Azoth

Azoth auch Azot, Azoch, Azoc, Azok (arab.: al-zauq, Quecksilber), alchemistische Bezeichnung für verschiedene Stoffe, insbesondere für Quecksilber, das als Urstoff, mercurius philosophorum, materia prima galt, da es seit alters her als lebensspendend für Leib und Geist betrachtet wurde.
Bei > Paracelsus ist das Wort zusammengesetzt aus: A, dem lateinischen Z, dem griechischen Omega und dem hebräischen Tau in der Bedeutung: Alles in einem von Anfang bis Ende, was im Einzelnen folgende Bedeutungen annimmt: 1) Mercurium metallicum; 2) Mercurium philosophorum duplicatum; 3) höchstes Remedium, das aus Mercurio, Gold und Silber besteht; 4) Mercurium fixum; 5) höchste Medizin des Paracelsus. Einer alten Überlieferung zufolge soll es sich um ein weißes Pulver gehandelt haben, dem eine solche Wirkung zugesprochen wurde, dass es Paracelsus in seiner Schwertknaufkugel mit dem Wort A. stets bei sich trug. Dies soll angeblich auch der Grund dafür gewesen sein, dass er sich selbst nachts nicht von seinem Schwert trennen wollte. Wegen dieser Besonderheit war A. auch eine Bezeichnung für den > lapis philosophorum, den „Stein der Weisen“.
A. kommt als besonderer Geist schon bei der koptischen Philosophin Maria der Jüdin vor, wie bei Olympiodor im 6. Jh. zu lesen ist.
Von A. leitet sich seit Antoine L. de Lavoisier (1743–1794) die Bezeichnung für Stickstoff, azote, ab, die wohl auf arab. al-zauq zurückgeht.

Lit.: Kieserus, Franciscus: Cabala Chymica, Concordantia Chymica. Azot Philosoph. Solifactum, Drey unterschiedliche/ Nützliche/ und zuvor nie außgegangene Tractätlein/ ohn welcher Hülff niemandt in Ewigkeit Chymiam veram verstehen/ noch das summum Arcanum erlernen wirdt. Mülhausen: Spiess, 1606; Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste / J. S. Ersch; J. G. Gruber. Graz: ADEVA, 1969; Aschner, Bernhard: Paracelsus: Sämtliche Werke; nach der 10-bändigen Huserschen Gesamtausgabe (1589–1591) zum erstenmal in neuzeitliches Deutsch übersetzt / M. Einleit., Biogr., Literaturang. u. erklär. Anmerk. versehen. Fotomechan. Neudr. d. Orig.ausg. 1926–32. Vierter Band. Anger: Anger-Verlag Eick, 1993.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1