co., 1967; Animal Ghosts. With a foreword by Robert Crookall. New York University Books, 1970; Voices from Beyond / foreword by D. Scott Rogo. Secaucus, N.J.: University Books, 1976.
Lit.: Rogo, D. Scott/Bayless, Raymond: Phone Calls from the Dead. Englewood Cliffs, N.J.: Prentice-Hall, 1979; The Case for Life After Death: Parapsychologists Look at the Evidence / Elizabeth E. McAdams and Raymond Bayless. Chicago: Nelson-Hall, 1981.

Bays, Margarete, geb. am 8. September 1815 in Siviriez bei Freiburg/Schweiz, gest. am 27. Juni 1879 ebd.; Dienstmagd, Selige. Sie arbeitete als gelernte Schneiderin ihr Leben lang als Hausgehilfin in ihrem Elternhaus, wobei sie auch bei anderen Familien aushalf. Äußerlich war B. eine einfache Magd, im Innern lebte sie aber in einer tiefen Verbundenheit mit Gott. 1953 wurde sie einer Darmoperation unterzogen wegen eines Tumors, den die Ärzte nicht stoppen konnten. B. wandte sich an die Selige Jungfrau, sie möge die Schmerzen doch durch andere ersetzen, die sie direkter mit dem Leiden Christi verbinden würden. Am 8. Dezember 1854 wurde sie in dem Augenblick erhört, in dem Pius IX. in Rom das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündete. Von da an litt B. unter einer „mysteriösen Krankheit“, die sie jeden Freitag und die ganze Karwoche hindurch unbeweglich in > Ekstase versetzte, während sie im Geiste und im Körper die Leiden Jesu auf dem Kalvarienberg durchlebte. Gleichzeitig stellten sich an ihrem Körper die fünf > Stigmen der Kreuzigung ein. Von den Ärzten und vom Bischof wurden Ekstase und Stigmen bestätigt. Die plötzliche Heilung vom Krebs, die den Ekstasen und Stigmen vorausging, bedeutete einen entscheidenden Einschnitt in ihrem Leben. Sie konzentrierte sich von da an ganz auf das Leiden Christi. In den letzten Jahren ihres Lebens verstärkten sich die Schmerzen, doch ertrug sie alles gottergeben. Ihre Beerdigung am 30. Juni 1979 wurde zu einem Triumphzug. Heute ruhen ihre sterblichen Überreste in der Josefskapelle in der Kirche von Siviriez, Schweiz. Am 29. Oktober 1995 wurde Margarete Bays von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Lit.: Loup, Robert: Margrit Bays, die stigmatisierte Näherin, 1815–1879. [Berecht. Übertr. ins Dt. v. Otto Iserland]. Freiburg/Schweiz: Paulusverl., 1955; Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 1991–1995. Innsbruck: Resch, 2007.



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